Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Wenn Kinder Kinder kriegen…

with 9 comments

In keinem anderen europäischen Land werden so viele minderjährige Mädchen schwanger wie in Großbritannien. Warum das so ist?
Spekulationen und Theorien über das Thema gibt es viele, aber so richtig genau weiß es niemand. Fakt ist: viele Jugendliche wissen einfach zu wenig. In vielen Familien redet man einfach nicht darüber. Auch Lehrer tun sich oft schwer.
Dabei hat es zahlreiche beispielhafte Informationskampagnen gegeben und Verhütungsmittel sind leicht zu bekommen: die Pille gibt’s kostenlos und unkompliziert beim Hausarzt (ohne gynäkologische Untersuchung und gegebenenfalls auch ohne dass die Eltern informiert werden), Kondome kann man überall kaufen und dann ist da ja auch noch die Pille danach.
Auch die ist für Jugendliche gratis. Und man braucht auch gar nicht zum Arzt zu gehen, sondern kann sich das Medikament – nach ausführlicher Beratung – in der Apotheke abholen.
Eine beispielhafte Aktion?
So richtig erfolgreich war es wohl nicht: Seitdem die Pille danach so einfach zu bekommen ist, sind Geschlechtskrankheiten deutlich häufiger geworden, wie eine jetzt veröffentlichte Studie berichtet.

Written by medizynicus

6. Februar 2011 um 22:07

9 Antworten

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  1. Ein hobbypsychologischer Ansatz:
    Die total freie problemlose Verfügbarkeit der Kontrazeptiva einschließlich der „Pille danach“, welche trotz Rezeptfreiheit immer noch eine ziemliche hormonelle Belastung darstellt, suggeriert eine völlige Normalität wie beim Smarties futtern. Niemand muss sich mehr Gedanken machen, ist ja problemlos verfügbar wie Wasser und Brot.

    Mr. Gaunt

    6. Februar 2011 at 22:19

  2. Als ich den Blogeintrag las war mein erster Gedanke.
    „Sa gibts doch was von Monty Python“

    Aber jetzt wundert mich gar nichts mehr.
    http://www.youtube.com/verify_age?next_url=http%3A//www.youtube.com/watch%3Fv%3DmTMlZSKEu-Y

    Ralf

    7. Februar 2011 at 08:35

  3. Die „Pille danach“ rezeptfrei zu machen, halte ich auch nicht für die Lösung.
    In D werden mittlerweile Arzneimittel über das Internet verkauft. Da findet – vom Gesetzgeber gewollt – keine Beratung statt.
    Wenn die „Pille danach“ rezeptfrei wird, decken sich die Mädels im Netz für die nächsten Wochenenden ein.

    Und selbst, falls der Gesetzgeber die „Pille danach“ im Versandhandel verbieten sollte:
    Man hat praktisch in der öffentlichen Apotheke als Apotheker keinerlei Möglichkeit, die Abgabe zu verweigern. Wenn man es tut, decken sich die Mädels in der Apotheke nebenan ein, die das Ding lockerer abgibt.

    Ich kenne – als Apotheker – genügend Mädels aus dem Freitag-Nacht-Notdienst, die mit einem Rezept über die „Pille danach“ vom Arzt vorbeikommen und sich mit dem Medikament genauer als ich auskennen (weil schon 10 Mal genommen).
    Hier herrscht vielfach die Meinung vor: Ungeschützter Verkehr ist mittlerweile okay, man kann ja die „Pille danach“ nehmen…

    Steven

    8. Februar 2011 at 14:48

  4. Als ich mal auf der Gyn gearbeitet habe, kam da auch ein Pärchen direkt auf Station, je grob geschätzte 16 Jahre alt, und fragten fröhlich „Gibt’s bei Ihnen die Pille danach?“ *strahl*

    hrnz..

    Graf Nudu

    9. Februar 2011 at 05:17

  5. In Großbritannien gibt es viele Leistungen der Krankenkasse nur für minderjährige Schwangere/Mütter. Auch die Kinderkrippe wird nur minderjährigen Müttern bezahlt. Warum also sollten die Mädchen warten? Später müssen sie alles selbst zahlen.
    Elterngeld gibt es in UK nicht.

    Fe.

    9. Februar 2011 at 16:12

  6. In GB kriegen also minderjährige Frauen kostenlos die Pille, ohne gynäkologische Untersuchung, ohne den Arzt bezahlen oder Eltern informieren zu müssen?

    Im Entwicklungsland Schweiz ist man nicht mal bereit, jungen Frauen in Ausbildung einen Teil der (hohen) Verhütungskosten rückzuerstatten.
    Z.B. wird in Zürich jeder/m ab 17 Jahren der 1. und 2. Besuch des Zahnarztes per Gutschein gesponsert, vor 16 J. ist man durch kostenlose Schulzahnklinik versichert.
    Aber ein Gutschein für die 1. und 2. Konsultation beim Frauenarzt – POLITISCH VÖLLIG UNDENKBAR. Frauengesundheit ist 1. politisch zweitrangig, und geht 2. finanziell auch nur Frauen was an.
    Ehrlich gesagt, mehr GB-Verhältnisse wären täten Not!

    Noch was: Die junge, weibliche Klientel einer Apotheke ist KEIN ABBILD der weiblichen Jugend. Sichtbar sind die, die Probleme machen/haben. Von den Stillen, Korrekten hört man naturgemäss stets weniger. Um das Gute und Funktionierende zu finden, muss man halt tiefer graben, als zu den paar schillernden Anekdoten.

    KaraBug

    18. Februar 2011 at 21:52

  7. … die in obigen Kommentaren erwähnt sind.

    KaraBug

    18. Februar 2011 at 21:54

  8. KaraBug:
    Bis jetzt dachte ich, die Schwyz wäre eine DDR (mit viel Geld).
    Damals in Ostzonalien waren Arztbesuche und Medikamente (auch die Pille) kostenlos. Dafür gabs aber Bildung, Sexualaufklärung sowie nichtmaterielle Hilfen (Kinderkrippe/Garten usw) im Falle eines Falles für lau. Selbst ein Kind war kein Beinbruch fürs weitere Erwerbsleben.
    Folge: ein starker Rückgang der Teenieschwangerschaften. Und eine massive Emanzipation der Frau (ob das nun gut oder schlecht ist…)

    Man kann es grob zusammenfassen: Teenieschwangerschaften und Bildung+sozialwirtschaftliche Perspektive verhalten sich umgekehrt proportional.

    Zero the Hero

    25. März 2011 at 23:43

  9. Frauen müssten eigentlich höhere Krankenversicherungsbeiträge bezahlen.

    Politischandersdenkender

    17. November 2011 at 12:37


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