Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Geheimprotokoll

with 11 comments

Neulich in einem geheimen Konferenzraum, irgendo in den Katakomben des Gesundheitsministeriums.
Ein paar Gestalten in dunklen Anzügen nehmen am Konferenztisch Platz.
Alle Augen richten sich erwartungsvoll auf die Person am Kopfende. Dieser räuspert sich und beginnt.
„Meine Damen und Herren, Sie wissen, warum wir hier zusammen gekommen sind?“
Die Damen und Herren nicken.
„…es geht um die Zukunft der gesundheitlichen Versorgung in diesem Land, um nicht mehr und nicht weniger. Ich darf nun um Wortmeldungen bitten!“
Ein dünner Mann mit Brille hebt seinen Arm.
„Wir müssen an die Key-Player denken. Das sind natürlich die Ärzte.“
„Richtig. Und was fällt Ihnen dazu ein?“
„Es gibt viel zu viele davon. Nirgendwo sonst auf der Welt ist die Dichte der Ärzte so hoch wie bei uns. Und es werden immer mehr. Außerdem werden sie immer unverschämter. Wir müssen ihre Anzahl auf ein vernünftiges Maß herabsetzen.“
„Guter Ansatz. Haben Sie schon Vorschläge zur Implementierung dieses Vorhabens?“
„Der Beruf muss einfach noch viel zu attraktiv. Es ist unverständlich, weshalb sich immer noch so viele junge Menschen für ein Medizinstudium entscheiden…“
„Wir brauchen Zulassungsbeschränkungen!“ ruft einer aus der Runde.
„Studiengebühren!“ wirft ein anderer ein.
„Gehälter kürzen!“
„Richtig, richtig, alles gute Ideen. Aber so völlig überzeugend….“
„…wird es erst, wenn wir die Hürden höher schrauben!“ meldet sich eine Gestalt aus dem hinteren Winkel des Raums.
„Wie meinen Sie das?“
„Ich schlage vor, wir gründen eine Arbeitsgruppe und vertagen uns!“
„Gut so. In diesem Sinne…“
…darf man auf die Fortsetzung hoffen.
Oder lieber doch nicht…?

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Written by medizynicus

9. August 2010 um 06:09

11 Antworten

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  1. Beim nächsten Mal ergreift der Leihbischof Schmatzinger, genannt die Ratte das Wort. “Ich hatte es Euch immer wieder gesagt, es war ein Fehler diese vielen ,vielen komplizierten medizinischen Techniken und Untersuchungsmethoden vor das gemeine gottlose Volk zu werfen. Für jedes Schmerzlein, das der Herr gesandt, habt Ihr eine Maschine gebaut und einen Facharzt dafür ausgebildet. Wo wir die Schafe früher mit einem kurzen Bellen im Beichtstuhl auf Linie hatten, schickt ihr sie heute durch euren medizinischen Irrgarten. Jetzt habt ihr zwar die höchste Ärztedichte aber immer noch zu wenige dieser Ketzer für alle Wünsche der Gottlosen. Hättet Ihr es bei der alten Ordnung belassen, wir hätten ein billiges System für die Toren und ein feines für die Herren. Euer einziger Weg ist es nun, den heiligen St.Bürokratius anzurufen, auf das er die Ärzte so vergraule, dass noch mehr davon in die Diaspora weichen. Wenn den Schafen dann kein Arzt mehr beisteht, dann werden wir unsere Kirchen wieder öffnen und Halleluja alles wird gut.”

    Dr.Offenraus

    9. August 2010 at 07:22

  2. seit wann hält Medizynikus Geschichtsstunden ab? Das Treffen war doch schon in den 70er Jahren! Oder war das der letzte Zwischenbericht der Arbeitsgruppe, die sich ständig vertagt?

    der Landarsch

    9. August 2010 at 08:07

  3. Mit der Arztzahl ist es wie mit den Ärztehonoraren: es gibt weder zuwenig von Ersteren noch zuviel von Letzterem, lediglich die Verteilung stimmt nicht. Und wer ist dafür zuständig? Richtig: die gemeinsame Selbstverwaltung.

    Wolf

    9. August 2010 at 11:34

  4. @Wolf: Ich darf Dich daran erinnern, dass die „Selbstverwaltung“ der Ärzte keine ist. Die könnten zwar theoretisch machen, was ihre Mitglieder wollen, praktisch würden dann aber unbeliebte Entscheidungen von weiter oben per Exekutivanordnung durchgedrückt. Deswegen ja auch KV laut Wikipedia: „parastaatliches Exekutivorgan“. :-/

    lupo

    9. August 2010 at 18:36

  5. Wikipedia oder Gesetzbuch? Ich nehme da dann doch das Gesetzbuch. Die Behauptung, dass KVen keine ärztliche Selbstverwaltung seien, höre ich öfter. Einen seriösen Beleg habe ich noch nie gesehen. Ich bleibe gespannt und schaue weiter fasziniert zu, wie die Ärzte als erste Monopolgruppe ihr eigenes Monopol zerlegen. (Kann natürlich den Ärzten im Anstellungsverhältnis egal sein, ist mir bekannt, geht nur um die „Unternehmerärzte“.)

    Wolf

    9. August 2010 at 20:34

  6. Da kommt mir eine ganz bestimmte Werbung in den Sinn.
    „Machen wir das mit den Fähnchen!“

    Marcus

    Marcus

    10. August 2010 at 06:44

  7. @ wolf, träum weiter in Deiner heilen juristischen Welt. Wenn der KV und den Ärzten gesagt wird „jetzt zaubert“, dann haben sie zu zaubern, ansonsten ist es ihr Fehler!

    Wenn Du mal (was hoffentlich noch lange nicht der Fall ist) einen Arzt brauchst und keinen bekommst (weil die Realität anders ausschaut), dann wirst du dich mit Deiner Krankheit sicher vertrauensvoll an einen Juristen wenden! Der wird Dich dann nach § 27 und § 28 SGB V behandeln.

    der Landarsch

    10. August 2010 at 10:21

  8. Wenn der KV und den Ärzten gesagt wird „jetzt zaubert“, dann haben sie zu zaubern, ansonsten ist es ihr Fehler!

    Und wenn sie nicht zaubern, dann passiert was genau?

    tibia

    10. August 2010 at 12:34

  9. Dann heißt’s wieder in der gesamten Presse: „Die Ärzte sind Schuld, die Ärzte haben’s vergeigt“. Und dann werden die Vorschriften im SGB V noch enger gefasst und die Ärzte verpflichtet noch mehr zu zaubern. und dann erneut: „da capo“ (wieder von vorne)!

    Dumm ist nur, dass sich trotzdem nix bewegt, die Patienten und die Beitragszahler in die Röhre schauen und ganz Deutschland noch mehr davopn überzeugt ist, dass die Ärzte nur faul und geldgierig sind, dass man ihnen nicht trauen darf, dass man sich am besten im Internet belesen soll und alles glauben kann was einem die Werbung (leider nicht Arzneimittelwerbung sondern Scharlatan-Werbung) alles verspricht.

    Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr! Aufwachen !!!!

    der Landarsch

    10. August 2010 at 16:22

  10. @Wolf: Ähm, also z.B. die §§75 und 77 SGB V hören sich für Dich nach einer echten Selbstverwaltung der Ärzte an? Für mich liest sich das eher wie eine ausgelagerte Verwaltung mit Durchsetzungspflicht des gesetzgeberischen Willens.

    lupo

    10. August 2010 at 20:56

  11. @lupo: Einfach mal in § 80 lesen wer das Sagen hat, ganz allein, keine Mitwahl von Patientinnen und Patienten, Politiker müssen draußen bleiben, Ärzte machen das ganz alleine und haben dann gefälligst auch die Verantwortung zu tragen. Der Sicherstellungsauftrag ist übrigens die Begründung für das Monopol (gewesen). Kein Preis ohne Fleiß ist das Motto.

    @landarsch: wenn sich Ärztinnen und Ärzte an §12 SGB V halten würden hätten wir finanzielle Reserven in erheblichem Umfang. Die Leistungserbringer sind gleichzeitig Torwächter. Aber sie langen halt lieber mit beiden Händen in den Honigtopf statt ihn z.B. gegen Schlechtleister zu verteidigen.

    @tibia: Das Jammern und Drohen müssen Patientinnen und Patienten ertragen. Man kann es machen wie mittlerweile fast alle Politiker: ignorieren. Sie haben es eben übertrieben. Rösler wird es auch noch lernen auf wen er am besten überhaupt nicht hört.

    Wolf

    12. August 2010 at 09:06


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