Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Leben retten, unterschreiben lassen, Betreuung und der ganze Rest

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Anna 8er Tubus hat letztens von ihrem Frust mit einer semi-dementen Dame erzählt, die unter Betreuung steht. Das heißt, nicht die Dame war das Problem, sondern die Betreuung.
Und so eine Betreuung, die ist in der Tat oft ein Problem. In der Notaufnahme hat diese Sache den einen oder anderen von uns schon mehr als einmal zur Weißglut gebracht…
Warum? Was ist denn überhaupt eine Betreuung?
Eine Betreuung ist – narürlich völlig unkorrekt verkürzt – das, was man früher einmal „Entmündigung“ nannte. Will heißen: Eine Person ist nicht mehr in der Lage, ihre Geschäfte selbst zu regeln und bekommt aus diesem Grunde einen „Betreuer“ zugeteilt. Dabei kann dieser Betreuer entweder ein naher Familienangehöriger sein oder auch eine Amtsperson.
Kurz und gut: Omi ist mit den Jahren ein wenig tüdelig geworden und Enkel Alfred hilft ihr von jetzt an ein wenig mit dem Papierkram. Genauer gesagt: von jetzt an ist Omis Unterschrift nicht mehr das Papier wert, auf dem sie steht und ihr Wort zählt auch nichts mehr. Wenn man etwas mit Omi anstellen möchte, dann muss man das nicht mehr mit Omi, sondern mit Enkel Alfred besprechen.
Wo ist das Problem?
Ohne Enkel Alfreds Unterschrift läuft bei Omi gar nichts mehr. Und was passiert, wenn Enkel Alfred nicht erreichbar ist?
Das erzähle ich Euch morgen!

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Written by medizynicus

14. April 2011 um 05:26

6 Antworten

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  1. Ekel Alfred?

    Abbo T.Karin

    14. April 2011 at 08:41

  2. Bei einem Berufsbetreuer kann ich mir vorstellen, daß er zu bestimmten Zeiten nicht erreichbar ist – aber bei einem Familienangehörigen in Zeiten von Handy etc? Ich habe das mehrere Jahre für meine demenzkranke Mutter gemacht und immer hinterlassen, wo ich wie erreichbar bin.

    Aber auf einen ganz wesentlichen Punkt in Ihrem Posting möchte ich hinweisen. Es gibt Bereiche, wo der demente Mensch sagen kann, was er will oder nicht und auch die Folgen überblicken kann. Und da ist es nicht einsehbar, warum das ein anderer für ihn entscheiden soll.

    Ich mußte zum Beispiel Einverständniserklärungen dafür unterschreiben, daß meine Mutter am Ausflug zum Streichelzoo teilnehmen darf. Sie war noch voll in der Lage, eine klare Ansage zu machen, ob sie an dem jeweiligen Tag dazu Lust hat oder nicht. Selten bin ich mir so bescheuert vorgekommen wie in dieser Situation.

    Noga

    14. April 2011 at 09:18

  3. Problem ist wie immer die Rechtslage. Wenn man den Betreuer nicht fragt, und IRGENDWAS passiert, ist derjenige, der es veranlasst hat, mit einem Bein im Knast. Und sei es nur, dass die Oma im Streichelzoo von der Ziege gebissen wird.

    docadenz

    14. April 2011 at 12:06

  4. man hätte die möglichkeit beim gericht anzuzeigen, dass die Betreuung nicht im Sinne des Betreuten läuft, also der Betreuuer nicht erreichbar ist, nie nach dem jenigen schaut etc. macht aber leider kaum jemand.

    Sylvia

    14. April 2011 at 13:39

  5. Der Vergleich der Betreuung mit der Entmündigung ist nicht nur verkürzt, sondern insofern falsch, als eine Betreuung einerseits nur für bestimmte Wirkungskreise angeordnet werden kann und andererseits – wenn nicht anders angeordnet (Einwilligungsvorbehalt!) – nur ergänzend wirkt, also den Betreuten eben gerade nicht entmündigt. Das ermöglicht eine sehr viel feiner granulierte Entscheidung je nach den verbliebenen oder eben nicht mehr erhaltenen Möglichkeiten des Betreuten.

    Bei dementen Patienten mag der Unterschied aber letztlich tatsächlich rein akademisch sein.

    -thh

    14. April 2011 at 20:08

  6. Ganz toll sind solche Fragen nach der Betreuung auch nach 20h abends, wenn die Amtspersonen ihr Handy aus haben und man da steht und nicht weiter kann….^^

    rettungsdienstblog

    14. April 2011 at 22:41


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