Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Kleine Reflexion zwischen den Jahren: Wenn ich Gesundheitsminister wäre

with 11 comments

„Hast Du denn keine Meinung zur Gesundheitspolitik?“

…so fragte ein Kommentator nach meinem vorletzten Beitrag.
O ja, und ob ich eine Meinung habe!
Allerdings ist die… wie soll man sagen? Nun ja, vielleicht ein bißchen speziell.
Ich glaube, dazu muss ich ein wenig ausholen:
Nehmen wir an, es ist ein klirrend kalter Winterabend und ich stapfe durch die schneebedeckten leeren Straßen unserer kleinen Stadt. Ich stapfe am Marktplatz vorbei und stapfe immer weiter, durch den kleinen Park, am Fluss entlang und noch weiter und weiter. Und es ist immer noch klirrend kalt, über mir glitzern die Sterne und unter mir knirscht der Schnee und ab und zu kommt ein Rentner vorbei mit einem kläffenden Köter und dann…. halt, was ist denn das?
Tja, sieht ganz so aus, als stünde da das Christkind vor mir.
„’n Abend, alter Junge,“ sagt es, „Du hast Weihnachten Dienst gehabt, deswegen habe ich Dich leider nicht bescheren können. Aber weil Du das ganze Jahr über fleißig Leben gerettet und an Deinem Blog geschrieben hast, will ich mal nicht so sein. Hast ’nen Wunsch frei. Aber zack-zack, mach schnell, ich muss in den Himmel zurück, Angelina hat Pasta gekocht und Angelo hat ein paar Freunde eingeladen!“
„Okay,“ sage ich, „dann hätte ich gerne einen Zauberstab, mit dem ich mir jeden weiteren Wunsch erfüllen kann!“
„Haste mich mal wieder ausgetrickst,“ sagt das Christkind und aus dem Nichts heraus hat es ein kleines Päckchen hergezaubert, welches es mir in die Hand drückt. „Schönen Abend noch!“
Dann verschwindet es in einem glitzernden Sternengeschwurbel.
Aufgeregt packe ich das Päckchen aus und, man glaubt es kaum, da ist tatsächlich ein Zauberstab drin. Natürlich probiere ich das Ding gleich aus und wünsche als erstes mal, dass die Geschenkverpackung fachgerecht entsorgt ist und…. schwupp…. das Papier ist im Mülleimer.
Wahnsinn, denke ich. Also, dann wünsche ich mir, dass ich Gesundheitsminister bin und…
sitze gleich darauf in einem dicken dunklen Lederchefsessel an einem riesigen Schreibtisch in einem geschmackvoll eingerichteten Büro.
Waahnsinn, denke ich, Waaahnsinn! Die Tür geht auf und eine hübsche Sekretärin kommt rein und bringt mir einen Stapel Akten.
„Wünschen Sie einen Kaffee, Herr Minister?“ fragt sie.
Aber gerne, sage ich und Schwuppdiwupp steht eine Tasse mit herrlich duftendem Espresso neben mir.
„Oh, Sie haben ja schon einen!“ sagt die Sekretärin erstaunt.
Ich sage nichts. Und sobald meine Sekretärin wieder draußen ist berühre ich mein Zauberstäbchen und wünsche mir, dass alle Ärzte in diesem Land glücklich sind und soviel Geld verdienen wie sie brauchen und nicht mehr Stress haben als absolut notwendig.

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Written by medizynicus

29. Dezember 2010 um 05:52

Veröffentlicht in Nachdenkereien

11 Antworten

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  1. Klasse!
    könnte ich das Zauberstöckchen mal vor eine Viertelstunde ausleihen?

    sweetkoffie

    29. Dezember 2010 at 08:16

  2. „soviel Geld wie sie brauchen“

    Ooooohhhh, gefäääährlich.

    Das wäre mit Sicherheit in vielen Fällen deutlich weniger als jetzt…

    Benedicta

    29. Dezember 2010 at 08:37

  3. „brauchen“ und „wollen“ ist nicht das selbe… 😦

    lorem42

    29. Dezember 2010 at 09:19

  4. Die Gier des Menschen ist eben unabstreitbar. Auf nichts richtet man sich so schnell ein wie auf Wohlstand. Und dann kommt da noch der Neid…

    Der Maskierte

    29. Dezember 2010 at 10:16

  5. … es ist ja nur ein Traum :-)).

    Nun will ich die Gelegenheit nutzen und allen Leser/innen für das neue Jahr alles Gute, vor allem Gesundheit wünschen.

    Mögen eure Wünsche in Erfüllung gehen.

    Dem Medizynicus herzlichen Dank für die vielen Beiträge.

    Respekt!

    Bis demnächst …

    Der DocConsult

    DocConsult

    29. Dezember 2010 at 17:30

  6. Hmmh,das ist KEINE Meinung zur Gesundheitspolitik, weil du zwar ‚vage‘ ein Ziel definierst, aber nicht sagst wie du dahin kommen möchtest…(Außerdem gibt es -sowohl was Arbeits- und Rahmenbedingungen angeht große Unterschiede zwischen Klinksarzt/niedergelassen..Einzelnen Facharztgruppen/ den Hausärzten…Der Stadt und dem Land, zwischen OST/WEST…Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern unterscheiden sich auch gewaltig….)

    Persönlich ist ja mein Eindruck, dass es gar nicht so sehr das mangelnde Geld ist, was Ärzte stört (auch wenn sie das denken), sondern eher die Arbeits- und Rahmenbedingungen…Kein Freizeitleben mehr zu haben und am besten dauerhaft abrufbereit zu sein und oft ‚Fließbandarbeit‘ betreiben zu müssen + für den Einsatz oftmals noch nicht mal ein ‚Dankeschön‘ zu bekommen.

    Interessant finde ich auch, dass viele Ärzte, wenn es um Reformen geht, äußerst Ich-zentriert argumentieren und fast ausschließlich sich betrachten und kaum die Situation des Patienten bedenken…Dem geht es in diesem System ja auch nicht besser…

    blogwesen

    29. Dezember 2010 at 17:41

  7. … nicht zu vergessen all die anderen Bediensteten im Gesundheitswesen. Aber die patienten sind sicher die Hauptleidtragenden. Wenn ich an die diversen Pläne des Herrn Dr. Rösler denke… da kann einem partiell nur schlecht werden. Da soll die Versicherungspflicht in gesetzlichen Kassen abgeschafft werden und Patienten in Vorkasse treten – kann ja schnell mal in die Tausende gehen, falls man sich einem operativen Eingriff unterziehen muss. Da fragt man sich doch als mündiger Bürger ernsthaft und mit Recht wo das noch hinführen soll. Medizinische Versorgung nur noch für jene, die es sich leisten können!? Armes Deutschland!

    anima

    29. Dezember 2010 at 20:46

  8. Na schau, was dabei rauskommt, wenn Du die Assoziationen ein wenig anschiebst. Nicht gerade ein Think Tank. Benedikta ist wie immer verärgert über die überbezahlten Ärzte, das Thema Ärztegehalt wird dann gleich wieder aufgegriffen. Blogwesen zeigt zwar die Vielfalt des Arbeitsfeldes auf, steigt aber auch in kein Detail ein. Dass Ärzte egozentrisch wären, wenn sie ihre Arbeitsbedingungen verbessern wollten ist ein Missverständnis gegenüber dem basalen Tarifrecht. Und Patienten sind in diesem System so gut versorgt wie kaum in einem andern Land. Für diese paar Kröten die sie bezahlen, soll dann natürlich ein Medikament wie Glivec jederzeit rüberwachsen ( etwa 5000.-€ pro Monat um die Leukämie zu stoppen). Der Output für die Patienten ist optimal. Wir reden hier nicht von Rendite, sondern von Lebensrettung und oft genug von Mitmenschlichkeit und Unterstützung. Aufrechterhalten wird dieses System von der Bereitschaft seiner Angestellten ergebnisorientiert zu arbeiten und nicht gewinnmaximierend.
    Anima ist auch der Dämagogik solcher Politikerkarikaturen wie Nahles oder Gabriel aufgesessen, wenn die Selbstzahleridee als Bezahlung wie beim Zahnarzt verleumdet wird. Diese alte Idee ist die einzige sinnvolle Kontrolle der erbrachten ärztlichen Leistung und würde dann von einer Versicherung minus Selbstbehalt kompensiert werden. Das jetzige Prinzip ist planwirtschaftlicher DDR-Schwachsinn. Aber leider kappieren die nicht Leidtragenden nie, was eine durch Regelwut erzeugte Pseudokontrolle anrichtet. Erst wenn dieser Blödsinn strandet, kann das von den bürokratischen Kontrolleuren vernichtete Geld wieder frei werden.

    Kreativarzt

    30. Dezember 2010 at 01:21

  9. Naja die Tschechen machen es doch gerade richtig, ob die Deutschen Ärzte dafür den Mut hätten?

    http://www.tagesschau.de/ausland/aerzte140.html

    Björn R.

    30. Dezember 2010 at 01:57

  10. @ Kreativarzt: Danke, dass du/Sie mit deinem/Ihrem Kommentar noch einmal zum Überdenken, resp. genauerer Recherche, animiert hast/haben.

    Ich räume ein, dass ich meinen Kommentar bezügl. Vorkasse wohl doch etwas vorschnell abgegeben habe. Beim Schreiben hatte ich lediglich das im Hinterkopf, was im Herbst durch die Tagespresse geisterte – da war von Wahlmöglichkeit und Freiwilligkeit von Seiten der Patienten nämlich (noch) keine Rede. Sollte dem so sein und auch so bleiben, stellt sich die Sachlage gleich ganz anders da.

    Vielleicht war ich auch einfach noch leicht aufgestachelt vom vortäglichen Arztbesuch bei meinem niedergelassenen Gynäkologen, wo schon seit geraumer Zeit vor einer normalen Vorsorgeuntersuchung die Preisliste mit IGEL-Leistungen vorgelegt wird. Natürlich will ich keinem niedergelassenen Arzt unterstellen, dass er sich an manch einer Wahlleistung – obsinnvoll oder schlicht überflüssig – bereichern will. Erschreckend nur der Umfang der aufgeführten IGEL-Leistungen im Gegensatz zu den Leistungen, die die Krankenkassen im Vorsorgefall noch übernehmen. Das kann einen Patienten schon verunsichern…

    anima

    30. Dezember 2010 at 10:17

  11. @Kreativarzt:
    „Benedikta ist wie immer verärgert über die überbezahlten Ärzte“
    1. Wieso „wie immer“? Soviel schreib ich hier doch gar nicht, und da waren auch genug andere Themen dabei. Über-generalisierst du etwa?
    2. Wieso „verärgert“? „Leicht ironisch amüsiert“ war eigentlich beabsichtigt. Vielleicht solltest du mal an deiner Perzeption arbeiten. Ansonsten sagt man ja auch „wem der Schuh passt, der zieht ihn sich an“…
    3. Es heißt Benedi*c*ta, danke sehr – und schönen Gruß aus Pisa…

    Benedicta

    30. Dezember 2010 at 16:11


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