Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Demografie und Ärztemangel

with 8 comments

In Deutschland gehen die Lichter aus. Noch nicht, aber demnächst. Demnächst, wenn die geburtenstarken Jahrgänge alt und schwach und pflegebedürftig werden: dann gibt es nämlich niemanden mehr, der sie versorgen wird. Und Ärzte wird man dann mit der Laterne suchen können.
So ähnlich hört man es nicht nur in diesen Tagen immer wieder auf allen Kanälen…. wird es also wirklich so kommen?
Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Denn was die Anzahl der Ärzte in Relation zur Bevölkerung in diesem Land angeht, da spielenwir weltweit an der Spitzenklasse und werden das wohl auch noch eine Weile tun, auch wenn ein paar tausend Kollegen in Rente und ein paar tausend abgewandert sind.
Keine Gefahr also?
Ob die Bevölkerung in zwanzig Jahren noch zu einem passablen Standard medizinisch versorgt sein wird, hängt von vielen Faktoren ab und das Thema ist zu vielschichtig um es hier auf die Schnelle in ein paar Sätzen abzuhandeln… trotzdem, wenn ich König von Deutschland wäre… dann hätte ich da durchaus ein paar Ideen.
Aber mich fragt ja keiner.
Wirklich nicht? Doch?
Okay:
Schafft uns endlich anständige Arbeitsbedingungen!
Das heißt nicht unbedingt mehr Geld. Im Gegenteil: Wen das Arbeitsklima und die Bedingungen stimmen, ist das Geld… nun ja, nicht unwichtig, aber weniger wichtig. Passable Arbeitszeiten, faire Arbeitsverträge, Faire Teilzeit-Möglichkeiten (Viele von uns haben Familie…), Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten… Das ist es, was zählt!

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Written by medizynicus

28. Oktober 2010 um 05:56

8 Antworten

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  1. Ich stimme dir grunsätzlich zu. Aber ich zweifle stark daran, ob sich der dazu gehörende gesunde Menschenverstand in Sachen sozialer Arbeitsbedingungen irgendwann einmal durchsetzt. Vermutlich müssen wir darauf noch ein paar Generationen lang warten (Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!).

    Egal um welche Branche es geht – es zählen nur noch die marktwirtschaftlichen Aspekte. Nur was sich in Cent und Euro auswerfen läßt hat Belang, genießt Priorität, wird zum Maßstab aller weiteren Entscheidungen und Investitionen (…oder Einsparungen).

    Aber von besseren Zeiten und Bedingungen träumen ist ja (noch) nicht verboten…

    Sanna

    28. Oktober 2010 at 06:19

  2. Fehlanreize abschaffen wäre noch wichtiger, bei allem Respekt. Keine Einzelleistungsvergütung mehr. Keine doppelte Facharztschiene mehr vorhalten. Denn wozu brauchen wir als Gesellschaft niedergelassene Radiologen? Und mit dem gesparten Geld das Bildungssystem aufpeppen und die Jugend gut ernähren. Denn Bildung und gute Ernährung sind die einzig sicheren Prädiktoren für gute Gesundheit. Dann macht wahrscheinlich Arztsein einfach ein wenig mehr Spaß. Die Ausbildung könnten wir natürlich verbessern (die Ärztekammer schafft das ja einfach nicht) und die Hierarchien abflachen. Ach ja, Gesundheitssystemmonarchie. Aber wenn dann einer wie Dr. Rösler König wird?

    Wolf

    28. Oktober 2010 at 08:34

  3. Ich denke, das ist nicht nur für Ärzte gültig. Auch ich hätte gerne faire Arbeitsbedingungen (gehabt), ein vernünftiges Arbeitsumfeld dazu. Denn wenn das Arbeiten Spaß macht, ist die Effizienz umso höher.

    Und ja, das liebe Geld. Wenn alles nicht so teuer wäre …
    … dann würde auch ich gerne mehr kaufen. Aber das ist ein anderes Thema.

    ednong

    28. Oktober 2010 at 12:44

  4. Heute noch den dummen Spruch im KH gehört, dass junge Ärzte heutzutage gar nicht mehr belastbar seien. Wäre früher ja alles viel schlimmer gewesen.

    GrafNudu

    28. Oktober 2010 at 19:55

  5. Den Spruch muss ich mir fast täglich von meiner 20 Jahre älteren Kollegin anhören… und denke ihn aber des öfteren beim Anblick der 5 Jahr jüngeren Kollegen…
    Wobei ich der Überzeugung bin, dass die Arbeit heutzutage schlimmer ist, als noch vor 5 Jahren oder gar vor 20.

    Antje

    28. Oktober 2010 at 22:41

  6. Wenn das Verhältnis so gut ist, warum gibt es dann zuwenig Mediziner in ländlichen Gebieten und Stadtteilen mit sozial (vielmehr: finanziell) schwacher Bevölkerung?

    Ich bin gerade ARD-Themenwoche geschädigt und behaupte daher, daß sich die Politik (oder die Gesellschaft allgemein?) eh schon lange von dem verabschiedet hat, was sie eigentlich bräuchte.

    Hesting

    28. Oktober 2010 at 23:22

  7. Im Ausland sieht, dass es auch anders gehen kann.

    sweetkoffie

    29. Oktober 2010 at 13:01

  8. Du hast ja sooooo recht. Aber viele Ärzte stehen auch immer noch hinter dem Modell „Was mich nicht unbringt macht mich nur noch härter“ oder haben von Interessenvertretung gegenüber Chef und Verwaltung 0 Ahnung.

    Daher befürchte Ich es wird noch länger dauern. Und klar ist Geld nicht alles, aber viele Kollegen haben sich auch an die „guten“ Gehälter dank Mörderdiensten und vielen Diensten gewöhnt und ihren Lebensstandart darauf eingestellt und genau da sitzt doch auch ein Knackpunkt.

    Wer kann so einfach auf 1000-1500€ im Monat verzichten um aus der Diensthölle zu entkommen? Viele junge Assis mit Familie eher nicht.

    Und gerade mit einem Partner der Arzt ist eine eigene Berufstätigkeit und Kinder zu verbinden ist wirklich schwer, Ich spreche aus Erfahrung. Denn da müssen nicht 2 Vollzeitstellen oder 1 / 0,5 Stellen koordiniert werden. Ein Chirurg mit 8-13 Diensten macht defakto eine 1,5 Stelle und die mit immer wechselnden Arbeitszeiten. Da ist selbst „dazu verdienen“ schwierig.

    Und wenn man das Alleinernährer Modell fährt geht es zwar deutlich besser ist aber eben auch entsprechend erpressbar. Denn wenn ein Partner erstmal ein paar Jahre aus dem Job ist kann man ja nicht sofort mit gutem Gehalt einsteigen.

    aupairfamilienrw

    29. Oktober 2010 at 19:01


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