Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Per Klage zum Medizin-Studienplatz? Wird schwerer!

with 43 comments

Wer sich nach dem Abi dafür entscheidet, Medizin studieren zu wollen, braucht gute Noten und eine Portion Glück. Wer davon nicht ganz so viel hat, dem stehen ein paar längst wohlbekannte Hintertürchen offen. Eines davon ist die Kapazitätsklage. Das funktiniert so:
Nachdem man sich erfolglos um einen Studienplatz beworben hat, geht man zum Anwalt. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Anwälten, die sich auf genau diese Sache spezialisiert haben und auch entsprechend Werbung machen.
Der Anwalt schreibt der Uni einen bösen Brief und behauptet rotzfrech, dass es dort doch eigentlich noch Platz für viel mehr Studienanfänger geben müsse und man daher den Herrn Mandanten doch bitte tunlichst studieren lassen möge.
Die Uni behauptet vielleicht das Gegenteil, aber vor Gericht beweisen kann sie es oft nicht und so haben solche Klagen keine schlechten Erfolgschancen. Die Sache ist natürlich mit gewissen Kosten verbunden, was gelegentlich zu Spekulationen über das Elternhaus des Herrn Studiosus Anlass gibt und manchmal in der Mensa und sonstwo zu unschönen Tuscheleien führen kann.
Jetzt hat das Bundesverwaltungsgericht dieser Klagerei zwar noch keinen Riegel vorgeschoben, die Sache aber immerhin deutlich erschwert.
In einigen Uni-Sekretäriaten dürfte sich Erleichterung breit machen… und in der einen oder anderen Studi-WG klammheimliche Freude…

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Written by medizynicus

27. März 2011 um 05:35

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

43 Antworten

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  1. „Jetzt hat das Bundesverwaltungsgericht dieser Klagerei zwar noch keinen Riegel vorgeschoben, die Sache aber immerhin deutlich erschwert“

    Warum?
    Wo ist der Artikel?

    Ein Leser

    27. März 2011 at 06:17

  2. @Ein Leser: der Link war oben bei „Kapazitätsklage“, hab’s jetzt aber geändert. Also nochmal: *Hier* gehts zum Artikel. Oben ist jetzt ein Link zu Wikipedia

    medizynicus

    27. März 2011 at 07:40

  3. Ganz ehrlich, bei der Beliebheit des Studienganges (NCs werden immer höher) und den immer volleren Kursen (zu dritt an einem Mikroskop ist nicht gerade lehrreich) finde ich das gut. Immerhin sollte man die Studiengänge nach Leistung verteilen und nicht nach finanziellem Hintergrund der Eltern. Und wenn das Abi nicht so toll ist, man aber „schon immer Arzt werden wollte“ gibt es ja das Auswahlverfahren der Hochschulen – da wird man mit Sanitätsdienst, FSJ in der Pflege, medizinischer Ausbildung, etc. bevorzugt.
    Hatte ich alles nicht, hab trotzdem eine Platz bekommen – geht also auch ohne Klage! 😉

    Avialle

    27. März 2011 at 07:48

  4. Jetzt der auch noch …

    Es gibt keine UNKOSTEN!!!

    Wenn dann sind es schlicht KOSTEN!!!

    Bitte, gern geschehen.

    Schönen Sonntach noch …

    DocConsult

    27. März 2011 at 07:54

  5. @DocConsult: schon geändert, danke, gern geschehen!

    medizynicus

    27. März 2011 at 08:05

  6. Was das Einklagen wohl auch zunehmend unattraktiv macht ist, dass die Unis durchaus die Möglichkeit haben sich den Platz zurückzuklagen und dann steht man so richtig doof da…

    Patrick

    27. März 2011 at 10:13

  7. Studienplatzvergabe nach NC ist in meinen Augen schlicht und ergreifend unsinnig. Wie viele Kommillitonen/innen habe ich kennengelernt, die vielleicht keine Einser-Noten erbrachten/erbringen, dafür aber zumindest die soziale Kompetenz, die Motivation und Disziplin mitbringen, gute Ärzte zu werden? Und wieviele lassen mich immer wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil sie zwar gute Noten bringen, aber menschlich gesehen absolut ungeeignet für diese Tätigkeit sind – nicht zuletzt, weil sie sich schon in der Vorklinik für Halbgötter halten und das auch raushängen lassen… während sie gleichzeitig bspw. Händedesinfektion für überbewertet halten…

    Neri

    27. März 2011 at 12:22

  8. Kapazitätsklagestudenten sollten sich im Übrigen darauf gefasst machen, ihr gesamtes Studium über gemobbed zu werden. Ist jedenfalls bei uns so.

    Stefan

    27. März 2011 at 17:05

  9. warum nicht grundsätzlich FSJ, ausbildung etc. zur Zulassungsbeschränkung benutzen, um die menschliche Eignung, das langfristige Interesse .. zu bestätigen ?
    mit dem NC so viele zu filtern, während in vielen Gegenden akuter Ärztemangel herrscht, finde ich fragwürdig.

    anniefee

    27. März 2011 at 19:32

  10. Die Klagen sind doch schon seit Jahren nahezu sinnlos. Die Anwälte locken mit vermeintlichen Erfolgsquoten von 70%. Das bedeutet aber nur, dass es überhaupt zu einem erfolgreichen Verfahren kommt. Die dann erklagten Plätze können von 1 bis max. vielleicht 40 gehen (Zweiteres aber eher selten). Das dann aber auch bei insgesamt vielleicht 800 Klägern (keine Seltenheit)…

    Mal gescheite Auswahlverfahren einrichten wären ein Anfang.

    Graf Nudu

    27. März 2011 at 20:43

  11. Jede Institution, reagiert auf vermeintliche Fremdkörper, die durch Quoten, Klagen, etc. dazu kommen gleich schlecht.

    aga80

    27. März 2011 at 20:51

  12. Ohne jetzt auf das Einklagen ins Studium jetzt meine Meinung auszutreten, ist es doch so, dass die Studienzulassung in Deutschland absolut mangelhaft ist.

    Was bitteschön hat ein Abitur-Schnitt, der nunmal zu 70% von den Launen des Lehrkörpers und der Herkunft des Schülers bestimmt wird, z.B. mit seiner Fähigkeit zu tun, nachher Dinge richtig zu konstruieren oder die Medizin zu beherrschen?!? Meiner Ansicht nach rein gar nichts.

    Besser wären gezielte Auswahlverfahren, losgelöst vom Abitur-Schnitt un einem ominösen, willkürlichem NC! Ein Mensch, der sich schon seit kleinauf für Medizin interessiert hat, soll doch nicht am NC scheitern, nur weil willkürlich jemand diesen festgelegt hat.

    So werden in D Talente vergeudet….

    Gruss
    RDBlog

    rettungsdienstblog

    27. März 2011 at 21:54

  13. Nur um der Diskussion die nötigen Fakten zu geben: Der NC wird nicht von irgendwem festgelegt.
    Abiturienten bewerben sich und es gibt nur eine begrenzte Zahl Plätze zu vergeben. 20% davon gehen an die Wartezeitler, 20% an die Abiturbesten und 60% werden dann nach Abiturnote vergeben. Dabei geht man dann der Reihe nach vor: Zuerst 1,0 dann 1,1 bis alle Plätze vergeben sind. Die Note des letzten der auf diese Weise seinen Platz erhält wird dann NACHTRÄGLICH als NC bezeichnet, bietet also eher einen Richtwert für die zukünftigen Jahrgänge und hat für den eigentlichen Jahrgang keine weitere Relevanz. Dabei gibt es dann immer noch nicht wenige die ihren Studienplatz nur ca. eine Woche nach Semesterbeginn – also ohne signifikante Nachteile außer eventuell bei der Wohnungssuche – als Nachrücker kriegen, deren Note wird für den NC allerdings nicht mehr beachtet.

    achtelgott

    27. März 2011 at 22:07

  14. So jetzt muss ich auch was dazu schreiben:
    @RDblog Naja also ich finde gar nicht, dass man den NC und das Medizinstudium an sich soooo klar getrennnt sehen kann. (natürlich hat das nichts damit zu tun ob jm jetzt ein guter bzw fähiger arzt wird, aber das ist denk ich mal eh klar) Woher bekommt man denn seinen Abi-schnitt?? also man gesetz dem fall jedemand interessiert sich schon von kleinauf für medizin, dann ist ihm/ihr auch sicher klar, dass es eben ein gutes abi braucht, also soll er/sie sich eben hinsetzten und n bisschen was lernen, im studium wirds sicher nicht leichter und v.a. nicht weniger zum lernen. Weiß man bereits während den letzten schuljahren, dass man Medizin studieren möchte, schaut man eben, dass man eine gute naturwissenschaftlich grundlage aus der schule mitbekommt, dann passt der schnitt und das studium (zumindest bis zum ende der vorklinik) verlangt ja dann zum teil genau dieses wissen.

    Der Abi-schnitt befähigt jemanden sicher nicht zum Arzt-sein, wohl aber ist er (oder besser: kann er sein) ein Indikator wie gut bzw fleißig oder auch wie diszipliniert man lernen kann (oder will) und genau darum gehts (leider) im Medzinstudium.

    dazlious

    27. März 2011 at 22:35

  15. Um zu „Achtelgott“ noch was ergänzendes hinzuzufügen:
    In anderen NC-Fächern ist es an einigen Unis schon längst üblich, nur noch ca. 50% der Studienplätze über NC und Wartezeit über die ehemalige ZVS zu vergeben. Der Rest erfolgt z.B. über Auswahlgespräche (also Bewerbungsgespräche mit den Professoren).

    Hab gerade nachgesehen:
    Göttingen hat zum letzten WS 50% seiner MEDIZINstudienplätze allein über Auswahlgespräche vergeben. 11 andere Unis (u.a. Tübingen und Frankfurt) treffen die Auswahl anhand von internen Hochschulkriterien und wählen nicht den Weg über die ehemalige ZVS.
    Muss man sich halt mal mit Anschreiben und Lebenslauf z.B. in Göttingen dafür bewerben.

    Prinzipiell hat mittlerweile jede Uni die rechtliche Möglichkeit, sich bis zu 60% der Studenten über z.B. Auswahlgespräche selbst auszusuchen.

    Steven

    27. März 2011 at 23:29

  16. Allerdings kan man sich bei diesen Auswahlgesprächen dann wieder fragen, ob die wirklich so viel besser sind als die Abiturnote, die man über zwei Jahre erarbeitet. Wie lange dauert denn so ein Gespräch und will in der (ich nehme mal an eher kurzen) Zeit wirklich jemand sehen können, wie sich der vor ihm sitzende in den nächsten sechs Jahren entwickelt?

    achtelgott

    28. März 2011 at 10:06

  17. Der NC sagt doch nur über Angebot und Nachfrage etwas aus, nichts über die vermeintliche Schwierigkeit oder notwendigen Vorkenntnisse. Wenn jetzt jeder Religion und Kunst studieren möchte, wäre sicherlich dort ein 1.0er-NC zu erwarten.

    Graf Nudu

    28. März 2011 at 10:21

  18. Da können ja eine Menge Leute extrem froh sein, wenn sie reden dürfen statt schreiben zu müssen.

    dasentlein

    28. März 2011 at 11:25

  19. @Achtelgott:
    Diese Auswahlgespräche dauern etwa eine halbe Stunde pro Student. Natürlich kann man auch da nicht voll in den Studenten reinsehen. Aber man wird sich ja auch da den Lebenslauf und die Noten ansehen, um zu beurteilen, ob der Student geeignet ist oder nicht.

    Aber den Personenkreis, der in diesem Auswahlgespräch z.B. auf die ultimative Standardfrage „Nennen Sie mir 2 Schwächen von Ihnen“ keine Antwort hat oder der im Auswahlgespräch erklärt, dass man „Medizin studieren will, weil man da so viel Geld verdient“ oder der 10 Semester Wartezeit dazu genutzt haben, auf der faulen Haut rumzulungern anstatt mal über eine Alternative zum Medizinstudium nachzudenken oder der sich nicht mal motivieren kann, ein vernünftiges Anschreiben mit Lebenslauf an die Uni zu verfassen, siebt man damit doch schon mal schnell aus.

    Der Weisheit letzter Schluss ist das natürlich auch nicht. Schön wäre es natürlich alle Abiturienten zum Medizinstudium zuzulassen. Da das aber aus Kapazitäts- und Kostengründen nicht geht, muss man auswählen.

    Aber in Anbetracht der Tatsache, dass kein Krankenhaus, kein Labor, kein Arzt und kein anderes Unternehmen einen Mitarbeiter einstellt ohne mit ihm vorher ein Vorstellungsgespräch geführt zu haben, finde ich diese Auswahlgespräche jetzt nicht unbedingt schlecht.

    Steven

    28. März 2011 at 11:42

  20. @Stefan

    Kapazitätsklagestudenten sollten sich im Übrigen darauf gefasst machen, ihr gesamtes Studium über gemobbed zu werden. Ist jedenfalls bei uns so.

    … was uns zeigt, dass Medizinstudenten auch nur Menschen sind. Auch sie brauchen ihre Hackordnung und eine Prügelknaben. Insofern diese Haltung dann später auch gegenüber den dummen, incomplienten Patienten fortgesetzt wird, kann ich eine Gegenreaktion mancher so zu unrecht Abgekanzelter, die dann von „Halbgöttern in weiß“ sprechen, durchaus verstehen.

    Im übrigen frage ich mich, ob nicht gerade die so jahrelang gemobbten Kommilitonen später die einfühlsameren und sozial kompetenteren Ärzte werden.

    Kamhameha

    28. März 2011 at 13:44

  21. @Kamhameha Was man doch in einen Satz alles hinein interpretieren kann. Erstaunlich.

    Stefan

    28. März 2011 at 22:00

  22. @Stefan
    „…kann man, muss man aber nicht…“ 😉

    Kamhameha

    29. März 2011 at 06:53

  23. Tja, es ist wirklich nett von Göttingen. Sie haben trotzdem nur Leute mit einem Schnitt bis 1,6 zum Gespräch eingeladen -.-

    clarissa

    29. März 2011 at 08:03

  24. @Clarissa: Aber sie haben bestimmt nicht vorher gesagt „Wen dümmeres wollen wir nicht.“ Sondern mussten irgendwie auswählen, wen sie einladen, weil eben auch für Gespräche nur begrenzte Kapazitäten frei sind. Wenn solche Gespräche irgendeinen Sinn haben sollen, dann müssen sie nämlich von Leuten, die Ahnung haben, geführt werden und auch nicht im Akkord sondern mit genug Zeit um den Bewerbern auch wirklich gerecht zu werden. 1000 Abiturienten in ein paar Tagen durchschleusen und am Ende erinnert sich keiner mehr, wer vor ihm saß, macht sie Sache sonst ziemlich überflüssig und man kann auch gleich nur nach der Note gehen.

    achtelgott

    29. März 2011 at 09:38

  25. @Clarissa: Nachdem aber der NC für Medizin zwischen 1,0 und 1,2 (je nach Bundesland) lag, hatten hier aber die Abiturienten mit Abinoten zwischen 1,3-1,6 hier eine Chance.
    Wenn man selbst ein Unternehmen hat, wählt man auch den Mitarbeiter aus, den man selbst für am geeignetsten hält.

    @achtelgott:
    Geführt werden diese Gespräche doch von den Hochschulprofessoren (zumindest ist das in meinem Studienfach der Fall).
    Ich will ja nicht sagen, dass es die ultimative Methode ist.
    Aber solange dieser Run von Abiturienten auf das Medizinstudium anhält, muss man nach einem objektiven Kriterium auswählen.
    Und da Abiturienten normalerweise keine Referenzen haben, ist das halt der Abischnitt. Evtl. könnte man noch relevante Fächer wie Biologie, etc. mit reinmultiplizieren. Aber irgendwo muss halt dann die Grenze sein.

    Und um ehrlich zu sein: Jemandem mit 3,0er-Schnitt würde ich privat eh weniger empfehlen, ein derart schwieriges und zeitintensives Studium wie Medizin aufzunehmen, bei welchem auch nach dem Studium der Berufsalltag sehr zeitintensiv ist (ich kenne keinen Assistenzarzt mit 35-Stundenwoche).

    Und, nein: Ich bin selbst kein Arzt.

    Steven

    29. März 2011 at 14:56

  26. Also einmal muss man auch noch sagen, dass der NC im Schnitt mitnichten bei 1,2 liegt oder so etwas, es gibt genug UNIs mit einem NC von 1,6 oder 1,7, weil dort einfach nicht so ein großer Andrang ist wie an manch anderen medizinischen Fakultäten.
    Zum anderen geht es ja in der Diskussion auch darum, wie man nicht nur die besten zukünftigen Mediziner sondern eben auch die besten zukünftigen Ärzte findet. Meiner Ansicht nach ist das allerdings auch mit Auswahlgesprächen keineswegs sichergestellt. Auch dabei kommt es wieder darauf an, wie man sich versteht, wie man sich vorbereitet hat, wie man sich verkaufen kann (auf die frage warum man Medizin studieren will, kann man sich ja auch einfach etwas schönes zusammen dichten). Daher denke ich – ich will diese Gespräche nicht schlecht reden und den NC auch nicht als das beste darstellen -, dass Auswahlgespräche auch nicht wirklich objektiver sind als die Noten von 10 Fächern über zwei Jahre, was die „menschliche Tauglichkeit“ angeht und dann ist es doch besser wenigstens nach dem Kriterium, dass einem relativ sicher sagt ob jemand akademisch dem Fach gewachsen ist oder nicht, zukünftige Mediziner auszusuchen. Während des Studiums verändert sich ein Mensch ohnehin noch sehr stark und Anamnseskurse etc. können dann immer noch genutzt werden um den menschlichen Umgang mit Patienten zu üben und lernen.

    achtelgott

    29. März 2011 at 15:49

  27. achtelgott, wo sind denn die unis mit dem 1,6er oder 1,7er nc? sowas gibts hoechstens fuers sommersemester, aber das sind auch nicht so viele.
    und wer hat denn das geruecht gestreut, man koenne sich bei den unis direkt bewerben? das laeuft alles zentral ueber hochschulstart.de (ehemals zvs) und wird hoechstens weitergeleitet an die unis wenns um die adh-quote (also die 60%) geht. und mal davon abgesehen kann auch goettingen nichts daran aendern, dass die abi-note das hauptkriterium sein muss, um die zukuenftigen studenten auszuwaehlen.

    Ich

    29. März 2011 at 16:03

  28. @Ich:http://www.hochschulstart.de/index.php?id=2721 hier kann man die NCs vom letzten Jahr sehen, da waren die an einige nUNIs aber so weit ich weiß noch höher als in den Jahren davor, aber ganz genau weiß ich die Zahlen davor nicht. Aber man kann ja sehen, dass einmal bei weitem nicht alle das Verfahren vollständig an die ehemalige ZVS abgeben, sondern viele noch andere Kriterien mit einbeziehen und zum anderen dass es auch in diesem scheinbar schon härteren Jahr NCs von 1,6 gab. Also bevor man irgendwelche Thesen in den Raum wirft, dass alles so schrecklich wäre, einfach mal informieren ;).

    achtelgott

    29. März 2011 at 16:50

  29. Das ist ja schön und gut. Aber es ist doch lächerlich, Göttingen als DIE Chance darzustellen, auch mit nem schlechteren NC genommen zu werden, wenn man sich genug Mühe gibt mit dem Motivationsschreiben und den ganzen Referenzschreiben und dann interessiert erstmal doch nur der Schnitt und ihr erklärt dann hier, na irgendwo muss man es doch dran fest machen.
    btw. ich studiere mit meinem versauten Abi von 1,8 im Ausland und bin hier beileibe nicht die Einzige mit einem Einserschnitt.

    clarissa

    29. März 2011 at 21:39

  30. @Clarissa: Ich habe nie irgendeine UNI als super-duper, knorke und toll bezeichnet und mir ist schon klar, dass es schwer ist einen Medizinstudienplatz zu kriegen, aber bringt es irgendwem irgendetwas jetzt so einen aggressiven Unterton zu haben?
    Und ja an irgendwas muss man es eben fest machen. Es gibt nunmal nicht genug Plätze für alle die gerne einen hätten. Das ist das eigentliche Problem an dem sich leider in den nächsten Jahren auch nicht wirklich etwas ändern wird, wenn man bedenkt in welchen finanziellen Problemen so ziemlich alles steckt und das so ein Medizinstudent den Staat pro Studium eben ca. 250 000 Euro kostet. Bis dass man also das Geld für mehr Plätze aufbringen kann (und wahrscheinlich werden die dann immer noch nicht reichen), braucht man also irgendwelche möglichst objektiven Kriterien für die Auswahl. Die Abiturnote ist dabei denke ich zwar bei weitem nicht perfekt aber schon ein guter Anfang und es wird sich auch sonst bei jeder anderen Wahl immer jemand – zu Recht oder zu Unrecht – unfair behandelt fühlen.

    achtelgott

    30. März 2011 at 00:02

  31. @Clarissa:
    Ich wollte Göttingen NICHT als „DIE Chance“ hinstellen, um Medizin zu studieren, sondern wollte nur sagen, dass ich die Idee, noch ein weiteres Kriterium zur Auswahl hinzuzuziehen nicht schlecht finde.
    Nebenbei ist ein 1,8er-Abischnitt kein „versautes Abi“, sondern eine Note, mit der Du besser bist als 80-90% Deiner Mitschüler.

    Was mich etwas an dieser Diskussion stört:
    Oben schreiben sehr viele Kommentatoren, dass es unfair ist, die Auswahl nach der Abinote zu treffen; keiner schreibt aber, wie man das besser lösen könnte.
    Achtelgott hat das Prozedere sehr gut erklärt und ich wollte anmerken, dass man gegenwärtig auch noch zustätzlich über Vorstellungsgespräche auswählen kann.
    Parallel kann man auch noch über Wartezeit ins Medizinstudium reinkommen (wenngleich ich dazu anmerken möchte, dass man bei den 12 Semestern Wartezeit in dieser Zeit auch ein anderes Studium hätte studieren können und schon 2 Jahre Berufspraxis gesammelt hätte).

    Es ist nun mal Fakt, dass die Auswahl der Studienplätze beschränkt ist und die Kosten pro Medizinstudent sind – wie Achtelgott bereits geschrieben hat – im unteren 6stelligen Eurobereich angesiedelt. Man kann daher nicht einfach mehr Studis aufnehmen ohne die Kapazitäten zu sprengen, das geht nur in Disziplinen, die keine praktische Arbeit haben (BWL, Geisteswissenschaften, etc.).

    Wie KONKRET soll die Auswahl der Studenten denn erfolgen, wenn nicht nach der Abinote und nach Wartezeit?
    Soll wieder ein Test eingeführt werden, wie er vor 10 Jahren üblich war? Soll die Auswahl per Los getroffen werden?
    Insbesondere die Auswahl über Los würde auch Abiturienten mit 3,0er-Schnitt ermöglichen, Medizin zu studieren; das wäre aber – meiner Meinung nach – die unfairste Methode überhaupt.

    Mit welchem Kriterium soll die Auswahl KONKRET getroffen werden, damit die Nummer fair bleibt?

    Steven

    30. März 2011 at 09:10

  32. auf der Basis von Arbeitszeugnissen, Empfehlungsschreiben, Referenzen etc. von Praktika, Ausbildungs, Freiwilligendienst – würde ich jetzt als Laie vorschlagen.
    Und wer sich vertraglich verpflichtet, in Peripherregionen seine praxis zu eröffnen, wird auch bevorzugt. (noch so eine laienvorstellung, die wahrscheinlich gleich zerpflückt wird)

    anniefee

    30. März 2011 at 10:12

  33. @anniefee:
    Die Nummer mit den Arbeitszeugnissen, Empfehlungsschreiben, etc. finde ich ne gute Idee. Man könnte das irgendwie in die Abinote mit reinmultiplizieren („stets zur vollsten Zufriedenheit“ verbessert die Note, „zur vollsten Zufriedenheit“ lässt sie gleich, „zu vollen Zufriedenheit“ verschlechtert sie). Ein Freiwilligendienst sagt was über die „SoftSkills“ aus, daher von mir aus auch gerne.

    Aber was machen wir mit den 80-90%, die sich direkt nach dem Abi um einen Studienplatz bewerben und daher keine Berufserfahrung haben; da bleibt nur die Abinote.

    Das mit der vertraglichen Verpflichtung zur Arbeit in Peripherieregionen sehe ich zweierlei schwierig:
    1.) Kein Student weiß, wie er sich entwickeln wird und wo er später arbeiten möchte (Krankenhaus, eigene Praxis, Forschung). Nicht mal die Fachrichtung (Kinderarzt, Chirurgie, etc.) dürfte den meißten Ärzten zu Beginn ihrer Karriere konkret klar sein. Da wird das mit der vertraglichen Verpflichtung schwierig.
    Außerdem: Was macht man dann, wenn man während des Studiums einen Partner kennenlernt, der in einer Großstadt wohnt? Beziehung beenden, da man dort nicht arbeiten darf? Schwierig…
    2.) Kollision mit dem Grundgesetz: Das sieht Freizügigkeit bei der Berufswahl und bei der Wohnortwahl vor, sprich: man darf als Bürger arbeiten, wo man möchte.
    Ohne Anwalt zu sein: Ich denke, dass diesen lebenslangen Vertrag (drunter machts ja keinen Sinn) ein Anwalt wegen diesem unveräußerlichen Grundrecht wegen „Sittenwidrigkeit“ anfechten und nichtig machen kann.

    Steven

    30. März 2011 at 11:39

  34. naja, sowas dachte ich mir, wir sind ja nicht in einer Diktatur. wobei die Partnerin mitzunehmen / umziehen ja ein Problem ist, das jede/r haben kann. Von Problemen mit kindern-aufenthaltsbestimmungsrecht etc. ganz abzusehen.

    ich meinte mehr so in die richtung, dass dienste / azubi quasi pflicht würden, sodass niemand mehr blanken lebenslaufes ins studium geht. dazu wär allerdings nötig, dass die freiwilligendienste wenigstens alg2-geld-niveau bekämen, aber das schweift wohl alles ab 🙂

    anniefee

    30. März 2011 at 14:37

  35. Gegen die Pflicht „Freiwilligendienste“ vorm Studium spricht noch ein ganz wichtige Sache: Das Studium dauert 6 Jahre. Und wenn man dann noch die Facharztausbildung zur Ausbildung dazu rechnet, ist sowieso kaum jemand mit 30 damit fertig. Es ist also ohnehin schon eine sehr lange Ausbildung und alles weitere wäre eine ziemliche Zumutung, besonders wenn man bedenkt wie viel Medizinstudenten auch jetzt schon umsonst arbeiten müssen

    achtelgott

    30. März 2011 at 15:05

  36. Ich finde nicht, dass Du da abschweifst… Interessante Diskussion… 🙂

    Das Medizinstudium dauert mit seinen 10 Semestern + 1 Jahr Praktikum doch eh schon 2 Jahre länger als andere Studiengänge. Und anschließend ist man als Assistenzarzt ja auch doch erstmal das kleinste Rad im Getriebe und arbeitet (im Gegensatz zu anderen Studiengängen) auch nachts und feiertags und lässt sich etwas ausnutzen, weil man ja beruflich weiterkommen möchte (bin kein Arzt, da darf mich jeder Arzt korrigieren, wenn ich unrecht habe).
    Wenn man vor dem Medizinstudium jetzt noch (sagen wir mal) eine zweijährigen Dienst voraussetzen würde, ist man als Medizinabsolvent dann schon mal 4 Jahre älter als andere Studiengänge, die da schon längst gutes Geld verdienen.

    Irgendwie macht man da auch das Studium gerade für die fähigen Leute (die man ja letztendlich primär von Uniseite aus haben möchte; Leute mit 4er Abischnitt sind ja weniger von Interesse) uninteressant, die suchen sich dann nämlich was anderes. Die Fähigen gehen immer zuerst…

    Zu der Sache mit den Peripherregionen:
    Klar, das kann auch andere Berufsgruppen treffen. Aber wenn Du jetzt einen Partner hast, der z.B. Verfahrenstechniker ist und nur in der Industrie nen Job findet (normalerweise in größeren Städten angesiedelt) und Du darfst als Arzt nur in der absoluten Diaspora beruflich arbeiten, wird das mit dem Zusammenziehen nie was. Abgesehen davon: Ich weiß nicht, ob das jetzt mit nem Unistudium so super interessant ist, in die Prärie zu gehen. Normalerweise hat ja auch jeder ein Privatleben… 🙂

    Steven

    30. März 2011 at 15:15

  37. Da kam mir Achtelgott mit der Argumentation zuvor… 🙂

    Steven

    30. März 2011 at 15:16

  38. zu lange Studiendauer seh ich ein, aber dass anders-Studierte zwangsläufig bereits gutes Geld verdienten.. nee. ich kenn soviele Studierte, die keinen Job finden oder nicht mehr als „nur Berufschulabsolventen“. Als Arzt hat man doch hingegen fast die Garantie auf den gut bezahlten Job, oder täuscht das ?
    Jede Prärie hat ja zumindest eine Mittelstadt binnen 30min. zu erreichen, und ein paar stille-und-naturinteressierte, die das gern unterschreiben soll es ja auch noch geben..

    anniefee

    30. März 2011 at 20:02

  39. Ich kenne viele Studis, die über das Auswahlverfahren der Hochschulen ohne Einserabi reingekommen sind, einige Unis gehen nach Leistungskursen, San-dienst, etc. Eine Wirklich faire Verteilung wird es nie geben, denn man kann a) nicht alle Bewerber zum Gespräch einladen und b) sagt so ein Gespräch mit einem Abiturienten nichts darüber aus, was für Ärzte 6 Jahre später dabei herauskommen. Gerade die smarten und offenen Typen, sind manchmal die Partygänger, die lieber feiern oder etwas mit ihren 500 Facebookfreunden machen. Genauso kann jemand, der mit 18 schüchtern und ruhig ist, trotzdem menschlich ganz toll sein und im Laufe des Studiums so aus sich herausgehen, dass die Patienten die Person lieben.
    Egal wie man es dreht, es werden immer Leute benachteiligt. Ich halte es trotzdem für das geringere Übel nach Leistung und Motivation (bzw deren Surrogatparametern) zu wählen, als nach Geldbeutel der Eltern. Und ich war mit Eingeklagten in der Vorklinik, soooo unmöglich kann das ja nicht „seit Jahren“ sein.

    Avialle

    30. März 2011 at 20:43

  40. Also ich wollte schon immer Medizin studieren, was mit einem ABiturschnitt von 2,6 leider im Moment schier unmöglich scheint.
    Medizinisch sagt man mir nach, dass ich ein Klugscheißer bin. Ich interessiere mich einfach für den Stoff…welcher Zivi weiss aus dem Stehgreif, was eine HIT ist? Oder kann fast 70% der Medikamente auf der Apothekenbestellung einem Wirkungsort zuweisen?

    Aber das interessiert die Menschen nicht. Die sortieren nach NC und gut ist. Der Rest muss warten. Ich mach so jetzt die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Und danach muss ich einen Platz bekommen. Ich kann mir nichts anderes besser vorzustellen, als später mal als Arzt zu arbeiten. Ich will sogar in der Klinik bleiben. Ich liebe dieses Stress…gut, 24h-Dienste sind sicherlich scheiße, aber die macht man ja nicht ein ganzes Leben lang. Damit muss man leben.

    Kapazitätklage habe ich btw nie in Betracht gezogen. Das geht finanziell einfach nicht…

    Timotheus

    3. April 2011 at 17:23

  41. Ist es eigentlich verboten, Medizin zu studieren, wenn man nicht verständnisvoller Hausarzt und/oder Notarzt mit Nerven aus Stahl werden möchte?
    Was ist mit Labormedizinern, Pharmaforschern, Pathologen, Radiologen, Astronauten, Wissenschaftlern auf Forschungsstationen in der Antarktis, oder was auch immer?
    Mich nervt es schon seit vor meinem Studium, dass in dieser Debatte immer die gleichen Maßstäbe angelegt werden, was einen „guten Arzt“ ausmacht. Eine soziale Ader, gut mit Menschen sein, Arbeitserfahrung im Gesundheitsbereich, bla bla.
    Ich bin dafür, dass auch weiterhin sozial völlig inkompetente und herzlose Nerds Medizin studieren dürfen, um die Forschung voranzubringen und langweilige Schwarz-Weiß-Bilder zu befunden. So lange es sich pro forma noch um ein Hochschulstudium und nicht um eine schulische Ausbildung zum Hausarzt handelt, sollte sich danach auch die Zulassungspraxis richten.

    Em

    3. April 2011 at 22:43

  42. Man vergleiche die Anforderungen an die Abi-Notenvergeber mit denen der Wollenden…

    Sonny

    12. April 2011 at 01:04

  43. ich denke die ganze Diskussion um Studienplätze in Deutschland ist ein verdammt schlechter Scherz, wenn man bedenkt dass es eh schon zu wenige junge Leute hier gibt und dann gibt es nicht genügend … is klar (ob Medizin oder sonst was ist irrelevant)…. Das gesamte Bildungssystem ist untragbar, wenn man weiß dass jetz schon mehr als die hälfte der Bevölkerung im Altersheim vegetiert und es nicht besser wird,wenn man die Statistiken ansieht. Und selbst wenn das Studium auf den ersten Blick teuer ist, so ist es im Vergleich dazu wofür das Geld verschleudert wird….der grund für die Tatsache dass wir „Ärztemangel“ haben ist, dass viele ins Ausland gehn weil sie da besser bezahlt werden und sich so drücken dem Staat die Investition zurück zu zahlen…ende der durchsage 😉

    herzloser nerd

    2. August 2012 at 18:40


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