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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Angelo und Angelina – eine himmelhöllische Weihnachtsgeschichte (Teil 4)

with 2 comments

Mit einem Affenzahn rasten sie aufwärts.
Angelo konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Hatte er sich nicht vorhin noch in einer Art von geschlossenen Räumlichkeiten befunden? Jetzt flog er mit der Geschwindigkeit eines Düsenjägers durch die Luft und dieser hässliche Plattenbauverwaltungsbunker war da unten kaum mehr zu erkennen. Und immer noch ging es aufwärts.
Es gelang Angelo, seinen Kopf ein wenig zu drehen. Da war eine Gestalt, groß und kräftig, ganz in weiß gewandet und aus dem Rücken wuchsen zwei mächtige Schwingen. Mit ihrer rechten Hand hielt diese Gestalt Angelo fest am Kragen gepackt und an der linken Hand zappelte das Blondchen.
„Wenn Du mich zum Frohlocken schicken willst, dann hast Du Dich geschnitten!“ brüllte sie.
Die weißgewandete Flügelgestalt gab keine Antwort.
„Achtung,“ sagte sie stattdessen, „jetzt wird’s mal ein wenig…“
…neblig wie in einer Waschküche, dachte Angelo. Natürlich hatte er schon viele Geschäftsreisen im Flugzeug hinter sich und kannte sich aus. Zumindest dachte er das. Aber als sie jetzt die Wolkendecke durchquert hatten, sah es oben ganz anders aus als erwartet. Da stand doch tatsächlich ein großes zweiflügeliges Tor, so ähnlich wie das Portal einer Kirche.
„Wo sind wir?“ fragte er obwohl er sich die Antwort längst denken konnte.
Die Flügelgestalt ließ ihn los. Angelo machte einen vorsichtigen Schritt. Die Wolkenwatte knirschte so ähnlich wie frischer Schnee, war aber nicht ganz so kalt. Die Flügelgestalt klopfte an und ein alter Mann mit langem weißem Bart öffnete ihnen.
„’n Abend, Petrus!“
„’n Abend, Gabriel! Ihr seid spät dran!“
„Wo ist der Chef?“
„Im Büro. Er hat schon dreimal nach den beiden gefragt!“
Angelo drehte sich um.
„So? Was will er denn von uns?“
Der Flügeltyp räusperte sich.
„Weißt Du das nicht? Weißt Du nicht, dass der Tag gekommen ist, an welchem Du vor Deinem allmächtigen Richter stehen und Rechenschaft ablegen wirst…“
Petrus schüttelte den Kopf.
„Lass mal stecken, Gabriel!“ sagte er, „Du weißt doch, dass dieser Teil des Himmels zum Verwaltungsbezirk des Weihnachtsmanns gehört. Und der hatte Dich ja mit einem Sonderauftrag losgeschickt. Die Angelegenheit hier ist ein bißchen delikater!“
Angelos Herz schlug höher. Er liebte delikate Angelegenheiten.

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Written by medizynicus

19. Dezember 2010 um 05:27

Veröffentlicht in Soap

2 Antworten

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  1. Ich brauch mehr Whisky im Kaffee… 😉

    Der Maskierte

    19. Dezember 2010 at 08:23

  2. lol, einfach nur GENIAL!!!

    anna

    19. Dezember 2010 at 20:39


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