Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Amphetamine auf Rezept: Nebenwirkung Tod

with 3 comments

Ob Ecstasy, Speed oder Crystal-Meth: wer das Zeug haben will, weiß in der Regel, wo wo man’s kriegt. Auf legalem Wege aber kommt man an das Zeug normalerweise nicht ran.
Und das zu Recht: Neben der Suchtgefahr gibt es zahlreiche körperliche Nebenwirkungen, welche diese Substanzen ziemlich gefährlich machen.
Das war früher einmal anders:
Seit den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts waren Amphetamine als hochwirksame Arzneimittel im Einsatz, anfangs bei Asthma und Heuschnupfen, später auch bei Depressionen, Parkinson und Narkolepsie.
Außerdem wirkt es ausgezeichnet gegen Müdigkeit: nicht nur Generationen von Studenten haben das Zeug in den Nächten vor Prüfungen geschluckt, sondern auch Soldaten vor der Schlacht und nicht zuletzt übernächtigte Ärzte während und nach dem Dienst. An das legendäre Captagon (Wirkstoff: Fenetyllin) erinnern sich manche ältere Chirurgen noch lebhaft.
Und dann ist da noch die apetitzügelnde Wirkung dieser Wundermittel. Mit dieser Indikation hat man Präparate aus dieser Wirkstoffgruppe – beziehunsweise verwandte Substanzen – noch bis vor kurzem in einigen Ländern auf Rezept verschreiben können, so zum Beispiel in Frankreich. Dort war das Medikament Benfluorex (Handelsname: Mediator) bis 2009 im Handel, eigentlich zur Behandlung von Diabetikern, gerne aber auch zur Gewichtsabnahme verschrieben.
Mit fatalen Folgen: Über 500 Menschen sollen an den Nebenwirkungen verstorben sein, einige Quellen sprechen sogar von bis zu 2000 Toten..

(Dank an die Stationäre Aufnahme für den Link)

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Written by medizynicus

26. Januar 2011 um 05:29

3 Antworten

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  1. Ich habe letztens eine Biographie des Ehepaars Curie gelesen. Der damalige Umgang mit radioaktiven Stoffen ist auch haarsträubend hoch zehn. Radium als Heilmittel? Urgs.

    Hesting

    26. Januar 2011 at 10:47

  2. Und manchmal übertreiben sie es auch. Ephedrin war lange Zeit erlaubt, war halt ein Dopingmittel, aber nachdem man es 1. so leicht chemisch manipulieren kann und 2. ein paar Idioten gestorben sind, nachdem sie Überdosis mit Alk gemischt hatten, gilt es jetzt auch als BTM.
    Total bescheuert, gefährlich kann praktisch alles sein, ist halt eine Frage der Anwendung…

    Chaoskatze

    26. Januar 2011 at 12:31

  3. … vielleicht kooperier die Pharmaindustrie ja mit den Bestattungsverbänden …???

    So auf internationaler Ebene … bestimmt sehr ertragreich …

    wer weiß?

    DocConsult

    26. Januar 2011 at 16:15


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