Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for Oktober 2010

Die besten Krankfeierdiagnosen

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Okay, Du willst einfach mal ein paar Tage ausspannen. Hast aber Deinen Jahresurlaub längst aufgebraucht. Oder der Chef will Dir einfach keinen geben. Was könntest Du also tun?
Richtig, hol Dir einen Gelben!
Lerne klagen ohne zu leiden!
Also machst Du Dich auf den Weg zum Doktor. Und während Du jetzt im Wartezimmer sitzt, hast Du Gelegenheit, Dir ein Leiden einfallen zu lassen. Die Qual der Wahl ist nicht einfach:

  • Durchfall: – kommt immer gut. Du könntest ja andere Kollegen anstecken, wenn Du die zunächst Betriebstoilette und anschließend die Kaffeeküche verseuchst. Daher nimmt es Dir der Chef bestimmt nicht übel, wenn Du lieber zu Hause bleibst. Beim Hausarzt kriegst Du vielleicht Immodium verschrieben, das musst Du aber selbst bezahlen, also lass es weg. Und halte die Sache schön einfach: Kein Erbrechen, keine Bauchschmerzen, sonst bringst Du den verantwortungsvollen Arzt noch in Verlegenheit. Nach spätestens fünf Tagen muss der Durchfall aber wieder weg sein, sonst könnten unangenehme Unterschungen notwendig werden.
  • Erkältung, Husten, Schnupfen, Halsweh – läßt sich leider nicht ganz so einfach faken, denn eine Erkältung sieht man Dir ja an. Also vielleicht gegebenenfalls mit Zwiebeln nachhelfen. Wenn der Arzt knickerig ist, kriegst Du zwei bis 3 Tage Urlaub, bei einem netten Doktor kannst Du aber auch schonmal eine Woche rausholen, aber nicht mehr.
  • Ehrlich sein – Warum nicht? Die meisten Hausärzte sind doch gar nicht so böse! Und sie sind schließlich auch nur Menschen. Wenn Du offen zugibst, dass Du heute verschlafen hast oder einfach keine Lust weil Du gestern vom Chef einen Anschiss kassiert hast, lassen sie sich schon etwas einfallen. So ein gelber Schein für ein oder zwei Tage ist fast immer drin – sofern Du es nicht übertreibst!

Weitere Artikel:

Dieser Artikel ist satirisch gemeint und keineswegs als Aufforderung zu einer strafbaren Handlung zu verstehen!

Written by medizynicus

15. Oktober 2010 at 07:00

Nicht versichert

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Der Patient trommelt unruhig mit den Fingern.
„Muss das wirklich sein?“ fragt er. Er wirkt nervös.
„Nun ja… Sie wollen doch auch, dass es Ihnen wieder besser geht!“
Er nickt.
„Aber…“
„…und deshalb bekommen Sie zunächst einmal Infusionen gegen die Schmerzen und dann müssen wir ein paar Untersuchungen machen.“
Er seufzt und schüttelt mit dem Kopf.
„Aber muss ich deshalb wirklich über Nacht hier bleiben?“
„Sie haben doch selbst gesagt, dass Ihre Bauchschmerzen…“
„Ich glaube, es ist schon etwas besser!“
Das nehme ich ihm nicht ab! Dieser etwas fülligere Mitfünfziger mit türkischem Migrationshintergrund sieht wirklich krank aus und wenn seine Bauchschmerzen stark genug sind um ihn nachts um halb elf ins Krankenhaus zu treiben obwohl er in den letzten zehn Jahren nie beim Arzt war, dann sollte man der Sache schon auf den Grund gehen.
Er versucht zu lächeln, aber es wirkt sehr gequält.
„Was hält Sie denn davon ab, hier zu bleiben?“
Er seufzt und schüttelt den Kopf.
„Also?“
„Was kostet das denn?“
„Ach darum geht’s! Da machen Sie sich mal keine Gedanken, das trägt doch alles die Krankenkasse…“
„Nein.“
„Nein?“
„Bei mir nicht.“
„Warum nicht?“
„Ich bin nicht versichert!“
Ich schaue ihn ungläubig an.
„Wieso?“
„Wissen Sie, ich habe doch eine kleine Döner-Bude. Die wirft gerade genug ab, um über die Runden zu kommen. Vor ein paar Jahren war es mal ziemlich knapp. Da musste man sparen. Also bin ich aus der Kasse rausgegangen. War gar kein Problem, ich bin ja selbständig. Außerdem habe ich gesagt, dass ich zurück in die Türkei gehe. Hat mich nicht weiter gestört, ich war ja nie krank gewesen…“
Bis heute.

Written by medizynicus

14. Oktober 2010 at 06:42

Muss ein Arzt sich verprügeln lassen?

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Die Geschichte mit Mr. Troublemaker hätte auch böse ausgehen können. Zu verdanken ist das dem umsichtigen Verhalten unseres Ambulanzpflegers Marvin. Von Deeskalationstraining und Konfliktbewältigungsseminaren hat der zwar noch nie etwas gehört, trotzdem macht er es genau richtig. Mit der bewährten Strategie: Erstmal hinsetzen und eine rauchen – notfalls auch im Behandlungszimmer – hat er schon manchem Troublemaker den Wind aus den Segeln genommen.
Aber nicht immer verläuft es so glimpflich:
Nach dem Krankenhaus-Amoklauf in Lörrach sind im Netz mehrere Blogbeiträge aufgetaucht, in denen über brenzlige Situationen berichtet wird, zum Beispiel bei Rettungsdienstler Paul und bei der Rettungsschnepfe (danke, Hermione für den Link!).
Dass Rettungsdienstler, Feuerwehrleute, Ärzte und andere Lebensretter im Dienst beschimpft, angepöbelt und auch tätlich angegriffen werden ist leider gar nicht so selten.
Aber wie verhält man sich in so einer Situation?
Was macht man, wenn man zu einem NAW-Einsatz an eine Adresse gerufen wird, wo eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass einen dort eine unliebsame Überraschung erwartet? Oder – noch schlimmer – im hausärztlichen Notdienst, wo man unter Umständen völlig allein ist und nicht bei jeder Hausbesuchsanforderung in die örtliche Bronx um Polizeibegleitung bitten kann?
Gerade ältere Landärzten haben oft noch den Ethos, man müsse auf jeden Fall helfen, ohne Rücksicht auf eigene Gefahren…
Was haltet Ihr davon?
Hat jemand schon einmal entsprechende Erfahrungen gemacht?

Written by medizynicus

13. Oktober 2010 at 06:35

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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Kaffee verkehrt

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„Frau Kübler läßt fragen, ob Sie ihren Kaffee bekommen kann!“ fragt Schwester Anna morgens um halb acht, als wir gerade mit der Frühbesprechung angefangen haben.
„Selbstverständlich kann sie das. Aber Du brauchst mich deshalb nicht unbedingt um diese Zeit anzurufen!“
„Es ist halt… etwas verzwickt!“
Ich kann mir schon vorstellen, was da oben los ist. Frau Kübler ist eine biologisch abbaubare Mitfünfzigerin: spindeldürr mit bis auf die Pobacken herabwallendem eisgrauem Haar. Dazu trägt sie meistens tiefdecolletierte Gewänder aus organisch-brauner Jute, Gesundheitsschlapfen und verschiedene Klunker aus astrologisch geheimnisvollen Kristallen. Sie ist ziemlich häufig bei uns, obwohl sie eigentlich von der doofen Schulmedizin so gut wie gar nichts hält, was sie uns auch bei jeder Gelegenheit lang und breit erklärt.
„Was soll daran verzwickt sein? Du stellst Ihr einfach einen Kaffee aufs Frühstückstablett und fertig ist!“
„Sie trinkt aber keinen Kaffee!“
„Was trinkt sie denn?“
„Nur Wasser. Aber auch nur dann, wenn sie es vorher selbst energetisiert hat!“
„Wie funktioniert das?“
„Das Wasser kommt zunächst in eine Karaffe mit ein paar Steinen drin…“
„Dann gib ihr halt energetisiertes Wasser, ist mir doch egal!“
Ich kann mir ziemlich lebhaft vorstellen, dass die Dame oben den Schwestern gerade das Leben schwer macht. Aber damit müssen die jetzt erstmal selber fertig werden.
„Und was ist jetzt mit ihrem Kaffee?“
„Wenn sie Kaffee will, gib ihr Kaffee und wenn sie energetisiertes Wasser haben will, dann gib ihr energetisiertes Wasser. Und den Rest klären wir bei der Visite!“
„Wirst schon sehen, dass das nicht so einfach ist!“
Das glaube ich gerne und vor der Visite bei ihr graut mir jetzt schon.
Eine halbe Stunde später sitze ich im kaffeeduftenden Schwesternzimmer beim Frühstück.
„Was habt ihr denn jetzt mit der Frau Kübler gemacht?“
„Das mit dem Kaffee musst Du auf Visite klären!“
„Wo ist das Problem?“
Anna kichert.
„Es ist…. es ist sozusagen Kaffee verkehrt…“
„Wie bitte?“
„Halt… hinten rum!“
„Ich verstehe nicht.“
„Sie macht sich jede Woche einen Einlauf mit Kaffee!“
Mir fällt fast die Tasse aus der Hand.
„Wie bitte?“
„Das ist gut gegen Krebs. Sagt sie. Würde sogar Prince Charles so machen!“
Wie soll das wohl gehen? Mit Milich und Zucker?
Später mache ich mich erstmal schlau. Die Antwort eines renomierten Wissenschaftlers an seine Hoheit ist wirklich lesenswert.

Written by medizynicus

12. Oktober 2010 at 05:19

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Telemedizin in Deutschland

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Eine ärztliche Fernbehandlung ist in Deutschland bekanntlich verboten. Über die Gründe mag man sich streiten – in anderen Ländern sieht man das Ganze bekanntlich lockerer.
Dennoch ist Telemedizin auch in Deutschland ein heißes Eisen. Die reine Beratung über Telefon oder Internet ist nämlich erlaubt. Es darf allerdings keine Diagnose gestellt werden. Eine Behandlung mit Rezept ist nicht möglich, allerdings dürfen – unter Vorbehalt – Empfehlungen ausgesprochen werden.
Vor einigen Jahren wurden Krankenkassen dazu verpflichtet, ihr Informations- und Beratungsangebot zu verbessern. Zahlreiche Kassen bieten seither Telefonberatung über Hotlines an – wobei dies meist nicht von den Krankenkassen selbst, sondern von extetrnen Dienstleistern durchgeführt wird.
Die Stiftung Warentest hat 2003 einige dieser Hotlines getestet und kam zu insgesamt zufriedenstellenden Ergebnissen.
Im deutschsprachigen Internet gibt es zahlreiche Gesundheitsportale und Foren welche eine individuelle Gesundheitsberatung anbieten, die meisten davon kostenlos. Auch diese Angebote sind von der Stiftung Warentest getestet worden – die Qualität der Beratungen war auf den verschiedenen Seiten sehr unterschiedlich und auch bei den gebührenpflichtigen Angeboten nicht unbedingt verläßlich.
In vielen Foren kann man sich anonym mit Nickname anmelden, die Antworten auf die gestellten Fragen sind dann meist öffentlich wobei nicht nur „Experten“ (die in der Regel als solche erkennbar sind) sondern auch „normale User“ antworten können. In einigen Foren muss bei der Anmeldung der echte Name sowie Telefonnummer und Adresse angegeben werden, was möglicherweise Datenschutzprobleme aufwirft.
Insgesamg sind Telefon- und Onlineberatung in Deutschland noch ziemliches Neuland. Krankenkassen sehen hier die Chance, langfristig Geld sparen zu können. Die meisten Ärzte betrachten die Sache aus demselben Grund eher skeptisch.
Man darf also gespannt sein.

Written by medizynicus

11. Oktober 2010 at 06:39

Eine Nacht mit Jenny (Teil 3)

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Jenny hat mich ganz lieb verabschiedet, mit Küsschen auf die Wange.
Trotz der späten Stunde bin ich hellwach, was noch untertrieben ist, ich bin völlig aufgekratzt und tachykard. Das liegt an dem übermäßigen Koffein-Input der letzen Stunden. Kaffeekochen kann Jenny, das muss man ihr lassen. Und kluge Fragen stellen kann sie auch.
Ziemlich gute Fragen. Jedenfalls fühle ich mich inzwischen ziemlich gerädert, ungefähr so gerädert wie nach einem anstrengenden Nachtdienst,
Aufgedreht und müde zugleich stolpere ich durchs Trepenhaus nähere mich der Tür und stolpere hinaus…
„’n Abend, Doktor!“
Wie bitte? Was ist los? Ich reiße die Augen auf. Zwei männliche Gestalten.
„Alles klar?“
Marvin grinst mich an. Den habe ich doch schonmal hier gesehen ungefähr um diese Zeit. Und der Typ neben ihm?
Der sagt gar nichts. Aber er schaut ziemlich böse. Im Halsausschnitt seines Designer-Poloshirts steckt eine Sonnenbrille. Die ist um diese Zeit eigentlich nicht unbedingt notwendig. Was macht ihr beide denn hier um diese Zeit? Aber ich verkneife mir die Frage.
„Alles klar!“ sage ich.
„Wir kommen gerade aus dem ‚Delirium’“ sagt Marvin und beantwortet damit meine nicht gestellte Frage.
„Da arbeite ich nämlich!“ sagt der andere und fixiert mich mit einem Blick, der töten könnte. Habe ich ihm irgendwas getan?
„Kennen wir uns?“ frage ich.
Der andere lacht bitter.
„Kennen wir uns? Und ob wir uns kennen, Doktorchen! Hätte ich Dich mal besser nicht reingelassen am Silvesterabend…
Plötzlich erinnere ich mich: Tom, Türsteher, Notarztfahrer und abservierter Jenny-Verehrer. Die letzte Eigenschaft macht ihn gefährlich. Jedenfalls für mich. Zumal er mindestens eineinhalb Köpfe größer ist als ich. Also mal lieber kleine Brötchen backen, denke ich mir.
„Sehen wir uns morgen?“ fragt Marvin.
„Na klar. In aller Frische!“
„Ich bin gespannt, wie frisch Du bist,“ zischt Tom und grinst ziemlich fies, „Cooler Superheld?“
Wenn er zuschlägt, bin ich der zweite Sieger.
„Oder soll ich sagen Weiberheld?“
Ich sage nichts.
Marvin packt ihn am Arm.
„Gehen wir!“
Das ist mein Stichwort. Ich sehe zu, dass ich Land gewinne.

Written by medizynicus

10. Oktober 2010 at 06:49

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Lieber Kevin, liebe Schantall,

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Schickt Euch der Papa immer noch zum Zigarettenholen?
Bestimmt sagt er dann: „Geht mal raus an die frische Luft, das tut Euch gut!“ Vor allem natürlich im Winter, wenn es stürmt und schneit. Der Papa ist halt abends immer so müde von der Arbeit. Wenn es dunkel ist sind die Geschäfte zwar meistens schon geschlossen, aber der Automat hat immer auf. Mit den Automaten, das ist ja jetzt etwas schwieriger geworden, da muss man halt ein bisschen klettern, und wenn Euch der Papa nicht seine Karte mitgeben würde, dann würde es gar nicht klappen. So aber gehts.
Weil die blöde Tante da beim Edeka an der Kasse, die hat mal Ärger gemacht und sich aufgeregt. Die hat gesagt das ist verboten, Tabakprodunkte an Kinder und so und da sind Euch gleich die Tränen über die Wangen gekullert, weil Ihr könnt ja nichts dafür, wenn der Papa Euch schickt.
Was heisst denn schon verboten? Wenn der Papa Euch mal wieder eine schallert weil Ihr zu laut wart, dann ist das doch auch verboten. Vielleicht ist es ja auch verboten, dass der Papa die Mama an den Haaren ins Schlafzimmer zieht, ihr eine Backpfeiffe gibt und dann brüllt: „Komm her, Du Schlampe, jetzt kriegst Du was Du brauchst!“, bevor er die Tür hinter sich zuknallt.
Aber der Horst vom Tabakladen an der Ecke, der kennt Euch ja und der kennt auch den Papa und er weiss ja dass die Fluppen für den Papa sind und gibt sie Euch raus ohne blöde Sprüche und so und meistens gibt’s dann auch noch einen Lutscher oder ein paar Bonbons dazu. Ja, der Horst, der ist schon ein ganz Netter!
Tja, lieber Kevin und liebe Schantall, so ist das.
Aber die Sache letztens beim Dokta, die fand ich richtig gut!
Wisst Ihr noch noch?
Da wart Ihr, weil Ihr beide immer so husten müsst und der Husten nicht weggeht. Da hat der Doktor gefragt ob irgendwer in der Familie raucht. Und der Papa hat irgendwas genuschelt was sich so ähnlich anhörte wie: „…meistens nur draußen auf dem Balkon!“
Dabei habt Ihr gar keinen Balkon.
Und dann hast Du, Kevin gesagt: „Aber manchmal auch drinnen!“
Und Du, Schantall hast hinzugefügt: „Und das ist immer voll eklig!“

Written by medizynicus

9. Oktober 2010 at 06:00

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Schlagmichtot Senior (Teil 5)

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Oberarzt Dr. Heimbach schlägt die Akte auf. Gleich oben liegt ein krakelig beschriebener A-4-Zettel.
„Was ist denn das?“
„Offenbar das chirurgische Konsil!“
„Schön! Haben die ihn schon angeschaut?“
Wir beide beugen uns über das Blatt. Da steht nur ein Satz drauf, in typischer Chirurgen-Sauklaue, nur schwer zu entziffern.
„Was soll das heißen?“
„Bitte um Wiedervorstellung nach Abschluss der Diagnostik!“ lese ich laut.
Heimbach ist sprachlos.
„Wer hat denn das geschrieben?“
„Der Unterschrift nach war es Martin Bückling.“
„Da steht doch noch etwas…“
„Biestig vidit et dixit
„Aha?“
„Biestig sieht das auch so.“
Heimbach sagt nichts. Das ist immer so bei ihm, Heimbach ist wie ein Vulkan, der unter der Oberfläche brodelt.
Ich blättere durch die Akte.
„Was wollen die denn noch an Diagnostik haben? CT ist doch schon am Aufnahmetag gelaufen und die Coloskopie haben Sie gleich am nächsten Morgen gemacht!“
Heimbach nickt.
„Die Sache ist eindeutig. Endoskopisch war ein großer Rektumtumor zu sehen, im CT glücklicherweise noch keine Metastasen, weder in der Leber noch sonst irgendwo im Bauchraum. Wie geht es ihm denn sonst?“
Ich kann nur mit den Schultern zucken. Seit der Aufnahme habe ich den Patienten ja auch nicht mehr gesehen.
„Laborwerte sind akzeptabel…“
„Der Patient wäre also im Prinzip operabel…“
„…Das entscheiden die Chirurgen und Anästhesisten. Aber dazu sollten sie ihn tunlichst einmal anschauen. Und zwar zeitnah!“
Heimbach schüttelt den Kopf, dann klopft er an der Tür und tritt unmittelbar darauf ein.
Herr Schlagmichtot sitzt am Tisch vor seinem Laptop und arbeitet. Neben ihm liegen zwei verschiedene Handys. Einen Moment lang denke ich, er führt Selbstgespräche bis ich das kleine Headset am rechten Ohr bemerke.
Als er uns sieht, unterbricht er das Gespräch, steht kurzt auf und streckt erst dem Oberarzt, dann mir seine rechte Hand hin.
„Nehmen Sie Platz!“
Ich bleibe stehen, Heimbach setzt sich an den Tisch, dem Patienten gegenüber.
„Haben Sie schon Ergebnisse?“
Wer hat hier wohl das Sagen?
„Sie haben da eine Geschwulst…“
„Sie meinen einen Tumor.“
„Richtig, einen Tumor. Noch können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob er gut- oder bösartig ist, aber…“
„Wann haben Sie die Histologie?“
„Normalerweise innerhalb von fünf bis sieben Tagen.“
„Nennen Sie mir die Telefonnummer des Pathologen, ich regel das schon. Wie geht’s dann weiter?“
„Wir werden Sie unseren Chirurgen vorstellen, damit…“
„Warum waren die noch nicht hier?“
Bingo, der Mann hat’s erfasst!
„Ich sorge dafür, dass sich heute noch ein Chirurg bei Ihnen meldet!“
Dr. Heimbach steht auf, streckt dem Patienten zum zweiten Mal die Hand hin und erhobenen Kopfes verlassen wir das Zimmer.
„Machen Sie mal alleine weiter!“ sagt Heimbach und verschwindet dann in Richtung Treppenhaus.
Keine halbe Stunde später rennt Dr. Biestig an mir vorbei.
„Warum hast Du mir nicht gesagt, dass der privat ist?“ zischt er mir zu.
Bevor ich irgendwas sagen kann ist er schon im Privatflur verschwunden.
Meine Laune hat sich in dem Moment um geschätzte hundertdreißig Prozent gehoben.

Written by medizynicus

8. Oktober 2010 at 05:13

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Noch’n Bloggertreffen: Sonntag, der 17.10. in Köln

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…wie beim letzten Mal: Treffpunkt 18 Uhr, diesmal im zentralen Starbucks zwischen Dom und Hohe Straße (Adresse: am Hof 3, zu finden wenn man vom Dom die Hohestraße lang geht, dann gleich am Anfang links in die Passage zum Heinzelmännchen-Brunnen, gegenüber der Kneipe „Früh“. Notfalls nach Heinzelmännchen-Brunnen Kneipe „Früh“ fragen, kennt jeder Einheimische!)

Wer kommt?
Ich freue mich!
🙂

Written by medizynicus

8. Oktober 2010 at 03:18

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs

Grundlagen der Kristallaurahokuspokustherapie (Teil 1)

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Liebe Patientin, lieber Patient,
Du willst also gesund werden, nehme ich an. Aber von Medizin hätst Du nicht viel. Jedenfalls nicht von der Medizin, die mit weißen Kitteln, Krankenhäusern und Desinfektionsmittelgeruch einhergeht. Von dieser Art von Medizin hast Du fertig. Vielleicht bist Du enttäuscht worden. Vielleicht konnte man Dir nicht helfen. Oder man wollte es nicht oder Du hast andere schlechte Erfahrungen gemacht. Jedenfalls stehst Du jetzt auf so Ganzheitliche Sachen, auf sanfte und natürliche Medizin und sowas. Worum es da geht, weißt Du zwar auch nicht so richtig, denn das was der Heilpraktiker Dir erzählt klingt genauso unverständlich und verworren wie das der Weißkittelarzt Dir früher verklickern wollte, aber der Heilpraktiker hört Dir wenigstens zu.
Lieber Patient, wenn Du wirklich krank bist und es Dir echt beschissen geht, und Du einfach nur Hilfe brauchst – dann tu mir einen Gefallen: lies hier nicht weiter. Klick schnell weg und – ja, tu mir noch einen Gefallen: Schick Deinen Quacksalber in die Wüste, jag alle Scharlatane dahin, wo der Pfeffer wächst und gib dem Weisskitteldoc noch eine Chance! Geh zurück zu ihm und zwing ihn notfalls dazu, Dir zuzuhören!
So.
Was aber ist, wenn Du gar nicht wirklich krank bist?
Und wenn Du vielleicht auch gar nicht gesund werden willst?
Wenn Du Deine Krankheit – mag sie nun existieren oder nicht – eher so als eine Art Hobby siehst?
Ja, dann bist Du hier richtig! Dann werde ich Dir im Laufe der folgenden Tage, Wochen, Monate, Jahre und Jahrzehnte an dieser Stelle die Grundprinzipien der Kristallaurahokuspokustherapie erklären.
Wie sie wirkt?
Einfach bombig!
Was das genau ist?
Das kriegen wir später!
Aber merke Dir:

  • Glaub nix, was Du künftig hier an dieser Stelle (Tag/Kategorie „Quacksalberei“) lesen wirst! Denn wenn Du es tust, dann könnte es Deine Gesundheit gefährden!


Schonmal ein bisschen Lektüre vorweg (ältere Artikel zum Thema):

Written by medizynicus

7. Oktober 2010 at 05:31