Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Wie die Sache mit Frau Welfenstein wirklich war…

with 3 comments

Okay, Hausärzte sind Helden. Manche. Nicht alle. Manche mehr, manche weniger. Die meisten tun halt ihren Job, und das ist auch gut so. Mache ich ja auch nicht anders…
Also, die Sache mit Frau Welfenstein war nämlich in Wirklichkeit ganz anders:
Frau Welfenstein ruft in der Praxis an:
„Herr Doktor, kommensema, mir gehts nicht so gut!“
„Muss es sofort sein? Ich bin grad mitten in der Sprechstunde…“
„Mir geht’s nicht so gut…“
„Soll ich einen Krankenwagen rufen?“
„Nein, Herr Doktor, können Sie nicht kommen?“
Okay, der Herr Doktor ist also gekommen. Küche war voller Rauch, Patientin völlig benommen, aber ansprechbar. Hausarzt reißt das Fenster auf, misst Blutdruck und Zucker, Glucose bei fünfzig oder so.
Hausarzt spritzt Glucose.
„Ich hol‘ aber doch mal lieber einen Krankenwagen…“
„Nee, nicht nötig, Herr Doktor!“
Doktor läßt die Patientin allein, ruft dann aber von der Praxis aus die Leitstelle an und bittet um RTW ohne Notarzt.
Im RTW dann Glucose von 30, Patientin kollabiert erneut… Notarzt nachgefordert… und mit Blaulicht ins Krankenhaus.
Es ist halt nicht immer alles schwarz oder weiß….

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Written by medizynicus

22. August 2010 um 06:45

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

3 Antworten

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  1. ich weiss nicht, worauf du hinaus willst, aber ich als „laie“ würde sagen, er hat völlig richtig gehandelt… die entscheidung, in der sprechstunde alles liegen zu lassen war ja wohl mehr als richtig.. dass er nicht versucht hat, sie noch zu hause doch zu überzeugen, sich ins krankenhaus bringen zu lassen, find ich schade, aber wir kennen frau welfenstein ja nicht. (ich zumindest.) die entscheidung, von der praxis aus einen rtw ohne not hinzuschicken war auch gut und letztendlich wohl auch richtig.. auch wenn frau welfenstein vielleicht nicht begeistert davon war. denke, dass das vertrauen zu ihrem hausarzt dennoch nicht erschüttert ist, da er ja offenbar keine weile zu spät dran war, und vielleicht wird die gute frau auch das irgendwann erkennen. 🙂

    souly

    22. August 2010 at 11:07

  2. @Souly: War nicht böse gemeint… ich wollte nur das Bild des zugegebenermassen etwas überzeichneten Kaiser Wilhelm etwas zurechtrücken… der Hausarzt hat schon völlig richtig gehandelt! Aus einem vollen Wartezimmer heraus zu kommen ist schon eine Menge wert und nicht selbstverständlich.
    Kritisch an der Geschichte war die Tatsache, dass die Patientin sich nicht davon hat überzeugen lassen, gleich den Krankenwagen zu holen und darauf bestanden hat, dass der Hausarzt rauskam – obwohl der 1.) die Lage richtig eingeschätzt hat und 2.) besseres zu tun hatte und 3.) auf diese Weise wertvolle Zeit verloren ging.

    medizynicus

    22. August 2010 at 22:01

  3. Ich finde er hätte gleich zu Anfang den Notarzt schicken sollen. Der hätte sie mit dem gleichen Resultat behandelt und die prallvolle Sprechstunde wäre nicht auf ein Riff gelaufen. Das sieht immer niemand, der diese Geschichten hier liest. Die Sprechstunde ist üblicherweise PRALL gefüllt. Der Hausbesuch kostet MINIMUM 40 Minuten! Wenn jemand schon 30 Minuten warten musste und jetzt nochmal 40 Min warten muss, dann ist Stunk im Wartezimmer! Bei 15 Patienten die noch drankommen wollen sind das 15 Mal Stunk! Ich würde sagen es war eine Fehlentscheidung ( im Nachhinein jedenfalls).

    Kreativarzt

    29. August 2010 at 18:46


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