Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Arzt sein ist doch gar nicht schwer…

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…und um zu lernen wie es geht, reicht ein Hauptschulabschluss aus. Okay, würde vielleicht nicht schaden, wenn man mal ein Krankenhaus von innen gesehen hat, zum Beispiel als Zivi oder im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres. Und wenn man dann auch noch Mitglied im Roten Kreuz ist, dann steht einer erfolgreichen Bewerbung ja eigentlich nichts mehr im Weg.
Die notwendigen Dokumente kann man sich notfalls auch selbst machen, in Zeiten von Photoshop ist sowas heutzutage ja kein Problem mehr. Ein junger Mann hat’s ausprobiert.
Der angebliche Arzt hat mehrere Monate lang in zwei verschiedenen Krankenhäusern gearbeitet und dort Patienten betreut.
Wie hat er das geschafft? Vermutlich war er ein guter Schauspieler. Ein paar Sachen hat er sich vielleicht angelesen, den Rest von den Kollegen abgeguckt. Vor Therapieentscheidungen kann man sich mit etwas Übung durchaus drücken und alles was handwerkliche Geschicklichkeit erfordert kann man ja auch den Kollegen überlassen. Wenn man dann noch nett und höflich ist, dann kann man sich durchaus eine ganze Weile lang durchmogeln.
Jetzt ist er dennoch aufgeflogen und steht vor Gericht. Wenn er Pech hat, blühen ihm mehrere Jahre Knast, wenn er Glück hat, kommt er vielleicht mit einer Bewährungsstrafe davon.
Was lernen wir daraus?
Eigentlich kann unsere Arbeit ja auch vom Hausmeister erledigt werden… oder etwa nicht?

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Written by medizynicus

3. Februar 2011 um 14:09

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

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11 Antworten

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  1. aber wenn nur noch gute schauspieler da sind, gibts ja keine kollegen mehr, die die arbeit machen

    Ich

    3. Februar 2011 at 14:16

  2. Na, ich glaube Du wirst Oberarzt, die Niedergelassenen hast Du gar nicht mehr im Sucher. Dort gibt es nämlich das von Dir beschriebene Phänomen in genau der Form, wie Du es bei dem Scharlatan dargestellt hast. Über Jahrzehnte läuft da der größte Feldversuch: Ersetze einen quqlifizierten Arzt durch einen höflichen Arztdarsteller, der die handwerklich schwierigen Dinge an andere abdrückt und keine relevanten Therapieentscheidungen trifft. Wenn der Schauspieler, der im lustigsten Fall nicht einen einzigen Patienten behandelt hat, bevor er loslegen darf dann einen weißen Kittel anzieht und seine „Praxis“ mit all den langweiligen Accessoires ausstattet, die in den Arztpraxen der 60er rumstehen, dann kann er starten, der Heilpraktiker.

    Kreativarzt

    3. Februar 2011 at 16:07

  3. Gibt es da nicht eine ganz besondere Sparte derer, die ebenfalls diese Meinung vertreten, dass sie überall mitreden können, weil sie schon mal zugeschaut haben? Schimpfen sich, glaube ich, BWLer.

    Der Maskierte

    3. Februar 2011 at 17:01

  4. Ist denk ich noch viel einfacher: Da das Studium einen eh kein bißchen auf die arbeit als Arzt vorbereitet, weder handwerklich noch erkenntnismäßig, ist es um Ecken leichter, sich als Arzt auszugeben als z.B. als Schlosser….
    Was muß denn ein Studienanfänger schon groß können, was man nicht ein einem Pflegepraktikum lernt?

    LordMyschkin

    3. Februar 2011 at 17:23

  5. Verblüffend ist jedoch, wenn so einer durchaus Behandlungserfolge verbuchen kann (ok, die kniffligen Sachen werden halt an die Kollegen abgeschoben) und quasi durch einfaches Zuhören sowie Aspirin und Hustenmittel verschreiben den Gesundheitszustand seiner Paptienten verbessert…
    (Vermtl. weil er sich als Arztdarsteller auf den „Arzt“-Teil konzentriert und den Sachberarbeiter-Job ignoriert…

    Hightower

    3. Februar 2011 at 17:47

  6. […] Ja, ja.. ich weiss. Die Sicherheit ist der Grund. Man will ja im Endeffekt sicher sein, dass der Mensch, der dich aufschneidet ein echter Arzt ist. Desto interessanter ist es, dass es immer wieder die Fälle auftauchen, wo diese Unterlagen gefälsc…. […]

  7. Möglicherweise beglücken ja noch viel mehr solche „Heiler“ die breite Patientenschaft.

    Es gab ja vor einigen Jahren den Fall „Gerd Postel“. Als „Arzt“ hat er ja zweifelsfrei bemerkenswerte Erfolge erzielt.

    Spät, erst sehr spät flog dann dieser Betrug auf. Wer da aber letztlich als Depp dastand, dürfte wohl auch eindeutig sein. *feix

    Im übrigen sind mir fähige Heilpraktiker wesentlich sympathischer als notorisch unzufriedene „Krankheitsverwalter/innen“ in weißen Kitteln.

    Und wer sich ein wenig mit BWL, auch als Angehöriger der Heilberufe, beschäftigen würde, hätte möglicherweise bessere „Betriebsergebnisse“ vorzuweisen. *feix

    Was wären all die fähigen „Heiler“ ohne das lästige Fußvolk???

    DocConsult

    4. Februar 2011 at 08:01

  8. Das beste ist jedoch die Begründung:
    „… aus finanziellen Gründen …“. Also soooo schlecht scheint man dann doch nicht zu verdienen 😉

    ednong

    4. Februar 2011 at 12:48

  9. Nur mal so am Rande. Auch unter den Mediziner Blogs könnten sich einige für Ärzte ausgeben, die eigentlich gar keine sind. Nichts für ungut. Ich habe da keinen speziellen Verdacht, möchte halt nur darauf hinweisen, dass Wachsamkeit überall geboten ist.

    Kamhameha

    4. Februar 2011 at 14:13

  10. Mein Eindruck (aus zweiter und dritter Hand—also mit Vorsicht zu geniessen!) ist, dass auch richtige Ärzte sich zu einem recht großen Teil durch den Tag bluffen. Es gibt einige einfache Standarddiagnosen, die die Mehrheit der Patienten abdecken. Außerhalb von diesen, ist die Schwierigkeit ausreichend groß, dass sie öfters ein Stück raten müssen, die Symptome behandeln, oder sich mit lateinischen Ausdrücken brüsten, die eigentlich nur eine Wiederholung von dem ist, was der Patient auf Deutsch gesagt hat.

    Wer also die Standarddiagnosen lernt, die Fachausdrücke kennt, und schnell denken kann, hätte also nicht so schlechte Karten—vorallem, wenn die praktischen Tätigkeiten zum größten Teil von den Krankenschwestern durchgeführt werden.

    michaeleriksson

    4. Februar 2011 at 14:31

  11. @michaeleriksson
    Danke für die schöne Vorlage.

    … und genau diese Art von Sorglosmedizinern sind es dann, die in der Gesundheitspolitik Karriere machen (als KV-Funktionäre z.B.) und anderen vorschreiben, wie sie ‚überflüssige‘ Arbeit reduzieren können. Das ganze bekommt dann auch noch einen wohlklingenden Namen: Budgetierung.

    Kamhameha

    4. Februar 2011 at 16:01


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