Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Wieder ein Neues Gesicht…

with 7 comments

Wie an jedem Morgen stehen wir um viertel vor acht in der Notaufnahme und warten auf den Chef. Der kommt wie üblich mit exakt einer Minute Verspätung mit Oberarzt Heimbach im Schlepptau hereingeschneit. Und wer ist diese weibliche Gestalt hinter den beiden, die wacker versucht, Schritt zu halten?
Lange schwarze Haare, schicker Mantel, modische Stiefel. Für eine Patientin ist sie zu jung und zu behende… außerdem lächelt sie etwas unsicher und bleibt einen halben Schritt hinter dem Chef stehen.
„Liebe Kollegen, darf ich Ihnen Frau Weizenberg vorstellen? Sie wird unser Team in den nächsten drei Wochen als…“ er hüstelt, „…als Honorarärztin verstärken!“
Mir fällt die Kinnlade herunter. Die Frau ist doch maximal Anfang Dreißig!
Sind Honorarärzte nicht in der Regel honorige ältere Herren, die entweder frustriert von ihrer den Bach heruntergegangenen Praxis erzählen oder damit angeben, was für dicke Autos sie sich von ihren Honorararzthonoraren leisten können?
Ehrensache, dass ich mich freiwillig dazu melde, der jungen Kollegin das Haus zu zeigen! Natürlich beginnt die Führung in der Stationsküche bei uns auf der Zwo.
„Also, hier steht die Kaffeemaschine…“ sage ich und nehme zwei Tassen aus dem Schrank.
„Nein danke, nicht für mich!“
„Oh, Du trinkst keinen Kaffee? Magst Du lieber einen Tee? Oder ein Wasser?“
„Zeig mir lieber, wie ich in das Computersystem reinkomme! Wie meldet man sich an? Wo muss man das Passwort beantragen?“
Sie steht auf.
Seufzend folge ich ihr ins Arztzimmer.

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Written by medizynicus

11. April 2011 um 05:29

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

7 Antworten

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  1. Das scheint noch interessant zu werden 😉

    retterweblog

    11. April 2011 at 06:55

  2. Wenn sie gut aussah: du ärmster 😉

    docadenz

    11. April 2011 at 07:44

  3. Hey, sie will sich am Anfang nur motiviert zeigen…oder ist sie wirklich so eine super hyper motivierte?Wir werden es sehen…

    rettungsdienstblog

    11. April 2011 at 08:59

  4. Ich glaube wenn man irgedwo „nur“ für drei Wochen arbeitet fällt es leichter motiviert zu bleiben. Ich bin zur Zeit nur 3 Tage im Monat auf Station und muss sagen die Schwelle an der ich genervt bin liegt deutlich höher als früher.
    Ausserdem wird sie dafür engagiert das sie motiviert ist und arbeitet, wenn die sich hängen lässt bekommt sie vermutlich kein zweites Angebot…

    krankeschwester

    11. April 2011 at 10:40

  5. Ist doch besser als „Darf ich Ihnen Frau Dr. med Dipl.-Ing. Dipl-Wirt.-Ing MBA Weizenberg vorstellen, sie arbeitet bei der Unternehmensberatung McKinsey…“

    Mr. Gaunt

    11. April 2011 at 20:05

  6. Na da darf man gespannt sein wies mit der Kolloegin weitergeht 🙂

    dazlious

    11. April 2011 at 22:34

  7. […] Auch hier. Lücken im Dienstplan des ärztlichen Dienstes werden mit Honorarärzten gestopft. Die sind zwar meist fachlich fit, kennen sich aber halt trotzdem nicht aus. Und man weiß […]


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