Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Blut im Schmodder

with 9 comments

Ich stehe mit meinem Visitenwagen auf dem Flur und blättere in der Krankenakte von Herrn Chromsky. So richtig schlau werde ich da nicht draus. Was sicherlich damit zu tun hat, dass die Kommunikation mit ihm nicht immer ganz einfach ist. Herr Chromsky spricht zwar fließend russisch, aber was seine Deutschkenntnisse betrifft… da versteht er grundsätzlich nur das, was er verstehen will.
So haben die Pflegekräfte ihn nur unter größter Mühe von den Vorzügen einer Ganzkörperwaschung in Form einer Dusche überzeugen können. Den Speiseplan hingegen hat er problemlos entziffern können und als er einmal morgens weniger als vier Scheiben Wurst zum Frühstück bekommen hat, da hat er sein Anliegen klar und mehr als deutlich artikulieren können.
Jetzt versuche ich, den Anamnesebogen zu entziffern.
Schaun wir mal, was er für Diagnosen mit sich herumschleppt: Schwerste COPD und Bronchiektasen. Okay, das erklärt sein Herumgerotze. Und dann steht da noch etwas von respiratorischer Globalinsuffizienz. Deshalb das Schnaufen und Keuchen. Und war er nicht blitzeblau im Gesicht?
Aber halt, was ist das?
Hämoptysen? Da könnte auch etwas Bösartiges dahinterstecken. Sollte man jedenfalls mal nachhaken.
Ich klopfe an und betrete das Zimmer. Der Patient sitzt im Bett, das Kopfende hochgestellt, fast senkrecht und telefoniert. Ich achte darauf, ihm diesmal nicht die Hand zu schütteln.
„Guten Tag, Herr Chromsky, haben Sie in der letzten Zeit mal Blut gespuckt?“
„Blut? Gespuckt? Nein, nicht gespuckt… nur Husten… im Schleim…“
Er holt tief Luft und macht eine verdächtige Handbewegung.
Ich mache unwillkürlich einen Schritt zurück.
Nein, geht schon, die blutigen Beimengungen im Schmodder, die glaube ich ihm gerne, das braucht er mir jetzt gar nicht zu demonstrieren.
„Herr Chromsky, ich glaube, wir müssen uns Ihre Lunge einmal genauer ansehen. Wir müssen ein CT machen. Sie wissen schon, einmal durch die Röhre schieben!“
„Röhre?“ Er runzelt die Stirn.
„Röhre? War ich schon letztes Jahr!“
Aha? Ich werde hellhörig.
„Wo war das denn?“
„Damals… in St. Anderswo… wegen die Knolle!“
Knolle? Was für eine Knolle? Viel genauer kriege ich das auch bei weiterem Nachfragen nicht raus, aber ich ahne Schlimmes….

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Written by medizynicus

9. Februar 2011 um 05:23

9 Antworten

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  1. Nett. Einfach nett.

    talkletts3033

    9. Februar 2011 at 08:02

  2. Lieber Blut im Schmodder als Schmodder im Blut!

    Ich kann mir auch gut vorstellen was die Knolle wohl sein wird /ö\

    stachel

    9. Februar 2011 at 09:06

  3. Haste jetzt auch ne Tbc…??

    docangel

    9. Februar 2011 at 10:43

  4. Viel Spaß mit drei Monaten Isoniazid für alle Beteiligten (wenn ich die Leitlinie noch richtig im Kopf habe)…

    lupo

    9. Februar 2011 at 11:47

  5. Schlimm wird’s insbesondere dann, wenn die polnische Pflegerin mit der älteren, türkischen Patientin versucht auf Deutsch zu reden.

    Ähnliche Kombinationen mit zum Teil haarsträubenden Ausgängen schon öfters erlebt…

    Graf Zeppelin

    9. Februar 2011 at 18:46

  6. hmm… knolle? wusste nicht, dass das auch für tuberkulose steht. ich hätte jetzt – als nichtmediziner – eher auf lungenkrepps getippt, irgendwie könnte ich mir da eher vorstellen, dass man das knolle nennt… aber wenn der wirklich tbc hat ist es superspassig, dass er dir noch die hand gegeben hat….

    souly

    9. Februar 2011 at 20:43

  7. Zum Glück ist ja Krebs nicht ansteckend…

    docangel

    10. Februar 2011 at 09:38

  8. Ausser das Zervixkarzinom..

    scnr

    Graf Zeppelin

    10. Februar 2011 at 18:39

  9. …nicht mal das.

    docangel

    14. Februar 2011 at 14:23


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