Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Muss ein Arzt sich verprügeln lassen?

with 16 comments

Die Geschichte mit Mr. Troublemaker hätte auch böse ausgehen können. Zu verdanken ist das dem umsichtigen Verhalten unseres Ambulanzpflegers Marvin. Von Deeskalationstraining und Konfliktbewältigungsseminaren hat der zwar noch nie etwas gehört, trotzdem macht er es genau richtig. Mit der bewährten Strategie: Erstmal hinsetzen und eine rauchen – notfalls auch im Behandlungszimmer – hat er schon manchem Troublemaker den Wind aus den Segeln genommen.
Aber nicht immer verläuft es so glimpflich:
Nach dem Krankenhaus-Amoklauf in Lörrach sind im Netz mehrere Blogbeiträge aufgetaucht, in denen über brenzlige Situationen berichtet wird, zum Beispiel bei Rettungsdienstler Paul und bei der Rettungsschnepfe (danke, Hermione für den Link!).
Dass Rettungsdienstler, Feuerwehrleute, Ärzte und andere Lebensretter im Dienst beschimpft, angepöbelt und auch tätlich angegriffen werden ist leider gar nicht so selten.
Aber wie verhält man sich in so einer Situation?
Was macht man, wenn man zu einem NAW-Einsatz an eine Adresse gerufen wird, wo eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass einen dort eine unliebsame Überraschung erwartet? Oder – noch schlimmer – im hausärztlichen Notdienst, wo man unter Umständen völlig allein ist und nicht bei jeder Hausbesuchsanforderung in die örtliche Bronx um Polizeibegleitung bitten kann?
Gerade ältere Landärzten haben oft noch den Ethos, man müsse auf jeden Fall helfen, ohne Rücksicht auf eigene Gefahren…
Was haltet Ihr davon?
Hat jemand schon einmal entsprechende Erfahrungen gemacht?

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Written by medizynicus

13. Oktober 2010 um 06:35

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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16 Antworten

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  1. Da gibt’s doch auch den Notarzt/ärztlichen Notdienst in Berlin der einen Waffenschein zur Selbstverteidigung bewilligt bekommen hat. Muss mal googlen…

    Chriss

    13. Oktober 2010 at 06:49

  2. Meinem Empfinden nach, wird es von Jahr zu Jahr schlimmer. Beleidigungen sind fast schon Alltag, denn man hat keinen Respekt voreinander. Schaut man sich ein bisschen in den Medien um, so erscheint fast jede Woche ein Bericht über einen Angriff gegen uns.

    Machen kann man wenig, klar ist ein Training in Selbstverteidigung gut, aber manchmal nützt auch das wenig. Zum Glück wurde erst vor kurzem im Bundestag beschlossen, Angriffe gegen Polizisten, Rettungsdienstpersonal und Feuerwehrleute stärker zu ahnden.

    alltagimrettung

    13. Oktober 2010 at 08:48

  3. Ja und aus diesem Grund hab ich ne Schuss/Stichsichere Weste und Pfefferspra dabei sozusagen Grundausrüstung,das ist in einigen Gegenden Berlins auch nötig!

    Enrico

    13. Oktober 2010 at 09:06

  4. Nein, ich finde nicht, dass man sich als Arzt (oder Feuerwehrangehöriger oder Rettungsdienstler oder wer sonst helfen will) verprügeln lassen muss. Zurückschlagen ist natürlich auch keine Variante, aber … man lernt sowohl in der Feuerwehr, dass die eigene Sicherheit Priorität hat, und als Rettungsschwimmer, dass man wartet, wenn jemand wild um sich fuchtelt … dasselbe gilt wohl auch für Ärzte und Patienten.

    Pharmama

    13. Oktober 2010 at 09:12

  5. Wie machen’s die Hausärzte? Am besten wie die Igel: sehr sehr vorsichtig!

    Ich habe aber auch festgestellt, dass man oftmals mit einer (angemessenen und höflichen) dominierenden Aggressivität die meisten (vor allem angetrunkenen) Pöbler sehr schnell in die Schranken bekommt. Wenn’s allerdings zu Handgreiflichkeiten kommt muss man schneller sein, entweder den Patienten blockieren oder wegducken und weglaufen.

    der Landarsch

    13. Oktober 2010 at 10:05

  6. Interessant, ich hab auch die Tage drüber nach gedacht. Einem Kollegen von mir hat ein Patientenangehöriger vor kurzem in der Notaufnahme zwei Zähne ausgeschlagen. Und das obwohl es bei dem Transport um eine Nichtigkeit ging und es eigentlich auch keine Probleme gab.

    Ich habe in Wochenend-Nachtdiensten inzwischen die 4er Maglite am Gürtel. Wird nicht gerne gesehen, aber ich hab hinterher die Verletzungen, nicht der Rettungsdienstleiter. Kurse für Selbstverteidigung will man nicht durchführen. Das passt ja nicht zum Bild einer Hilfsorganisation.

    Auf die Polizei verlasse ich mich nicht mehr: 75.000 Einwohner-Stadt + umliegender Landkreis wird am Wochenende mit 3-4 Streifenwagen „versorgt“. Mehr ist nicht da. Ein „Angriff auf RD“ sorgt dann auch nur dafür, dass die sich erst mit 2-3 Streifen sammeln und dann Anrücken. 20 Minuten Wartezeit sind da normal.

    o2junkie

    13. Oktober 2010 at 10:11

  7. Kann man denn den Amoklauf mit Situationen wie Mr Troublemaker oder dem verlinkten Blogbeitrag überhaupt vergleichen? Der Antrieb ist doch völlig verschieden: Verzweiflung (oder warum man so was macht), Alkohol im Verbund mit gesteigertem Selbstbewusstsein und kriminelle Energie / Lust auf Gewalt.
    In jedem Fall absolut unverständlich warum man ausgerechnet die angeht die einem helfen wollen. Da solltet ihr euch (solange die Gefahr die vom zu Rettenden ausgeht selbst verschuldet ist) an die Ausführung Pharmamas halten.

    Allerdings muss ich anmerken das Aussagen wie: „Zum Glück wurde erst vor kurzem im Bundestag beschlossen, Angriffe gegen Polizisten, Rettungsdienstpersonal und Feuerwehrleute stärker zu ahnden.“ mit Vorsicht zu Genießen sind. Schärfere Strafen sind ja ein Erfolgsmodell sondergleichen. Dachte eigentlich das nur noch CDU Wähler ähh ich meine BILD Leser an den Erfolg von schärferen Strafen glauben.

    Felix Nagel

    13. Oktober 2010 at 10:12

  8. Da kann ich @alltagimrettung nur zustimmen. Kenntnisse in irgendeiner Selbstverteidigungsart sind sicherlich von Vorteil. Man weiß ja nie, wo man landet. Wollte ich mich eigentlich auch schon längst mal drum kümmern :-/
    Ansonsten, wenn es zu brenzlig wird, heißt es einfach: Flucht! Patient hin oder her, aber der Eigenschutz geht dann doch noch vor! Und bevor ich dann Gefahr laufe, eins über die Rübe zu bekommen, warte ich schön in Sicherheit auf den Trachtenverein Grün-Weiß bzw jetzt blau und lasse da erst mal die Lage klären.
    Ich stand auch schon mal, als ich einen Patienten versorgen musste, unvermittelt in einer Schlägerei. Mein Kollege hat mir dann mit der großen MacLite den Rücken frei gehalten, bis die Polizei die Lage geklärt hatte.
    Und ein Kollege ist schon mal (trotz anwesendem Polizisten im RTW!) quer durchs Auto getreten worden, hat die Heckscheibe raus gedrückt und es nur seiner Größe zu verdanken, dass er der Scheibe nicht nach draußen gefolgt ist.

    Und das wird alles eher schlimmer als besser.

    Der Krangewarefahrer

    13. Oktober 2010 at 11:24

  9. Nein. Ich finde niemand muss sich verprügeln lassen, ausser derjenige hat angefangen.

    shortend

    13. Oktober 2010 at 13:06

  10. Jeder Patient, der schon nach möglicher Gewalt aussieht, bekommt zusätzlich zu meiner Betreuung auch noch die der Polizei. Auch ist bei mir Schluss, wenn einer dieser Patienten meint mich angrabbeln zu müssen.

    Falls es mal dazu kommen sollte, das mich ein Patient schlägt, dann darf er damit rechnen, das ich nicht meine linke Backe auch noch hinhalte, sondern er auch ein Echo bekommt.

    alltagimrettungsdienst

    13. Oktober 2010 at 16:06

  11. früher oder später wird es auch hier in Deutschland so werden wie in den USA, das RD-Personal Scussichere Westen mit an Bord hat…
    Eigentlich schade, weil sich dann die Frage stellt wofür zu Hölle man um 3 Uhr morgens wachgepiept wird um zu Opfern einer Schlägerei zu fahren, die einen dann noch dumm anmachen….
    Doch schließlich hat ja jeder das „RECHT“ sich verdammt nochmal helfen zu lassen…

    derretter

    13. Oktober 2010 at 17:20

  12. Gewalt ist zum kotzen.

    Vielleicht sollte man einfach mal wieder etwas mehr Rücksicht aufeinander nehmen. Vielleicht etwas weniger die Bevölkerung gegeneinander aufhetzen, allen Leuten ordentliche Bildung verpassen und schon kann man wieder auf solche Exzesse verzichten (zumindest im scheinbar/anscheinend(?) steigenden Ausmaß).

    (Ich vermute mal, die Leute aus euren Erzählungen sind keine Akademiker die 50kEuro+ verdienen und quasisorgenlos sind.)

    Joachim

    13. Oktober 2010 at 19:39

  13. @alltagimrettung
    Die Gesetzesänderung ist ziemlich sinnlos… (Und populistisch, und und und…)

    Körperverletzung wird sowieso härter bestraft. Bei den ursprünglichen Vollstreckungsbeamten wurde der Paragraph regelmäßig dazu missbraucht, alles was nicht als Körperverletzung durchging (also im Endeffekt: alles andere) zu bestrafen.

    Mal ein Zitat:
    „Beim Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geht es um andere Sachverhalte. Zum Beispiel die Person, die sich aus dem Polizeigriff windet, ohne den Polizisten zu verletzen. Oder jenen, der sich dem Anlegen von Handschellen widersetzt, seiner Verhaftung oder Verbringung an einen anderen Ort. Sofern der Beamte keine körperlichen Schäden davon trägt, ist das alles Widerstand.“
    Quelle: http://www.lawblog.de/index.php/archives/2010/10/13/die-maslose-polizei/

    Joachim

    13. Oktober 2010 at 19:49

  14. Wir hatten Silvester einen Einsatz, betrunkener Jugendlicher(was sonst) . Nachdem er erst meinen Kollegen angspuckt hatte,waren wir noch freundlich,als er dann aber den zweiten Kollegen angespuckt und getreten hat,waren wir nciht mehr soooo freundlich,aber als er dann die Notärztin getreten hat,sind wir aus dem Haus raus und ahben gesagt bevor die Polizei nicht da ist kann er sich vor „Schmerzen“ krümmen wie er will,wir setzen keinen fuss mehr in das Haus. Ich finde irgendwann ist Schicht im Schacht und da geht es nciht mehr darum jemanden zu helfen,sondern nur noch seine Haut heile durch die Schicht zu bringen.
    P.s Wir wahren zu dritt weil ich als Praktikant mitgefahren bin nicht wundern

    makmak

    13. Oktober 2010 at 21:56

  15. Sorry für die Buchstabendreher und so,sollte nicht im Halbschlaf posten Gn8^^

    makmak

    13. Oktober 2010 at 21:57

  16. Meiner Meinung nach sollte man Ärzte prügeln, wenn sich auch nicht einmal im Stande sind eine ordentliche Behandlung abzuliefern, meistens heißt es in ner Minute , ja 4 Wochen schonen, und nach 4 Wochen ja noch 2 Monate.

    Also ein großes Ja zu Sollten Ärzte sich verprügeln lassen!

    mfg der BrutaleSchlagring

    DerSchlagring

    13. Dezember 2010 at 20:41


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