Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Pharmakonzerne dürfen kassieren um den „Pharmastandort Deutschland“ attraktiv zu halten

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Die Pharmalobby hat mal wieder zugeschlagen. Wird wohl nix mit großen Sparprojekten: Stattdessen ist zu erwarten, dass Kosten für Arzneimittel in Zukunft wie gewohnt weiter steigen werden.
Worum geht es?
Damit ein neues Arzneimittel zugelassen und zu Lasten der Krankenkassen verordnet werden kann, muss bislang nachgewiesen werden, dass das neue Mittel besser ist als altbewährte und meist preisgünstigere Pillen.
Künftig soll die Beweislast umgekehrt werden: Grundsätzlich soll quasi jedes neue Mittel verordnet werden können, eine Bewertung nach wissenschaftlichen Kriterien findet quasi nicht mehr statt.
Was das heißt?
Neue und teure Arzneimittel werden verstärkt auf den Markt dringen. Und da Medikamente bekanntlich fast nirgendwo auf der Welt so teuer sind wie in Deutschland. wird die Inudstrie gute Gewinne einfahren.
Und das ist auch gewollt: Regierungspolitiker werden nicht müde, zu betonen, wie wichtig es sei, den Deutschland als „Pharmastandort attraktiv“ zu halten.
Die Zeche zahlen wieder einmal die Versicherten.

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Written by medizynicus

1. Oktober 2010 um 06:42

4 Antworten

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  1. Wie sollen wir denn – um Gottes Willen – die Bürokratie herunterfahren, wenn zu jeder Entscheidung Dutzende von Behörden gehört werden müssen, ihre Bedenken und Widersprüche anmelden können und dann letzlich auch noch Gerichte durch alle Instanzen entscheiden müssen?

    Was soll denn eine „Nutzenbewertung“ noch bringen, wenn die Kassen schon das Recht auf eigene Verträge haben und die Ärzte das mit „aut idem“ aushebeln können? Nur noch sinnlose Beschäftigungstherapie für den GbA und ein bißchen mehr Argumentationsbedarf und Eigenarbeit bei den Krankenkassen. Aber natürlich wieder eine ergiebiges Thema für Sensations-, Enthüllungs- und Empörungspresse!

    der Landarsch

    1. Oktober 2010 at 08:44

  2. Es war ja nicht anders zu erwarten. Was das Thema Korruption betrifft, so kann dieser Staat definitiv als „Bananenrepublik“ bezeichnet werden.

    Ohne jemanden persönlich anzugreifen, nachweislich sind von Bestechung im Gesundheitswesen ALLE Strukturen betroffen, einschließlich der Politik.

    Die Pharmaindustrie „glänzt“ immer wieder aufs Neue unter den ersten drei Spitzenplätzen wenn es um Bestechung geht, Jahr für Jahr.

    Aktuelles Beispiel sieht man jetzt wieder in Berlin, wo es um bandenmäßigen Abrechnungsbetrug in Krankenhäusern geht, vergleichbares vor kurzem im Raum Hannover, wo etwa 50 Niedergelassene sich mit einem Pharmahersteller über die Versichertengelder hermachten.

    Quo vadis Gesundheitswesen?

    Wir alle können in die „Rolle“ des Patienten gelangen, können, ausnahmslos. Im Schnitt suchen wir ja bereits 18!! mal pro Jahr die Praxis auf – Weltrekord! – Wir sind wieder wer – Sollten wir nicht beginnen unser ganz eigenes Verhalten zu hinterfragen?

    Diese, und ohne Zweifel auch die Vorgängerregierungen, aber ganz besonders die derzeitigen Regierungsverantwortlichen sind durch die politische Bank hinweg allesamt Versager und Versagerinnen höchster Potenz.

    Was in diesem Staat an Geld vernichtet wird ist nicht mehr erträglich. Und doch, der deutsche Michel nimmt es mit bismarckschem Kadavergehorsam hin. Unglaublich.

    Seit Gründung der BRD haben ohne Ausnahme alle verantwortlichen Regierungen deutlich über die Verhältnisse gelebt. Aber irgendwann ist jede Party vorbei.

    Und dann kommt der „Kater“.

    15,5 % GKV-Beitrag. Vom mtl. Durchschnittsbruttoverdienst in Höhe von rund 2.500,- € (großzügig gerundet) werden also fast 400,- (auch großzügig gerundet) je Beitragszahler an die Kassen abgeführt.

    Es gibt in diesem Staat etwa 40 Millionen Beitragspflichtige. Wohin fließen diese ganzen Gelder?????

    Wann erwachen wir aus dem Koma?

    Wann gebieten wir dieser Regierungskaste Einhalt? Andere Völker lassen sich nicht alles bedingungslos gefallen –

    Offensichtlich geht es uns nach wie vor noch viel zu gut!

    Allen ein schönes und beschwerdefreies Wochenende.

    Einzelfälle??

    DocConsult

    1. Oktober 2010 at 09:20

  3. Man sollte auch mal die Ärzte in die Verantwortung nehmen, die zum Teil unkritisch und freudig drauf los verschreiben, obwohl keine Indikation vorliegt oder ein anderes Medikament günstiger, vielleicht auch sinnvoller wäre, statt das an das man
    sich gewöhnt hat. Zeitschriften wie das Arznei-Telegramm oder der Arzneimittelbrief machen da ja schon lange drauf aufmerksam.
    Diese Verordnungspraxis ist zum Teil auch von “oben“ diktiert.

    Sebastian

    1. Oktober 2010 at 22:55

  4. > Und doch, der deutsche Michel nimmt es mit bismarckschem Kadavergehorsam hin. Unglaublich.

    Wahrscheinlich wird dem Trinkwasser ein Beruhigungsmittel zugefügt. Ausserdem gibt es im Internet genügend Blogs oder Diskussionsforen, wo man seinem Unmut Luft machen kann. Und Schimpfen ist bekanntlich der Stuhlgang der Seele.

    michael

    1. Oktober 2010 at 23:59


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