Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Neues vom Stellenmarkt

with 5 comments

Neulich in der Personalabteilung eines kleinen Krankenhauses.
Im Ledersessel hinter dem Schreibtisch sitzt Herr Papenbrink, unser Personalchef. Auf dem kleinen Stühlchen davor ein junger Mann im dunklen Anzug.
Herr Papenbrink klatscht begeistert in die Hände.
„Das ist aber schön, dass Sie in unserem Haus als Assistenzarzt anfangen möchten! Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten? einen Kaffee vielleicht? Kleinen Cognak dazu? Oder haben Sie Hunger? Frau Schuster macht Ihnen ein paar Brote, Sie kann Ihnen natürlich auch ein paar Snacks aus der Kantine bringen? Ach, wissen Sie was, Sie sind heute Abend eingeladen ins Sterne-Restaurant! Hier ist übrigens Ihr Arbeitsvertrag! Was? Zeugnisse? brauchen wir nicht! Unterschreiben Sie einfach da unten auf der gepunkteten Linie!“
„…“
Herr Papenbrink starrt den jungen Mann ungläubig an.
„Was heißt, Sie möchten sich das erst einmal überlegen?“
„….!“
„Wie bitte?“
„………, ……..? ………! …..!!!“
„Also, das ist doch….“
„…………………………………………………………..“
„Teilzeit? Also….“
„……“
„Sie haben Kinder, sagen Sie? Aber darum kümmert sich doch hoffentlich Ihre Frau?“
„….“
„Ihre Frau ist auch berufstätig? Also, einer muss schließlich Abstriche machen!“
„…“
„Nein, das geht wirklich nicht. Auf keinen Fall, auf gar keinen Fall. Wir brauchen jemanden, der voll anpackt, dass müssen sie doch verstehen, oder? Wir brauchen halt wen für die Dienste, auch am Wochenende und an Feiertagen, der Laden muss schließlich laufen, und da können wir uns nicht um Ihre Kinder kümmern, das geht wirklich nicht, also wenn Sie dann bitte das Haus verlassen möchten? Aber bitte durch den Hintereingang! Frau Schuster, Kaffee ist nicht mehr nötig!“

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Written by medizynicus

12. September 2010 um 06:27

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

5 Antworten

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  1. Man sucht heutzutage in vielen Branchen keine Angestellten mehr sondern Leibeigene die möglichst kein Privatleben haben oder gar eigene Ideen wie man Freizeit gestalten könnte.

    Blogolade

    12. September 2010 at 06:52

  2. Und andererseits gibt es genügend Angestellte, die von ihrem Job gelangweilt genau diese Unlust dann an den Kunden auslassen. So wie die Telekom viele Kunden behandelt fühlen sich in mancher Klinik die Patienten behandelt. Spannender als die Jammerei ist die Frage: woran liegt es? Was können wir tun? Was müssen wir tun? Denn, dass wir selbst schuld sind, das steht doch außer Frage.

    Wolf

    12. September 2010 at 10:52

  3. So ist das aber leider nicht nur im Gesundheitswesen. Der Einzelhandel kann davon auch ein, zwei Lieder singen. -.-

    Kat

    12. September 2010 at 14:59

  4. Ist das wirklich so, dass der Assistent in Spe keine Chance hat die Rahmenbedingungen seiner Arbeit nach seinen Wünschen zu formen?
    Ich habe aus dem hypertrophen Stellenmarkt im Ärzteblatt den Eindruck gewonnen,dass sich die Tische gedreht haben. Die Geschäftsführer der Kliniken müssen um jeden Kämpfen,auch um den der eine Teilzeitstelle ohne Dienste will? Das ist ein Markt. Und die Ärzte sind Mangelwahre,also steigt ihr Wert-Oder ist das noch nicht im Alltag angekommen?

    Kreativarzt

    12. September 2010 at 22:58

  5. Ja das Ärzteblatt,erweckt den Eindruck, aber die Realität sieht doch anders aus.
    Das Gesicht des Chefs kann Ich mir zu gut vorstellen. Mein Mann bekommt auch regelmäßig geschockte Gesichter zu sehen, wenn er pünktlich = 1-2 Stunden nach Feierabend geht, weil er Kinder hüten „muss“.
    Auch hier immer die Frage: Ja und was ist mit ihrer Frau?!?!?!?

    Auf irgendeiner Feier habe Ich seinen Chef übrigens mal ziemlich geschockt.
    Ich hatte gerade meine feste Stelle angetreten und er meinte jovial. Na dann kann ja das nächste Kind kommen. Und ich konnte mir ein „Sie bringen mich aber auf gute Ideen, aber dann müsste ja eigentlich mein Mann in Elternzeit, ich habe ja nur einen Halbtagsjob mit Vollzeitbezahlung nicht verkneifen“ Das Gesicht war einmalig.

    aupairfamilienrw

    14. September 2010 at 21:49


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