Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Was hab ich? – Studierende übersetzen medizinische Befunde

with 23 comments

Ärzte drücken sich nicht immer verständlich aus. Manchmal ist eher das Gegenteil der Fall. Und ab und zu hat man den Eindruck, als seie diese Unverständlichkeit mehr als Absicht, sondern ein unverzichtbar wichter Teil unseres Gesundheitssystems.
So ist es eben.
Und deshalb ist in unseren Arztbriefen auch immer schön von Cor und Pulmo die Rede, obwohl man natürlich genausogut auch Herz oder Lunge schreiben könnte ohne sich einen Zacken aus der Krone zu brechen.
Schon im ersten Semester belegen die meisten Studierenden den Kurs in „Medizinischer Terminologie“, wo sie lernen, sich wie ein Arzt auszudrücken.
Lernen, mit Patienten zu reden, das kommt erst sehr viel später.
Um so lobenswerter ist daher diese Initiative von Studierenden: Auf www.washabich.de kann man seine medizinischen Befunde oder Arztbriefe anonymisiert hochladen und bekommt dann per Mail eine Übersetzung ins „Normaldeutsche“. Kostenlos und ohne weitere Verpflichtungen und – wie die Macher der Seite betonen – unter Wahrung der Schweigepflicht.

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Written by medizynicus

5. Februar 2011 um 11:04

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

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23 Antworten

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  1. Ich habe mir die Seite soeben angeschaut und finde diese sehr interessant. Das werde ich bestimmt mal nutzen. Danke für den Tipp.

    MSchnettel

    5. Februar 2011 at 11:27

  2. Man könnte natürlich auch den Arzt seines Vertrauens bitten das Ganze verständlich zu formulieren 🙂

    Sigi

    5. Februar 2011 at 11:58

  3. Stimmt ansich – nur müsste da das Ganze überhaupt vom Arzt des Vertrauens formuliert werden. Die Bezeichnung hätte von den, mit dem ich bei meinem letzten Krankenhausaufenthalt zu tun hatte, keiner verdient… (Und ob ein anderer Arzt, wenn es jetzt nicht gerade jemand aus dem Freundeskreis ist, Lust hätte, das mal eben zu übersetzen ist die andere Frage ^^)

    Also, ich find das Angebot der Seite schonmal interessant 🙂

    Kolyma

    5. Februar 2011 at 12:15

  4. Das ist mal wirklich ein tolles Angebot. Respekt, das in dem Stress und der Hektik noch zu machen.
    Schließlich vergisst man in der Aufregung schnell eine Kleinigkeit oder kann sich einfach nicht alles merken, gerade bei unbekannten Fachwörtern.

    Chaoskatze

    5. Februar 2011 at 14:39

  5. Heißt es jetzt „Studierende“ oder „Studenten“? Ist mir nur so bei der Überschrift aufgefallen, ich glaub, da gibt es einen juristischen Unterschied in der Definition…

    Vollspasti

    5. Februar 2011 at 16:17

  6. @Vollspasti
    Nein, einen juristischen Unterschied gibt es nicht, Studierende ist der neuerdings politisch korrekte Ausdruck, da geschlechtsneutral.

    Aber es gibt einen praktischen Unterschied: Nicht alle Studenten sind auch Studierende 😉

    drkall

    5. Februar 2011 at 18:21

  7. @drkall
    Hmm, wahrscheinlich hat sich der Sprachgebrauch inzwischen verändert. Ich erinnere mich zu meiner Zeit an eine Diskussion über eben dieses Thema- Studenten = Hochschule (Uni, TH, FH), Studierender = Berufs- oder Fachakademie etc.
    Aber egal, war ja nicht Thema des Posts…

    Vollspasti

    5. Februar 2011 at 18:50

  8. „Studierende“ ist – wie schon gesagt – der angeblich politisch korrekte Ausdruck.

    M.E. genau so eine unsägliche Sprachvergewaltigung wie Gender gap oder Binnen-I.

    Das Angebot finde ich super. Ärzte sind nun mal absolut fabelhaft darin, einfache Sachverhalte maximal kompliziert zu verschachteln.
    Der Mediziner wird da m.M.n. nur vom Juristen und / oder Verwaltungsangestellten übertroffen.

    Jan

    6. Februar 2011 at 11:41

  9. @sigi: Das Problem ist ja auch eher selten der Arzt, den man seit Jahren kennt und den man aller paar Monate mal heimsucht. Interessant ist sowas vor allem für Krankenhausaufenthalte und eine Überweisung zum Spezialisten. Da ist eh keine Zeit für eine lange Fragenrunde, von Vertrauen „zum Arzt“ kann ohnehin nur selten die Rede sein da man „ihn“ eher selten kennt.
    Nachdem mir vor einigen Jahren mit knapp 30 die Mandeln rausgenommen wurden war ich gute andertalb Wochen im Krankenhaus. Die Schwestern kannte ich (inklusive der Intensivstation…) danach in allen Schichten persönlich, gleiches galt für die „Grünen Damen“, die Mitarbeiter die die Essensbestellung aufgenommen haben, … – aber von den Ärzten habe ich nur einen 2x gesehen. Ich war froh, dass die Betten gebraucht wurden und sich daher jemand um den Brief kümmern musste. Die festgestellte Antibiotika-Allergie fehlte trotzdem und wurde nachträglich angefordert…

    Tommy

    6. Februar 2011 at 22:22

  10. nee, nee. als patient sage ich (und ich verstehe das ärztelatein): studenten muss patientenkommunikation beigebracht werden! oder wie war das doch? ärzte reden mit und nicht über pats. von wegen wenig zeit und vertrauen – da ist der pat gefragt! solange bohren und nerven und quengeln, bis eine info rüberwächst. immerhin ist es meine gesundheit, mein leben und auch meine mit-verantwortung….

    was hilft es, dass ich meinen arztbrief auf normaldeutsch habe, wenn ich denn sinn nicht kapiere?

    polymyo

    8. Februar 2011 at 23:53

  11. […] Medizinstudenten aus Dresden, die ein neue Website mit dem Namen Washabich.de vorstellen wollten. Medizynicus und Psychomüll berichteten bereits. Natürlich plante ich zunächst ihr Angebot, […]

  12. Patienten kommen zu uns schon seit 5 Jahren und lassen sich Befunde in verständliches Deutsch übersetzen.

    http://www.patientenfragen.net/medizinische-befunde-uebersetzen/

    Michael

    12. März 2011 at 20:29

  13. Vier Monate sind nun vergangen, seitdem Medizynicus über unser Projekt berichtete. Was daraus geworden ist, gab es gestern Abend bei „Quarks & Co.“ (WDR) zu sehen: http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2011/0531/007_arzt.jsp

    Johannes Bittner

    1. Juni 2011 at 16:25

  14. Weitere sieben Monate später: „Was hab‘ ich?“-Mitgründerin Anja Kersten im Gespräch bei „Tietjen und Hirschhausen“ im NDR: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/tietjen_und_hirschhausen/tietjenundhirschhausen507.html

    Johannes Bittner

    21. Januar 2012 at 17:16

  15. Hallo meine Frage was ist ein Rezidivierendes Cervialsyndrom mit reversiblen Dysfunktionen/ RezidivierendesCervicobrachialsyndrom und Keratosis superfacialis
    Vielen Dank im Voraus Gunnar Thiel

    Gunnar Thiel

    18. Februar 2012 at 16:49

  16. Sehr geehrte Damen und Herren, bei mir wurde eine neurogene Schädigung festgestellt.
    Was bedeutet das, hat es etwas mit Neuropathie zu tun?
    Vielen Dank im Voraus.

    Dubiel Ramona

    6. März 2012 at 10:11

  17. Ich finde es erbärmlich, dass so ein „Dienst“ überhaupt erforderlich ist. „Ärzte“, die diesen not-wendig machen, sind an ihren Patienten sicher nicht interessiert, ausser an deren Geld. Mit „Heilen“ haben diese Spezies nichts in Sinn.

    werner geiger

    2. Juli 2012 at 16:52

  18. Hätte gern gewußt, was dieser Indikationsschlüssel bedeutet, damit ich als Laie es verstehen kann:
    „WS 2a rezid. Lumboischialgie (M54.4 + G) +rezid. Coxalgie bds. (M25.59 + BG
    +Osteochondrose L4/5 (M 42.99 +G
    +Spondylarthrose L 4 – S 1 beiMuskelspannungs- und Funktionsstörung sowie musk. Dysbalance
    Was würden Sie hiergegen tun?
    Danke im Voraus!
    charlotte@forum-fuer-senioren.de

    E.Zöllich

    30. September 2012 at 13:33

  19. Was heißt Demyelisierungsherde, supratentoriellen Marklager,Encephalitis disseminata(ED)

    Ulrich Beran

    13. Oktober 2012 at 20:13

  20. […] einem guten Blog kann ein wahrer Besuchersegen sein. Medizynicus schrieb bereits am 5. Februar 2011 zum ersten Mal über uns – und leitete mit diesem und drei weiteren Beiträgen insgesamt 1.062 Besucher (alleine […]

  21. Bei Reizhusten WV,Mittelgradige TI.MI,III°,2 Gefäßerkrankung

    Krause

    17. Januar 2013 at 17:08

  22. @Krause: Reizhusten = trockener Husten, ohne Auswurf. WV = Wiedervorstellung, also hier Bitte um Wiedervorstellung, Die folgenden Abkürzungen sind möglicherweise mehrdeutig – ich gebe hier die wahrscheinlichste Erklärung wieder, wenn es sich um einen Arztbrief aus einer kardiologischen (also das Herz betreffenden) Abteilung handelt: TI = Trikuspidalinsuffizienz, MI III = Mitralinsuffizienz dritten Grades, hierbei handelt es sich um Herzklappenfehler, also die beiden Herzklappen „schließen nicht richtig“. 2 Gefäßerkrankung ist die Beschreibung des Schweregrades einer koronaren Herzkrankheit – also einer Krankheit der Herzkranzgefäße. Es gibt zwei Herzkranz-Arterien, die linke und die Rechte. Die Linke zweigt sich bald auf, so dass man von drei Arterien spricht. Eine Erkrankung kann also eine, zwei oder drei dieser Blutgefäße betreffen.

    medizynicus

    17. Januar 2013 at 18:45

  23. Hallo Herr Baran,
    ich bin zwar kein Mediziner, aber ich kann Ihnen zwei Begriffe zuverlässig übersetzen. 1. Demyelisierungsherde sind Entmarkungsherde, welche im Gehirn und/oder Rückenmark auftreten können. Das heißt die Myelinschichten werden vom körpereigenen Abwehrsystem angegriffen. Man sich das so vorstellen wie ein Kabel bei dem sich die Kunststoffummantelung langsam auflöst und zum Schluss nur noch die Drähte blank liegen. Ich weiß der Vergleich hinkt etwas, aber besser kann ich es nicht ausdrücken. Akute Entmarkungsherde haben meist irgendwelche Auswirkungen: Hebeschwäche, Gleichgewichtsstörungen, Taubheitsgefühle etc. Das ist ganz unterschiedlich. Solche Entmarkungsherde können sich aber auch verkapseln, dann bereiten sie so viel ich weiß keine Probleme. Der Begriff „Encephalitis disseminata(ED)“ heißt übersetzt Multiple Sklerose vom schleichenden Verlauf, also eine Multiple Sklerose ohne Schübe. Der Nachteil dieser Form der MS ist, dass man sie nicht mit Betaferonen behandeln kann. Behandeln kann man die Schübe, auftretende Spastik, evtl. restless legs (unruhige Beine), also die Beschwerden, welche bei dem jeweiligen Patienten vorhanden sind. Dein Ansprechpartner sollte hier ein guter Neurologe sein. Ich hoffe, ich konnte etwas helfen. Im übrigen tut es mir leid, dass du so eine harte Diagnose erfahren musst. Doch dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass du nicht mehr arbeiten kannst oder im Rollstuhl landest. Was ganz wichtig ist, ist dass du Ergo- und Physiotherapie machst, damit du so lange wie möglich mobil bleibst. Ich wünsch Dir viel Glück.

    linda

    18. März 2013 at 18:22


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