Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Jahreszeitliche Kostümparaden

with 13 comments

„Kann mir mal einer sagen, was das hier bedeutet?“
Kopfschüttelnd blicke ich in Richtung Treppenhaus. Da stehen drei Kinder, vielleicht zwölf, dreizehn Jahre alt, mit Bettüchern und anderen Requisiten so ein wenig auf Ölscheichs zurechtgemacht und vorweg ein zehnjähriger mit einer Art Paddel in der Hand, dessen Ende aus einem sternförmigen gelbem Pappobjekt besteht.
„Erzählen Sie mir nicht, Sie hätten noch nie von Sternsingern gehört!“ sagt Schwester Paula.
„Was wollen die von uns?“
„Jetzt tu doch nicht so, als ob Du keine Ahnung hättest!“ sagt Jenny und stößt mich in die Seite.
„Ich habe aber keine Süßigkeiten dabei!“
„Aber vielleicht ein wenig Geld?“
„Werden die Patienten auch angeschnorrt?“
„Normalerweise kommen die Sternsinger zunächst zum Pflegestützpunkt und gehen dann von Zimmer zu Zimmer…“
Da setzt sich die Ölscheich-Truppe auch schon in unsere Richtung in Bewegung, gefolgt von einem Pfarrer oder Kaplan oder sowas. Ich muss jetzt erstmal dringend aufs Klo. Und wehe, irgendwer klopft an, bevor ich fertiggeschissen habe!
Ich drücke die Spülung, wasche meine Hände, sprühe mich mit Sterilium ein und… was sehe ich da an der Wand? Da sind diese Warnschilder, die wir bei Infektionsgefahr an die Zimmertüren hängen, wenn ein Patient wegen eines besonders bösen Keimes isoliert werden muß.
Und da kommt mir doch eine ganz böse Idee, wie man meinen Patienten eine Belästigung ersparen und die Kirche um einen Teil ihrer Spendeneinkünfte prellen könnte…

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Written by medizynicus

7. Januar 2011 um 05:17

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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13 Antworten

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  1. Du bist SO SCHÖN FIES 😀 love it!

    anna

    7. Januar 2011 at 09:28

  2. Yeah, die Idee gefällt mir 🙂

    Jane Doe

    7. Januar 2011 at 10:52

  3. Fail!
    Wahrscheinlich schubst du auch kleine Enten in den Teich… 😀

    Sebastian

    7. Januar 2011 at 11:10

  4. Ich würd mir auch auf jeden Fall eines ans Arztzimmer und an den Raum mit der Kaffeemaschiene hängen!

    Vll. könntest du auch Jenny eines auf den Rücken kleben^^

    stachel

    7. Januar 2011 at 11:20

  5. Find ich gut 😀

    Kolyma

    7. Januar 2011 at 11:53

  6. Endlich mal einer der was gutes tut 😀

    derretter

    7. Januar 2011 at 12:28

  7. Wenn der Ölscheich Montag früh den Mülleimer an die Strasse stellt dann ist Rosenmontag!
    Zur Infektionsgeschichte würde Mario Adorf sagen:
    „Wat hat tu für fiese Charakter“
    Schönes Wochenende
    Mrs. Jones

    ohnevorwaesche

    7. Januar 2011 at 22:10

  8. Ich finde man sollte die Miniturbanisten dafür bezahlen, nicht zu singen, dann wäre allen gedient.

    Kreativarzt

    7. Januar 2011 at 22:40

  9. Hm… ich kann bloß aus eigener Stersingererfahrung sagen, – viele, gerade alte Menschen rufen auch aus dem Krankenhaus bei den Kirchen an, um zu fragen, ob die Sternsinger auch dorthin kommen, – freuen sich also oft regelrecht auf den Besuch der singenden Kinder!
    Außerdem gehts bei der Sache nicht hauptsächlich darum, Geld (für wirklich wichtige, gute und caritative Projekte!) einzunehmen, sondern darum, den Leuten, die es wollen, den Neujahrssegen zu bringen! (Und eben teils auch Leute zu besuchen, die sonst einfach keinen Besuch bekommen, – die Freude darüber sieht man oftmals, wenn ältere Menschen einige Minuten nach dem Klingeln die Türe öffnen und ihnen die Augen überlaufen vor Freude, das mal wieder jemand bei ihnen klingelt und dann auch noch ’singende Kinderchen‘!:) )
    Trotzdem nett geschrieben!
    Liebe Grüße vom Schneckenhäuschen 🙂

    schneckenhaeuschen

    7. Januar 2011 at 23:53

  10. Ähem. „die Kirche“ kriegt keine Spenden – allein schon, weil es „die Kirche“ nicht gibt, dafür gibts zu viele verschiedene davon.
    Aber vor allem deshalb, weil die Gelder samt und sonders dafür gesammelt werden, Menschen zu helfen, die es bitter nötig haben. Und nein, das sind nicht die armen Landpfarrer. „Caritas“ und „Brot für die Welt“ kann man googeln – und dabei gleichzeitig mal nachgucken, ob die (anders als Krankenhausträgergesellschaften) nicht sogar gemeinnützig sind…

    Wolfram

    9. Januar 2011 at 00:29

  11. Sollte man nicht ERST das Händedesinfektionsmittel verwenden und DANN die Hände wäschen? 😉

    blaulichtfahrer

    9. Januar 2011 at 14:47

  12. Ich wäre dir als Patient jedenfalls dankbar gewesen, wobei ich mir ja auch gewünscht hätte, dass jemand meine Mitpatienten rausgeschmissen hätte…

    blogwesen

    14. Januar 2011 at 08:50

  13. So schlimm sind die Sternsinger auch wieder nicht – bin am 05.01. 2011 alleine zu Hause gewesen – alle paar Minuten klingelt es an der Türe. 1 Gruppe von Sternsingern/innen hab‘ ich hereingelassen ,ihnen beim Singen zugehört und auch was dafür gegeben – doch die anderen Gruppen sind weitergezogen, ohne dass jemand geöffnet hätte – es gibt ja auch noch andere Nachbarn.

    rosenyland1984

    11. April 2011 at 22:33


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