Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Doktor hinter Gittern

with 19 comments

Neulich habe ich meinen Kollegen Dr. Gutmensch im Knast besucht.
Da brummt er gerade fünf Jahre ab, wegen Verstoß gegen das Betäubungsmitelgesetz.
Was hat er getan? Vielleicht heimlich zur Aufbesserung seiner Kasse nachts hinterm Bahnhof bunte Pillen verkauft? Oder einen notorischen Querulanten mit einer gehörigen Dosis Morphium um die Ecke gebracht? Nein, nichts dergleichen.
Bei meinem letzten Besuch hatte mein Kollege den Tathergang ungefähr so beschrieben:
„Es war in einer kalten, stürmischen Winternacht: Dreißig Zentimeter Neuschnee und Windstärke acht. Ungefähr gegen drei Uhr nachts klingelt mein Handy, der Sohn von Frau Leidemann ist dran. Seine Mutter hat metastasierenden Darmkrebs im Endstadium und leidet höllische Schmerzen. Also bin ich hingefahren, hinaus nach Einödshofen, fünfzehn Kilometer über ungeräumte Landstraßen. Ich habe angeboten, ihr eine Spritze zu geben, aber das wollte sie nicht, denn sie hat wahnsinnige Angst vor Nadeln. Also habe ich ihr eine Tablette Morphium gegeben. Die hat sie gleich genommen und sie hat gut geholfen. Da hat sie mich gefragt, ob ich ihr nicht zwei oder drei Tabletten dalassen könnte. Das habe ich dann auch getan.“
„Und?“ fragte ich, „Was kam dann?“
„Nichts!“ sagt mein Kollege, „das war es. Das war mein Vergehen. Der Sohn hat die Polizei gerufen und die haben mich noch in derselben Nacht verhaftet!“
Okay, das stimmt nicht.
Natürlich ist die Geschichte (wie so vieles hier in diesem Blog) erstunken und erlogen. Aber sie ist möglich. Es klingt verrückt, aber es ist wahr: ein Hausarzt, welcher einem schwerkranken Patienten in einer Notsituation ein paar Tabletten Morphium überlässt, handelt illegal und riskiert eine Haftstrafe und wäre vermutlich auch im Falle einer Bewährungsstrafe erstmal seine Approbation los.
Weil nun die meisten Ärzte keine Lust haben, im Knast zu landen erhalten viele schwerstkranke Patienten nicht die Behandlung, die sie brauchen.
Wer diesen Zustand ändern möchte, kann eine Petition an den Deuschen Bundestag unterschreiben. Hier ein Auszug aus der Begündung dieser Petition:

Aus gutem Grund dürfen in Deutschland Betäubungsmittel nur durch den Apotheker an Patienten abgegeben werden. Dieses gilt derzeit leider auch in besonderen Notfällen von vernichtenden Schmerzen oder schwerster Atemnot außerhalb der Öffnungszeiten von Apotheken, so dass es hier häufig zu einer Versorgungslücke kommt. Ärzte müssen Betäubungsmittel vorab schriftlich rezeptiert haben. Das Rezept muss vor Auslieferung in der Apotheke vorliegen.
Ärzte dürfen Betäubungsmittel nur unmittelbar persönlich am Patienten anwenden, dürfen sie dem Patienten aber auch im Notfall niemals zur dringend notwendigen weiteren Anwendung überlassen. Dies gilt auch, wenn die erreichbaren Apotheken diese Medikamente nicht vorrätig haben und die Medikamente damit auf dem gesetzlich vorgesehenen Wege nicht ausreichend zeitnah in der Häuslichkeit verfügbar sind. Die Überlassung von z. B. Opioiden – auch im Notfall gegen schwerstes Leiden – ist nach § 29 Abs. 1 Ziffer 1 Betäubungsmittelgesetz immer noch ein Straftatbestand, der mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft wird.

Dank an die Leserin „Tänzerin“ für den Tipp und den Link!

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Written by medizynicus

16. Februar 2011 um 05:19

19 Antworten

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  1. Die Petition ist nun wirklich – vorsichtig ausgedrückt – totaler Blödsinn:
    Jeder deutsche Arzt ist in der Lage für seinen Praxisbedarf vorab Medikamente zu bestellen. Das geht auch für Morphin und Co, genau wie für jedes andere Medikament.
    Aus Medikamenten für den Praxisbedarf darf ein Arzt jederzeit Medikamente einem Patienten abgeben und dabei auch Tabletten auseinzeln.

    Des Weiteren hat nun jede wirklich jede Apotheke Morphin (oder ein Morphinanalogon) vorrätig. Die Apotheke möchte ich sehen, die keinen einzigen Schmerzpatienten hat.

    Und des Weiteren: Ausserhalb der Öffnungszeiten von Apotheken gibt es immer noch den Apothekennotdienst. Der ist nicht dazu gedacht, dass sich Jugendliche nachts um 3 Uhr Kondome kaufen können, sondern speziell für solche NOTfälle.

    Fazit:
    1.) Es gibt hier keine Versorgungslücke!
    2.) Es ist moralisch komplett richtig, dass die Überlassung von Opioiden (die schwer abhängig machen) ohne Rezept ein Straftatbestand ist, der mit 5 Jahren Freiheitsstrafe geahndet wird.
    3.) Bitte die Petition nicht unterschreiben, die ist genauso sinnlos wie diese Petition betreffend Heilpflanzen vor 3 Monaten!

    Steven

    16. Februar 2011 at 10:51

  2. @Steven: Die Heilpflanzenpetition war Blödsinn, da stimme ich Dir zu. Aber hier besteht wirklich eine Versorgungslücke
    1.) Ja, es ist richtig, dass ein Hausarzt auf „Praxisbedarf“ BTM-Medikamente bestellen und bevorraten darf. Er darf auch in dem beschriebenen Notfall Morphium geben – entweder als Injektion oder als Tablettengabe, wenn der Patient die Tablette unter Aufsicht schluckt. Er darf aber definitiv keine Tabletten abgeben. Der Patient könnte sie ja weitergeben oder irgendwelchen Unsinn damit machen. Der einzig korrekte Weg ist, ein Rezept auszustellen, welches der Patient dann in der diensthabenden Apotheke einlösen muss.
    2.) Es ist richtig, es gibt einen flächendeckenden Apothekennotdienst. Wir reden hier aber von einer Patientin irgendwo auf dem Lande mitten in der Nacht im Winter. Die Diensthabende Apotheke ist mindestens 15 KM entfernt (auf dem Lande keine Seltenheit). Die Apotheke liefert nachts nicht aus (Der Regelfall. Manchmal tun sie es doch aus Kulanz, aber darauf kann man leider nicht bauen). Die Patientin selbst kann nicht Autofahren. Man kann nicht immer damit rechnen, dass ein Angehöriger oder Nachbar verfügbar ist. Theoretisch könnte man einen Taxi losschicken. Aber mal ehrlich: manch eine Oma würde da lieber die Zähne zusammenbeißen…
    3.) Die Alternative wäre eine Krankenhauseinweisung. OK. Viel teurer für die Krankenkassen und vom Patienten nicht unbedingt erwünscht.
    Also: Es besteht wirklich eine Versorgungslücke!
    Petition bitte doch unterschreiben
    p.s..: gibt’s hier irgendwelche Juristen mit einer Meinung zum Thema?

    medizynicus

    16. Februar 2011 at 11:01

  3. Nicht nur bei der Abgabe von Betäubungsmitteln wird die Tat des Arzt juristisch der eines Dealer gleichgesetzt! Auch jegliche andere medizinische Maßnahme gilt als rechtswidrige Körperverletzung, die nur dann nicht strafbewehrt ist, wenn sie
    a) nicht gegen den Willen des Patienten erfolgt u n d
    b) „nach den Regeln der ärztlichen Kunst“ erfolgt!

    Das würde ja keinen stören, wenn sich daraus juristisch nicht eine „Beweislast-Umkehr“ ergeben würde, d. h., der Arzt muss beweisen, dass er richtig, nicht – wie sonst üblich – der Staat, dass der Bürger falsch gehandelt hat

    Würden Richter, Staatsanwälte und Polizisten einer ähnlichen – absurden – Denke ausgesetzt, dann wäre jede Festnahme, jede Untersuchungshaft und jede Verurteilung eine rechtswidrige Freiheitsberaubung.

    der Landarsch

    16. Februar 2011 at 11:08

  4. Zur Petition: die hat absolut Recht!! Ich denke nur, man muß nicht alles mit Gesetzen und Vorschriften regeln. Einerseits Bürokratie-Abbau, andererseits alles und jedes geregelt haben wollen, das passt nicht zusammen.

    Ich denke eher, die Staatsanwälte sollten angehalten werden nicht alles nur nach den überspitzen Buchstaben des Gesetzes, sonder auch mit Hirn und Augenmaß zu bewerten. Dann würden nämlich derartige Vorschriften in’s leere laufen.

    der Landarsch

    16. Februar 2011 at 11:34

  5. war das schon immer so?

    Blogolade

    16. Februar 2011 at 11:45

  6. Klare Ansage: Dispensierrecht durch Ärzte geht nicht!
    Die ABGABE muß durch die Apotheke erfolgen.

    @medizynicus: Die Tücke liegt, wie Du gemerkt hast, in der juristischen Auslegung und da wird es kompliziert.
    Machbar ist eher die Definition der ANWENDUNG genauer zu fassen, die ist nicht einheitlich.

    Das Fallbeispiel ist an der Haaren herbeigezogen. Wenn wirklich so kurzfristig Medikamente gebraucht werden ist natürlich nur das Krankenhaus die Alternative. Aber dem ist ja nicht so, denn die Wirkung des angewendeten Medikaments hält noch Stunden vor.

    Die Petition KEINESFALLS unterschreiben, weil allein der Satz:

    „Dies gilt auch, wenn die erreichbaren Apotheken diese Medikamente nicht vorrätig haben und die Medikamente damit auf dem gesetzlich vorgesehenen Wege nicht ausreichend zeitnah in der Häuslichkeit verfügbar sind.“

    falsch ist und den gesetzlichen Bevorratungsvorschriften der Apotheke nicht entspricht.
    Opioide (injizierbar und oral) sind in der Apotheke zwangsweise vorrätig zu halten, selbst wenn sie nicht gebraucht werden!
    Das Problem liegt eventuell eher beim Arzt, der nur schreiben und nicht reden kann – meine Ärzte rufen bei Notfällen hier vorher an, was bei mir aktuell im Panzerschrank liegt.

    Grundsätzlich bin ich aber nicht abgeneigt über eine aufgeweichte Definition der „Anwendung“ nachzudenken, war zu meiner Zeit in der BW ja auch so, da stand auch nicht neben jedem Truppenarzt ein Apotheker.
    Bei mir sind nicht BTM, eher die Freitagnachmittagentlassungen der Krankenhäuser ein Problem, da dann weder der entlassende Arzt noch der Hausarzt erreichbar sind.

    Ein Punkt ist aber ganz wichtig: die Arzneimittel müssen kostenlos übergeben werden, denn sonst wird der Arzt zum buchhaltungspflichtigen Kaufmann – der Finanzminister hält dann sofort die Hand auf mit Märchensteuer und Gewerbesteuer und viel Papierkrieg.

    Murgs

    16. Februar 2011 at 12:23

  7. @Medizynicus:
    Was Du und die Petition fordern, ist das Dispensierrecht für Ärzte, wie es in der Schweiz teilweise bereits gängig ist.
    Da bin ich als Apotheker dagegen (kleine Info: ich arbeite nicht in einer Apotheke, es ist also kein Eigeninteresse dabei).

    In Deutschland ist das verboten und zwar aus gutem Grund:
    a) Der Arzt soll ein Medikament verordnen und soll nicht an der Verschreibung des Medikaments gleichzeitig noch mit verdienen, damit er nicht in Versuchung kommt, das Medikament nur deswegen zu verschreiben, damit er selbst auch noch was daran verdient.
    b) Ihr Ärzte kennt Euch mit Medikamenten nicht aus, das haben wir Apotheker studiert. Ich misch mich auch nicht in Behandlungen ein, da kenn ich mich nicht aus…

    Ein gutes abschreckendes Beispiel ist in Deutschland die Abgabe von Ärztemustern. Laut AM-Gesetz darf ein Arzt jährlich 2 Muster in der kleinsten Packung „zu Anschauungszwecken“ erhalten. Soweit die Theorie.
    Mal ehrlich: Mach mal Deinen Schrank auf und zähl mal, wie viele Muster Du vom letzten Preiswertpharm-Vertreter „zu Anschauungszwecken“ erhalten hast und wie viele Insulinmessgeräte da drin sind (die Dinger kosten normalerweise 30 Euro).
    Ich will jetzt nicht sagen, warum ein Arzt vom Pharmavertreter diese „Geschenke“ erhält, den Grund wissen wir beide.
    Das ist ein verdammt guter Grund, warum Ärzte nicht dispensieren sollten…
    (zumal Ärzte die Dinger einfach in den Schrank werfen, da werden keine Verfalldaten kontrolliert und bei Medis auch keine Lagerbedingungen eingehalten).

    Zu 1.)
    Es ist richtig: Die Tablette muss unter Aufsicht des Arztes geschluckt werden, weitere Tabletten darf der Arzt nicht abgeben.
    Gerade bei BTM’s macht das auch Sinn: Die Dinger sind – aus verdammt guten Grund, nämlich der Vermeidung von Sucht – so gut protokolliert, wie sonst gar nichts in der Apotheke. Da muss man den Eingang festhalten, den Ausgang, von wem man es bezogen hat, an welchen Patienten wie viele Tabletten zu wie viel Milligramm abgegeben wurden; das ganze muss 3 Jahre dokumentiert und nach jeder Bestellung auch frisch an das BfArM gesendet werden, damit kein Missbrauch damit betrieben wird.

    Wenn Du als Arzt im Notdienst da mal eben 10 Tabletten Morphium undokumentiert da lässt und der Sohnemann des Patienten schnappt sich die Dinger und vertickert diese, wird das Gesetz geschickt unterlaufen.

    zu 2.)
    In der Stadt sind wir uns einig, da ist innerhalb von 5 km auf jeden Fall ne Apotheke, die Dienst hat. Auf dem Land haben wir natürlich eine andere Situation. Aber auch da ist im Umkreis von 20 km eine notdienstbereite Apotheke. Natürlich schickt die nachts keinen Boten vorbei (das ist eh eine total unwirtschaftliche Praxis, auch tagsüber).
    Hey, aber irgendeinen Enkel, Neffen, Nachbarn, gibts doch immer, der da mal schnell vorbeikommen kann.

    Wem die 20 km abends um 3 Uhr zu weit zu fahren sind, der möge bitte nicht an anderer Stelle fordern, dass es „zu viele Apotheken geben würde“, dann gibt es nämlich zu wenige…

    Und zu guter letzt: Mal ehrlich, selbst wenn Du – auf eigene Verantwortung – 2 Tabletten da lässt, damit der Patient diese bei Schmerzen schlucken kann.
    Wen kümmerts…? Opa Meier wird Dich deswegen nicht anzeigen und es wird keinen Richter geben, der einen Arzt deswegen verknacken wird.

    Da gibt es doch genügend andere Dinge, mit denen man als Arzt (und bei Apothekern ist es doch genauso) sofort mit einem Bein im Gefängnis steht (beispielsweise: Was macht man mit nem Patienten in der Apotheke, der seit 2 Jahren nachweislich sein Metoprolol erhält, vergessen hat, zum Arzt zu gehen und Dir am Samstag gegen 11 Uhr in der Apotheke auftaucht; Arzt ist nicht erreichbar, weil Wochenende: In der Schweiz darf Pharmama Medikamente vorab – ohne Rezept – abgeben, in Deutschland dürfte das der Apotheker laut Gesetz definitiv nicht! Nächste Versorgungslücke…).

    Steven

    16. Februar 2011 at 14:21

  8. Bei einer legalen Abgabe von ein paar Tbl. (in Notällen) wäre mir persönlich das Risiko lieber dass der Sohnemann evtl. die zwei oder drei Tbl. Morphin verkauft als dass eine Patienten völlig unnötig Schmerzen erleiden muss.

    In solchen Situationen erleiden die Patienten nicht nur durch die starken Schmerzen sondern auch durch den Ausnahmezustand und die relative Machtlosigkeit in solch einer Situation.

    Auch wenn es auf komplizierte Weise funktionieren kann dass der Arzt Vorort (wovon vll. auch machner Arzt zurückschreckt (erst mal BTM-Rezepte dabei haben, dann das Ding vor Ort ausfüllen, usw.) und dann Angehörige das Präperat besorgen so sehe ich das doch ein wenig skeptisch…

    So wird es sicher nicht selten vorkommen dass die Beteiligten dieses komplizierte Prozedere vermeiden und ein Pat. so unnötige Schmerzen erleidet.

    In anderen Ländern ist die BTM-Verschreibungspraxis mittlerweile schon viel besser geregelt.

    Zugegeben es könnte mehr Missbrauch stattfinden. Aber andererseits werden Junkies sich immer ihre Drogen besorgen können. Ob auf diese Art oder auf andere.

    So könnte wenigstens den unschuldigen Patienten etwas mehr geholfen werden.

    Gilt Deutschland, was die Schmerztherapie angeht, eigentlich mittlerweile immer noch als Entwicklungsland?

    Das ist ein sehr kontroverses und nicht unkompliziertes Thema…

    stachel

    16. Februar 2011 at 14:59

  9. Die Apothekendichte in Deutschland ist VIEL zu hoch! Man braucht keine 5-9 Apotheken pro Stadteil, eine bis zwei würden reichen!

    (HAus-)Ärzte sollten Standardmedikamente direkt an die Patienten abgeben dürfen. Das Gegenargument, sie dürfe nicht an den selbst verschriebenen Medikamenten verdienen ist richtig, daher Bezahlung nicht pro Packung, sondern als Pauschale, egal wie viel abgegeben wird.

    Die Kosten für all die überflüssigen Apotheken sind ein wichtiger Punkt, an dem Sparmaßnahmen ansetzen müssen. Die Apothekerlobby ist in Deutschland zu einflussreich!

    Dr.Mang

    16. Februar 2011 at 16:48

  10. @Dr.Mang
    Diese dümmliche, unsachliche, bösartige und unqualifizierte Beleidigung ist diesem Blog unwürdig.

    Die Apothekendichte richtet sich ziemlich stark nach der Arztdichte und ist im Vergleich nicht übermäßig hoch.

    Abgabe gegen eine Form der Bezahlung, egal ob pauschal oder nicht, ist Warenhandel und setzt Buchführung über Bezug und Verbleib voraus. Mehrwertsteuererklärung, Gewerbesteuerpflicht, regelmäßige Inventur und so weiter eingeschlossen.
    Und Mißbrauch in allen Richtungen ist Tür und Tor geöffnet.
    – Junkies werden mit Drogen unterstützt.
    – Die Pharmaindustrie sponsert die überdurchschnittliche Abgabe teurer Medikamente usw.

    Die Kosten von Apotheken? Du hast offensichtlich keine Ahnung, denn das sind 2,5% in Worten: zweieinhalb Prozent der Ausgaben der Krankenversicherung.
    Wo soll da etwas so großartig gespart werden?

    Unsere Lobby hat es nicht geschafft, das wir effektiv und unkompensierbar weniger verdienen, dafür mehr bürokratischen Aufwand verkraften müssen.
    Die Ärzte haben höchstens eine Minderung ihres EinkommensZUWACHSES zu erwarten! (Letzteres kann z.B. bei den Hausärzten schon wirtschaftliche Planungen über den Haufen werfen – schlimm genug)

    Noch schlimmer finde ich die Verwaltungskosten der Kassen,
    was bringen den Patienten deren 5,2% vom Kuchen?
    DIE haben eine Lobby die unschlagbar ist, denn jeder abgehalfterte Politiker kann auf ein nettes Pöstchen dort hoffen.

    Murgs

    16. Februar 2011 at 18:24

  11. Ich kann ehrlich gesagt nicht erkennen wo Dr.Mang unsachlich oder dümmlich argumentiert hat.

    Und eine Bösartigkeit vermag ich erst recht nicht zu erkennen.

    Nur weil er nicht deiner Meinung ist musst du nicht gleich so getroffen reagieren.

    Dein Posting liest sich fast als wärst du ein Apotheker der verdammt große Angst um sein Abgabemonopol hat.

    Ob dem so sei oder nicht sei mal dahingestellt…

    stachel

    16. Februar 2011 at 19:24

  12. @Murgs@Steven: Es geht ja gar nicht um ein allgemeines Dispensierrecht für Ärzte, sondern lediglich darum, dass ein Arzt in einer begründeten Notfallsituation so viel Schmerzmittel beim Patienten lassen kann, das dieser so lange, bis wieder eine Apotheke für ihn erreichbar ist über die Runden kommt. Es kann ja dann trotzdem ganz normal ein Rezept ausgestellt werden und alles was über diese Notfallmedikation herausgeht in der Apotheke besorgt werden. Und dann sind sowieso mehr Btm beim Patienten vorrätig als der Arzt jemals dortgelassen hat. D.h. die letztendliche Gefahr eines Missbrauchs steigt nicht wirklich.

    Tänzerin

    16. Februar 2011 at 19:49

  13. […] stieß ich bei Medizynicus auf den fiktiven Fall einer krebskranken Patientin im finalen Stadium, deren behandelnder Arzt nach […]

  14. Tut mir Leid, wenn Sie meinen Beitrag persönlich aufgerührt hat.

    Ich bleibe dabei: Es gibt zu viele Apotheken in Deutschland. Deutlich zu viele!

    Das die Lobby der Schubladenzieher zu stark ist, sieht man an der letzten „Gesundheitsreform“, bei der die Apotheker komplett verschont wurden und auch daran, dass die Politik die Apotheker vor jeglichem Wettbewerb schützt, so gut es geht (Danke EU, dass es überhaupt Versandapotheken gibt, ich bestelle meine Voltaren-Salbe lieber für 6 Euro im Internet als die gleiche Tube für 13 Euro beim Pillen-Dealer um die Ecke zu kaufen)

    DrMang

    16. Februar 2011 at 23:10

  15. @Murgs:
    Ich würde auf das Posting von Dr. Mang nicht weiter eingehen.
    Es hat nichts mit dem ursprünglichen Blogeintrag von Medizynicus bzgl. Dispensierrecht für Ärzte in Notfallsituationen zu tun.
    Dr. Mang wollte mit diesem Eintrag Sie und mich als Apotheker provozieren, daher bezeichnet er uns auch als „Schubladenzieher“, was ja die althergebrachte Beleidigung für den Beruf Apotheker ist.

    Lass Dr. Mang seine Voltarensalbe für 6 Euro übers Netz – bei einer öffentlichen Apotheke, die halt nebenbei auch noch Versandhandel betreibt – bestellen. Natürlich könnte man ihm sagen, dass er denselben Spass als Generikum von CT, Al und Co. in einer öffentlichen Apotheke noch günstiger haben könnte, aber darum geht es ihm ja nicht.
    Natürlich könnte man ihm als Arzt auch sagen, dass der Wert von Schmerzsalben pharmazeutisch sowieso angezweifelt wird, aber darum geht es ja auch nicht.

    Und wenn er wirklich der Meinung ist, dass Ärzte, Apotheker, Hebammen, Krankenpfleger, etc. eine super Lobby in Berlin haben, dann lass ihm doch diese Meinung. Klar, Berlin kümmert sich in erster Linie um Einzelhandelsgeschäfte mit bis zu 10 Mitarbeitern.

    Apropos: Um mal mit Dr.Mang mithalten zu können, hab ich mein Pseudonym für diesen Posteintrag gerade auf Dr.Steven geändert. Weil sich so ein Doktortitel, den man in nem halben Jahr erworben hat, immer doch so schön macht… 😉

    Dr.Steven

    17. Februar 2011 at 12:15

  16. Ich wünschte alle Apotheker würden bezüglich pharmazeutisch angezweifelten Arzneien ihr Einstellung vertreten, Dr. Stevens!

    Dann würden die armen Erkälteten nicht mehr Meditonsin und sonstigen Mumpitz von ihren ach so kompetenten Apothekern verkauft (aufgeschwatzt) bekommen…

    Glauben die Pharmazeuten da eigentlich an eine Wirsamkeit? Oder ist die Gewinnspanne bei unwirksamen Tröpfchen und Pulverchen einfach unverschämt hoch?

    Und meine Kernaussage konnten Sie beide in ihren relativ langen Postings nicht widerlegen:

    Es gibt viel zu viele Apotheken in Deutschland, hier wird eine Menge Geld verschwendet!

    DrMang

    17. Februar 2011 at 15:29

  17. @DrMang:
    Hey, lassen wir das Fass Homöopathie bitte zu (auch wenn ich gleich selbst noch auf ihr Post eingehe), in dem Blogbeitrag ging es darum, BTMs in kleinen Mengen an den Patienten durch den Arzt abzugeben.

    Meinen Grund, warum ich dagegen bin (nämlich, dass es für so etwas den Apothekennotdienst gibt, der für genau so etwas eingerichtet wurde), habe ich dargelegt und glaube daher auch nicht, dass eine Versorgungslücke besteht.

    Was den von Ihnen angesprochenen Punkt der Homöopathie betrifft. Sind wir uns einig, dass es auch bei den Ärzten einen größeren Prozentsatz gibt, der der Homöopathie positiv entgegensteht und dieser Prozentsatz ungefähr bei den Pharmazeuten gleich hoch ist?
    Persönlich halte ich da auch wenig von – genau wie die meissten Apotheker, die ich kenne.

    Wenn ein Apotheker in der öffentlichen Apotheke sich bei jedem Homöopathierezept hinstellt und der Mutter erzählt, dass ihrem Kind hier unwirksame Globuli verschrieben wurden, gefährdet er damit den Behandlungserfolg und das Vertrauen des Patienten zu seinem Arzt.
    Als Apotheker muss ich davon ausgehen, dass der verschreibende Arzt weiß, warum er diese Homöopathika verschrieben hat und das er dafür einen guten Grund hat.
    Ich muss das nicht nur bei Homöopathika machen, sondern auch bei einer Mutter, die mir 3 BTM-Rezepte von einem HAUSarzt (nicht Kinderarzt) in die Apotheke für ihre Kinder namens Kevin, Chantall und Jacqueline vorbeibringt, auf denen Ritalin oder Concerta verschrieben wurde, was ich für eine signifikante Häufung von ADHS in dieser Familie halte.

    Jeder Apotheker ist – laut Gesetz – verpflichtet, JEDES Rezept, das von einem Arzt verschrieben wurde, in vertretbarer Zeit zu beliefern. Im Fall von Bedenken, ist mit dem Arzt Rücksprache zu halten. Die Abgabe von Homöopathika ist aber kein „Fall von Bedenken“.

    Persönlich arbeite ich nicht in der Apotheke. Ich finde es aber dennoch schade, dass ein gegenwärtig gut funktionierendes System der Arzneimittelbelieferung von kranken Mitmenschen durch Äußerungen wie die Ihre kaputt gemacht werden soll und das ganze nur dafür, damit Großkonzerne wie Metro, Celesio, Schlecker, etc. auch daran verdienen können und damit – und das ist ja ihr Argument – man seine Medis etwas günstiger im Netz bekommt.

    Wie Murgs oben schon erwähnt hat: Die Möglichkeit, Medis über die Apotheken zu beziehen, kostet den GKV-Versicherten 2,5% seiner Beiträge. Meine angestellten Kollegen in der öffentlichen Apotheke sind dabei – in Anbetracht, dass es sich um Akademiker mit nem sauschweren Studium handelt – äußerst schlecht bezahlt – wie viele andere Gesundheitsberufe ebenfalls. Ein Hausarzt – mit vergleichbar schwerem Studium – verdient hier mindestens das Doppelte…

    Steven

    18. Februar 2011 at 13:40

  18. Kleiner Nachtrag:
    Wie gerade gesagt: Viele Apotheker und viele Ärzte stehen der Homöopathie deutlich kritisch gegenüber.

    Nichtdestotrotz habe ich folgende Quelle gefunden:
    „Die Wirkung von homöopathischen Mitteln ist zwar nicht naturwissenschaftlich belegbar, trotzdem ist die Homöopathie ein wichtiger Zweig in der Ausbildung von Ärzten geworden“

    Diese Aussage wurde von Prof. Dr. med. Hoppe in seiner Funktion als Präsident der Bundesärztekammer getroffen und ist damit das offizielle Statement der deutschen Ärzte.

    Persönlich bin ich (und viele andere Apotheker) anderer Meinung wie Prof. Hoppe und die deutsche Ärzteschaft.

    Quelle: http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=3.71.7962.8666.8667

    Steven

    18. Februar 2011 at 18:44

  19. @Steven:
    Naja, den Satz kann man aber auch so interpretieren: „Wir können da nichts dran ändern, die Leute wollen das Zeug schlucken, und wenn sie es nicht kriegen gehen sie halt zum nächsten Arzt, der vielleicht keinen Gewissenskonflikt damit hat, den Leuten Märchen zu erzählen. Also kann man es ihnen auch gleich beibringen: ‚Globuli sind Quatsch, man verdient aber Geld damit, und wenn DU es nicht machst, tut es der Kollege zwei Straßen weiter!'“

    docadenz

    19. Februar 2011 at 16:16


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