Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Von wegen Ärztemangel…

with 12 comments

Schlägt man eine Zeitung auf, so könnte man meinen, uns in Deutschland gehe es bald so wie irgendwo in Zentralafrika, was die medizinische Versorgung angeht.
Wir haben zu wenige Ärzte, und diejenigen, die noch da sind sind entweder zu alt, zu demotiviert und frustriert weil sie zu wenig Geld kriegen.
Und die jungen Kollegen wandern ab, in die Schweiz oder nach Amerika. Oder sie werden Unternehmensberater. Oder gehen zur Pharmaindustrie um dort tierisch viel Kohle zu verdienen.
Nur von Seiten der Krankenkassen hört man regelmäßig andere Töne:

„In wenigen Regionen haben wir 800 Ärzte zu wenig, in den übrigen 25.000 Ärzte zu viel“

, so ein Thomas Ballast aus dem Vorstand des Verbandes der Ersatzkrankenkassen heute im Deutschen Ärzteblatt. Kern der Message: Die Überversorgung soll abgebaut werden. Also: Weg mit den Ärzten. Am besten gleich nach Afrika.
Oder lieber in die Schweiz, nach Amerika oder in die Pharmaindustrie…?

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Written by medizynicus

21. Januar 2011 um 10:05

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

12 Antworten

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  1. Das ist doch nichts Neues. Eine orthopädische Praxis am Bodensee oder eine Anstellung an einer großen Klinik in Berlin, Hamburg oder München interessiert halt mehr als die allgemeinmedizinische Dorfpraxis in MeckPomm.

    Graf Nudu

    21. Januar 2011 at 11:03

  2. Herrlich, ein Krankenkassenfunktioniär, der „Ballast“ heißt. Wie oft der wohl pro Tag auf den Arm genommen wird?

    ck

    21. Januar 2011 at 11:31

  3. Einen Ärtzeüberschuss haben wir bestimmt nicht, aber die Verteilung ist schon ziemlich schief und in einigen Fachbereichen herrscht akuter Mangel. Hier am südlichen Rand des Rhein/Main-Gebietes sind die Allgemeinpraxen gut bis sehr gut gefüllt, wirklicher Mangel ist nicht erkennbar. Internisten sind eher reichlich vorhanden, Endokrinologen (zumindest solche, die auch gesetzlich Versicherte mit weinger einträglichen Problemen als unerfüllten Kinderwünschen behandeln) dagegen praktisch nicht. Augenärzte veranstalten inzwischen halbjährlich eine Art Telefonrallye (wer zuerst durchkommt hat gewonnen) für Termine auf 9 Monate im Voraus, ungefähr die Hälfte behandelt nur noch privat. Kinderärzte sind eher knapp, Orthopäden gibt es genug, aber trotzdem keine Termine, und GKV-Mitglieder sind gehalten, wenigstens eine Serie Injektionen in ein gerade passendes Gelenk zu kaufen, damit die Verordnung von Kassenleistungen etwas leichter fällt.

    drkall

    21. Januar 2011 at 11:47

  4. Tja, in den schönen Regionen Deutschlands gibts eben einen Medizinerüberschuss, ist doch klar, oder? Möglicherweise gibts ja bald eine Zwangsverteilung …

    chefarzt

    21. Januar 2011 at 21:20

  5. … oder zum MDK

    Hella

    21. Januar 2011 at 21:57

  6. „haben wir“ ist ja auch gut. Nee, liebe Krankenkassen, ihr habt uns nicht.

    chammann

    22. Januar 2011 at 07:03

  7. Alle reden vom Ärztemängel und keiner weiss so wirklich was man dagegen tun soll..

    Wie wäre es mit mehr Studienplätze und besseres Gehalt?..
    Habe langsam sowieso das Gefühl, dass dieses Problem künstlich gehalten wird.

    Igor

    22. Januar 2011 at 14:03

  8. Ein richtiger Medizinertest wäre auch vielleicht eine Option. Zum Einem müsste der angehende Student zeigen, dass er auch wirklich Interesse hätte als Arzt zu arbeiten und zum Anderen wäre es ja auch ein „Aufwand“, den vielleicht manche Leute Marke „Ach, ich studier‘ mal aus Spaß an der Freud‘ / vermeintlichem Prestige Medizin“ abschrecken dürfte.

    Graf Nudu

    22. Januar 2011 at 17:23

  9. Oder überlegen ob nicht doch ein Quentchen Wahrheit dahinter steckt. Und vieles ist leider von Ärzten selbst verursacht. Die Verteilung des Geldes der GKV läuft über die KV = Ärztliche Selbstverwaltung. Wenn die ihren „Experten die nur Knie können“ (frei nach Volker Pispers) 10x mehr gibt als einem „einfachen Landarzt“, dann ist das weniger ein Fehler der Politik, GKV …., sondern doch der Ärzte untereinander.

    Anreize schaffen um mehr gute und motivierte Ärzte in die unattraktiven Gebiete zu locken kann zwar auch die Politik, aber vielleicht sollten sich die Kollegen untereinander auch überlegen ob sie auf Dauer so weitermachen wollen. Denn irgendwann glaubt keiner mehr das Märchen vom verhungerten Arzt.

    aupairfamilienrw

    22. Januar 2011 at 20:07

  10. Die sog. Experten KÖNNEN aber dann wenigstens Knie.
    So ein Allgemeinmediziner kann vllt. mal Blutbild. Was er ganz sicher kann ist Überweisung.
    Von daher ist die Verteilung doch i.O.

    Sebastian

    23. Januar 2011 at 21:57

  11. Ein Allgemeinmediziner hat aber nicht nur Ahnung von einem, sondern von vielen Gebieten und das Erkennen von eigenen Grenzen = Überweisung ist für mich kein Nachteil. Ein guter Allgemeinarzt sollte den Überblick über die verschieden Krankheiten seiner Patienten haben und auch ein bischen „Lebenshilfe“ bieten, z.B. erkennen wenn jemand zwar körperliche Symptome schildert, aber eigentlich mehr psychische Probleme hat. Er setzt um was ihm Experten nach Überweisung zurückschicken und behält den Überblick. Klar ist es ein Ideal, aber zum Glück gibt es noch den ein oder anderen Hausarzt dieser Art.

    aupairfamilienrw

    24. Januar 2011 at 15:17

  12. Nein wir haben nicht zu wenig Ärzte, die Kassen müssen nur – wie früher – die Taxifahrt zum Arzt bezahlen. Wird allerdings in manchen Bereichen etwas teuer, so von der Uckermark an den Ku-Damm!

    der Landarsch

    26. Januar 2011 at 11:15


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