Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Grundlagen der Kristallaurahokuspokustherapie (Teil 1)

with 10 comments

Liebe Patientin, lieber Patient,
Du willst also gesund werden, nehme ich an. Aber von Medizin hätst Du nicht viel. Jedenfalls nicht von der Medizin, die mit weißen Kitteln, Krankenhäusern und Desinfektionsmittelgeruch einhergeht. Von dieser Art von Medizin hast Du fertig. Vielleicht bist Du enttäuscht worden. Vielleicht konnte man Dir nicht helfen. Oder man wollte es nicht oder Du hast andere schlechte Erfahrungen gemacht. Jedenfalls stehst Du jetzt auf so Ganzheitliche Sachen, auf sanfte und natürliche Medizin und sowas. Worum es da geht, weißt Du zwar auch nicht so richtig, denn das was der Heilpraktiker Dir erzählt klingt genauso unverständlich und verworren wie das der Weißkittelarzt Dir früher verklickern wollte, aber der Heilpraktiker hört Dir wenigstens zu.
Lieber Patient, wenn Du wirklich krank bist und es Dir echt beschissen geht, und Du einfach nur Hilfe brauchst – dann tu mir einen Gefallen: lies hier nicht weiter. Klick schnell weg und – ja, tu mir noch einen Gefallen: Schick Deinen Quacksalber in die Wüste, jag alle Scharlatane dahin, wo der Pfeffer wächst und gib dem Weisskitteldoc noch eine Chance! Geh zurück zu ihm und zwing ihn notfalls dazu, Dir zuzuhören!
So.
Was aber ist, wenn Du gar nicht wirklich krank bist?
Und wenn Du vielleicht auch gar nicht gesund werden willst?
Wenn Du Deine Krankheit – mag sie nun existieren oder nicht – eher so als eine Art Hobby siehst?
Ja, dann bist Du hier richtig! Dann werde ich Dir im Laufe der folgenden Tage, Wochen, Monate, Jahre und Jahrzehnte an dieser Stelle die Grundprinzipien der Kristallaurahokuspokustherapie erklären.
Wie sie wirkt?
Einfach bombig!
Was das genau ist?
Das kriegen wir später!
Aber merke Dir:

  • Glaub nix, was Du künftig hier an dieser Stelle (Tag/Kategorie „Quacksalberei“) lesen wirst! Denn wenn Du es tust, dann könnte es Deine Gesundheit gefährden!


Schonmal ein bisschen Lektüre vorweg (ältere Artikel zum Thema):

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Written by medizynicus

7. Oktober 2010 um 05:31

10 Antworten

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  1. Oooh großartig!!
    Wird es auch einen Exkurs in die chinesische Heilkunst geben? (Wie hiess der „Fachbegriff“ noch gleich??) Ich freu mich jedenfalls schonmal.

    Kat

    7. Oktober 2010 at 09:45

  2. Nun, ein miteinander wäre ganz sicher die beste Lösung für alle Beteiligten.

    Wenn die „Hardcoreschulmedizin“ wirklich so gut wäre, warum stirbt alle 6 Sekunden ein Kind??

    Wenn die Pharmaindustrie immer wieder aufs Neue so meganützliche Medikamente auf den Markt bringt, warum ist Krebs oder Aids noch nicht ausgemerzt??

    Studien braucht ihr, es muss erwiesen sein, wie ein Medikament Schaden anrichtet – Contergan und Co lassen da ja keine Zweifel offen.

    5 Wochen Klinikaufenthalt, davon 1 Woche Intensivmedizin – Erfahrungen, die einen als „Patient“ wirklich prägen.

    Medikamente werden vertauscht, Patienten verbluten fast, weil schlecht verbunden, katastrophale Hygiene.

    Und DER Unterschied!!! Privat oder Kasse!

    Chefarztbehandlung?? Bleib mir vom Leib, alter arroganter Nichtsnutz.

    Naturheilkunde = Hokuspocus??

    Ja wenn man die Menschen lieber mit überwiegend nutzloser Chemie vollpumpen will, dann hat Naturheilkunde keine Berechtigung.

    Warum kann kaum ein Weißkittel die Wechselwirkung von mehr als 3 Medikamenten bestimmen? Mitunter werden aber weitaus mehr verordnet.

    Wie verantwortungslos muss man eigentlich handeln?

    Warum werden die Menschen krank?

    Zivilisationskrankheiten – welch ein Begriff – Und niemand gebietet Einhalt, weil alle kräftig mitverdienen wollen.

    Patient, du hast Bluthochdruck, weil du deutlich übergewichtig bist, deshalb hast du auch Diabetes und dein Rheuma, da musst du dich nicht wundern. – Hättest du mal gesünder gelebt.

    Soll man diesen Betroffenen die Medikation verweigern? Nein, aber selber bezahlen lassen.

    Ändere dein Verhalten, oder verrecke.

    Für Kippen und Schnaps hast du Geld, dann kannnst du auch deine Pillen selbst bezahlen und musst nicht innerhalb der Solidargemeinschaft schmarotzen.

    Es könnte einem der Kragen platzen, wenn man junge und fettleibige Mütter auf der Straße sieht, das Kind auf dem einen Arm, die Kippe in der Schnauze und die Bierpulle in der Tasche …

    Aber was rege ich mich auf …

    Solange es deutlich übergewichtige Mediziner gibt, die gerne qualmen und sich allabendlich den Frust wegsaufen müssen ….

    DocConsult

    7. Oktober 2010 at 09:51

  3. > Wenn die „Hardcoreschulmedizin“ wirklich so gut
    > wäre, warum stirbt alle 6 Sekunden ein Kind??

    Wo stirbt denn alle 6 Sekunden ein Kind? Eventuell in Gegenden, wo es eben keine Schulmedizin gibt, sondern nur den lokalen Schamanen?

    > Wenn die Pharmaindustrie immer wieder aufs Neue so
    > meganützliche Medikamente auf den Markt bringt,
    > warum ist Krebs oder Aids noch nicht ausgemerzt??

    Wenn die Homoöpathen so meganützliche Globuli haben, warum ist Krebs oder Aids noch nicht ausgemerzt??

    > Studien braucht ihr, es muss erwiesen sein, wie
    > ein Medikament Schaden anrichtet – Contergan und
    > Co lassen da ja keine Zweifel offen.

    Studien braucht /ihr/ nicht, weil Globuli sowieso nix tun, stimmt.

    > 5 Wochen Klinikaufenthalt, davon 1 Woche
    > Intensivmedizin – Erfahrungen, die einen als
    > „Patient“ wirklich prägen.

    Klar, schön ist das nicht. Aber ohne die böse Intensivmedizin hättest du vermutlich nicht mal 5 Stunden überlebt.

    > Medikamente werden vertauscht, Patienten verbluten
    > fast, weil schlecht verbunden, katastrophale
    > Hygiene.

    Das sind Organisationsverschulden, das kann überall passieren. Erzähl mir nicht, es habe noch nie ein Homöopath die Globuli verwechselt oder ein TCMler mit der Akkupunkturnadel danebengestochen.

    > Und DER Unterschied!!! Privat oder Kasse!

    Ist bekannt. Und? Wo ist das ein Argument gegen die Schulmedizin? Kann sich ein Hartz4ler Globuli leisten? Merkste selber, oder?

    > Chefarztbehandlung?? Bleib mir vom Leib, alter
    > arroganter Nichtsnutz.

    Da stimme ich dir zu, es gibt aber auch genug abgehobene Alternativmediziner

    > Naturheilkunde = Hokuspocus??

    Zum Großteil, in der Form wie es heute betrieben wird. Dass Fencheltee gegen Bauchschmerzen hilft wird niemand bestreiten, dass ein unendlich verdünntes Glaubuli das tut, schon.

    > Ja wenn man die Menschen lieber mit überwiegend
    > nutzloser Chemie vollpumpen will, dann hat
    > Naturheilkunde keine Berechtigung.

    Ja wenn man die Menschen lieber mit überwiegend nutzlosen Zuckerkügelchen vollpumpen will, dann hat
    Schulmedizin keine Berechtigung.

    > Warum kann kaum ein Weißkittel die Wechselwirkung
    > von mehr als 3 Medikamenten bestimmen? Mitunter
    > werden aber weitaus mehr verordnet.

    Mitunter hat der Patient auch mehr als eine Krankheit und braucht was anderes als ein Breitspektrumglaubuli gegen seine Beschwerden.

    > Wie verantwortungslos muss man eigentlich handeln?

    Um was zu erreichen?

    > Warum werden die Menschen krank?

    Das kommt darauf an.

    > Zivilisationskrankheiten – welch ein Begriff – Und
    > niemand gebietet Einhalt, weil alle kräftig
    > mitverdienen wollen.

    [ ] Du kennst den Begriff „Prävention“

    > Patient, du hast Bluthochdruck, weil du deutlich
    > übergewichtig bist, deshalb hast du auch Diabetes
    > und dein Rheuma, da musst du dich nicht wundern. –
    > Hättest du mal gesünder gelebt.

    Korrekt. In ähnlichen Worten muss ich das jeden Tag dicken, diabetischen Hypertonikern sagen, während meine fitteren Patienten diese Problemkombination i.d.R. nicht aufweisen.

    > Soll man diesen Betroffenen die Medikation
    > verweigern? Nein, aber selber bezahlen lassen.

    Richtig.

    > Ändere dein Verhalten, oder verrecke.

    Hart formuliert, aber richtig.

    Der Rest ist zielloses Ranting, das keinen Kommentar erfordert.

    Schönen Gruß aus der Realität
    PN

    ParaNurse

    7. Oktober 2010 at 16:22

  4. Huh, ich bin gespannt. Mein persönlicher Liebling ist ja immer noch Hamer mit seiner „germanischen neuen Medizin“…

    Chaoskatze

    7. Oktober 2010 at 19:25

  5. Warum müssen sich „Schulmediziner“ und „Alternativmediziner“ immer bekriegen, beleidigen, gegenseitig schlecht machen? Warum nicht endlich ein friedliches Miteinander – voneinander lernen? Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile, haben mal recht und mal unrecht. Diese Schlammwerferei habe ich echt satt!!! Ich habe als Ärztin keine schlechten Erfahrungen mit Heilpraktikern und Alternativmedizinern gemacht, inbesondere bei chronischen Erkrankungen. Bei akuten Erkrankungen möchte aber wohl keiner auf die Schulmedizin verzichten (Knochenbrüche, Schnittwunden…). Also bitte vertragen und gute Zusammenarbeit!!!

    Ansonsten können sich die Schulmediziner gern bei esowatch austoben und dort meckern!

    Antje

    7. Oktober 2010 at 20:13

  6. Schöne Antworten von ParaNurse und Antje.

    Bin ja leider kein Mediziner, sondern sitz nur in der Verwaltung im Gesundheitswesen. Musste jedoch auch Anatomie usw. lernen, und war verdammt froh, keine Ärztin als Dozentin zu haben – sondern eine Physiotherapeutin & Ostepathin, die auch eher ganzheitliche Gedanken hatte.
    Und durch ihre verständlichen Vorträge – das z.B. die Leber mehr mit den Augen zusammenhängt, als man als Schulmediziner glaubt usw. usw. habe ich wirklich was gelernt, und ihr gerne zugehört – im Gegensatz zu anderen trockenen Anatomie-Lesungen.
    Ich glaub auch nicht an die Wirksamkeit von Zuckerkugeln, find es aber grundsätzlich gut und akzeptabel, wenn man dem Patienten den Hintergedanken auch erklärt. Und ich glaube fest, das ein Großteil der Homöopathie-User es ganz schnell sein lassen würden, wenn sie denn überhaupt etwas darüber wissen würden.

    Abmahner

    7. Oktober 2010 at 21:07

  7. @Antje – ja, warum wird die Diskussion immer so scharf geführt? Schwierig zu sagen. Wahrscheinlich ist es auch ein Glaubenskrieg, und wegen religiöser Meinungsverschiedenheiten sind ja bekanntlich schon so manche Kriege geführt worden.
    Grundsätzlich sind da einmal die Leute, die Medizin ganz nüchtern als eine rationale Wissenschaft sehen.
    Auf der Anderen Seite sind die Leute, die zunächst die „menschliche“ Komponente sehen: Medizin als Heil-„Kunst“. Das sollte eigentlich kein Widerstand sein und ein wirklich guter Arzt kann diese beiden Dinge miteinander kombinieren.
    Viele können es aber nicht und da bei der wissenschaftlich orientierten Medizin in der Tat einiges nicht gut läuft wendet man sich dann irrationalen Gedankengebäuden zu.
    Und viele „Natur“-heilkundliche Verfahren sind nun einmal wirklich irrational und allein durch den Plazeboeffekt zu erklären – und dadurch, dass die entsprechend orientierten Ärzte bzw. Heilpraktiker mehr persönliche Zuwendung bieten (klar: sie sind auch durch Geld entsprechend motiviert).
    Das ist meine Erklärung. Aber ich lasse auch andere Meinungen gelten.

    medizynicus

    8. Oktober 2010 at 03:36

  8. Wie sagte mir mein Hausarzt, ein Schulmediziner:
    Die Heipraktiker leben NICHT von ihren Misserfolgen.

    Meiner Meinung nach, sollten beide, Schulmediziner und Heipraktiker, Hand in Hand arbeiten, zum Wohle der Patienten.

    ..und nun könnt ihr mich steinigen ;-))

    Lg Sweetkoffie

    sweetkoffie

    8. Oktober 2010 at 12:00

  9. @ Antje & sweetkoffie: ihr sprecht mir Heilpraktikerin) aus der Seele.
    Schade dass wir immer mit Quacksalbern gleichgestellt werden. Es gibt durchaus sehr fundiert ausgebildete HPs – oftmals folgt die Ausbildung als Ergänzung für Gesundheitspfleger, Physiotherapeuten oder ähnliche Berufsfelder – und auch ich sehe die Naturheilkunde mit vielen ihrer Facetten als sinnvolle Ergänzung zur Universitätsmedizin.
    Schön, dass das auch die Ärzte so sehen, mit denen ich bereits kooperiere.
    … Klar es gibt auch Quackköppe, die Schnickschnackschnuck-Therapien anbieten, nur alle über einen Kamm scheren einfach und bringt uns nicht weiter.

    Geschmeidiges Wochenende und weiter schreiben!
    LG

    Swastha

    8. Oktober 2010 at 14:30

  10. Zunächst einmal @DocConsult: Es stirbt alle 6 sek. ein Kind, weil es verhungert, weil es medizinisch NICHT behandelt wird und ähnliches. Diese Kinder sterben überwiegend in der 3. Welt und in den Schwellenländern, wo die medizinische Versorgung, äh, suboptimal ist.
    Das hat Bono aber auch ganz gut erklärt, du missbrauchst das aber und bist wegen Tatsachenverdrehung damit raus aus dem Rennen.

    @Antje: Die Natur“heil“kunde funktioniert ja meistens nur, weil die Leute dran glauben. Stichwort Placeboeffekt. Bis zu einem gewissen Punkt kann man Leuten damit helfen.

    Aber wenn so Idioten wie Hamer mit der Neuen Germanischen Medizin meinen, sie können mit Psychotherapie Krebs heilen, dann ist das in meinen Augen Mord.

    Wenn die Homöopathie vorgaukelt, auch schwerste Krankheiten mit Globuli heilen zu können, ist das bestensfalls Vortäuschung falscher Tatsachen.

    Was die Homöopathie der Schulmedizin voraus hat ist nur eins: Die hören zu. Die gehen auf den Patienten ein.

    Ich bin aktuell an ein paar Prachtexemplare von Schulmedizinern geraten, die den Patienten nur als den Träger einer nicht uninteressanten Krankheit sehen und denen ich JEDE Aussage hinterherrecherchieren muss, damit ich nicht verarscht werde („Sie haben 12.000 Leukozyten und ein CRP von 400, das ist noch absolut im Rahmen und braucht nicht behandelt werden“).

    Das sind die Mediziner, bei denen ich das Kotzen kriege. Denen würde eine Packung „Zuhören“ echt mal guttun.

    Tante Jay

    9. Oktober 2010 at 03:28


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