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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Bundesärztekammer: Kristallaurahokuspokustherapie soll Kassenleistung bleiben

with 16 comments

Berlin – Ein hoher Vertreter der Bundesärztekammer hat sich gegen die Forderung gewandt, Kristallaurahokuspokustherapie nicht mehr von den Kassen erstatten zu lassen. „Die Wirkung von Kristallaurahokuspokustherapie ist zwar nicht naturwissenschaftlich belegbar, trotzdem ist die Kristallaurahokuspokustherapie ein wichtiger Zweig in der Ausbildung von Ärzten geworden“, heißt es in einer Pressemitteilung. Zuvor hatten Politiker verlangt, dass Kristallaurahokuspokustherapie nicht länger Kassenleistung bleibt, da es keinen klaren Nutzennachweis gebe. Patienten sollten solche Naturheilverfahren aus eigener Tasche bezahlen.
Die Ärztekammer unterstützt hingegen die Kombination von Kristallaurahokuspokustherapie und Schulmedizin. Besonders in der Behandlung von Befindlichkeitsstörungen wie Reiseübelkeit oder Wetterfühligkeit könne man mit Kristallaurahokuspokustherapie Erfolge erzielen. Auch in der Vorsorge sei die Kristallaurahokuspokustherapieein wichtiger Helfer. Zu ihrer Philosophie gehöre das lange ausführliche Gespräch zwischen Arzt und Patient. Solche besonderen Behandlungsformen seien Bestandteil des Gesamtspektrums der Medizin.

Glaubt Ihr nicht? Ist aber so. Also…. fast:
Mitteilung der Bundesärztekammer vom 15.07.2010

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Written by medizynicus

20. Februar 2011 um 05:20

16 Antworten

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  1. Wieviel Köfferchen da wohl von der Globuli-Fraktion verschoben wurden?

    Der Maskierte

    20. Februar 2011 at 09:22

  2. Der Humbug wird doch von den GRÜNEN im Besonderen gefordert. Die repräsentieren die ganzen fachlichen Missverständnisse zum Thema Naturheilverfahren. Weil sich niemand die Mütter zu Feinden machen will, bleibts bei dem Geldverschwenden.
    Die Ärztekammer ist einfach nur feige wenn sie den teuren Unsinn nicht mit fachlichen Argumenten dorthin zurückgibt wo er hingehört, in den Selbstzahlerbereich der Heilpraktiker. Der Schaden des Großteils der Kristallaurahokuspokustherapie ist ja zum Glück gering. Das Ganze ist aus fachlicher Sicht ungefähr so, als würde man den Pfarrer in der Statikabteilung eines Architekturbüros mit Festgehalt einstellen. Anfangs würde er nur die Berechnungen weihen, wenn er dann aber anfinge religiöse Aspekte in die Statik einzubringen, wäre ein gefährlicher Dammbruch geschehen und nur die Architektenkammer könnte noch abhelfen, gläubige Laien wären überfordert. Unsere Ärztekammer hat hier wieder mal versagt.

    Kreativarzt

    20. Februar 2011 at 10:50

  3. Och, wenn man bedenkt was in der Schulmedizin alles verschwendet wird (vermeidbare Folgekosten aufgrund mangelnder Hygiene, zum Bleistift), dann fällt die Homöopathie auch nicht weiter ins Gewicht.

    Und das ganze Gewettere der Schulmediziner ist nichts anderes als ein Ablenkungsmanöver, damit niemand zu genau auf die eigenen Fehler guckt.

    Benedicta

    20. Februar 2011 at 12:47

  4. Wenn Qualität und Transparenz in den geheimnisumwitterten Bereich der „Heilkunst“ einziehen, dann könnte es sich lohnen über Globuli zu Lasten der Versichertengemeinschaft nachzudenken. Solange es beim Mythos von Qualität bleibt ist es nur konsequent wenn der oberste Ärztefunktionär weiter Mythen bewahrt.

    Wolf

    20. Februar 2011 at 13:30

  5. „Auch in der Vorsorge sei die 200 Jahre alte Homöopathie ein wichtiger Helfer. Zu ihrer Philosophie gehöre das lange ausführliche Gespräch zwischen Arzt und Patient.“ (Zitat aus der PM der BAK)
    Es geht also auch um das wichtige Gespräch zwischen Arzt und Patient: Dann geb den Ärzten die Möglichkeiten die Gespräche (und nur die!) abzurechnen!
    Ich denke, dass das Gespräch eher hilft, als das Globuli, das nur den Placebo-Effekt hervorruft.

    Rene

    20. Februar 2011 at 13:44

  6. Oh, bin ich an dem Blogeintrag mit meinem Kommentar vor 2 Tagen zu „Doktor hinter Gittern“ schuld? 😉

    Vielleicht interessiert Dich dann auch folgender Spiegel-Artikel, in dem ein paar weitere Zitate von Prof. Hoppe, dem Präsidenten der BÄK, zum Thema Kristallaurahokuspokustherapie zitiert sind:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-75261496.html

    Damit ich den Präsidenten der BÄK jetzt nicht vollends an den Pranger stelle (das ist nicht die Intention):

    Eine private Anmerkung zum Autor Markus Grill: Die meissten pharmakritischen Artikel im Spiegel werden durch ihn verfasst, soweit ich das überblicke.
    Betreffend zum Thema „Apotheke“, bei dem ich mich auskenne, sind diese Artikel manchmal sachlich falsch (z.B. dass Apotheker von der Gesundheitsreform verschont wurden, etc.). Auch das Thema Pharmaindustrie wird – meiner Meinung nach – recht einseitig abgehandelt (a la Pharmaindustrie ist böse).
    Herr Grill ist ausserdem Autor eines Buches namens „Kranke Geschäfte: Wie die Pharmaindustrie uns manipuliert“. Ich hab das Buch nicht gelesen, aber der Titel ist aussagekräftig.

    Daher den Artikel bitte mit einer gewissen Sorgfalt lesen.

    Nichtsdestotrotz: Es ist der Spiegel und nicht die B***.

    Steven

    20. Februar 2011 at 17:43

  7. @Steven: das ist richtig, vielen Dank für den Link!

    medizynicus

    20. Februar 2011 at 19:26

  8. In erster Linie handelt es sich bei diesem Thema definitiv um „Futterneid“ der notorischen Hardcoreschulmedizin. Nichts, aber auch gar nichts wird neben dieser mehr und mehr versagenden „Krankheitsverwaltung“ auch nur annähernd akzeptiert.

    Was kann den die Schulmedizin wirklich, bzw. die ausführenden Kräfte in Form der Ärztinnen und Ärzte oder deren Helfer???

    Wenn die alle so immens gut wären, dann fragt sich der einigermaßen „gesunde Menschenverstand“, warum gibt es nach wie vor diese Fülle der gemeinhin bekannten „Zivilisationskrankheiten???

    Merkt ihr Weißkittel eigentlich nicht, wer euch seit Jahrzehnten veralbert und in Abhängigheit hält??

    Wie naiv muss man denn sein???

    Die Naturheilkunde ist die älteste medizinische Heilversorgung. Der größte der Teil der heute als anerkannt gültigen wissenschaftlichen Erkenntnisse beruht auf diesem Wissen.

    Leider hat eine Handvoll skrupelloser Wissenschaftler und einige wenige despotische Regenten dieses Wissen in schändlichster Weise missbraucht, nur um sich gegenseitig die Taschen voll Geld stopfen zu können.

    Denken wir nicht allzuweit zurück, dann weiß man, wozu Mediziner/innen und ebenso Forscher/innen willens und fähig sind, um wichtiges medizinische und wissenschaftliche Erkenntnisse gnadenlos zu missbrauchen.

    Konzentrationslager, Holocaust, Zyklon B etc …….

    Und noch heute wird dieses Wissen genutzt, um Menschen zu foltern, zu quälen, zu töten, zu demütigen, zu Krüppeln zu machen. Wohlgemerkt, die Rede ist von Medizinern/innen.

    Was sind denn wissenschaftliche Erkenntnisse wirklich wert?? Nehmen wir nur als Beispiel das „Heilmittel“ CONTERGAN der Firma Grünenthal. Oder Lipobay … oder, oder, oder ….

    Wer täuscht den hier Menschen, die auf sogenannte Heilkunst vertrauen???

    Es ist größtenteils wirkungsloser Müll, welcher von den Ärzten verschrieben wird. Scheininnovationen. Beobachtungsanwendungen. Dafür geben sich Ärzte her. Ja, schließlich ist das ja mitunter sehr lukrativ.

    Oder kommt man heute mit Abrechnungsbetrug weiter???

    Es ist ja sicher ein Segen, wenn heute auf hervorragende moderne Medizin vertraut werden kann. Leider wird sie aber mehrheitlich zum Zwecke der Abzocke missbraucht. Fast ausschließlich von Schulmedizinern.

    WER HAT DENN WIRKLICH EIN ERNSTHAFTES INTERESSE AN EINER ÜBERWIEGEND GESUNDEN BEVÖLKERUNG????

    DocConsult

    20. Februar 2011 at 19:42

  9. Gute Nacht

    Kreativarzt

    20. Februar 2011 at 22:19

  10. DocConsult:
    Die Bevölkerung sicher nicht.
    Sonst gäb es weder Fettleibligkeit, noch die drastisch steigende Zahl der Diabetiker im Jugendalter und die vielen anderen „Volkskrankheiten“.

    Nicht nur Mediziner waren an den Euthanasieprojekten beteiligt und auch nicht nur Nazis.

    Mittlerweile sind die Medikamentenkontrollen ein wenig strenger als zu Zeiten von Contergan.

    Die Naturheilkunde an sich ist sicherlich eine der Grundlagen der modernen Medizin aber sicher nicht die einzigste.

    Alternative Heilanwendungsverfahren sind aber nicht lukrativ?
    Man uriniert in nen riesen Teich, mischt das ganze ein wenig und verkauft 10ml davon als total tolle Lösung die gegen jegliche Art von Leiden hilft?!

    Der gesunde Menschenverstand frägt nicht nach den Zivilisationskrankheiten, sondern frägt sich warum wir immer älter werden.

    In Regionen mit schlechter medizinischer Versorgung liegt das höchstalter heute noch bei 50…
    Klar haben die nicht mit Demenzen zu kämpfen, kann ja gar nich aufkommen…

    Den Tag will ich erleben an dem ein selbstangelernter Heilpraktikerpfuschkopf ne Coro durchführen kann/darf und nen Menschen davor rettet an nem akuten Herzinfarkt zu sterben.

    Das Interesse daran hat die…. *tamtamtam* WIRTSCHAFT!
    Ein kranker Mensch bringt kein Geld in die Kasse und damit ist er unbrauchbar. Also muss er gesund bleiben und werden, womit die Medizin nicht nur einen Nutzen fürs Allgemeinwohl sondern auch der Wirtschaftlichkeit bringt.

    Wenn ihr mich nun entschuldigen würdet… ich habe eine schwerwiegende Infektion der Lunge… ich muss nun Traubenzucker schnupfen gehen. -.-

    Tobi

    20. Februar 2011 at 23:35

  11. @DocConsult:
    Dass die moderne Medizin (und ich schreibe bewusst nicht „Schulmedizin“) einige kapitale Böcke geschossen hat und auch heute noch teils absurden Mist baut, steht völlig außer Frage. Niemand bei einigermaßen klarem Verstand kann das bestreiten.

    Contergan ist ein sehr gutes Beispiel, Tamiflu mit der mittlerweile doch eher fragwürdigen Studienlage ein weiteres.

    Bloß ist das nicht geeignet, etwas an der Tatsache zu ändern, dass die Homöopathie unwirksamer, unwissenschaftlicher Unfug ist. Was auch jeder sofort einsehen muss, der sich mit der zugrundeliegenden Theorie beschäftigt.
    Die ist nämlich so haarsträubend, dass es einem naturwissenschaftlich gebildeten Menschen kalt den Rücken runterläuft.

    Was man dennoch aus der Homöopathie lernen kann?
    Dass die heutige Fließbandmedizin mit Arzt-Patienten-Gesprächen von unter fünf Minuten eine Fehlentwicklung ist.
    Aber das liegt wohl weniger an den Ärzten, sondern vielmehr an einem sachfremden, kontraproduktiven Kostendruck von Leuten, die von der Materie keine Ahnung haben und sich auch nicht dafür interessieren.

    Ich glaube, die meisten Ärzte würden es begrüßen, wenn sie sich für den einzelnen Patienten mehr Zeit nehmen könnten. Solange aber der irrationale Kostendruck mit Budgetierung und dergleichen Irrsinn mehr herrscht, wird es das nicht geben.

    Jan

    21. Februar 2011 at 08:26

  12. […] Medizynikus hat eine Diskussion über, wie er es nennt Hokuspokusmedizin (HM), angefacht. Solche Paramedizin hat viele Namen. Homöopathie ist der wohl am seriösesten klingende, aber er gibt mindestens noch hundert andere Begriffe. (Man sollte vielleicht mal ein Lexikon hierzu verfassen.) Ich bleibe bei Hokuspokusmedizin und kürze mit HM ab. (Nicht zu verwechseln mit H&M) […]

  13. Als ich mit dem Studium fertig war, glaubte ich „jetzt beherrsche ich die Medizin“.Ein Irrtum. Schon im KH sah ich, dass ich nicht einmal die Hälfte der Probleme lösen konnte, was die Patienten von mir so erwarteten. Nach der Niederlassung war’s dann nochmal ein gutes Stück weniger. Warum? Nun, die Professoren hatten uns nur das „gelehrt“, was sie selbst wussten (bzw. glaubten). Vom Rest haben sie uns (ehrlicherweise oder verschämt?) nichts erzählt. Aber natürlich waren sie auf das, was sie entdeckt hatten, stolz wie Lumpi.

    Wenn ich so in der Medizingeschichte zurückblicke, dann haben die Ärzte immer „nach bestem Wissen und Gewissen“ gehandelt, selbst wenn sich das hinterher als falsch herausgestellt hat (und wie haben unsere Vorgänger ihre Patienten z.T. gequält und traktiert!).

    Cui bono (lat: wem nützt’s) durchzieht unser ganzes Dasein. Das kann man nicht vermeiden. Aber nicht jeder, dem etwas nutzt, ist ein Schelm, und nicht jeder, der etwas tut, was einem Dritten nutzt ist ein Trottel oder gekauft.

    Was sollen Ärzte tun? Wir haben gerade mal 100 Jahre „wissenschaftliche“ Medizin hinter uns. Wer erwartet hier ernsthaft, dass wir schon am Ende aller Weisheit angekommen sein müssten? Wer will uns dafür schelten?

    Und wer will sagen, dass die Kristallaurahokuspokustherapie blanker Nonsens ist? Natürlich ist mir die Lohschmidt’sche Zahl bekannt. Aber davon redet ja auch keiner. Können nicht ganz andere Mechanismen – solche, an die man heute noch gar nicht denkt bzw die man noch nicht versteht – Ursache für eine Wirkung sein? Haben die Menschen bis in’s Mittelalter die Blitze nicht als Beweis für den Zorn der Götter genommen (und deren Existenz daraus abgeleitet)? Heute kennen wir die Elektriziät, damals war das Teufelswerk. Wie war das mit Magnetismus und Messmerismus? Heute gibt es Kernspin-Tomografen!

    Und auch das vielgescholtene Contergan ist ein hervorragendes Mittel, wenn es richtig eingesetzt wird. Dass erst – sehr bedauerliches – Lehrgeld gezahlt werden musste, ist tragisch. Aber ist das der Fehler eder Medizin oder einer zu leichtfertigen Zulassungspraxis gewesen? Warum haben denn die Frauen die Schlaftabletten nehmen müssen? hat sie ihnen die Medizin eingeredet oder eine Gesellschaft, die alles für machbar hielt und es von den Fachleuten und Wissenschaftlern forderte? Wie war das mit der Atomkraft? Kann mich aus der Zeit noch gut an Atombatterien für Autos erinnern!

    Am besten, wir leben alle gesund und vorsichtig. Dann brauchen wir nicht zum Arzt und keine Medikamente!

    P.s.: Nicht „die Medizin“ macht die Medikamente, sondern die Pharmazie/Pharmaindustrie. Die praktizierenden Ärzte können nur den Aussagen und Untersuchungen vertrauen!!!!

    der Landarsch

    21. Februar 2011 at 16:11

  14. Danke Landarsch – das ist im Groben auch meine Meinung zum Thema.

    Andere Anmerkung:
    Wieviele von denen, die hier auf Homöopathie und Co. schimpfen und nicht an die Wirkung GLAUBEN, weil es naturwissenschaftlicher Unfug ist, GLAUBEN an einen Gott, auch wenn es naturwissenschaftlich keine Beweise für dessen Existenz gibt? Wie oft hat er Ihnen schon geholfen, weil sie an ihn GEGLAUBT haben?

    Antje

    21. Februar 2011 at 20:04

  15. Wem Homöopathie/Kristallaurahokuspokustherapie hilft, der soll sie anwenden. Wenn wir im Überfluss leben, sollen diese Leute das auch nicht selbst bezahlen müssen.

    Solange die Mittel jedoch beschränkt sind, sollten ZUERST EINMAL die nachgewiesenermaßen medizinisch wirksamen Maßnahmen nicht selbst bezahlt werden müssen.

    Ich muss (komischerweise nur beim Gyn) ständig IGEL-Kram bezahlen (Krebsabstrich, Brustkrebsvorsorge, Feindiagnostik in der Schwangerschaft, Toxoplasmosetest, etc. pp.). Dazu kommen die Sachen, die die Hebamme empfiehlt (vaginaler PH-Test). Ich bin halt leider keine Risikogruppe, für die die Krankenkasse das übernimmt. Keine erhöhtes Risiko gehabt zu haben hilft mir im Erkrankungsfall auch echt weiter.

    Die Kostenübernahme für Kristallaurahokuspokustherapie finde ich im Zusammenhang mit der Leistungskürzung bei wirklich medizinisch relevanten/wirksamen Dingen gesehen einen politischen, medizinischen und humanitären Skandal.

    Daran ändert auch die Tatsache nix, dass die Krankenkassen auch deshalb pleite sind, weil die Herrschenden das so unsäglich vergeigen.

    tantetom

    22. Februar 2011 at 10:33

  16. @Landarsch:
    Ich gebe Ihrem Statement in großem Masse recht, möchte aber noch was hinzufügen:
    Das Prinzip von Hahnemann war zu seiner Zeit (18. Jahrhundert) revolutionär. In einer Zeit, in der die Medizin das Prinzip „Ursache und Wirkung“ noch nicht erkannt hatte und z.B. Schizophrenie mit Teufelsaustreibungen behandelt hat, hatte Hahnemann eine Theorie (Similia similibus currentur) aufgestellt, die die Medizin durchaus in die heutige Richtung geführt hat, somit ist er – von Forschungsseite aus – durchaus mit Koch und Ehrlich gleichzusetzen.
    Dennoch wurde das Prinzip von ihm mittlerweile in zahllosen Publikationen widerlegt, es gibt heutzutage nur noch einen Grund Homöopathie zu verordnen: Placebotherapie.

    Sie haben Contergan angesprochen: Die „leichtfertige“ Zulassungspraxis war damals nicht leichtfertig, sondern auf der Höhe der Zeit. Sie wurde nach dem Fall Contergan auch rigoros verschärft. Ein Beispiel, dass diese Zulassungspraxis immer noch nicht perfekt ist, ist der Fall „TeGenero“, bei dem mehreren Probanden *gleichzeitig* ein monoklonaler Antikörper verabreicht wurde und es bei allen Probanden zu starken anaphylaktischen Reaktionen mit Organversagen kam (mit der Folge, dass mind. einem der Probanden der Fuss amputiert werden musste). Die Regularien wurden mittlerweile so angepasst, dass die Probanden bei Biopharmazeutika mittlerweile nicht mehr gleichzeitig getestet werden, sondern nacheinander.
    Was ich sagen will, ist: Zulassungsregularien werden angepasst, man muss das immer auf der Höhe der Zeit sehen!

    Ich gebe ihnen recht, dass Ärzte den Untersuchungen der Pharmazie trauen müssen. Dennoch muss ich einwenden, dass viele Ärzte diese nicht lesen, sondern eher Informationen des Pharmareferenten glauben, gesponserten Publikationen und gesponserter Literatur.
    Hier muss der Ärztestand weiter an sich arbeiten und unabhängiger werden.

    Steven

    22. Februar 2011 at 17:51


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