Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for November 2010

Adrenalinjunkiemomente (Teil 3)

with one comment

„Der Patient hat eine Hirnblutung!“ sagt Oberarzt Heimbach, nachdem er mit dem Radiologen gesprochen hat.
„Das heißt, wir verlegen ihn in die Neurochirurgie?“ fragt Sarah.
Heimbach nickt.
Ich kriege die Unterhaltung nur mit einem Ohr mit, mein zweites Ohr klebt nämlich am Telefonhörer. Den habe ich zwischen Kopf und Schulter eingeklemmt. Mit der rechten Hand mache ich Notizen, mit der linken bediene ich die Computermaus um die Laborwerte anzuschauen. Am anderen Ende der Leitung ist der Hausarzt.
„Der Patient hat ein metastasierendes Bronchialkarzinom!“ sagt er.
Vor wenigen Wochen hat unser Patient seine letzte Chemotherapie erhalten. Die hat er erstaunlich gut vertragen. Überhaupt war es ihm bislang verhältnismäßig gut gegangen, auch wenn die langfristige Prognose der Erkrankung natürlich bekanntermaßen ungünstig ist.
Oberarzt Heimbach hat sich inzwischen mit dem diensthabenden Kollegen in der Neurochirurgie verbinden lassen.
Ich schiebe ihm meinen Notizzettel hinüber, mit einem dicken Ausrufezeichen an der Stelle, wo es um die Tumordiagnose geht.
Heimbach nickt mir zu.
„Was machen wir jetzt?“
Schwester Gaby kommt aus dem Wartezimmer, beugt sich zu mir hinunter und flüstert mir etwas ins Ohr:
„Die Angehörigen sind da!“
Ich schließe die Augen und atme tief aus. Ich fühle mich wie in einer Examensprüfung, in der man mir soeben gerade eine ganz besondes knifflige fiese Fangfrage gestellt hat.
Dann schaue ich Gaby an.
„…ist Okay. Ich rede mit denen. Warte noch eine Minute…“

Written by medizynicus

21. November 2010 at 07:33

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Adrenalinjunkiemomente (Teil 2)

with 6 comments

Jetzt brauch ich ne Idee. Ne gute Idee, wenn möglich. Am besten eine verdammt gute Idee… oder gleich mehrere?
Venösen Zugang legen. Infusion anhängen. Egal was, Hauptsache Flüssigkeit. Sauerstoff. Okay, okay. Und jetzt?
Hirn einschalten! Durchatmen und eigenen Puls fühlen.
Was ist da los?
Puls, Blutdruck, Blutzucker, Sauerstoffsättigung und Temperatur kontrollieren. Haben wir ein Bett auf der Intensivstation? Schwester losschicken und anrufen lassen! Oder erst Oberarzt verständigen?
Der ist keine zwei Minuten später da.
„Wissen wir irgendwas über die Vorgeschichte?“
Jenny bringt das Krankenblatt, aber da steht noch gar nichts drin.
„Gibt’s Angehörige?“
Gaby schüttelt den Kopf.
„Wurde mit Krankenwagen gebracht…“
„Schauense mal nach, ob der schonmal hier war, vielleicht gibt’s ja eine alte Akte. Sonst rufen Sie bitte den Hausarzt an!“
Gaby verschwindet in Richtung Telefon.
„Hallo, Herr…. äh, wie heißt denn der überhaupt?“
Oberarzt Heimbach fasst zunächst die Hand des Patienten und drückt dann eher unsanft auf das Brustbein.
„Verstehen Sie mich?“
Keine Reaktion. Der Patient hat den Mund leicht geöffnet, die Augen weit aufgerissen, Blick ins Leere.
„Wir machen ein Schädel-CT! Und dann auf die Intensivstation!“
Jenny und ich schieben das Bett in Richtung Aufzug, Heimbach telefoniert mit den Radiologen. Und während wir dann auf das Bild warten, geht mein Piepser.
„Gespräch von draußen!“
Der Hausarzt ist dran.

Written by medizynicus

20. November 2010 at 05:07

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Adrenalinjunkiemomente

with 9 comments

Vierzehn Uhr dreißig, mein Körper ist immer noch damit beschäftigt, das umfangreiche Mittagessen zu verdauen. Ich sitze in der Notaufnahme, vor mir ein großer Pott mit Krankenhauskaffeeplörre, viel Milch und viel Zucker, dann ist das Zeug so gerade trinkbar und das Koffein, das brauche ich jetzt….
Ich blättere durch einen Stapel Laborbefunde, da spüre ich eine Hand auf meiner Schulter.
Eine weibliche Hand.
Die Hand von Schwester Gaby.
„Du?“
„Äh…..“ – Grummel.
„Dieser Patient in Kabine drei….“
„Ja?“
„Gefällt mir nicht!“
Wenn Gaby etwas nicht gefällt, dann ist Alarmstufe rot angesagt. Ich springe auf und hechte zu Kabine drei. Darin liegt eine Gestalt. Jenny steht daneben und misst Blutdruck.
„Hundertvierzig zu achtig“ berichtet sie.
„Puls?“
„Vierunddreißig…. und das ganze mal vier, macht…“
Äh?
Der Patient hat die Augen geöffnet, aber er sieht mich nicht. Die Augen rollen langsam von links nach rechts. Die Haut kaltschweißig und der Puls tatsächlich bei hundertsechsunddreißig.
„Hallo?“
Keine Antwort.
„Hören Sie mich?“
Nichts. Noch nicht einmal ein Grummeln.
„Was hat denn der eigentlich?“ frage ich.
„Keine Ahnung,“ berichtet Jenny, „aber vorhin hat er noch mit mir gesprochen!“
Gaby hält mir den Einweisungszettel unter die Nase.
„Fieberhafter Infekt“ steht da, „Verdacht auf Pneumonie.“
So, jetzt aber an die Arbeit

Written by medizynicus

19. November 2010 at 05:04

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Schnitzel ohne Schnitzel

with 23 comments

Bad Dingenskirchen, kurz vor dreizehn Uhr.
„Lass uns essen gehen!“ sagt Kalle. Ich lege das Diktiergerät weg und gemeinsam machen wir uns auf den Weg in die Kantine. Vor der Ausgabe ist schon eine lange Schlange.
„Was gibt’s denn leckeres?“
Kurzer Blick auf den hinter Glas ausgehängten Zettel.
„Also ich nehme das Schnitzel mit Pommes!“
Kalle schüttelt den Kopf.
„Ich sollte doch abnehmen…“
„Aha?“
„Also heute nur Salat!“
Langsam schieben wir uns bis vor die Ausgabe, wo unsere beiden Kantinendamen emsig Schnitzel und Pommes auf Teller schaufeln.
„Sieht ja doch irgendwie lecker aus…“ meint Kalle leise, und dann, zu den Kantinendamen gewandt: „Für mich bitte einmal Pommes und Salat!“
Die Kantinendame starrt ihn entgeistert an und lässt vor Schreck die Pommesschaufel fallen.
„Habe ich etwas Falsches gesagt?“
„Äh… das…. das geht aber nicht!“
„Warum nicht?“
„Weil… äh… Pommes gibt’s nur zum Schnitzel!“
„Dann geben Sie mir halt ein Schnitzel ohne Schnitzel!“
Die Kantinendame starrt ihn mit offenem Mund an.
„Ich bezahle Ihnen den Preis für Schnitzel mit Pommes und Sie lassen das Schnitzel einfach weg!“ erklärt Kalle.
„Das… das ist aber gegen die Vorschrift…“
„Warum?“
„Sie können doch nicht…“
„Was spricht dagegen?“
Die Schlange hinter uns ist ins Stocken geraten.
„Weil… wenn das jeder machen würde…“
Kalle und die Kantinendame stehen sich Auge in Auge gegenüber. Mir wird die Sache inzwischen peinlich.
„Lass sein, ich nehme Dein Schnitzel!“ zische ich ihm zu.
„Kommt nicht in Frage!“ zischt Kalle zurück und will etwas sagen, aber ich greife schnell den nächsten Schnitzel-Pommes-Teller, stelle ihn auf Kalles Tablett, zupfe Kalle am Ärmel und ziehe ihn zur Kasse.
Natürlich hat er das Schnitzel gegessen. Mit Pommes. Und einer großen Portion Kartoffelsalat dazu.

Written by medizynicus

18. November 2010 at 05:32

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Tagged with ,

Diagnose Krebs und Spaß dabei

with 12 comments

Schwester Gaby schüttelt ärgerlich den Kopf.
„Da hat schon wieder jemand die Zeitung geklaut!“
„Wie bitte?“
„Die Illustrierte aus dem Wartezimmer! Eben war sie noch da.“
„Und jetzt?“
„Jetzt ist sie weg.“
„Na und?“
„Da war ein Artikel drin über…. aber ist auch egal!“
Sie seufzt.
„Kann man nichts machen!“
„Kann man doch!“ sagt Marvin.
Gaby runzelt die Stirn.
„Unsere Ambulanz-Kundschaft klaut doch alles, was nicht niet- und nagelfest ist!“
„Lass mich mal machen!“
Am nächsten Tag liegen auf den niedrigen Tischchen im Wartezimmer ein paar knallrote Hefte. Am übernächsten Tag liegen die Dinger immer noch da. Und am überübernächsten Tag auch noch, und zwar genau so, wo sie hingelegt worden sind. Kein Mensch rührt sie an. Die Patienten starren angestrengt daran vorbei in die Luft.
In einer stillen Stunde fasse ich mir ein Herz und nehme eines der Hefte in die Hand.
Ich muss mich arg zusammenreißen um nicht sofort laut loszulachen,
„Diagnose Krebs“ lautet der Titel, „Das Magazin für Tumorkranke.“
Ohne es zu wollen fallen mir ständig weitere potentielle Titel ein: Wie wäre es mit: „Das Tuberkel“ oder Oder: „HIV-Plus – positiv leben mit dem Virus“. Und dann gäbe es noch: „Die Pumpe – das Zentralorgan für Koronare Herzkrankheit“.
Wer hat weitere Ideen?
p.s.: Das Ding gibt’s übrigens wirklich! Ächt jetzt, kein Scherz!
p.p.s.: Nee, ich will mich wirklich nicht über Selbsthilfegruppen oder Patienteninformationen lustig machen – aber ein bißchen mehr Sensibilität wäre doch schon angezeigt, oder?

Written by medizynicus

17. November 2010 at 05:03

Psyche, Herz oder Rücken?

with 21 comments

Es klopft an der Tür zum Arztzimmer.
„Herein!“
Die Tür öffnet sich zaghaft. Davor steht Herr Lanzberger, Herbert.
„Was können wir für Sie tun, Herr Lanzberger?“
„Ich… ich hätte ein paar Fragen an Ihre Kollegin…“
Sarah verdreht die Augen und atmet laut hörbar aus. Dann steht sie auf und reicht dem Patienten die Hand.
„Bei der Visite hatte ich Ihnen doch schon alles erklärt!“
„Aber ich weiß nicht…“
„Sie können heute nach Hause gehen, Herr Lanzberger!“
„Wirklich?“
„Wirklich!“
„Also, letzte Nacht, da hatte ich wieder…“
„Ihre Schwindelattacken haben wir doch längst abgeklärt!“
„Und was habe ich dann?“
„Herz und Lunge sind völlig in Ordnung!“
„Ja, und meine Schmerzen?“
„Die könnten… die könnten vielleicht vom Rücken her kommen…“
„Und was mache ich da?“
„Gehen Sie am besten gleich morgen zum Hausarzt. Der kann Sie dann zum Orthopäden überweisen, und der schickt Sie dann zum Kernspin, also in die Röhre…“
Herr Lanzberger bleibt unschlüssig in der Tür stehen.
„Jetzt machen Sie sich mal keinen Kopf! Gehen Sie mal erst mal heim. Da wird Ihnen schon nicht der Himmel auf den Kopf fallen.“
Der Patient zögert eine Weile, dann nickt er.
„Danke, Frau Doktor!“
Langsam schließt er die Tür hinter sich.
„Glaubst Du wirklich, dass er etwas am Rücken hat?“ frage ich.
„Selbstverständlich nicht!“ sagt Sarah, „der hat eine Somatisierungsstörung, wie aus dem Lehrbuch!“
„Warum hast Du ihm das nicht gesagt?“
Sarah zuckt hilflos die Schultern.
„Einen Herzinfarkt haben wir halbwegs sicher ausgeschlossen. Deswegen war er hier! Und alles Andere…“
„Ist nicht Dein Job? Was soll denn der arme Hausarzt tun?“
„Der wird ihm ja wohl die Wahrheit schonend beibringen!“
„Und ihn zum Orthopäden schicken?“
Sarah steht auf, schüttelt den Kopf und verdreht abermals die Augen.
„Vergiss es einfach!“ sagt sie und geht hinaus.

Written by medizynicus

16. November 2010 at 05:11

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Tagged with , ,

Lichtnahrung und Hungerkünstler

with 9 comments

Es gibt Wunder.
Nikolaus von Flüe, der Nationalheilige der Schweiz soll über mehrere Jahre hinweg ohne Nahrung ausgekommen sein. Nun ist allgemein bekannt, dass ein Mensch unter solchen Umständen nach spätestens zwei bis drei Monaten verhungert und das war im Mittelalter nicht anders. So heißt es, dass der Heilige neben Wasser regelmäßig die heilige Kommunion zu sich genommen hat. Skeptiker mögen vermuten, dass zum heiligen Abendmahl ab und zu auch mal ein nahrhaftes Butterbrot gereicht wurde. Mönche hatten bekanntlich immer schon ein Händchen dafür, strenge Fastenregeln kreativ auszulegen, aber ich will nichts sagen, schließlich war ich damals nicht dabei.
Im frühen zwanzigsten Jahrhundert waren Hungerkünstler en vogue. Die traten in Kaffeehäusern oder im Zirkus auf und ließen sich auch schon einmal ein einen Käfig einsperren, wo sie möglichst lange ohne feste Nahrung durchhielten. Wasser trinken war in der Regel erlaubt, und ab und zu wurde einer beim heimlichen Naschen von Hühnerbrühe oder Schokolade erwischt und disqualifiziert. Den meisten Hungerkünstlern ging es hauptsächlich um die Show, auch wenn der eine oder andere seine Performance mit esoterischem Hokuspokus anreicherte.
Ja, und dann sind da die indischen Jogis. Die einen behaupten, fliegen zu können, die anderen wollen sich seit Jahrzehnten nur von kosmischer Lebensenergie, Luft und Licht ernährt haben.
Vor allem von Licht.
Ist das nicht eine tolle Sache? Man müsste nur herausfinden, wie das funktioniert, und hätte gleich die ideale Lösung für alle Hungersnöte der Welt. Topmanager können sich künftig alle Luxusrestaurant-Besuche sparen und hätten viel mehr Zeit zum Geld verdienen. Clevere Köpfe aus der Esoterik-Szene haben das sogenannte Lichtfasten längst in Europa populär gemacht, neben zahlreichen Büchern und kostenpflichtigen Seminaren gibt’s jetzt auch einen österreichischen Dokumentarfilm zum Thema.
Nun ist das Mittelalter schon eine Weile her und Menschen sind in Bezug auf Wunder skeptischer geworden. Die lichtessenden Jogis müssen sich also nicht nur unbequeme Fragen gefallen lassen sondern auch der Überprüfung mit modernen medizinischen, wissenschaftlichen und auch kriminalistischen Methoden. Und siehe da: immer dann, wenn die Untersuchungsbedingungen halbwegs reproduzierbar waren, gab es eine natürliche Erklärung für das Phänomen – mit geheimen Durchreichen und anderen Taschenspielertricks.
Gelackmeiert sind nur ein paar arme Gestalten, die wirklich an den faulen Zauber geglaubt und sich zu Tode gelichtfastet haben.
Mehrere Fälle sind dokumentiert.

Quellen:

Written by medizynicus

15. November 2010 at 05:02

Das angebliche Heilpflanzenverbot – oder: nicht als heiße Luft von der Globulifront

with 10 comments

Zunächst mal die Fakten:

  • Die EU erläßt eine Richtlinie mit dem sperrigen Titel „THMPD“. Da steht irgendwas von Heilpflanzen drin. Und wie das mit EU-Richtlinien so ist, ist das Machwerk kompliziert und für Laien schwer zu verstehen.
  • Ein Blog aus der Alternativmedizin-Naturheilkunde-Schulmedizinkritik-Ecke schreibt darüber. Behauptung: „Die EU will Heilpflanzen und Naturheilmittel verbieten“ – Dahinter steht natürlich die böse Pharmalobby, die gegen alles wütet was sich nicht patentieren und teuer verkaufen läßt. Das ist allerdings falsch: In Wirklichkeit geht es in der Richtlinie lediglich um die Art und Weise der Zulassung von naturheilkundlichen Medikamenten
  • Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer im Netz und wird noch weiter pointiert: „Aus für Kammillentee?“ lautet die griffige Formel.
  • Flugs wird eine Petition an den Deutschen Bundestag auf den Weg gebracht: man möge beschließen, dass das „Heilpflanzenverbot“ in Deutschland nicht greifen soll
  • Zahllose Aufrufe zur Unterschrift der Petition machen in Blogs, Foreneinträgen und Kettenmails die Runde und werden per copy-and-paste weitergeschickt.
  • Auch die „etablierten“ Medien greifen die Sache auf. Artikel zum angeblichen Heilpflanzenverbot erscheinen – zum Beispiel im Blog der Taz
  • Die Petition wird von mehr als hunderttausend Menschen unterschrieben
  • Kurz vor Ablauf der Unterschriftsfrist schreibt ein Blogger einen Beitrag, in welchem er den Unsinn der Geschichte entlarft.
  • Der Beitrag wird zunächst von anderen Blogs – zunächst aus der Szene der Wissenschaftsblogs, dann von den Großen „A-Bloggern“ übernommen und gelangt von dort in die „etablierten“ Onlinemedien.

Was lernen wir aus der Sache?
Wir Blogger haben doch offenbar eine Menge Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung.
Aufgabe der etablierten Journalisten sollte es sein, aus dem Grundrauschen die wichtigen Nachrichten herauszufiltern und die Fakten zu checken.
Aber hier kam die entscheidende Recherche auch wieder von einem Blogger, nicht von einem Journalisten.

Quellen:

Written by medizynicus

14. November 2010 at 05:53

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

Grundlagen der Kristallaurahokuspokustherapie – Teil 4

with 4 comments

Also gut, Leute, ein paar Sachen habe ich Euch ja jetzt schon erzählt. Ihr habt euch also schlau gemacht. Habt euch umgeschaut und mal so ein bißchen herausgefunden, was da rechts und links von Euch so im Angebot ist. Jetzt geht’s ans Eingemachte. Jetzt müsst Ihr Euch nämlich selbst eine Marktlücke suchen. Wie das geht?
Alles kein Problem! Nur Geduld, Onkel Medizynicus erklärt es Euch schon.
Fassen wir noch einmal zusammen: Ihr wollt Kohle verdienen. Viel Kohle, ganz viel Kohle. Und Ihr wollt möglichst keine Scherereien mit Polizei und Justiz. Das Letztere würde ich Euch zumindest empfehlen, nur so’n kleiner Tipp von mir, wenn ihr darauf keinen Wert legt dann ist das Eure Sache, dann könnt Ihr aber auch gleich in den Drogenhandel einsteigen, wendet Euch da am besten an die örtliche Zweigstelle der Mafia oder so. Das empfehle ich Euch natürlich nicht, ganz im Gegenteil, ich rate dringend davon ab, schließlich will ich ja nicht, dass mein Blog verboten wird. Ihr wollt also eine legale Sache aufziehen. Das ist wichtig, denn da gibt es ein paar Sachen, die ihr im Hinterkopf behalten müsst. Erste Regel: Euren Patienten keinen Schaden zuzufügen!
Das schränkt die Auswahl der möglichen Praktiken schon einmal ein wenig ein. Das Abschneiden irgendwelcher Gliedmaßen mit rostigen Messern fällt also schonmal flach. Infusionen mit Hühnerblut oder püriertem Kamelmist auch. Ich persönlich würde von allem, was irgendwie mit scharfen Messern, Nadeln oder Blut zu tun hat die Finger weglassen, wieder mal nur so’n kleiner Tipp von mir.
Wenn Ihr wollt, könnt Ihr euch zum Heilpraktiker machen. Das ist nämlich gar nicht so schwer und macht viele Sachen einfacher. Auf langwierige und teure Kurse könnt Ihr übrigens verzichten. Ihr müsst nur eine Prüfung machen und dann dürft Ihr Euch staatlich geprüfter Heilpraktiker nennen und das klingt doch schonmal nicht schlecht, oder?
Wie man das mit der Prüfung hinkriegt, das erzähle ich Euch dann beim nächsten Mal!

Written by medizynicus

13. November 2010 at 05:29

Bilanz einer Tagung

with 6 comments

Da ist ein Trupp von schweren Jungs auf schweren Motorrädern, die fahren immer im Kreis und außerdem haben sie Baseballschläger dabei, die ziehen sie mir ab und zu über die Rübe. Ich schlage die Augen auf.
Die Jungs auf den Motorrädern sind weg, aber das Dröhnen in meinem Schädel bleibt. Und dazu Übelkeit und ein mehr als flaues Gefühl, nicht nur im Magen sondern im ganzen Körper. Ich befinde mich in einem schäbigen Hotelzimmer, die Vorhänge sind zugezogen und der Anzeige auf dem Handydisplay nach ist es fast Mittag. Um mich herum liegen verschiedene Kleidungsstücke, die stinken nach Zigarettenqualm.
Ich schleppe mich zur Dusche und während ich das heiße Wasser über den Körper rinnen lasse zermarte ich mein Gehirn, aber da ist nur Matsche.
Ich ziehe mich an, werfe all das Zeug in den Koffer, bezahle die Rechnung und trete hinaus. Nieselregen und dunkelwolkenverhangener Himmel. Der Rollkoffer klackert über unebene Bürgersteinplatten.
Bin ich vor ein paar Stunden schon einmal hier lang gelaufen? Habe ich dabei wirklich Laternen umarmt?
Dabei hatte der Abend so langweilig angefangen: in einer schicken Eventlocation. Dann kam die Frau mit den braunen Augen. Dann der graumelierte Herr in Anzug und Krawatte. Noch einen Kaffee und einen Grappa, die Herren? Ja, danke! Den Kaffee könnense ruhig weglassen! Noch ein Grappa, dann Rotwein und noch mehr Rotwein. Ein Taxi durch die Nacht. Die Leute vom Film. Mehrere Flaschen Bier…. Langsam und allmählich kehren die Erinnerungen zurück.

Written by medizynicus

12. November 2010 at 05:41

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn