Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Wo meine Hand schon überall war

with 21 comments

Mein Diensthandy düdelt.
Das tut es öfters, aber momentan ist es etwas ungelegen. Ich sitze nämlich gerade auf dem Scheißhaus und… okay, ist klar.
„Hallo?“
Mit eben jeder Hand, mit der ich mir gerade den Arsch abgewischt habe, drücke ich auf die Gesprächsannahmetaste.
Die Notaufnahme ist dran, sie haben einen Zugang, okay, ich komme schon.
Spülung drücken, Hose hochziehen, Händewaschen, desinfizieren, Kittel vom Haken nehmen, anziehen und zuknöpfen. Wichtiges Gesicht aufsetzen und runter.
Neunzig Sekunden später befindet sich meine Hand inmitten eines Handschuhes auf dem Grunde einer tiefen Fleischwunde.
Manchmal ist es besser, wenn der Patient nicht weiß, wo diese Hand heute schon überall war.

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Written by medizynicus

6. August 2010 um 06:15

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

21 Antworten

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  1. *g*

    retterweblog.de

    6. August 2010 at 06:31

  2. … Händewaschen, desinfizieren, Kittel vom Haken nehmen, anziehen und zuknöpfen…

    … Toilettentürklinke anfassen, Türklinke Stationstür anfassen, Fahrstuhltaste und Schalter für Automatiktür Notaufnahme drücken.

    Darüber sollte man sich Gedanken machen.

    Während meinem letzten Krankenhausaufenthalt (in der Infektionsabteilung) haben die Reinigungskräfte täglich dieses (erkennbar von mir nicht benutzte, da mobil) klappbare Rollcontainer/Nachttisch-Tablett rausgezerrt und abgewischt, auch die Glasfläche(!) des Wandbildes wurde täglich abgewischt – Türklinke Toiletten- oder gar Zimmertür – Fehlanzeige.

    Matthias

    6. August 2010 at 08:47

  3. Na bei der Überschrift hatte ich aber was Anderes erwartet *gg*

    Nina

    6. August 2010 at 09:00

  4. Eigentlich sollte der Desinfektionsspender außen neben der Toilettentür hängen, ich möchte nämlich nicht wissen wie viele Leute an dem Tag die Toilette schon verlassen haben ohne sich die Hände zu waschen oder gar zu desinfizieren. 😉

    Denis

    6. August 2010 at 09:41

  5. … es hätte auch schlimmer kommen können … das Stück „MonCherie“ verirrte sich tief im Darm des Schwulen …

    …hättest du es gefunden, hättest du es dir verdient … ganz sicher :-))

    DocConsult

    6. August 2010 at 10:24

  6. Habe mal gelesen, dass schlechthin DER Herd für Keime seien die Krawatten der Herren Professoren: Wird überall hin mitgeschleppt, jeder „hustet“ drauf und wird nie gewaschen…

    lorem42

    6. August 2010 at 13:06

  7. Eigentlich müsste das Telefon auch immer wieder mal desinfizieren 😉

    ichbinines

    6. August 2010 at 17:27

  8. Naja, aber selbst ein Arzt mus mal sch****en…. 🙂

    shortend

    6. August 2010 at 18:35

  9. Desinfektionspanik-amerikanische GERM-Hysterie-was soll denn das? Wenn Du ne KM-Transplantation zu behandeln hast, dann wirds glaubwürdig und effektiv. Alles andere ist übertrieben. Ordntliche Wasser u Seife Handhygiene ist genug. Zwangsneurose läßt grüßen!

    Dr.Offenraus

    6. August 2010 at 19:16

  10. „Manchmal ist es besser, wenn der Patient nicht weiß, wo diese Hand heute schon überall war.“

    Na ja, jetzt wissen wir es ja. Du hast uns ALLES verraten.

    Lana31

    6. August 2010 at 20:27

  11. menschen, die als ARZT arbeiten, sind MENSCHEN, die als arzt arbeiten … jeder muss mal kacken, löst sich ja schliesslich nicht irgendwo wieder auf, nur weil du ein abgeschlossenes studium hinter dir hast. und behandschuht bist du ja auch.

    souly

    6. August 2010 at 20:45

  12. ts ts… solch drastische Worte 😀

    anna

    6. August 2010 at 21:38

  13. Och, das Hintern-Abwischen ist doch nicht das Problem: danach stehen Händewaschen, Desinfizieren und Handschuhe anziehen. Nur der – mit UNGEWASCHENEN – Händen angefasste Knopf des Handys macht mir Bauchweh, denn DA holst du dir bei nächster Gelegenheit die Bakterien wieder ab.

    Benedicta

    6. August 2010 at 23:26

  14. Schlimmer ist wenn die Hand vorher an fremden Fäkalien rumhantiert haben. Denn wer meint die Handschuhe die er Tag für Tag benutzt als medizinisches Personal seien immer dicht und gehen nie kaputt, der täuscht sich gewaltig. Und was dann alles so angefasst wird die Kaffeetasse, das Stethoskop, die Blutdruckmanchette, die Blutabnahmeröhrchen usw. . Gott sei Dank gibt es ja Raumpflegerinnen… 🙂 oh nein die benutzen ja die gleichen Handschuhe…

    Dennis Schulz

    6. August 2010 at 23:35

  15. Wie desinfiziert man denn eigentlich Handys? Da gibt es einige die nicht Flüssigkeitsfest sind und die meisten haben doch recht unebene Oberflächen …
    Was mir in der Apotheke Sorgen macht sind die Computertastaturen. Da sammelt sich auch so einiges an – und das richtig zu reinigen ist mühsam bis unmöglich.

    Pharmama

    7. August 2010 at 07:53

  16. … sehr aufschlussreich ;-).

    Lebensumbau

    7. August 2010 at 09:23

  17. Wie kann ich meine Homepage kostenlos bekannt machen ?…

    Ich fand deinen Beitrag sehr interessant Danke :)…

    liplop

    7. August 2010 at 20:37

  18. Solange man nicht betroffen ist, klingt das noch sehr lustig, aber leider hat ich mal einen Vorfall in der Familie, die sich aufgrund von mangelnder Reinlichkeit angesteckt hatte und was war passiert… angesteckt durch Bakterien und alles… Details möchte ich nicht nennen, aber war echt scheiße!

    Daniel - Suchtkrankheit

    9. August 2010 at 11:15

  19. @Pharmama
    Ich hab noch kein Handy, keine Tastatur oder sonst irgendeinen Gebrauchsgegenstand gehabt, der wirklich so empfindlich gewesen wäre, dass er von gebräuchlichen desinfizierenden Lösungsmitteln wie Ethanol (als vergällter Spiritus), 2-Propanol (z.B. als Alcopad mit 30% Wasser) oder 1-Propanol (u.a. in Meliseptol-Spray) angegriffen worden wäre. Lediglich auf aufgedruckten Buchstaben sollte man damit nicht zu stark herumrubbeln, aber bloßes Aufsprühen macht nichts. Da dringt auch nicht nennenswert Flüssigkeit ein und wenn doch reicht es, sie vollständig verdunsten zu lassen, bevor man das Teil wieder in Betrieb nimmt.
    Computertastaturen kann man sogar hin und wieder auseinander nehmen, die Tasten von hinten rausdrücken und in der Waschmaschine in einem Kissenbezug mitwaschen, die übrigen Plastikteile in der Spülmaschine. Nur die Leitfolien und den Controller sollte man nicht beigeben.

    Knaller

    10. August 2010 at 02:09

  20. bei uns gabs wohl auch schonmal E. coli Nachweis auf der Tastatur des Arzt-PCs… den Schritt „Hände desinfizieren“ lassen einige Kollegen wohl ab und zu mal weg…*kopfschüttel*

    Avialle

    15. August 2010 at 10:27

  21. Zum Thema Handschuhe und Dichtigkeit.

    Ich hatte mal einen schönen Fall…
    Pat. sollte ausgeräumt werden, dafür muss natürlich der Pflegeschüler herhalten -.- .
    Man machts ja natürlich, ist ja auch für den Pat gut.

    Also Handschuh an und rein damit.
    Es ist ein wirklich beschissenes Gefühl wenn man die Handschuhe auszieht und ein Finger immernoch braun ist :\

    Ich hab mir noch nie im Leben so lange die Hände gewaschen wie damals…

    Tobi

    6. November 2010 at 23:21


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