Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for Dezember 2010

noch ein kurzer Rückblick und… guten Rutsch!

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Ja, was war 2010?
…rein blogtechnisch gesehen:

  • Zugriffszahlen haben sich seit Januar 2010 knapp verdoppelt, der beste Monat war der September
  • Seit Sommer gibt’s fast jeden Tag einen Beitrag. Ab und zu sogar mehr…
  • Top-Beitrag des Jahres war dieser hier: Krank feiern leicht gemacht für jedermann… ist wohl doch von ziemlich allgemeinem Interesse 🙂
  • Heiss diskutiert wurden vor allem die Sachgeschichten, am liebsten gelesen hingegen die Lachgeschichten (wie diese hier

….und natürlich geht’s 2011 weiter, in alter Frische, mit vielen neuen Ideen.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich noch einmal ganz, ganz, ganz ganz herzlich bei allen Lesern und vor allem auch bei meinen Kommentatoren bedanken – bei Letzteren vor allem deshalb, weil ich manchmal ein etwas schlechtes Gewissen habe, wenn ich auf lange und sehr gute Kommentare leider viel zu selten geantwortet habe…
Also, in diesem Sinne: einen Guten Rutsch, gegebenenfalls einen ruhigen Dienst oder auch eine tolle, rauschende Party!

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Written by medizynicus

31. Dezember 2010 at 17:41

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs

Jahresrückblick: Mehrteiler 2010

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…Eigentlich wollte ich Euch ja nur die spannende Silversternachtssoap vom letzten Jahr an dieser Stelle noch einmal verkaufen.
Aber dann bin ich beim Stöbern in den eigenen Artikeln hängen geblieben und habe Euch hier eine ultimative Übersicht aller mehrteiligen Geschichten aus dem Jahr 2010 zusammengestellt:
(äh… ultimativ ist so eine Sache… noch kein Anspruch auf Vollständigkeit….)
Also, voilá….

Die Silvesternachtssoap 2009/2010

Eine Nacht mit Jenny

Wie Chirurgen sterben

Schlagmichtot Senior

Adrenalinjunkiemomente

Eine kleine Weihnachtshorrorshow

Angelo und Angelino – eine himmelhöllische Weihnachtsgeschichte

Written by medizynicus

31. Dezember 2010 at 12:05

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs

Jetzt mal im Ernst: ein Gesundheitssystem, wie ich es mir wünsche…

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okay, okay. Den Job des Gesundheitsministers werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr kriegen und inzwischen bin ich mir auch gar nicht mal mehr so sicher, ob ich ihn überhaupt haben will. Wohl eher nicht, denke ich mal.
Aber wenn… wenn ich wirklich so ein Zauberstäbchen hätte… oder eine gute Fee… oder ein nettes Christkind… oder ein paar nette Revoluzzer, die wo Revolution machen… ja, was dann?
Es ist nämlich gar nicht so einfach, sich Gesundheitswesen auszudenken, welches fair und gut ist: fair gleichermaßen für all diejenigen Menschen, welche es irgendwann im Laufe ihres Lebens als Patienten in Anspruch nehmen könnten, fair für diejenigen, die es finanzieren müssen und dann auch noch fair für diejenigen, welche für dieses System arbeiten, also die entsprechenden Dienstleistungen erbringen sollen.
Ja, und gut sollte das System sein. Und dabei darf es natürlich nicht viel kosten.
Gibt’s sowas?
Vielleicht. Ich da hätte eine Idee. Eine Idee, die eigentlich gar nicht revolutionär ist. Viele andere Leute sind da schon vor mir drauf gekommen, (zum Beispiel auch einige meiner klugen Kommentatoren). Eigentlich kommt jeder, der sich ernsthaft Gedanken über die Sache macht früher oder später darauf.
Ich will ein staatliches Gesundheitssystem.
Aber warum? Ist der Staat nicht böse?
Hey, Leute! Der Staat, in dem wir leben, ist eine Demokratie. Politiker sind, was auch immer man ihnen vorwirft, durch den Willen der Wähler legitimiert, sie sind prinzipiell kontrollierbar und man kann sie auch wieder abwählen.
Das kann man mit Industriekapitänen nicht so einfach machen und mit Krankenkassenbossen auch nicht. Kurz und gut: Ich traue unserem Staat mehr zu als diesem undurchschaubaren Gewurschtel und Gewusel an Lobbykraten und Bürohengsten, welche das bundesdeutsche Gesundheitswesen heute im Griff haben.
Also: Ich will eine einzige, große staatliche Gesundheitsbehörde.
Diese Behörde ist gleichzeitig Krankenkasse und Eigentümer und Betreiber aller (oder sagen wir: fast aller) Krankenhäuser und auch die meisten Hausarztpraxen und ambulanten Versorgungseinrichtungen.
Die große staatliche „Einheitskrankenkasse“ bietet eine Grundversorgung für alle: Jeder wird behandelt, egal ob angestellt, selbständig, Rentner, arbeitslos oder sonstwas.
Finanziert wird das Ganze aus den Steuern, die vom Finanzamt eingezogen werden.
Ein demokratisch gewähltes Kontrollgremien hat die letzte Entscheidung darüber, welche Leistungen erbracht und bezahlt werden. Ein wissenschaftlicher Aussschuss – in welchem nicht nur Ärzten und Naturwissenschaftlern sondern zum Beispiel auch Ethiker und Gesundheitsökonomen sitzen berät dieses Gremium. Die entsprechenden Berichte sind übrigens öffentlich.
Was Medikamente angeht: Es gibt es eine klare und deutliche „Positivliste“ von „erlaubten“ Wirkstoffen.
Die Medikamentenhersteller geben ihre Pillen in Großpackungen an die Apotheken ab, der Apotheker gibt sie dann in neutraler Verpackung, welche mit dem Namen des Wirkstoffes bezeichnet wird, an die Verbraucher weiter, und zwar in genau der Menge, die vom Arzt rezeptiert wird (das können auch drei einzelne Tabletten sein. Manchmal braucht man nicht mehr).
Ärzte in Krankenhäusern und ambulanten Versorgungseinrichtungen arbeiten zusammen. Krankenhausambulanzen dürfen uneingeschränkt ambulante Patienten behandeln und Hausärzte können stationäre Patienten in „Belegbetten“ betreuen.
Klingt doch gut, oder?
Ein schöner Vorsatz fürs Neue Jahr…
…okay… vielleicht fürs übernächste….

Written by medizynicus

31. Dezember 2010 at 05:28

Wenn ich Gesundheitsminister wäre…

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Aufgeregt stürmt meine Sekretärin ins Büro.
„Herr Minister, da draußen steht jemand, der will Sie sofort sprechen!“
„Wer denn?“
„Ein wichtiger Vertreter der Krankenkassen. Er sagt, fast alle Kassen stehen unmittelbar vor der Pleite. Sie müssen eine Rettungsaktion starten, und zwar sofort!“
Nichts leichter als das. Ich greife mein Zauberstäbchen und… wünsche, dass auch alle Krankenkassen glücklich sind.
Aber wo kommt plötzlich dieser Lärm her?
„Schauen Sie doch mal aus dem Fenster, Herr Minister!“
Unten vor dem Ministerium hat sich eine wütende Menschenmenge versammelt. Sie haben Tröten und Trillerpfeifen dabei und tragen Transparente. Die kann ich aber von hier oben nicht gleich entziffern.
„Was steht da drauf?“ frage ich.
„Sie fordern sofortigen Ihren Rücktritt, Herr Minister! Und das ist die harmloseste Formulierung…“
„Äh… warum denn?“
„Weil die Krankenkassenbeiträge ins Unermessliche gestiegen sind! Die Ärzte verdienen sich dumm und dämlich, und das Volk…“
„Schon gut, schon gut… ich… ich kümmere mich darum!“
Kein Problem, wozu habe ich meinen Zauberstab? Dann wünsche ich halt, dass auch das Volk glücklich ist!
„Herr Minister?“
„Was denn jetzt?“
„Da ist ein Herr, der Sie sprechen möchte!“
„Schon wieder?“
„Ein Herr mit einem italienischen Akzent. Er behauptet, Sie hätten etwas, was Ihnen nicht gehört. Er möchte es zurück haben.“
„Hat er gesagt, worum es sich handelt?“
„Äh… ich bin aus ihm nicht so richtig schlau geworden. Er spricht, wie schon gesagt, mit ziemlich starkem Akzent. Will auch nicht seinen Namen sagen, nur seinen Vornamen. Angelino heißt er angeblich…“
„Ja… und um was für einen Gegenstand handelt es sich, sagten Sie?“
„Er sprach von einem Zauberstab…“
Die Sekretärin schüttelt den Kopf und tippt sich mit dem Finger an die Stirn.
„Oh ja… äh… lassen Sie ihn reinkommen!“
Der Mann, der sich Angelino nennt trägt einen tadellosen Nadelstreifenanzug und eine Sonnenbrille, obwohl Letzteres doch eigentlich hier drinnen gar nicht nötig wäre.
„Sie wissen, weshalb ich komme!“
„Äh… vielleicht….“
„Sie haben versucht, etwas Unmögliches zu wünschen! Sie haben den guten Willen meines Auftraggebers missbraucht…“
Irgendwie habe ich ein ziemlich unbehagliches Gefühl… wie funktionierte das noch mal gleich mit dem Personenschutz? Allerdings könnte es sein, dass ich damit ziemlich spät dran bin…
Der Mann, der sich Angelo nennt, grinst.
„Okay, Herr Minister!“ sagt er, „eine Chance haben Sie noch! Wenn Sie eine wirklich gute Idee haben, wie unser Gesundheitssystem zu retten wäre – ich wiederhole: eine wirklich gute, eine geniale Idee – dann dürfen Sie noch einmal wünschen!“
Und damit dreht er sich um und verläßt mein Büro.

Written by medizynicus

30. Dezember 2010 at 05:22

Veröffentlicht in Nachdenkereien

Kleine Reflexion zwischen den Jahren: Wenn ich Gesundheitsminister wäre

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„Hast Du denn keine Meinung zur Gesundheitspolitik?“

…so fragte ein Kommentator nach meinem vorletzten Beitrag.
O ja, und ob ich eine Meinung habe!
Allerdings ist die… wie soll man sagen? Nun ja, vielleicht ein bißchen speziell.
Ich glaube, dazu muss ich ein wenig ausholen:
Nehmen wir an, es ist ein klirrend kalter Winterabend und ich stapfe durch die schneebedeckten leeren Straßen unserer kleinen Stadt. Ich stapfe am Marktplatz vorbei und stapfe immer weiter, durch den kleinen Park, am Fluss entlang und noch weiter und weiter. Und es ist immer noch klirrend kalt, über mir glitzern die Sterne und unter mir knirscht der Schnee und ab und zu kommt ein Rentner vorbei mit einem kläffenden Köter und dann…. halt, was ist denn das?
Tja, sieht ganz so aus, als stünde da das Christkind vor mir.
„’n Abend, alter Junge,“ sagt es, „Du hast Weihnachten Dienst gehabt, deswegen habe ich Dich leider nicht bescheren können. Aber weil Du das ganze Jahr über fleißig Leben gerettet und an Deinem Blog geschrieben hast, will ich mal nicht so sein. Hast ’nen Wunsch frei. Aber zack-zack, mach schnell, ich muss in den Himmel zurück, Angelina hat Pasta gekocht und Angelo hat ein paar Freunde eingeladen!“
„Okay,“ sage ich, „dann hätte ich gerne einen Zauberstab, mit dem ich mir jeden weiteren Wunsch erfüllen kann!“
„Haste mich mal wieder ausgetrickst,“ sagt das Christkind und aus dem Nichts heraus hat es ein kleines Päckchen hergezaubert, welches es mir in die Hand drückt. „Schönen Abend noch!“
Dann verschwindet es in einem glitzernden Sternengeschwurbel.
Aufgeregt packe ich das Päckchen aus und, man glaubt es kaum, da ist tatsächlich ein Zauberstab drin. Natürlich probiere ich das Ding gleich aus und wünsche als erstes mal, dass die Geschenkverpackung fachgerecht entsorgt ist und…. schwupp…. das Papier ist im Mülleimer.
Wahnsinn, denke ich. Also, dann wünsche ich mir, dass ich Gesundheitsminister bin und…
sitze gleich darauf in einem dicken dunklen Lederchefsessel an einem riesigen Schreibtisch in einem geschmackvoll eingerichteten Büro.
Waahnsinn, denke ich, Waaahnsinn! Die Tür geht auf und eine hübsche Sekretärin kommt rein und bringt mir einen Stapel Akten.
„Wünschen Sie einen Kaffee, Herr Minister?“ fragt sie.
Aber gerne, sage ich und Schwuppdiwupp steht eine Tasse mit herrlich duftendem Espresso neben mir.
„Oh, Sie haben ja schon einen!“ sagt die Sekretärin erstaunt.
Ich sage nichts. Und sobald meine Sekretärin wieder draußen ist berühre ich mein Zauberstäbchen und wünsche mir, dass alle Ärzte in diesem Land glücklich sind und soviel Geld verdienen wie sie brauchen und nicht mehr Stress haben als absolut notwendig.

Written by medizynicus

29. Dezember 2010 at 05:52

Veröffentlicht in Nachdenkereien

kreative Aktentherapie zwischen den Jahren

with 11 comments

Richtig gemütlich ist es heute auf Station. Derzeit sind immer noch gerade einmal die Hälfte unserer Betten belegt, und zwar überwiegend mit harmlosen Christkindern. Die betüttelt man ein wenig, gibt ihnen hier mal ein wenig Lasix, mal dort ein wenig Krankengymnastik und vor allem viel, viel Zuneigung. Denn heute können wir uns ja Zeit lassen mit der Visite. So macht das Arbeiten richtig Spaß. Warum könnte es bloß nicht immer so sein?
Am Nachmittag wartet dann der große Aktenstapel auf mich. Ganz böse grinst der mich an. Ein knapper Vertikalmeter geballtes Papier. Krankenakten von in der Adventszeit entlassenen Patienten, die jetzt diktiert werden müssen… eigentlich habe ich ja Zeit… also keine Ausflüchte und ran an den Speck! Ich hole mir noch einen frischen Kaffee und eine dicke Scheibe von Schwester Paulas selbstgebackenem Christstollen und dann stelle ich mich dem Feind.
Ich schlage die Akte auf, blättere und blättere…. kratze mich am Kopf… spiele mit dem Diktiergerät herum… tja… warum hat Frau Schulte eigentlich kein Antibiotikum bekommen, obwohl sie zwischendurch drei Tage lang Fieber hatte und im Labor erhöhte Entzündungszeichen? Und Frau Meiers Langzeit-EKG, das war ganz und gar nicht „weitgehend unauffällig“, wie ich im vorläufigen Brief vollmundig behauptet habe, im Gegenteil, fast durchgehend Vorhofflimmern, die bräuchte eigentlich Marcumar…. Und Frau Müller, die war fast vier Wochen hier, und in diesen vier Wochen haben wir eigentlich kaum etwas gemacht, haben bloß darauf gewartet, dass sie einen Platz im Pflegeheim ihrer Wahl bekam, dachdem es zuvor weder mit Reha noch mit Kurzzeitpflege geklappt hatte…. kurz und gut: jetzt heisst es kreativ sein.
Ich hole mir ein zweites Stück Christstollen und noch einen Kaffee und dann lege ich los.

Written by medizynicus

28. Dezember 2010 at 05:01

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

WikiLeaks deckt auf: Deutsche Gesundheitspolitik ist eine heiße Kiste…

with 2 comments

WikiLeaks polarisiert.
Die einen freuen sich diebisch über jeden neuen aufgedeckten Skandal, die anderen finden Petzen einfach blöde.
Auch aus dem Gesundheitswesen sind so einige Indiskretionen herausgesickert, und dabei geht es nicht nur um die Machenschaften großer Pharmakonzerne.
Ja, und in Deutschland?
Nach der letzten Bundestagswahl im Herbst 2009 wurden die Ministerpostenausgekungelt. Eine gewisse Dame aus der Unionsfraktion soll Interesse am Gesundheitsressort angemeldet haben, wurde aber von der Kanzlerin zurückgepfiffen: Die Sache sei zu heikel. Es seien schließlich ein paar unpopuläre Reformen notwendig, und deshalb soll sich da lieber ein anderer die Hörner abstoßen.
Was lehrt uns diese kleine Indiskretion?
Eine Nachricht, die keine Nachricht ist sondern eine Binsenweisheit: Gesundheitspolitik ist eine heiße Kartoffel. Jeder sieht zu, dass er sie schnell weiter reicht, natürlich erst nachdem er ganz schnell seinen Senf dazu gegeben hat. Und der, bei dem das Ding dann liegen bleibt, der hat die Arschkarte gezogen.
Was auch immer man gesundheitspolitisch anstellt, man wird sich Feinde machen.
Was auch immer man tut: man kann einfach nicht gewinnen.
Und deshalb möchte ich diesen Job nicht machen und bewundere jeden, der mit kühlem Verstand an die Sache herangeht und zumindest ein paar gute Ideen durchzusetzen versucht… und sich nicht gleich der erstbesten, lautesten und finanzkräftigsten Lobbygruppe an den Hals schmeißt.
Aber ich will nichts gesagt haben… is ja schließlich fast noch Weihnachten….

Written by medizynicus

27. Dezember 2010 at 05:26

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