Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Adrenalinjunkiemomente

with 9 comments

Vierzehn Uhr dreißig, mein Körper ist immer noch damit beschäftigt, das umfangreiche Mittagessen zu verdauen. Ich sitze in der Notaufnahme, vor mir ein großer Pott mit Krankenhauskaffeeplörre, viel Milch und viel Zucker, dann ist das Zeug so gerade trinkbar und das Koffein, das brauche ich jetzt….
Ich blättere durch einen Stapel Laborbefunde, da spüre ich eine Hand auf meiner Schulter.
Eine weibliche Hand.
Die Hand von Schwester Gaby.
„Du?“
„Äh…..“ – Grummel.
„Dieser Patient in Kabine drei….“
„Ja?“
„Gefällt mir nicht!“
Wenn Gaby etwas nicht gefällt, dann ist Alarmstufe rot angesagt. Ich springe auf und hechte zu Kabine drei. Darin liegt eine Gestalt. Jenny steht daneben und misst Blutdruck.
„Hundertvierzig zu achtig“ berichtet sie.
„Puls?“
„Vierunddreißig…. und das ganze mal vier, macht…“
Äh?
Der Patient hat die Augen geöffnet, aber er sieht mich nicht. Die Augen rollen langsam von links nach rechts. Die Haut kaltschweißig und der Puls tatsächlich bei hundertsechsunddreißig.
„Hallo?“
Keine Antwort.
„Hören Sie mich?“
Nichts. Noch nicht einmal ein Grummeln.
„Was hat denn der eigentlich?“ frage ich.
„Keine Ahnung,“ berichtet Jenny, „aber vorhin hat er noch mit mir gesprochen!“
Gaby hält mir den Einweisungszettel unter die Nase.
„Fieberhafter Infekt“ steht da, „Verdacht auf Pneumonie.“
So, jetzt aber an die Arbeit

Advertisements

Written by medizynicus

19. November 2010 um 05:04

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

9 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. uaaaaah, danke. Das ist genau das Szenario an dem mein Mann letztes Jahr um Haaresbreite dran vorbeigeschliddert ist. Laut Arzt hätte er keine Stunde mehr auf den eigenen Beinen sein können.

    Schreib mal wie es weitergeht. biddebidde

    Blogolade

    19. November 2010 at 10:48

  2. Nett. Die Dame scheint kompetent zu sein.

    Avarion

    19. November 2010 at 15:15

  3. Da muss der Medizynische aber mal ein paar Nachschulungen bei Jenny durchführen. 😉

    Der Maskierte

    19. November 2010 at 15:56

  4. Ich verstehe überhaupt nicht, wieso die Krankenhäuser für ihre ständig kurz vorm Abrund stehenden Medizyner noch keine Lieferverträge mit Red Bull haben. Man könnte doch jedem Arzt eine Dauerzugang legen und ihn so immer einsatzbereit halten.

    Red Bull veleiht Flügel 😉
    😉

    sweetkoffie

    19. November 2010 at 17:19

  5. @sweetkoffie

    Stell dir vor, jeder Medizynische riecht dann aber nach Gummibären. Da drehst doch durch. Und ich möchte dann gar nicht wissen, wieviele dann von den Patienten irrtümlich Gebissen werden. 😉

    Der Maskierte

    19. November 2010 at 20:40

  6. @der Maskierte
    ich finde, das gehört zum Berufsrisiko der Medizynischen, außerdem glaube ich, dass die Patienten den Gummibärchengeruch dem von Desinfektionsmittel vorziehen 😉
    Und wenn sie dann noch die Flügelchen sehen, dann fühlen sie sich wie im 7ten Himmel 🙂

    sweetkoffie

    19. November 2010 at 20:56

  7. Oder sie denken sie wären schon tot :\

    Tobi

    19. November 2010 at 22:45

  8. Ja, das ist genau der Moment, in dem man sich denkt: „Mir fällt jetzt besser akut was Gutes ein, denn ich bin ab jetzt für das hier verantwortlich.“

    anna

    19. November 2010 at 23:37

  9. Gute Schwester 🙂

    Psychiater in Spee

    22. November 2010 at 14:12


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: