Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Kleine Weihnachtshorrorshow (Teil 5)

with 8 comments

Die Rettung erscheint in Form einer Putzfrau in Begleitung eines Wägelchens voller Schrubber, Aufnehmer und Reinigungsmittel.
„Sie brauchen Hilfe?“
Marvin und ich schauen uns an und sind eine Sekunde lang sprachlos.
„Äh… von der Haustechnik?“
Die Putzfrau nickt und beginnt, sich ans Werk zu machen. Immerhin hat sie ein paar Eimer dabei. Das alles ist ja löblich, aber…
„Kommt denn noch ein Hausmeister?“
Sie schüttelt den Kopf.
„Irgendein Handwerker? Ein Klempner oder so?“
„Doch nicht nachts!“
„Und wer ist für Wasserrohrbrüche verantwortlich?“
Sie zuckt mit den Schultern.
„Der Chef?“
Ich atme aus.
„Wir rufen die Feuerwehr!“
Marvin stürzt zum Telefon.
„Und dann soll der Pförtner den Verwaltungsdirektor informieren!“
„Glaubst Du, der kommt um diese Zeit raus?“
„Wäre doch mal eine Maßnahme!“
Ich muss zugeben, dass der Gedanke daran mir klammheimliche Freude bereitet.
„Was ist, wenn jetzt ein Patient kommt?“ frage ich.
„Geht halt nicht. Der muss woanders hin.“
„Dann sollten wir vielleicht auch der Rettungsleitstelle Bescheid sagen?“
Und vielleicht auch die Oberärzte vom chirurgischen und internistischen Hintergrunddienst? Sonst noch irgendwen?
Und ich hatte mich schon so auf eine ruhige Nacht gefreut!
Auf dem Fernsehbildschirm nähert sich die Entscheidungsschlacht zwischen Zombies und Kettensägengang gerade ihrem Höhepunkt. Eine von den Bikini-Mädels scheint’s nicht geschafft zu haben, sie wird gerade fachgerecht tranchiert… nee, das muss ich jetzt nicht sehen. Kann man die Kiste nicht endlich ausschalten?

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Written by medizynicus

10. Dezember 2010 um 05:53

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

8 Antworten

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  1. Hah! Und wenn du mit dem Verwaltungsdirektor sprichst, dann sag ihm gleich, dass ich auch noch mit ihm reden muss. Die haben mich aus der Klinik geschmissen, weil ich den Ärzten zu hässlich war. So können die doch nicht mit einem umgehen?!
    Ziemlich empörte Grüße,
    Svenja

    Svenja-and-the-City

    10. Dezember 2010 at 07:40

  2. Wieso habe ich beim Lesen das wüste Gefühl, dass Du, lieber Medizynikus, mit horrormäßigen Wohlwollen die Klinik-Haute-Volee aus dem wohlverdienten Nachtschlaf läten lassen möchtest????

    sweetkoffie

    10. Dezember 2010 at 08:42

  3. Die Geschichte bekommt so langsam Adventskalender-Qualitäten. Bin gespannt, wieviele Teile noch folgen.

    Hesting

    10. Dezember 2010 at 09:26

  4. Sehe ich da ein kleines Teufelchen auf des Medizynischen Schulter sitzen?

    Der Maskierte

    10. Dezember 2010 at 09:47

  5. Cliff => Steilküste => Fjordlandschaft

    drkall

    10. Dezember 2010 at 11:25

  6. Was für eine Nacht 🙂 Die Putzfrau von der Haustechnik…da musste ich doch grinsen. Die Arme hatte am nächsten Tag wahrscheinlich ‚Rücken‘. Bin gespannt wen ihr wirklich alles aus dem Bett getrommelt habt. Haben wenigstens die Patienten seelig geschlafen bei eurem Spektakel?

    optruma

    10. Dezember 2010 at 12:04

  7. Gibt doch nichts Schöneres, als anderen beim Arbeiten zuzusehen…

    anna

    10. Dezember 2010 at 13:25

  8. Wo ich mich doch schon so, so , so sehr auf ein reales Kettensägenmassaker gefreut hatte…

    Aber das kommt bestimmt noch, wenn die gut-gelaunten Oberärzte aus ihrer wohlverdienten Freizeit gerissen werden…

    blogwesen

    10. Dezember 2010 at 22:23


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