Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Medizin und Demokratie

with 20 comments

Letztens habe ich Dr. Wuschelmann getroffen: eine konspirative Unterredung auf neutralem Territorium. Die genauen Umstände dieses Treffens spielen keine Rolle.
Ach ja, Dr. Wuschelmann ist hier in Bad Dingenskirchen der König der Kügelchen. Er hat eine Praxis für Naturheilkunde, Homöopathie, Akupunktur, traditionelle chinesische Medizin, Voodoo und Kristallaurahokuspokustherapie (Okay, die letzten beiden Punkte waren gelogen).
Dr. Wuschelmann nippte also an seinem Kräutertee und schüttelte den Kopf.
„Ihr Schulmediziner seid Despoten!“ sagte er dann.
„Warum?“
„Weil es in der Schulmedizin eine lange antidemokratische Tradition gibt. Schauen Sie sich doch die Strukturen eines Krankenhauses an: Chefarzt, Oberarzt, Assistenzarzt. Das sind doch Rangordnungen, wie man sie sonst nur beim Militär kennt!“
„Hmm…. hat das nicht historische Gründe?“
Dr. Wuschelmann nickte heftig.
„Genau. Die deutsche Schulmedizin hat ihren Ursprung im Militär. Siebzehn-fünfundneunzig, da hat Friedrich Wilhelm der Zwote, der König von Preußen die Pépinière gegründet.“
„Was war das?“
„Die Ausbildungsstätte für preußische Militärärzte.“
„Was hat das mit unseren heutigen Krankenhäusern zu tun?“
„Der Geist von damals besteht immer noch fort. Und deswegen lasst Ihr Schulmedizinier auch keine anderen Meinungen gelten. Glaubt Euch im Besitz der Alleinseligmachenden Wahrheit. Überall sonst sind die Tyrannen gestürzt worden. Die Menschen haben kapiert, dass die Diktatur keine ideale Regierungsform ist. Nur in der Medizin, da ist man noch nicht so weit.“
„Und… äh… wie wollen Sie das ändern?“
Dr. Wuschelmann lächelt.
“ Mut zur Vielfalt!“ sagt er, „und genau das lebe ich in meiner Praxis. Es gibt nun einmal nicht nur eine einzige alleinseligmachende Wahrheit. Weder in der Politik noch in der Medizin!“
Er trank seinen Tee aus, reichte mir die Hand, zog seinen Mantel an und trat hinaus in die Nacht.

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Written by medizynicus

28. Februar 2011 um 10:36

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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20 Antworten

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  1. … der ist mir sehr sympathisch, dieser „Kugelkönig“. Kenne selber reichlich von denen. Die sind viel entspannter als die „Hardcore-Docs“. Und die meisten sind auch finanziell wesentlich besser gestellt :-)).

    Wenn`s läuft, läuft`s! :-))

    DocConsult

    28. Februar 2011 at 12:58

  2. Die hundert Irrtümer über Homöopathie:

    1. H. wirkt nicht.
    Doch, Homöopathie wirkt, dies ist sogar nachgewiesen. Liebe Jünger der Schulmedizin: Ihr sucht die Wirkung am falschen Ort, die steckt nicht in den Kügelchen, sondern vollzieht sich im Gehirn der Patienten und kann mit modernen bildgebenden Verfahren nachgewiesen werden.
    Jetzt – richtig geraten – muss der Hinweis der Schulmediziner kommen, das sei ja „nur“ Placebo. Bitte streicht das Wort „nur“ in diesem Zusammenhang aus Eurem Wortschatz. Ich darf Euch an die Wirksamkeit der gefaketen Knieoperation erinnern! Also ist Placebo nicht im Modus des „nur“ zu betrachten, sondern als wichtiges Instrument im Heilungsprozess anzusehen.
    Medizin beruht heute auf Naturwissenschaft, „Heilen“ ist aber mehr als das. Man könnte die Homöopathie als eine besondere Form der Psychotherapie betrachten, die mit ihren Globuli ein geniales Mittel der Suggestion gefunden hat.
    Mit Suggestion arbeitet auch Ihr, liebe Schulmediziner, anscheinend wißt Ihr es nur nicht. Sie ist auch für Euch unverzichtbar. Kügelchen schlucken kann ein heilendes Ritual sein, eine Operation kann dies ebenso sein, je nach Patientenbedürfnis. Manche fühlen sich halt erst geheilt, wenn irgendwas herausgeschnitten wird.
    Jedenfalls sind diese Hahnemann-Geschichten doch ganz hübsch und lenken schon mal vom Leiden ab. Über die heilsame Wirkung von Literatur könnte man sich jetzt auch seitenlang auslassen…
    Auch sollte sich herumgesprochen haben, dass die Wirksamkeit von 50-80% der schulmedizinischen Verfahren und Prozeduren nicht wissenschaftlich bewiesen ist.

    2. Homöopathie ist Geldverschwendung und belastet zu Unrecht die Versichertengemeinschaft.
    Falsch, Kosten für homöopathische Behandlungen fallen angesichts der Gesamtkosten kaum ins Gewicht. Anders dürfte es sich mit den milliardenteuren Medikamenten verhalten, die jährlich in die Tonne wandern, weil die Patienten den Beipackzettel gelesen haben und sich vor den Nebenwirkungen fürchten.

    Überzeugt? Dann kann ich mir die Klärung der restlichen Irrtümer ja sparen.

    dasentlein

    28. Februar 2011 at 14:41

  3. dasentlein: Da kann ich ja gleich Placebos nehmen, da muss ich wenigstens nicht noch Kügelchen zählen und die runtergefallenen im Teppich suchen 😛

    PS „Kügelchen schlucken“ aber aber… die werden doch nicht geschluckt, die lässt man auf der Zunge zergehen. Oder darunter.
    ….
    Übrigens war für mich die Bauchspiegelung mit Blinddarmentnahme und Entfernung der Verwachsungen sehr heilsam. 🙂

    Blogolade

    28. Februar 2011 at 15:50

  4. @Blogolade
    War ja meine Rede, auch eine Operation kann ein heilsames Ritual sein…Hat jemand bestritten, dass eine Blinddarmoperation ratsam ist? Kennen Sie irgendjemanden, der diese ablehnen würde? Finden Sie das nicht ein bisschen unwürdig, sich auf so einem Niveau auseinanderzusetzen?
    Sie verfallen leider in die übliche Polemik, Blogolade, da Sie gewisse Fakten nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Sie ärgern sich jetzt, dass man Ihnen einen geliebten Kampfplatz wegnimmt.
    Selbstverständlich bleibt es Ihnen freigestellt, „Placebos“ zu schlucken.(Wie machen Sie das? Gehen Sie in die Apotheke und verlangen eine Großpackung Placebos?) Übrigens kürzlich Artikel gesichtet im Ärzteblatt: Placebos wirken sogar dann, wenn man die Patienten wissen lässt, dass sie ein Placebo bekommen. Und das Schöne daran: es ist nebenwirkungsfrei. Insofern verstehe ich Ihren Einwand nicht, denn was, bitteschön, spricht dagegen „gleich Placebos( zu) nehmen“?

    dasentlein

    28. Februar 2011 at 16:08

  5. Liebes Entlein,

    du scheinst da was zu verwechseln. Nicht die „Jünger der Schulmedizin“ suchen die Wirkung in den Kügelchen, sondern die Homöopathen selber. Auch die mögliche „psychotherapeutische“ Komponente der Homöopathie wird von „Schulmedizinern“ nicht bezweifelt, siehe zum Beispiel folgenden Artikel:

    http://rheumatology.oxfordjournals.org/content/early/2010/11/08/rheumatology.keq265.full

    Niemand bezweifelt, dass der Placebo-Effekt eine wichtige Rolle bei Heilungsprozessen spielen kann. Aber versuche mal einem überzeugten Anhänger Hahnemanns zu erklären, dass die „Wirkung“ von homöopathischen Mitteln nur durch den Placebo-Effekt hervorgerufen wird – viel Spaß bei der anschließenden, fruchtlosen Diskussion.

    Zum zweiten Punkt wäre es interessant zu wissen, welche Folgekosten durch zu spät eingeleitete „klassische“ Therapien entstehen. Und außerdem sehe ich es nicht ein, den Irrglauben anderer Leute mit meinen Versicherungsbeiträgen zu finanzieren. Nochmal in aller Deutlichkeit: Homöopathen glauben an eine Wirksamkeit ihrer Mittelchen, die über den Placeboeffekt hinausgeht. Und die gibt es nun mal einfach nicht.

    Schönen Gruß,
    Zoidberg

    PS: wo lernt man eigentlich diesen verschwurbelt-hochnäsigen Schreibstil, der so vielen Esoterikern eigen scheint…

    Zoidberg

    28. Februar 2011 at 16:20

  6. >>“ Mut zur Vielfalt!“ sagt er, „und genau das lebe ich in meiner Praxis. Es gibt nun einmal nicht nur eine einzige alleinseligmachende Wahrheit. Weder in der Politik noch in der Medizin!“<<<

    Ja das ist etwas dran, es gibt derzeit etwa 6,9Mrd Wahrheiten, ich nehme meine, bei Bedarf adaptiere ich andere, so einfach ist das!
    Wenn ich krank bin adaptiere ich die für mich plausiblere, hat bis jetzt sehr gut funktioniert! Wenn ich auf Urlaub fliege schau ich genau ob da ein Pilot oder ein Schamane vorne im Cockpit sitzt, bis jetzt waren es immer Schulpiloten, wie auch die meisten Ärzte ihr Handwerk ordentlich gelernt haben, leider nur die meisten und nicht alle!

    REALM

    28. Februar 2011 at 17:47

  7. @dasentlein
    bitte komme doch morgen in die Notaufnahme, in der ich arbeite und überzeuge die Patienten, dass sie wieder nach Hause gehen. Da sitzen nämlich immer ganz viele, die gar nicht krank sind und uns mit ihren Wehwehchen und ach so schlimmen Leiden nerven.
    Den paar wirklich Kranken (Platzwunden, Knochenbrüche)lasse ich derweil ein paar schulmedizinische Rituale zukommen (Nähen, damit das Bluten aufhört und Gipsen / zusammenschrauben, damit die Knochen wieder heile werden). Und so wären alle glücklich und zufrieden…

    Antje

    28. Februar 2011 at 20:09

  8. @dasentlein
    Placebos sind nicht nebenwirkungsfrei! Auch Nebenwirkungen unterliegen dem Placeboeffekt.
    Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Nocebo-Effekt

    Antje

    28. Februar 2011 at 20:12

  9. mal als (Noch-)Nicht-Mediziner:
    Ist es nicht sinnvoll eine Rangordnung in der Medizin zu haben? Weil Ober- und Chefaerzte mehr Erfahrung haben und deswegen vllt auch oft sehr gute Entscheidungen treffen und weil Assistenzaerzte ja solche sind, eben weil sie noch lernen sollen? Klaert mich auf, wenn ich falsch liege!

    Ich

    28. Februar 2011 at 21:27

  10. Dieses mal vorausgeschickt:
    Das Thema „Homöopathie“ ist das Gebiet, wo jeder Depp, der Leute verhöhnt, die Kügelchen schlucken, sich wie klein Einstein fühlen darf, also geistige Masturbation für Arme, der auch weniger Arme nicht abgeneigt zu sein scheinen.
    Und jetzt der Reihe nach:
    @Zoidberg
    Doch, das wird sehr wohl bezweifelt, schau Dir einfach mal die Diskussionen z.B.in der ZEIT an. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die andere „bekehren“ müssen, weshalb sollte ich mich in fruchtlose Diskussionen verstricken lassen? Leute, die die schulmedizinische Therapien bei schweren Krankheiten ablehnen, benötigen dazu keine Homöopathie. In punkto Folgekosten kann die H. gegen die Schulmedizin nicht anstinken, wie war das doch gleich mit dem Chirurgen,der Leuten Löcher in den Herzmuskel brannte, um „neue Blutgefäße sprießen zu lassen“???
    Wenn Du dich von korrektem Deutsch bedroht fühlst, ist Dir mein Mitleid gewiss, denn dann bleibt Dir ja nur noch die BILD. Tipp Nr.1: Schlag das Wort „Esoterik“ bei Wikipedia nach. Tipp Nr. 2: Besorg Dir eine Einführung in die Wissenschaftstheorie, dort erfährst Du, was Wissen ist, wie es zustande kommt und dass naturwissenschaftlich ermittelte Werte interpretiert werden müssen.
    @Antje
    Deine Notaufnahme wäre ohne H. noch wesentlich voller. Hast Du meinen Text nicht verstanden? Habe ich mich gegen schulmedizinische Behandlung von Brüchen ausgesprochen? Du widerlegst Deine eigenen Phantome. Bei H. kann der Placeboeffekt nicht zu Nebenwirkungen führen, da der Patient keine erwartet. Die Nebenwirkungen der Placebos leiten sich ja dann auch von den pharmazeutischen Mitteln ab, mit denen sie im Rahmen von Studien verglichen werden, also: was will uns der Künstler damit sagen?

    dasentlein

    1. März 2011 at 08:11

  11. Zitat dasentlein: „Ich gehöre nicht zu den Leuten, die andere „bekehren“ müssen, weshalb sollte ich mich in fruchtlose Diskussionen verstricken lassen? “

    Du bist doch mittendrin und bedienst dich einem zwar korrektem doch eher respektlosen, abwertenden Deutsch.
    Ob diese Schreibe in ihrer Potenz eine sachliche Botschaft mitteilen möchte?
    Ommmmmmmmm

    Fachfrau

    1. März 2011 at 09:42

  12. Ach, wäre das Entlein doch nur bei seinen zwei Irrtümern geblieben, statt hier weiter zu schwadronieren…

    Fanny

    1. März 2011 at 13:51

  13. @ Entlein
    Ich zitiere da als Replik einfach mal aus der Spiegel-Ausgabe zum Thema Homöopathie, ein Abschnitt, der zu Ihrer Auffassung von Homöopathie als begrüßenswertes Plazebokonstrukt passt:

    „Wieso kann es nicht wenigstens ein Nebeneinander geben zwischen Schulmedizin und Homöopathie geben? Wieso kann Ernst [Anm: gemeint ist Prof. Edzard Ernst] „die Spinner“ unter den Homöopathen, wie er sie nennt, nicht einfach machen lassen und den Placebo-Effekt ihrer Therapie bewundern?
    Bei dieser Frage beginnen Ernsts Augen nochmal zu funkeln: Ein Wissenschaftler müsse Vertreter der Aufklärung sein, doziert er. „Wenn wir glauben, dass das Schütteln von Hochpotenzen uns heilt, wenn wir an den ganzen Käse glauben, wenn die Menschen beginnen, wissenschaftliches Denken abzulehnen und der medizinische Aberglaube zurück kehrt, dann kappen wir unsere besten Traditionen, dann sind wir auf dem Weg zurück ins Mittelalter.“

    Und genau da liegt doch der Hase im Pfeffer, ist es in Ordnung, Patienten wissentlich und willentlich (pharmakologisch) unwirksame „Medikamente“ zu verschreiben, z.B. um damit den drängenden Patientenwunsch nach vielleicht nicht indizierten Antibiotika zur Behandlung von viralen Infektionen o.Äh. mittels Gabe von Kügelchen abzuwehren, oder ist es nicht in Ordnung…
    Ich persönlich halte es für nicht vertretbar, ein hirnrissiges Gedankengebilde (Simile Prinzip, Potenzierung) allein mit zu erwartenden Placeboeffekten zu legitimieren, denn dann sind wir wahrlich auf dem Weg zurück ins geistige Mittelalter.

    Wooster

    1. März 2011 at 14:51

  14. Lieber Wooster,

    wo soll ich da jetzt anfangen? Da müsste man sehr weit ausholen.
    Zunächst ist die Annahme, alle, die die H. für sich nutzen, würden an Hahnemann und seine Prinzipien glauben, nicht zutreffend. Sind ja auch gerade die cleveren Leute mit besserer Bildung, die H. befürworten. Die meisten probieren es einfach mal unvoreingenommen aus, merken, dass es ihnen hilft und bleiben dabei. Viele kennen möglicherweise nicht einmal den Namen Hahnemann.
    Edzard Ernst – ein Vertreter der Aufklärung? Einer der ehernen Grundsätze der Aufklärung ist Toleranz,jemanden daran hindern zu wollen, etwas zu glauben, ist der Aufklärung nicht nur wesensfremd, sondern geradezu die Verkehrung ins Gegenteil. Die Rückkehr ins Mittelalter würde uns tatsächlich drohen, würde das Statement von Ernst Schule machen.
    Es ist weiter eine unbewiesene Unterstellung nicht nur Ernsts, Anhänger der H. würden wissenschaftliches Denken ablehnen. Da sind wir jetzt wieder bei einer wissenschaftstheoretischen Fragestellung. Um es kurz zu machen: es ist das, was Michel Foucault eine Wissensformation nennt. Einen ganz interessanten Ansatz fand ich mal die These, dass H. als Information für das Immunsystem wirkt. Finde ich jedenfalls nicht blöd, die Idee.
    Der Verdacht, dass Prof. Ernst die „Traditionen“, die wir „kappen“, gar nicht besonders gut kennt, liegt sehr nahe. Ich halte diese Diskussion um die H.für maßlos übertrieben, das ist für manche Leute irgendein Ausdruck irgendeines Leidens….Das Abendland geht ja dauernd unter, um Volker Pispers zu zitieren, es wird die Homöopathie auch überleben, da bin ich ganz sicher!

    dasentlein

    1. März 2011 at 16:58

  15. @dasentlein
    Was ich sagen wollte, mir wäre es lieber, die Patienten würden mit ihren ganzen jahrelangen Leiden (z. B. Knieschmerzen oder Rückenschmerzen seit ewigen Zeiten)den Heilpraktiker nerven und nicht immer unsere NOTaufnahme verstopfen. Dann bliebe Zeit für die wirklichen Patienten.
    Ich habe nichts gegen Homöopathie und glaube sogar an ihre Wirksamkeit – und habe schon Patienten mit Nebenwirkungen aufgrund der Kügelchen gesehen – eben weil es zum Wirkspektrum gehörte! Also, sterben wird sicher keiner daran, aber wenn etwas wirkt, dann immer in beide Richtungen!

    Antje

    1. März 2011 at 19:45

  16. Dasentlein,

    jetzt widersprechen Sie sich aber gewaltig

    Sie schrieben:
    1.)
    „Also ist Placebo nicht im Modus des „nur“ zu betrachten, sondern als wichtiges Instrument im Heilungsprozess anzusehen.“
    2.)
    „Einen ganz interessanten Ansatz fand ich mal die These, dass H. als Information für das Immunsystem wirkt.“

    Was darf es denn nun sein, liegt der Nutzen der Homöopathie in der Ausnutzung des Placeboeffektes durch ein elaboriertes Konstrukt von Quatsch, oder ist dort tatsächlich eine klandestine Wirkungsweise am Werk? …Wenn Sie doch als Anhänger der H. darauf Wert legen, dass wir Ihnen nicht unterstellen, wissenschaftliches Denken abzulehnen, dann kommen Sie doch mit der „Information für das Immunsystem“-Masche nicht besonders weit. Als „wissenschaftlich Denkender“, wie würden Sie denn „Information für das Immunsystem“ definieren und vor allem quantifizieren. Das ist doch eben das Problem, und es ist bisher eben noch nicht gelungen, eine Wirkung nachzuweisen, die über einen reinen Placeboeffekt – den Sie ja nicht leugnen – hinaus reicht (Metaanalyse von Shang et al von 2005). Mit anderen Worten, wir waren uns am Anfang offenbar einig, dass H. über Placebo wirkt, i.e. genau so gut oder so schlecht wie Präparate ohne Wirkstoffe, die eben nicht homöopathisch behandelt worden sind. Warum kommen Sie denn jetzt mit irgendwelchen, nicht wirklich greifbaren Wirkungshypothesen um die Ecke, wenn ja noch nicht mal die Wirkung belegt ist, fangen Sie doch damit erst mal an…

    Ach ja, noch was.

    dasentlein schrieb:
    „Zunächst ist die Annahme, alle, die die H. für sich nutzen, würden an Hahnemann und seine Prinzipien glauben, nicht zutreffend. Sind ja auch gerade die cleveren Leute mit besserer Bildung, die H. befürworten. Die meisten probieren es einfach mal unvoreingenommen aus, merken, dass es ihnen hilft und bleiben dabei. Viele kennen möglicherweise nicht einmal den Namen Hahnemann.“

    Ich bestreite keineswegs, dass viele Nutzer der H. nicht wissen, wer Hahnemann war oder dass H. eben keine Naturheilkunde ist. Und ich postuliere jetzt einfach mal, dass viele unbedarfte, weil ignorante Nutzer der H. den Rücken kehren würden, wenn sie über die Kraft des Placeboeffektes und die absolut hanebüchenen Vorstellungen von Hahnemann Bescheid wüssten. Meine Überzeugung, dass dem so wäre basiert allerdings nur auf anekdotischer Evidenz aus dem Bekanntenkreis, aber Homöopathen haben ja offenbar wenig Probleme mit anekdotischer Evidenz…

    Wooster

    Wooster

    1. März 2011 at 19:46

  17. @Wooster
    Wo ist denn da der Widerspruch? Es sind unterschiedliche Kategorien. Placebos haben nachgewiesene Effekte und einen Nutzen. Die „Information“ ist auf der wissenschaftstheoretischen Ebene angesiedelt, die sich ja zum Beispiel mit dem Nichtwissen beschäftigt und dem Umgang mit demselben. Sagt Ihnen der Begriff „Anthropozentrismus“ etwas? Naturwissenschaftliche Erkenntnis beruht ja im Wesentlichen auf einer Verlängerung der Sinnesorgane. Also müssen wir GANZ PRINZIPIELL davon ausgehen, dass es in einem System, das wir (noch) nicht kennen, möglich ist, dass Hahnemann hier einen Zufallsfund getätigt hat. Ganz anschaulich und eindrucksvoll finde ich das Beispiel mit der Biene, die nur Grautöne unterscheiden kann.
    Übrigens bin ich gar keine forcierte Anhängerin der H., habe sie aber auch schon einmal erfolgreich angewandt. Mich ärgert nur sehr dieser höhnische, selbstgefällige Tonfall, der in diesen Diskussionen teilweise angeschlagen wird.

    dasentlein

    2. März 2011 at 08:44

  18. @dasentlein
    Sie ärgert der höhnische, selbstgefällige Tonfall? Zoidberg („PS: wo lernt man eigentlich diesen verschwurbelt-hochnäsigen Schreibstil“)
    geht es da wohl ähnlich, denn Sie haben hier den selbstgefälligen Tonfall in die Diskussion eingeführt. Mal ganz unabhängig davon, dass Sie die Diskussion mit ihren 100 Irrtümern erst angefangen haben, weswegen ich mich frage, ob ich hier einem Troll aufgesessen bin…
    Denn das beste Argument dafür, dass Sie hier nur trollen ist weder ihr erstes Statement, noch ihr Argumentation, bei der Sie vom Hölzchen aufs Stöckchen springen, sondern dieser Satz hier:
    „möglich ist, dass Hahnemann hier einen Zufallsfund getätigt hat.“

    Nein, wir müssen NICHT „ganz prinzipiell“ davon ausgehen, dass Hahnemann einen Zufallsfund getätigt hat. Mit dieser Aussage disqualifizieren Sie doch alles, was sie vorher gesagt haben… Zu erst erkennen Sie in der H. die Placebowirkung, i.e. wir waren uns darüber einig, dass es nicht auf das Simile-Prinzip oder die Potenzierung ankommt. Was die H. als Placebo bewirken kann, schafft auch eine unbehandelte Zuckerpille oder NaCl-Injektion oder wasauchimmer.
    Soweit, so gut…
    Dann kommen Sie mit der „Information für das Immunsystem an“ und, ja, das ist ein Widerspruch, und Sie setzen noch einen drauf, indem Sie jetzt sogar vermuten, das Hahnemannsche Prinzip (was ja auch nix mit Information fürs Immunsystem zu tun hat, da Hahnemann sowas gar nicht kannte) könnte ja quasi als Zufallstreffer wirken. Was Sie übersehen ist, es wirkt gar nichts!
    Eine Aspirin hat ebenfalls Placebowirkung, die tatsächliche Wirkung geht aber darüber hinaus, (ich meine mich zu entsinnen, dass ASS u.a. thrombozytenaggregationshemmend wirkt). Hier haben wir also eine nachweisbare Wirkung, die über den Placeboeffekt hinaus geht, mal unbenommen von der Tatsache, dass Noceboeffekte den schmerzstillenden Effekt von ASS durchaus mindern können.
    Nicht so bei der Homöopathie, und jetzt bleiben Sie doch mal einem Standpunkt treu, liebes entlein.
    Solange die H. keine Wirkung erzielt, die über den Placeboeffekt hinaus geht (ich betone nochmal, dass dies die Quintessenz ihres ersten Posts, bzw. ihres Kommentars zur dem von ihnen postulierten 1. Irrtum über H., einen klassischen Strohmann übrigens, wie auch Zoidberg schon festgestellt hat), ist es absolut müßig, von nichtquantifizierbaren bzw. noch nicht einmal geistig klar greifbaren „Informationen“ zu schwurbeln, bzw. der Hahnemannschen Schnapsidee einen „Zufallstreffer“ zu attestieren, weil Ihnen dafür schlicht und ergreifend die Basis fehlt. Solange sie keine über den Placeboeffekt hinaus reichende Wirkung belegen können, ist das Wirkungskonzept müßig, weil schon hinreichend durch den Palaceboeffekt erklärt.

    So, und damit werde ich jetzt wohl aufhören, hier den Troll weiter zu füttern, denn auf einen Gish Gallop habe ich hier keine Lust, deshalb werde ich auch auf ihren (irrelevanten) Exkurs in die Wissenschaftstheorie nicht eingehen.

    Hier ist dein Fisch:

    >

    Wooster

    2. März 2011 at 11:34

  19. |>

    Wooster

    2. März 2011 at 11:35

  20. Lieber Wooster,

    jetzt mal ganz ruhig, sine ira et studio hätten Sie höchstens die Hälfte des Textes gebraucht.
    Zunächst habe ich die Diskussion keineswegs angefangen, siehe bitte die älteren Einträge. Wer hochnäsig anfängt bekommt hochnäsig zurück: für Sie gerne auch in schlechtem Deutsch: die meisten Statements zu Homöopathie sind einfach nur doof.
    Sie müssen meinen Text schon sorgfältig lesen, wenn Sie ihn widerlegen wollen und richtig zitieren (Ha!): ich habe gesagt: „…in einem System, das wir nicht kennen, wäre es prinzipiell möglich…“. Erstes Drittel gespart! Also einfach gesprochen: was sagt die Biene, wenn Sie ihr von roter Farbe erzählen? „Ich hab einen Spinner getroffen“? Der Vergleich ist nicht streng logisch, aber anschaulich. Wer über Wissenschaft(lichkeit) dikutieren will, sollte ihre Grundlagen zumindest ansatzweise kennen, besonders wenn er über Andersdenkende herziehen will. Ob Hahnemann Recht hatte, Recht haben könnte oder auf keinen Fall haben kann ist meiner Ansicht nach sowas von müßig und mir auch völlig schnurz, ich habe nämlich genügend andere intellektuelle Hobbies. Den ganzen Rest gespart!
    Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum man sich über H. derart ereifern kann, das lohnt sich doch gar nicht.

    Liebe Grüße dasentlein

    dasentlein

    2. März 2011 at 13:47


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