Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Warum sind Ärzte unglücklich?

with 24 comments

Ärzte sind unglücklich.
Nicht alle, aber ziemlich viele: Fast die Hälfte aller deutschen Krankenhausärzte würden den Beruf nicht noch einmal ergreifen. Neunundsechzig Prozent aller Niedergelassenen Ärzte haben schon einmal daran gedacht, auszuwandern. warum?
Die Antwort liegt klar auf der Hand: Zuviel Stress, zuviel Arbeit, zu wenig Geld. Sollte man meinen. Ist das wirklich so?
Oder wird da einfach auf hohem Niveau genörgelt und gejammert?
Die Diskussion ist nicht neu. Und sie wird nicht nur bei uns geführt, sondern interessanterweise auch dort, wo nach Ansicht vieler deutscher Kollegen paradiesische Arbeitsbedingungen herrschen: nämlich in Großbritannien und den USA.
Früher einmal galt: Ärzte nehmen eine lange und anspruchsvolle Ausbildung auf sich, arbeiten hart und haben dafür einen Beruf, in dem sie dann nach eigenem Gutdünken Entscheidungen treffen konnten, dabei hoffentlich stets das Wohl ihrer Patienten im Sinn haben, sich hohen Respekt verdienten und finanziell nicht schlecht gestellt sind.
Das war einmal.
Inzwischen hat sich das Berufsbild gewandelt.
Patienten können sich zunehmend leichter selbst informieren, werden kritischer und anspruchsvoller. Die Presse berichtet lang und breit über echten oder angeblichen Ärztepfusch, immer wieder gelangen neue Skandale an die Öffentlichkeit, die Anzahl juristischer Klagen nimmt zu. Das notwendige Vertrauensverhältnis zerbricht.
Gleichzeitig wird die Handlungsautonomie der Ärzte durch verschiedenste Leitlinien eingeengt. Immer häufiger müssen Ärzte medizinische Entscheidungen gegen wirtschaftliche und juristische Aspekte abwägen. Hierzu aber sind sie nicht ausgebildet.
Erlebt wird das Ganze als Kontrollverlust, Stress und Überforderung.
Und wie geht’s weiter?
Ich bin gespannt.

Lesestoff zum Thema:

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24 Antworten

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  1. … das „Arbeitsleben“ ist kein Wunschkonzert. Und wenn jemand in diesem Zusammenhang von „paradiesischen Zuständen“ redet, dann scheint da der Sinn für die Realität abhanden gekommen zu sein.

    Auch im „Ausland“ wird nur mit Wasser gekocht und auch dort ist längst nicht alles „Friede, Freude, Eierkuchen“.

    Und soooo stressig kann es hierzulande auch nicht zugehen, sonst wären wohl kaum beispielsweise Wochenenddienste in GB bei deutschen Medizinern so beliebt.

    Also lassen wir doch bitte die Kirche im Dorf.

    Das schlimme Ende wird erst noch kommen. Dann, wenn alle Behandlungseinrichtungen privatisiert sind. Private sparen immer zuerst am Personal.

    Richten wir uns auf osteuropäisch klingende sprachen ein.

    DocConsult

    21. September 2010 at 07:10

  2. Arzt im Wandel
    Situation völlig richtig beschrieben: Während (nur)eines Mediziner-Arbeitslebens hat sich die Situation drastisch geändert. Damit sind die derzeit prakizierenden Ärzte unzufrieden (auch in andern Ländern). Das wird so lange andauern, bis eine völlig neue Generation mit völlig neuer Einstellung zur medizinischen Arbeit auf dem Plan ist. Die wird dann wieder zufrieden sein (weil sie ja das bekommt, was sie kennt und angestrebt hat). Soweit ok!

    Die Bedenken der heutigen Ärzte zielen u.a. aber auch dahin, dass auch die heutigen Patienten ein Produkt der heutigen Gesellschaft und der heutigen Versorgung sind. Ergo: Auch die Bürger müssen sich (für die „neue Medizin“ und ihre Ärzte) ändern: mehr eigene Gesndheitsvorsorge, Bereitschaft zu deutlich höheren Gesundheitskosten, geringere Luxusversorgungsansprüche etc.

    Umwälzungen sind schwierig und tun weh („Ja, die gute alte Zeit…“). Unsere immer rücksichtsloser egoistische „Geiz ist geil“-Ära verabschiedet sich zusehens vom Sozialgedanken der Arbeiter-Zusammenschlüsse des Vor-Kaiserreichs, deren staatliche Umsetzung dann in Bismarck’s Sozialgesetze mündete.

    Aber ist es legitim, die alte, allmählich überkommene Sozial-Moral weiter als verpflichtenden Weg vorzuschreiben und Teile der Bevölkerung darauf gesetzlich festzunageln (mit ihrem Eigentum und ihrem „Leben“), wenn große Bevölkerungsgruppen – und allen voran die (Einfluss-)“Reichen“ – schon in ganz andere Wege gehen?

    Wovor die heutigen Ärzte noch viel mehr Angst haben als vor finanzienllen Verlusten und Ertrinken in Bürokratie ist, dass keine oder zu wenige junge Leute sich für unsere Nachfolge interessieren werden. Hier gehts nicht um den Praxisverkauf (der ist bedauerlicherweise fast abgehakt!), hier gehts darum, ob ich mich mit 70 in Rente begeben kann ohne meine Patienten schutzlos zurücklassen zu müssen!

    der Landarsch

    21. September 2010 at 09:26

  3. warum ich frustriert bin?
    Weil man von den Patienten behandelt wird wie der letzte A…! Schließlich „bezahlen“ sie uns dafür, dass wir im 24-h-Dienst nachts um 4 aufstehen, um uns den eingewachsenen Fußnagel anzuschauen! Man wird angepöpelt und beschimpft, Verwandte finden es gut, wenn die delirante Oma einen während der notwendigen Behandlung kratzt und schlägt (nach dem Motto „selber schuld, wenn ihr die Oma zwingt“)usw.
    Gute Bezahlung haben wir, Arbeitszeitgesetz naja – schon besser als früher, Bürokratie stört mich persönlich eher weniger – aber ein bisschen Respekt vor mir und meiner Arbeit, das wäre nett!

    Antje

    21. September 2010 at 11:18

  4. Mein alter Chef hat immer gesagt:
    „Wo anders ist es nicht besser, nur anders!“ Recht hat er!!!

    Ich denke, das größte Potenzial liegt bei den Patienten. Hier ist es wichtig, Selbsthilfe und Verantwortung zu fordern und zu fördern.

    Eine Studie unter uns WB- Assis und Studenten vom letzten Jahr hat ergeben, dass die Nähe zum Studienort bei der Stellenwahl und viel Freizeit wichtiger ist als Geld und WB- Inhalte. Deshalb wird wohl Landarsch vergeblich einen Nachfolger suchen. Wer Interesse hat, kann sich melden, dann maile ich gern die vollständige Studie der Uni Münster.

    Und das man gute und schlechte Tage hat, ist auch klar. Die hat jeder. Aber das schaffen von Papiermüll habe ich mir von meinem griechischen Kollegen sagen lassen, ist nicht nur die Aufgabe des deutschen Gesundheitswesens.

    mausel

    21. September 2010 at 11:26

  5. Reg mich ja selber gern mal auf, aber „unglücklich“? Is doch irgendwie auch Jammern auf hohem Niveau.

    anna

    21. September 2010 at 11:26

  6. Hhier in Spanien steht es schlimm:5 Minuten pro Patient in Allgemein-Medizin.

    Bis vor kurzem ohne Computer, mussten Rezepte mit allen Daten von Hand schreiben.

    Der Arzt in Allgemeinmedizin ist blosser Wegweiser geworden: entweder man hat nichts und er verschreibt ein paar Vitamine, oder man hat etwas, und er schickt Dich zum Spezialisten.

    cantueso

    21. September 2010 at 12:02

  7. Ich bin nicht unglücklich im Beruf. Wenn mir was nicht passt, jammere ich nicht, sondern sehe zu, dass ich „Land gewinne“ und ohne Kollateralschaden durch’s Leben komme. Deshalb habe ich mich auch nicht niedergelassen.

    docangel

    21. September 2010 at 15:07

  8. @Medizynikus Danke für die Links und Diskussion

    @mausel das von dir Beschriebene scheint ja eher in jedem Beruf der neue Trend zu sein, die heutigen Arbeitnehmer lassen nicht mehr alles mit sich machen, die Prioritäten haben sich gewandelt. Im Arztberuf merkt man das tägich, bei der Einstellung zwischen Oberärzten (früher…) und Assistenten.

    Doc Brown

    21. September 2010 at 15:45

  9. Meine Zahnärztin heute Morgen:
    „es ist wirklich zum Kotzen..Entschuldigung, aber ich bin Zahnärztin geworden und was mache ich die meiste Zeit? ich verbringe meine Zeit mit Finanzberatung, weil die Leute sich ihren Zahnersatz nicht leisten können. Ich könnte hier den stecker rausziehen und nach Timbuktu auswandern!“

    Gut, dass sie mir vorher noch meinen Zahnstein entfernt hat 😉

    sweetkoffie

    21. September 2010 at 15:47

  10. Aus Patientensicht: Ich bin gerade in einem Krankenhaus, dessen Ärzte der Kategorie „Maulfaul“ angehören.

    Es ist mein Körper. Und ich will wissen, warum die da rumschnibbeln, warum ich auf der offenen Wunde ne Vakuumpumpe hab, warum ich gefühlte 20 qm Frischhaltefolie auf dem Bauch habe. Ich habe Angst, dass sich das nicht mehr schließt – und ICH bekämpfe Angst mit Information. Was ich kenne, kann ich nicht mehr fürchten.

    Aber die Infos bekomme ich nicht. „Warum hab ich ne Pumpe da?“ „Weils dann besser heilt“.

    Schöne Antwort, trifft aber nicht das, was ich wissen wollte. Ich will wissen *warum* das besser heilt. Dass die mir das nicht so ohne Grund auf den Bauch tackern ist mir schon klar – aber was steckt dahinter?

    Ich mag vielleicht nörgeliger als andere Patienten sein, aber dieses „du Patient, du stillhalten, wenn wir machen“ läuft nicht mehr mit mir.

    Und die Diskussionen mit den Ärzten sind hier bestenfalls unerfreulich.

    Ich *verstehe* durchaus, dass die Docs wenig Zeit haben, ich sehe, dass das Krankenhaus-Personal den ganzen Tag sich die Beine abhetzen, egal wer es ist – von der Reinigungsfrau bis hin zum Arzt: Nur Rennerei, nur Hektik nur Hetze. Aber ich bin ein Mensch, kein Möbelstück. Und auch wenn das für die Ärzte *noch* mehr Arbeit bedeutet: ICH WILL DAS WISSEN. Ich will mich nicht hilfloser fühlen als notwendig. Ich will mich nicht eingeknasteter fühlen als notwendig. Und es ist nicht grad einfach, sowas als Patient durchzusetzen.

    Das System, wie ich es gerade als Patient erlebe, ist einfach Scheiße. Da wird Personal eingespart auf Teufel komm raus, da werden unbezahlte Praktikanten für examinierte Schwestern eingesetzt, Personalkosten gedrückt, dass es nicht mehr schön ist.

    Und da sind Patienten, die eben NICHT einfach klaglos hinnehmen, was geht, die wissen wollen, was gemacht wird und die wirklich Details wissen wollen, einfach störend.

    Mir allerdings inzwischen wumpe – ich kann das System nicht ändern. Aber ich muss auch nicht darunter leiden.

    Tante Jay

    21. September 2010 at 15:51

  11. Um wirklich frustriert zu sein, bin ich ja noch nicht lang genug dabei. Klar gibt´s manchmal Aufreger, aber unglücklich… (noch) nicht.

    Es ist auch gar nicht so das Geld, insbesondere nach der letzten Tarifänderung im Zuge des Streiks finde ich eigentlich nicht, dass man sich da groß beschweren kann… meine Meinung. Wichtiger wäre mir in der Tat ein wenig mehr Freizeit, nicht mehr jedes zweite Wochenende durcharbeiten… sowas. Aber dazu müsste ich in ein größeres Haus und das will ich momentan nicht, also bin ich selber schuld, würde ich sagen.

    Sophie

    21. September 2010 at 20:45

  12. @ Tante Jay
    Wikipedia hilft: http://de.wikipedia.org/wiki/Vakuumtherapie

    Antje

    21. September 2010 at 21:02

  13. Nee, liebe Antje, so nicht. Von 100 Patienten sind vielleicht fünf in der Lage, sich auf Wikipedia durchzuklicken nach dem richtigen Begriff.
    Und ob du’s hören willst oder nicht: den Patienten – „geduldig“ qua definitionem – darüber aufzuklären, was ihr mit ihm anstellt, ist nicht mehr als selbstverständlich, solange der Patient noch als Mensch gesehen wird. Wenn er allerdings nur mehr ein Arbeitsobjekt für euch ist – dann fragt euch mal, ob ihr noch Ärzte seid, oder nicht vielmehr Biotechniker. Dann solltet ihr euch allerdings in die Pathologie versetzen lassen, oder bei einem Pharmakonzern bewerben.

    Wolfram

    21. September 2010 at 22:15

  14. @Antje: Natürlich hab ich den Wiki-Artikel gelesen. Und dass ich ihn verstanden habe, sagt etwas über seine fachliche Qualität aus.

    Aber ich habe Angst. Angst das sich die Wunde vielleicht erst in vielen Monaten schließt, dass eine Sekundärnaht vielleicht nicht möglich ist, dass ich mit dem Juckrei jetzt Monate leben muss (der alleine reicht für ne veritable Suizidgefahr locker aus).

    Und ich möchte nicht, dass ich in der Wikipedia rumstöbern muss, sondern dass mir genau das mein Doc erklärt.
    Ist das wirklich zuviel verlangt?

    Tante Jay

    21. September 2010 at 23:00

  15. @Tante Jay: Du zielst in die falsche Richtung mit deinem Ärger. Du sagst ja selber, du siehst, wie sich das ärztliche und pflegerische Personal abmüht, dass dann so eine kurze Antwort rauskommt wird dich doch nicht wundern…
    „Mir allerdings inzwischen wumpe – ich kann das System nicht ändern. Aber ich muss auch nicht darunter leiden.“
    Klar musst du drunter leiden, wenn nicht genug Zeit ist, die Arbeit vernünftig zu machen. Und wer soll es ändern, wenn nicht die Patienten? Kommentare von Ärzten und Pfleger(innen) werden doch eh nicht ernstgenommen, jaja, die arbeiten viel, ist ja immer so. Wenn überhaupt haben doch nur Patienten einen Hebel, etwas zu ändern…

    milchbroetchen

    22. September 2010 at 00:37

  16. @ wolfram
    He, ich gebt doch meinen Patienten keinen Laptop und sag: „Such doch selbst“! Im wahren Leben rede ich mir jeden Tag den Mund fusselig, bin nach einem 24 Stunden Dienst heiser, weil ich versucht den Patienten alles zu erklären, was sie wissen wollen (bei Schwerhörigen oft schwierig)
    Und gestern Abend wollte ich nur Tante Jay helfen, wenigstens an ein paar Grundinfos zu kommen.

    @ Tante Jay
    Die Ängste kann ich dir nicht nehmen, sie sind teilweise berechtigt – keiner kann sagen, ob die Wunde unter dem Vakuum supertoll heilen wird, oder ob nicht doch noch weitere Eingriffe nötig sind. Das wissen die Ärzte im Moment sicher auch noch nicht. Da hilft nur Abwarten und Geduld haben, was immer schwierig ist. Zum Juckreiz: „wenn es juckt, heilt es“ – und ja, wahrscheinlich wird er bis zum Ende der Wundheilung bestehen bleiben – und das kann wirklich Monaten dauern. Kann jetzt leider nichts Tröstliches schreiben. Gibt es vielleicht eine Seelsorge im Krankenhaus? Die nehmen sich die Zeit für ein Gespräch und helfen damit Ängste abzubauen.

    Antje

    22. September 2010 at 09:34

  17. Unglücklich nicht, aber doch sehr missbraucht. Ich bin Patientin, nicht Arzt, und sah for etwa zwei Jahren, wie meine Aerztin nur immerzu schreiben musste und schrieb eine ganze Seite lang bei jedem Besuch.
    Und nun?
    Nun muss sie tippen!
    Sie sitzt am Computer and schreibt und schreibt.

    cantueso

    22. September 2010 at 10:08

  18. Unabhängig davon, dass man sich heute im Internet informieren kann:
    Kann es sein dass Ärzte unglücklich sind weil sie immer geben? Sie helfen allen Menschen, die mit Leiden zu ihnen kommen, können sie ihnen nicht helfen, dann versuchen sie ihr möglichstes um das Leiden zu lindern und sie zum Spezialisten weiter zu schicken damit der helfen kann.
    Aber sie bekommen nichts zurück. Wann sagt man „Danke!“ zu seinem Arzt? Ich muss mir auch an die eigene Nase fassen, während ich mir Gedanken darum mache. Ich tus auch nicht, nicht oft genug im Verhältnis zu dem, wie oft mir mein Arzt hilft.

    Jetzt argumentieren einige, dass der ja dafür bezahlt wird, dass es ja seine Pflicht ist. Jep. Und? Ein Danke tut doch nicht weh? Da muss man nix für bezahlen. Keiner verlangt einen riesen Präsentkorb, ein einfaches Danke würde die Laune des Arztes bestimmt verbessern, oder?

    Was sagt ihr Ärzte?

    Blogolade

    22. September 2010 at 14:03

  19. @cantueso:

    …muss alles dokumentiert werden für den Fall, es kommt mal eine Klage…

    Ich wollte mir dann angewöhnen, die Dokumentation erst zu erledigen, nachdem der Patient das Sprechzimmer verlassen hat, wurde aber in meiner guten Absicht von der Schwester torpediert, die immer höllisch aufpasste, wenn ein Patient das Sprechzimmer verließ, damit sie flugs den nächsten rein lotsen konnte, damit es vorwärts geht.

    docangel

    22. September 2010 at 14:06

  20. @Blogolade:

    Zu DDR- Zeiten gab es staatlich verordnete „Ehrentage“ für einzelne Berufsgruppen (Tag des Lehrers, Tag des Gesundheitswesens…). Zum „Tag des Lehrers“ hatten wir Kinder immer Blumen, selbstgebastelte Geschenke, gemalte Bilder oder so in die Schule mitgebracht und damit den Lehrern für ihre Arbeit gedankt. Später war ich ja im Gesundheitswesen tätig, aber zu diesem „Ehrentag“ -kann ich mich erinnern- hat mir NIE jemals ein Patient gratuliert oder gar gedankt. War ich auch nie verargert drüber, aber nur mal so als Vergleich.

    docangel

    22. September 2010 at 14:15

  21. Deswegen lese ich so gerne drüben bei der Josephine. Die scheint der Minderheit der glücklichen Ärzte anzugehören, das ist irgendwie erfrischend.

    Mein schlimmstes „Unhappy Doctor“-Erlebnis war mal ein HNO-Arzt, der mir die Mandeln rausnehmen sollte, für Erklärungen auch keine Zeit hatte, aber komischerweise dafür, mir stundenlang die Ohren vollzuheulen dass er an dem Eingriff nichts verdient. Wollte ihn schon fragen ob ich ihm 5 Euro drauflegen soll oder was er jetzt von mir erwartet. Der Gipfel war dann als ich mal nen Termin um 9 hatte, um viertel vor ale erste Patientin da war und dann noch über eine Stunde warten musste, weil x Leute, die nach mir gekommen waren, vorher drankamen — wahrscheinlich Privatpatienten. Die Sprechstundenhilfe, die ich darauf ansprach, meinte dann, ich soll das mit „dem Doktor“ besprechen. Als ich dann endlich dran war und nur mal kurz „piep“ in die Richtung gesagt habe, meinte der Typ mich 10 Minuten lang übelst anpflaumen zu müssen weil ich es gewagt habe, mit der Wartezeit unzufrieden zu sein. Ich bin dann mit den Worten „von so einem Arschloch lass ich mich nicht operieren“ gegangen und habe die Arzt-Patienten-Beziehung beendet. Als ich dann kurze Zeit später privat versichert war, hab ich kurz erwogen, nochmal bei ihm vorbeizuschauen um „nänänänänänä“ zu machen, aber dann war mir doch meine Zeit dafür zu schade :p

    tibia

    22. September 2010 at 15:30

  22. @milchbrötchen:
    Ich schreibe *JEDESMAL* sehr ausführlich, was mir aufgefallen ist. Dass das Personal in den allermeisten Fällen hochengagiert ist (Ausnahmen gibts immer), dass die Leute sich die Schwarte wundrackern und dass die Probleme im Sachbereich liegen. Und bei den Schlipsies die ich anschreibe.

    Nur – wenn ich alleine das mache, wird sich nix ändern.
    Meine Schreiben gehen an die Pflegedienstleitungen und die Krankenhausleitungen – und sind deutlich. Und überwiegend höflich. Ich will ja was erreichen.

    Aber trotzdem möchte ich meine Antworten haben. 😉

    Und warum Ärzte gerade im Krankenhaus nicht glücklich sein können, sehe ich ja täglich. Bei dem Stress ist das nicht drin.
    Und irgendwann versagt auch der beste Altruismus. Und dann gibts den Teufelskreis: Arzt genervt, kann das nicht verbergen, Patient fühlt sich nicht ernst genommen und wird je nach Gemütslage fordernd, nörgelig, panisch oder aggressiv.
    Arzt noch genervter, Patient reagiert – und irgendwann fliegen die Fetzen.

    Und machen können daran leider nur die oberen Etagen was. Die, die sich die Boni zuschustern 😦

    Tante Jay

    22. September 2010 at 16:48

  23. @ Tante Jay
    Re: Teufelskreis: Arzt überfordert: Patient wird aggressiv

    Ich las, dass die spanischen Aerzte im öffentlichen Gesundheitsdienst nun neuerdings genau wie ein Polizist einen Patienten verhaften dürfen.

    Diese gesetzliche Neuerung soll die Aerzte vor aggressiven Patienten schützen.

    cantueso

    26. September 2010 at 11:29

  24. Interessante Kommentare und Argumente. Nach meiner Erfahrung mit Ärzten, sind es auch nur Menschen mit einem Beruf. Doch einem etwas kritischeren Beruf, denn sie sollten Menschen helfen. Die Ärzte, die unglücklich sind, scheinen diejenigen zu sein, die nicht mehr das frühere Statussymbol des „Gott in weis“ erfahren.

    Auch ist es verständlich, dass manche Patienten verärgert reagieren, besonders wenn ihre Fragen nicht beantwortet werden, denn sie haben das Recht zu wissen was mit ihnen geschieht. Wenn ein Arzt dann agressiv reagiert, ist das meiner Meinung nach ein Zeichen, dass er nicht zugeben will, dass auch er nicht alles weis. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Patient böse werden wird, wenn ihm sein Arzt mitteilt, dass er momentan keine Antwort weis, aber alles tun wird, um eine zufriedenstellende Antwort zu erkunden.

    Auswandern hilft überhaupt nichts, denn in anderen Ländern ist es auch nicht besser, das Gras ist woanders auch nicht grüner als zu Hause!

    Diese unglücklichen Ärzte sollten sich mal fragen warum sie so unglücklich sind, und Patienten sollten etwas toleranter ihren Ärzten gegenüber sein, denn es sind auch nur Menschen, die einen äußerst verantwortungsvollen Beruf haben und leider auch nicht alles wissen und auch Fehler machen können.

    Also ich finde etwas mehr Kommunikation and gegenseitiges Helfen könnte eine positive Änderung herbeiführen, doch wäre es wichtig, dass sich ein Arzt mehr Zeit für seine Patienten nehmen sollte und diese nicht nur wie jemand auf dem „Fließband“ behandelt. Dann könnten eventuell diese beiden Gruppen bestimmte Veränderungen herbeiführen.

    Peter

    3. Oktober 2010 at 19:54


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