Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Schlagmichtot Senior (Teil 3)

with 3 comments

Oberarzt Heimbach nimmt die Nachricht mit professioneller Gelassenheit entgegen.
„Die Darmspiegelung machen wir gleich morgen! Sorgen Sie bitte dafür, dass der Patient heute noch vorbereitet wird und klären Sie ihn auf! Und dann machen wir noch ein CT. Heute noch. Außerdem wäre es nicht schlecht, wenn wir die Chirurgen frühzeitig mit einbinden. Sagen Sie Herrn Biestig am besten sofort Bescheid. Je früher die involviert sind, desto besser!“
„Vorausgesetzt, die Sache läßt sich überhaupt noch operieren…“
„Das müssen die Chirurgen selbst entscheiden.“
Er legt auf und ich wende mich an Marvin.
„Kriegen wir heute noch ein CT?“
Marvin schaut auf die Uhr. Inzwischen ist es Mittagspausenzeit und mir knurrt der Magen, ganz abgesehen davon dass ich eine fast schlaflose Nacht hinter mir habe und mein Feierabend seit drei Stunden überfällig ist.
„Werd’s versuchen!“
„Sag denen, dass es ein Privatpatient ist!“
„Trotzdem eher schlechte Karten.“
„Die hat der Patient auch.“
„Kannst Du wohl laut sagen. Scheiße gelaufen.“
Richtig. Scheiße mit Blut drin.

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Written by medizynicus

26. September 2010 um 06:31

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

3 Antworten

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  1. Laienfrage: wenns blutet ist nichts mehr zu retten?

    Blogolade

    26. September 2010 at 07:36

  2. nee, das heißt es nicht
    bei ihm geht es aber seit Monaten und laut Medizynicus sieht der Patient schon von weitem aus, wie der Tod auf Latschen
    das ist Sch…, weil es auf ein fortgeschrittenes Stadium hindeutet – dann kann man es häufig nicht mehr operieren (mit der Umgebung verwachsen) oder es bringt nicht viel, wenn Krebsherde (Metastasen) schon in der Leber oder irgendwo anderes sind

    Antje

    26. September 2010 at 10:28

  3. @Blogolade: Wenn’s blutet kann das ein Hinweis auf einen bösartigen Tumor sein. Differentialdiagnostisch könnten es natürlich auch schlicht und einfach Hämorroiden sein, darum ist man natürlich vorsichtig damit, was man dem Patienten sagt. Letztendlich hat man einfach aufgrund der gesamten Geschichte (allgemeines Krankheitsgefühl des Patienten, länger andauernde Sache, schlechter Gesamtzustand…) einfach „so ein Gefühl“.

    medizynicus

    26. September 2010 at 15:55


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