Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Leichen zu verkaufen

with 23 comments

Zum 2. November macht ein neuer Online-Shop auf. Eine ziemlich exklusive Angelegenheit: die Waren können schonmal zwanzig- bis fünfzigtausend Euro kosten. Was es zu da kaufen gibt?
Leichen und Leichenteile.
Nee, nicht Don Corleone betreibt den Laden, sondern Gunther von Hagens, „Anatom, Erfinder der Plastination und Begründer der anatomischen Ausstellung „Körperwelten“.
Anatomische Präparate von echten Leichen sind seit seit über hundert Jahren aus der medizinischen Lehre (weniger der Forschung) nicht wegzudenken. Und es ist auch kein Geheimnis, dass die Herstellung solcher Präparate zu einem großen Teil durch kommerzielle Firmen erfolgt. Aber kaum jemand hat die Kommerzialisierung so weit getrieben und es gleichzeitig so herrlich verstanden, die Medien für sich einzuspannen wie jener Gunther von H. Von daher ist auszugehen, dass auch dieser Onlineshop nichts weiter ist als ein weiterer Pressecoup.
Fragt sich, wer die Menschen sind, die dort posthum verkauft werden. Angeblich haben diese zuvor schriftlich ihr Einverständnis gegeben. Verkauft wird übrigens nur an „Qualifizierte Nutzer“, womit jeder Arzt gemeint ist, der einen ausgefallenen Raumschmuck für sein Wartezimmer sucht.
Für alle anderen gibt es in der Lifestyle-Ecke des Shops Ohrringe aus Bullenhoden (EUR 23,68) und weiteren Klunker aus Pferde- und Giraffenteilen.
Zur Geschäftseröffnung gibts sogar zehn Prozent Rabatt.
Quellen:

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Written by medizynicus

24. Oktober 2010 um 06:18

23 Antworten

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  1. Ich will mal meinen ersten Gedanken kurz und bündig formulieren:
    „Ich finde es pietätslos und ekelig“

    Chawa

    24. Oktober 2010 at 09:01

  2. Guten Morgen Medizynicus,
    der Gunther von Dingens ist ein cleveres Kerlchen, dass er so einen Online-Shop eröffnet. Bestimmt kann er sich vor Anfragen nicht retten.

    Ich bin gespannt, wann bei meinem Hausarzt das erste Platinat im Wartezimmer zu bestaunen ist.
    Titel: Mann auf Stuhl mit Zeitung, Längsschnitt.

    Das ist bestimmt ein Mensch, der dies ausdrücklich in seinem Testament verfügt hat, weil er seine sterbliche Hülle an dem Ort wissen will, wo er viel Zeit seines Lebens verbracht hat.

    Schönen Sonntag und liebe Grüße
    Sweetkoffie

    sweetkoffie

    24. Oktober 2010 at 09:02

  3. Die Plastinate für Lehr- und Studienzwecke find ich ja noch ok. Prima haltbar 🙂
    Aber dieser Schmuck ist irgendwie gruselig.
    Seine Ausstellung fand ich klasse – aber dieser Shop….*hömpf*

    Klinkenputzer

    24. Oktober 2010 at 09:17

  4. einfach widerlich.

    anna

    24. Oktober 2010 at 09:35

  5. oh man. es ist nicht zu fassen.

    kathrin

    24. Oktober 2010 at 10:56

  6. Ich dachte die Menschen hätten zugestimmt, ihren Körper für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung zu stellen. Ich frage mich, ob sie mit dieser neuen „Verwendung“ einverstanden wären.
    Herr von Hagen ist ein Schausteller in meinen Augen – und weniger ein Wissenschaftler. Seine Ausstellungen bisher waren zwar auch kontrovers, aber auch bildend. Das jetzt ist in meinen Augen reine Geschäftemacherei.

    Pharmama

    24. Oktober 2010 at 11:25

  7. Für Universitäten, wo es ja letztenendes dem Wissenschaftlichen Zweck dient, finde ich das absolut ok. Aber im Wartezimmer oder Behandlungszimmer?

    Damals, bei der ersten Ausstellung waren doch so viele Menschen voller Ekel wieder raus gegangen oder gar ohnmächtig geworden. Ob man das wirklich im Wartezimmer riskieren will?

    Ich stelle mir, genau wie Pharmama die Frage, ob die Menschen vor ihrem Ablegen zugestimmt haben, verkauft zu werden. Generell finde ich die kommerzialisierung dieser Objekte nicht gut. Auch wenn sie plastiniert wurden und viel Arbeit drin steckt, sollte sowas nicht frei verkäuflich sein.

    Blogolade

    24. Oktober 2010 at 11:35

  8. Schwierige Frage – in dem Sinn ist auch ein Fleischhauer jemand, der mit LEichenteilen Geschäft macht (Ohrringe aus Bullenhoden).
    Reliquienhandel handelt auch mit menschlichen Leichenteilen.
    GvH geht jedenfalls an eine ethische Grenze.

    Den Toten ist es egal. Den Überlebenden auch? Ist diese ethische Grenze künstlich – im Sinne von: wir sind es anders gewohnt, deswegen akzeptieren wir das nicht?

    Meine erste Reaktion ist auch: Igitt! Und ich möchte keinesfalls im Wartezimmer meines Arztes sowas rumliegen sehen.
    Ich finde Präparate zu Anschauungszwecken was höchst Sinnvolles, Menschenhandel finde ich vor wie nach dem Tod verwerflich.

    Gerda

    24. Oktober 2010 at 12:22

  9. Heiho!

    hmmm… also ich fand die ganze Körperwelten Geschichte nie ganz so schlimm. Exotisch, aber mein Gott, es ist Kunst und das mit Erlaubnis. So lang keine Kinder dabei sind oder Tiere extra dafür getötet wurden…

    Aber dann noch mehr Gewinn durch verkaufen derlei „Sachen“ zu machen, finde ich schon etwas…. ekelhaft. Btw, wer hat bitte Lust in einem Wartezimmer zu sitzen und von Leichenteilen umgeben zu sein oO Das baut einen auf! 😉

    kaeks

    24. Oktober 2010 at 12:25

  10. Das plastinierte Obst finde ich ganz witzig.

    Die Körperteile-Dekosachen (egal ob vom Tier oder vom Menschen) find ich jedoch total daneben. Sorry.
    Die Ausstellungen sind eine Sache, aber sowas geht in meinen Augen gaaaaaaaaaar nicht!

    Hermione

    24. Oktober 2010 at 12:52

  11. Übrigens, Kaeks: In der Körperwelten-Ausstellung, die ich im Frühling mit meinem RA-Kurs zusammen besucht habe, waren auch Kinder dabei. Angefangen beim Embryo bis hin zum Neugeborenen. Ich glaub, sogar ein Kleinkind war dort „ausgestellt“ 😉

    Hermione

    24. Oktober 2010 at 12:54

  12. Mal abgesehen von dem pietätischen Hintergedanken und dass ich das persönlich schon ein bisschen arg strange finde, die Plastinate zu verkaufen, ham mich dann die Preise letztendlich komplett aus der Spur geworfen. Eine „Scheibe“ Kopf um die 1000 Euro, eine Kopie der Torso“scheibe“ auf Papier (?)- knappe 500 Euro. Das Ganzkörperplastinat – 57000 Euro.

    Wer das Geld über hat fürs sowas – naja…

    rettungsschnepfe

    24. Oktober 2010 at 13:58

  13. Ich war 1998 in der Ausstellung in Mannheim und war total fasziniert von den Plastinaten an sich und der „Herstellungs“-Technik.
    Und Merchandising im Sinne von Büchern, T-Shirts u.ä. find ich ja ebenfalls noch im Rahmen.
    Aber was dieser Onlineshop anbietet…pfui, pfui, dreifach pfui!

    Squirrel

    24. Oktober 2010 at 14:22

  14. Ich denke mal der Shop ist ein kleines Zubrot – durch seine Unternehmen und die Ausstellungen wird er längst Multi-Millionär sein, da braucht er nicht unbedingt noch einen Onlineshop.
    Ich find ihn verdammt genial, hab seine Bücher gelesen, und war in seinen Ausstellungen (Berlin und Heidelberg).

    Irre ist er natürlich trotzdem, zweifellos.

    Abmahner

    24. Oktober 2010 at 19:30

  15. Ich hatte mal einen Heimbewohner der sich für diese Ausstellung registrieren ließ,.. Er fand es toll nach seinem ableben noch bestaunt zu werden und so nicht ganz sinnlos zu sein. Zum damaligen Zeitpunkt dachte er mit Sicherheit nicht daran evtl. auch „verkauft“ zu werden.

    Seniorrita

    24. Oktober 2010 at 23:03

  16. Manchmal ist es wohl doch sehr hilfreich weiterführende Links zu besuchen.Im verlinkten Artikel des Deutschen Ärzteblatts stößt man auch auf folgendes…

    „Wie über den bereits geschalteten Internetlink plastination-products.com zu ersehen ist, sollen Plastinate nur an qualifizierte Nutzer verkauft werden. Das sind den Angaben zufolge juristische oder natürliche Personen, die verkaufsbeschränkte Plastinate nur zum Zwecke der Forschung, Lehre oder der medizinischen, diagnostischen beziehungsweise therapeutischen Berufsausübung verwenden wollen und dies nachweisen können.“

    … ergo wird sich kaum ein niedergelassener Arzt mal eben eine Scheibenplastination an die Wand seines Wartezimmers tackern (können). Oder hab‘ ich da irgendetwas überlesen?

    anima

    25. Oktober 2010 at 11:03

  17. Bleibt zu hoffen das sich kaum bis keine Abnehmer finden, denn das ist echt geschmacklos!

    Auriel

    25. Oktober 2010 at 16:41

  18. Jedes Mal, wenn ich von dem Typen höre, klappt mir das Messer schon in der Tasche auf. Finde den Typen zutiefst unsympatisch und suspekt. Seien es Ausstellungen, öffentliche Leichenschauen oder der kaufbare Schädel…

    Graf Nudu

    25. Oktober 2010 at 17:20

  19. […] einen Artikel gelesen und dachte, das ist bestimmt auch für die Bestatterweblogleser interessant:https://medizynicus.wordpress.com/2010/10/24/leichen-zu-verkaufen/Es geht darum, dass Gunther von Hagens einen Onlineshop eröffnet, in dem seine Plastinate zu […]

  20. Man kann wirklich nur hoffen, dass er auf seinem Kram sitzen bleibt! Ich bin mal gespannt, wie das noch weitergeht.
    Außerdem das Formular für „qualifizierte Nutzer“ ist echt ein Witz…

    Ich habe meine Meinung dazu in einem eigenen Blogartikel geschrieben: http://der-schwarze-planet.de/leichenteile-im-online-shop-bei-gunter-von-hagens/

    shan_dark

    27. Oktober 2010 at 15:59

  21. Viel besser gefallen mir ja seine Kunst-Ambitionen, wenn das Schule machte und jeder Arzt seiner künstlerischen Ader freien Lauf ließe, jeder rausgeflexte Darmpolyp, Gallenstein oder jedes Myom ein Hingucker an der Wohnzimmerwand…
    Hier illustrierend kommentiert http://soloezist.wordpress.com/2010/10/29/sagen-sie-mal-herr-von-hagens/

    Klinische Grüße

    soloezist

    30. Oktober 2010 at 10:51


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