Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Arztpraxen und Pommesbuden

with 18 comments

Stell Dir vor, Du willst eine Pommesbude aufmachen.
Dann solltest Du natürlich wissen, wie man Pommes brät. Du solltest auch die entsprechenden Sicherheits- und Hygienevorschriften kennen denn Du willst ja weder Deine Gäste vergiften noch aus Versehen die Bude abfackeln. All das kannst Du lernen, erstmal die Theorie auf der Pommesbudenakademie und dann die Praxis als Pommesbudenbratassistent in einer bestehenden Pommesbude.
Jetzt willst Du Dich also mit einer eigenen Bude selbständig machen. Du suchst also einen geeigneten Standort: In der Stadt, da gibt es schon ziemlich viele Pommesbuden, außerdem Pizzerien und Dönerläden, die Konkurrenz ist also groß. Du musst also etwas Besonders bieten, also zum Beispiel eine extrascharfe Soße oder Kristallaurahokuspokuspommes. Außerdem ist da noch die Pommesbudenbedarfsplanungsanstalt. Die legt nämlich fest, wie hoch der Bedarf an Pommesbuden ist und verteilt Pommesbudenbetreiberlizenz .
In den großen Städten ist der Bedarf gedeckt.
Jetzt könntest Du natürlich hingehen und herausfinden, dass der Fritten-Fritze in spätestens zwei Jahren in Rente gehen wird. Mit einer gehörigen Portion Chuzpe machst du Deinen Laden gleich nebenan auf. Darfst Du aber nicht. Du kannst höchstens dem Fritten-Fritze seine schmierige Bude abkaufen, natürlich zu einem überhöhten Preis weil der Fritten-Fritze genau weiß, dass Du sonst keine Chance hast, an eine Pommesbudenbetreiberlizenz zu kommen.
Oder Du könntest aufs Land gehen. Da besteht – so behauptet die Pommesbudenbedarfsplanungsanstalt – noch hoher Bedarf für neue Pommesbuden. Würdest Du Dich ein wenig mit Betriebswirtschaft auskennen, dann wüsstest Du natürlich: so eine Land-Pommesbude, die wird sich niemals rentieren! Zunächst mal die gute Nachricht: auf dem Land, da gibt es nicht nur keine Pommesbuden sondern noch weniger Dönerläden oder Pizzerien. Du darfst also auch Döner und Pizza anbieten. Jedenfalls musst Du damit rechnen, dass Leute zu Dir kommen und Pizza oder Döner haben wollen.
Allerdings wohnt ja auf dem Lande kaum noch wer und die wenigen die noch da sind haben kein Geld oder sind zu alt. Deshalb verpflichtet Dich die Pommesbudenbedarfsplanungsanstalt dazu, einen Lieferservice anzubieten, für Pommes, Pizza und Döner und zwar rund um die Uhr, jeden Tag, auch an Wochenenden, Weihnachten und Ostern.
Ach ja, und dann gibt’s noch die Pommesbudenverwaltungsgebühr von zehn Euro. Die müssen alle Kunden zahlen, einmal alle drei Monate. Du musst das Geld abkassieren und unverzüglich an die Pommesbudenbedarfsanstalt weiterleiten, aber das ist ein anderes Thema…
Wie komme ich jetzt darauf?
Was hat das Ganze mit Ärzten oder Arztpraxen zu tun?
Och…. öh…. eigentlich fast gar nichts….

Written by medizynicus

27. April 2011 um 09:03

Veröffentlicht in Nachdenkereien

18 Antworten

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  1. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Gegebenheiten sind rein zufällig und absolut ungewollt. 🙂

    Der Maskierte

    27. April 2011 at 09:27

  2. Pommes werden nicht gebraten, Pommes werden frittiert oder gebacken. Wer Kartoffeln brät, der erhält was??? Na?? Genau, BRATKARTOFFELN!!

    Lizenzen für Pommesbuden gibt es nicht!!! Eine Gewerbeanmeldung muss her. Und eröffnen kann ich solche Betriebe überall dort, wo ich es gerne will, sofern räumliche Bedingungen eingehalten werden können. Das geht auch mobil.

    Und auch auf dem Land rentierten sich derartige Einrichtungen ganz hervorragend. Im Mittel setzt man da mitunter 1.500 Euronen täglich um. Die durchschnittliche Umsatzrendite … lassen wir das, sonst wird hier nur Neid hervorgerufen.

    Dieser Beitrag des Mediziners beweist es wieder einmal ganz genau. Ärzte sind ganz lausige Unternehmer. Warum? Wie im richtigen Praxis- oder Klinikalltag kümmert man sich eben nur um Symtome.

    Man hat da mal was gehört oder gelesen und überhaupt, das war schon immer so und warum soll das geändert werden.

    Schließlich muss ich mich als Mediziner doch auf die „gekaufte Wissenschaft“ verlassen und wenn der liebe Pharmavertreter wieder einmal den gefüllten Umschlag zückt …

    Idealismus oder „Berufsehre“ stellt sich anders dar!

    DocConsult

    27. April 2011 at 09:51

  3. @DocConsult:
    Pommes werden frittiert. Deshalb heissen sie nämlich Pommes Frites, oder auch frittierte Kartoffeln. Wer Pommes (de Terre, Kartoffeln also, keine Äpfel) bäckt erhält Back-Kartoffeln. Diese fettarmen Dinger zum In-Den-Ofen-Schieben sind keine Pommes und gehören dem Hertseller woandershin geschoben.
    Just my $0.02

    Volker

    27. April 2011 at 10:31

  4. Klingt nach dem System der konzessionierten Wiener Würstelstände… 😛

    Christian

    27. April 2011 at 10:58

  5. Ausgezeichnete Analogie, die die Absurdität des gegenwärtigen Systems sehr schön darstellt. 🙂

    lupo

    27. April 2011 at 12:47

  6. Medizynicus – you made my day! Habe das gerade als „Lesebefehl“ an die Mediziner im Bekannten- und Freundeskreis weitergemailt.

    Noga

    27. April 2011 at 14:07

  7. Ja genau, was hat das eigentlich mit den Medizinern zu tun? 😉

    ednong

    27. April 2011 at 14:33

  8. Einfach schön. 😀
    Und den Troll ignoriert man am besten. 😉

    achtelgott

    27. April 2011 at 16:31

  9. Und nicht zu vergessen die Pommeszutatenmafia, die dem Pommesbudenbesitzer vorschreibt, welches Pommessalz er wie oft in drei Monaten benutzen darf…

    chefarbeiter

    27. April 2011 at 17:38

  10. So trollig sehe ich das gar nicht. Er hat recht damit, dass man sich nicht mit einer schlechten Situation abzufinden hat.

    docadenz

    27. April 2011 at 21:47

  11. Der Doktor träumt von Pommes oder Mantaplatten !!!

    ohnevorwaesche

    27. April 2011 at 23:10

  12. Mal ganz ehrlich,
    wenn man heute spezielle Pommes will, dann benutzt man Google fürs Rezept und stellt sich in die eigene Küche 😀

    AMUNO

    28. April 2011 at 09:49

  13. DR.Pommes auf dem Land….gibts sowas noch ? Da wo ich herkomme muss man zum Arzt fahren.Da kommt so gut wie niemand mehr rum.Frueher..ja da war alles besser…auch fuer Aerzte denke ich.
    Sarkasmus Ende
    Sehr guter Vergleich wie ich finde. Gut und anschaulich beschrieben. Mein Kompliment

    michathecook

    28. April 2011 at 10:02

  14. Außerdem darf die Pommesbude auch nur von einer bestimmten Anzahl von Kunden besucht werden…(Aufgrund von Überfüllung…) Der Kunde muss sich telefonisch zu einer Bestellung anmelden und je nach Wunsch auf die Pommes 4 Wochen warten…Zwischendurch wird die Pommesbude auch für 3 Wochen geschlossen, da man leider keinen Einfluß hat, wieviele Kunden die Pommesbude besuchen oder wieviele Pommes vergeben wurden…Und man darf ja auch nur eine bestimmte Anzahl an Pommes vergeben…
    Frauen mit roten Haaren bekommen grundsätzlich auch nur Pommes mit Mayo, während Männer mit Bärten die typischen Pommes rot-weiß Kunden sind…Je nach Haarfarben oder Typen Indikation…

    Würde man so eine Pommesbude wirklich als Kunde besuchen???Nein

    Würde man so eine Arztpraxis als Patient besuchen????Ja…

    blogwesen

    28. April 2011 at 10:27

  15. Ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht so ganz, wieso sich Arztpraxen auf dem land nicht rentieren sollen. Ich bin auf dem land aufgewachsen, und da gab es zwei Allgemeinärzte, die ein Einzugsgebiet von über 3000 Einwohnern versorgten. Einige von diesen Einwohnern sind zwar in die nächste Kreisstadt gefahren, aber die Wartezimmer waren immer voll, und zwar nicht nur mit alten Leuten. Und Hausbesuche hat im Übrigen keiner der beiden gemacht; ich wurde von dem einen (unserem Hausarzt) mal übelst sngeschissen als meine Mutter am Wochenende einen Herzanfall hatte und ich es gewagt habe, ihn anzurufen.

    Warum soll sich so eine Praxis jetzt weniger rentieren als eine in der Stadt, wo an jeder Ecke 20 Ärzte sind?

    Ich sehe ein, dass man mit einer Privatpraxis auf dem Land vermutlich eher wenig Chancen hat, aber mit ner Kassenzulassung? Warum eigentlich?

    tibia

    28. April 2011 at 10:29

  16. Was noch fehlt ist eigentlich, dass man eine Pommes-Flatrate hat. Egal wie viele man will, man bekommt sie auch, der Pommesbudenbesitzer aber nur ein mal Geld.

    docadenz

    28. April 2011 at 13:34

  17. Ist es wirklich so, daß die Lizenzen vom Voreigentümer mit übernommen werden?

    Dann vergibt die Pommesbudenverwaltungsanstalt nur einmal fesgelegte Kontingente?

    Ephraim

    28. April 2011 at 14:55

  18. @tibia: google mal unter „RLV“ …

    Dienstarzt

    30. April 2011 at 20:45


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