Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Amoklauf im Krankenhaus

with 9 comments

Zunächst mal: Mein tiefstes Mitleid mit den Verletzten und den Angehörigen der Toten von Lörrach.
…und dann fragt man sich natürlich unwillkürlich, wie man selbst wohl in so einer Situation reagieren würde. Und ich sage gleich: Ich bin kein Held. Ich würde wegrennen. Ducken und rennen so schnell mich meine Beine tragen. Vielleicht auch noch laut brüllen, andere Leute packen und um die Ecke schieben und Türen hinter mir verrammeln. Aber eines würde ich ganz gewiss nicht tun: mich unbewaffnet und ohne Schutz so einer wahnsinnigen Person entgegenstellen.
Zum Glück ist so eine Situation extrem selten. Was hingegen immer wieder mal vorkommt ist, dass ein Patient oder ein Angehöriger oder sonst irgendwer ausrastet und mit Fäusten oder Gegenständen um sich schlägt. Auch Messer sind in der Ambulanz schon gesichtet worden und ich kenne mindestens einen Kollegen, der nach einem solchen Angriff selbst ein paar Tage stationär gelegen hat. Und das vertrackte an der Sache war: Dem Angriff hätte er aus dem Wege gehen können. Er hätte den Patienten gefahrlos rausschmeissen können. Hat er aber nicht getan. Er war ja Arzt. Er wollte ja helfen.

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Written by medizynicus

20. September 2010 um 05:45

9 Antworten

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  1. Scheiß Geschichte in Lörrach!

    Wo Waffen im Spiel sind, sollte man IMMER nachgeben und laufen. Was nützt es, als Held gefeiert zu werden wenn man tot ist. Märtyrertum ist zwar nobel aber irgendwie auch out.

    Das Entgegenstellen überlässt man lieber den Profis.

    Blogolade

    20. September 2010 at 07:16

  2. Ich mache Kampfsport. Uns wurde gesagt, dass man bei Messerangriffen wenn irgend möglich das Weite suchen und ggf. den Forderungen des Angreifers nachkommen sollte, denn die Wahrscheinlichkeit, unverletzt aus so einem Kampf zu gehen ist nahe null.

    NK

    20. September 2010 at 11:46

  3. Die Frage ist: Was macht man, wenn man weiss, ein Patient ist „trouble in waiting“? Wenn man Herrn X. da in der Ambulanz sitzen sieht, von dem man genau weiss, was der schon alles angestellt hat, aber er blutet ganz offenbar aus der Schnittwunde, die er sich zugegezogen hat als er seinem Gegenüber die Bierflasche über den Kopf gezogen hat? Oder noch schlimmer: Was macht man, wenn man zu einem NAW-Einsatz an eine Adresse gerufen wird, wo eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass einen dort eine unliebsame Überraschung erwartet? Oder – noch schlimmer – im hausärztlichen Notdienst, wo man unter Umständen völlig allein ist und nicht bei jeder Hausbesuchsanforderung in die örtliche Bronx um Polizeibegleitung bitten kann???

    medizynicus

    20. September 2010 at 12:09

  4. Was denkst Du über die Täterin? Was fühlst Du für diesen Menschen?

    Barbara

    20. September 2010 at 13:57

  5. Es wurden ja erst vor kurzem zwei Rettungsassistenten in die Falle gelockt:

    http://rettungsschnepfe.over-blog.de/article-ohne-worte-oder-unglaublich-56788397.html

    :/

    Hermione

    20. September 2010 at 15:02

  6. Mich wunderts, dass Sie schreiben, ‚Er wollte ja helfen‘.
    ‚Musste‘ er denn nicht? Ich erinnere mich an Einträge in Richtung, ein Arzt ‚muss‘ jeden behandeln?
    Nun ja, – nach wie vor, echt blöde Geschichte in Lörrach…

    schneckenhaeuschen

    20. September 2010 at 17:40

  7. Habe auf meinem Blog auch mal was zur Thematik geschrieben, allerdings mit anderem Kernaspekt.

    n1Ls

    22. September 2010 at 13:21

  8. also ganz ehrlich, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht, muss keiner helfen, weder ein Arzt noch sonstwer. Feuerwehrmänner rennen ja auch nicht ohne Schutzausrüstung in brennende Häuser.

    Sylvia

    22. September 2010 at 17:20

  9. Gerade sehe ich die interessante Dokumentation auf VOX „Amok – Anatomie des Unfassbaren“. Zur Sprache kommt auch, dass heute für Jugendliche das Internet eine Kommunikationsplattform ist. Angeblich teilen Jungedliche häufig ihre Absicht zum Amoklauf vorher mit.

    Meines Erachtens unterscheiden sich im schrecklichen Ergbnis Amokläufer nicht von Selbstmord-Attentätern.

    Nachdem die Geheimdienste mittels Web-Crawler und Web-Spider das Internet und auch Mails ununterbrochen mitlesen und durchsuchen auf Hinweise zu geplanten Aktionen von Attentätern, frage ich mich, warum diese Dienste nicht schon im Vorfeld entsprechende Warnhinweise an die vor Ort zuständige Polizei weitergeben.

    Wir Steuerzahler bezahlen doch schliesslich diese Dienste. Wird da etwa bei jugendlichen Amokläufern geschlafen?

    realkontrol

    16. Oktober 2010 at 23:25


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