Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Mittagessen ist nicht

with 5 comments

Gerade habe ich zum zweiten Mal die Gabel in den Haufen mit Spaghetti Bolognese gesteckt und will sie zum Mund führen, da macht sich mein kleiner Quälgeist bemerkbar.
Die Notaufnahme ist dran.
„Was habt Ihr?“
„Neunundsechzig Jahre, männlich mit Atemnot…“
„Okay, ich komm gleich.“
Ich stecke noch eine Gabel Spaghetti in den Mund.
„Notarzt ist auch da!“
Noch eine Gabel, dann schiebe ich den Teller weg. Das war’s dann wohl!
„Und die Herzfreqzenz liegt momentan bei knapp vierzig, tendenz fallend….“
Das war das Stichwort. Keine Zeit mehr, das Tablett zurückzubringen, wehendem Kittel sprinte ich im Laufschritt in die Notaufnahme.
Da keucht mir Herr Cimbulski entgegen.
„Tach, Herr Doktor!“ japst er unter seiner Sauerstoffmaske hervor.
Herr Cimbulski ist ein alter Bekannter, erst vor drei Wochen hatte er zuletzt in unserem Haus seine Aufwartung gemacht. Neunundsechzig Jahre, geschätzte hundertzwanzig Pack Years und ein Body Mass Index von geschätzten knapp vierzig. Und blitzeblau im Gesicht.
Der Notarzt erzählt mir, was Sache ist: Heute früh um sieben plötzlich Atmenot, Herzrasen und linksseitige Thoraxschmerzen. Anruf beim Hausarzt, der auch prompt vorbei kam und eine Tablette verabreichte.
„Eine Tablette?“
Ich bin skeptisch. Normalerweise geben Hausärzte doch immer Spritzen?
Herr Cimbulski wollte natürlich nicht ins Krankenhaus. Also ist er daheim geblieben. Das Herzrasen war nach der Tablette zwar weg, aber dafür wurde sein Puls immer langsamer und jetzt ist er bei fünfunddreißig.
„Ich würde mal sagen….“
„Intensivstation!“ entscheidet Schwester Gaby.
Notarzt nickt und seine rotgewandeten Helferlein rollen die Trage mit dem Patienten in Richtung Aufzug.
Eigentlich könnte ich jetzt nochmal in die Kantine zurück… aber die Nudeln haben eh nicht geschmeckt.

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Written by medizynicus

21. März 2011 um 07:38

5 Antworten

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  1. Rieche ich einen Cliffhanger?

    Der Maskierte

    21. März 2011 at 08:01

  2. Betablocker?

    Emmi

    21. März 2011 at 08:18

  3. … mit anderen Worten: so ein Leben als Arzt hält einen schlank ;-). Da drücke ich doch mal die Daumen, daß es wenigstens am Abend zu einer vollständigen nicht abgebrochenen Nahrungsaufnahme diverser leckerer Genußmittel kommt. Kopf hoch !

    Lebensumbau

    21. März 2011 at 10:00

  4. Eine mehrteilige Geschichte mit Spannung und Cliffhangern… 🙂

    Warten wir ab, wie es weitergeht…

    rettungsdienstblog

    21. März 2011 at 10:18

  5. nee, schlank bleibste da eben nicht – denn wenn ruhe eingekehrt ist, dann haut man nochmal richtig rein, abends, vorm schlafen gehen. und dann hat auch noch irgendein schokoladenonkel seine ware parat gelegt. nee, schlank – kannste vergessen:-)

    bacterial girl

    21. März 2011 at 11:04


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