Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for April 2011

Ärzte oder Steuerberater: wer sind hier die Bösen?

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Also, ich stelle jetzt mein Leben um.
So richtig radikal. Ich will freier leben und mich von allen bösen Zwängen befreien, die meine arme, geschundene Kreatur einengen.
Es geht um die Steuern. Böse Steuern, welche der Staat auf alles erhebt, was nicht niet- und nagelfest ist.
Und die zahle ich jetzt einfach nicht mehr.
Punkt. Ende. Aus.
Weil ich finde nämlich, dass es toll ist, wenn man keine Steuern mehr zu zahlen braucht. Ausserdem ist dieses Steuersystem viel zu kompliziert für mich. Ich verstehe das alles einfach nicht und Steuerberater sind Verbrecher.
Jawoll, vor allem die Steuerberater.
Die glauben nämlich, dass Ärzte Verbrecher sind.
Also zumindest einer von denen tut das. Nämlich der König aller Steuerberater, ein gewisser Herr Konz.
Schon mal gehört? Na klar doch. Dem seine Bücher, die hat doch wohl jeder von uns schonmal auf dem Grabbeltisch einer Bahnhofsbuchhandlung gesehen.
Ich muss gestehen, ich habe sogar ab und zu mal eins gekauft.
Der Herr Konz hat nämlich den Krebs besiegt und seine eigene Theorien darüber aufgestellt. Das heisst – verkürzt ausgedrückt – man solle sich ausschließlich durch „Urkost“ aus ungekochtem Obst, Gemüse, Würmern und Schnecken ernähren. Von Ärzten und Medizin muss man sich tunlichtst fernhalten. Halt genau so, wie es die Urmenschen vor etwa einer Millionen Jahre getan haben.
Ja, und falls demnächst mal irgendwann irgendwelche grüngewandeten Karnevalsprinzen vor meiner Tür stehen sollten, so von wegen meiner angeblichen Steuerzahlungspflicht, dann zeige ich denen einfach eine lange Nase. Ich bin ja jetzt frei.
Ich habe zu meinem wahren selbst gefunden, nämlich zur Steuer-Urkost.
Weil vor einer Millionen Jahre, da hat man schließlich auch keine Steuern bezahlt.
Oder?

Written by medizynicus

19. April 2011 at 21:55

Memento Mori (oder so ähnlich)

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Da sitze ich also am Feierabend mit einer Flasche Bier vor der Glotze…
nicht anders als Opa Müller, den wir gestern entlassen haben und dessen Leben sich weitgehend um Essen auf Rädern, die zweimal am Tag klingelnde Dame vom Pflegedienst und das Bier vor der Glotze dreht.
Die Glotze läuft dort übrigens von morgens bis abends und wie viel Bier er in dieser Zeit vertilgen kann, weiß ich nicht, aber wenn es mal wieder zu viel geworden ist und er im Suff kollabiert ist, dann ist er wieder bei uns.
Und da er seit jeher eine lange Liste an Diagnosen mit sich herumschleppt, ist es auch nie ein Problem, daraus etwas passendes zu finden um seinen Aufenthalt für ein paar Tage zu rechtfertigen. Fünf bis sieben Tage darf er bleiben, länger nicht, sonst macht die Verwaltung Stunk, dann gibt’s nämlich probleme mit der maximalen Verweildauer, Dieh-Ahrr-Dschie, Ihr wisst schon. Also müssen wir Opa Müller immer wieder rechtzeitig nach Hause schicken, zurück zu Glotze, Feinripp-Unterhemd und Bier.
Warum ich das Ganze hier erzähle?
Vor fünfzig Jahren war Opa Müller auch mal jung.
Und in spätestens fünfzig Jahren bin ich auch ein Opa Müller… und dann sitze ich im Unterhemd mit einer Flasche Bier vor der Glotze….
so wie heute.

  • Dank an Annette, deren Post mich nachdenklich gemacht hat.

Written by medizynicus

18. April 2011 at 21:42

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Kleines Blogroll-Update

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Es hat sich wieder mal einiges getan in der MedBlogger-Szene:

  • Dass die Chaos-Heldin Josephine ihr Blog sang und klanglos von heute auf Morgen gelöscht hat, kurz nachdem sie nach langer Pause wieder angefangen hat ist leider traurige Wahrheit… vielleicht taucht sie ja wieder auf…
  • Die Nachtschwester hat sich nach mehrmonatiger Pause wieder aus Spelunkistan… äh… Molwanien oder wo auch immer in Südosteuropa gemeldet. Ich warte gespannt auf weitere Neuigkeiten!
  • Auch der Schweizer Dienstarzt ist nach längerer Pause wieder aktiv
  • Auch Klabauterdoc ist wieder und immer noch da
  • Neuzugang: Toluidinblau – ist der
    Blog eines fiktiven Krankenpflegers aus einer fiktiven Intensivstation einer fiktiven westdeutschen Großstadt…
  • Emergencygirl ist derzeit für mehrere Monate in Australien unterwegs und schreibt einen spannenden Reiseblog… allerdings streng genommen ja eher Off Topic…
  • Hatte ich Docadenz – Medizinstudent und Stammkommentator – eigentlich an dieser Stelle schon hinreichend gewürdigt?
  • Back on Topic und neu ist die New Generation Krankenschwester

…das war’s für heute, für weitere Tipps bin ich gerne dankbar!

Written by medizynicus

17. April 2011 at 11:33

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs

O Du schönes Landarztleben… Ächt jetzt?

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Land.Arzt.Leben ist toll.
Und man kann es auch genau auf diese bescheuerte Art und Weise schreiben, natürlich mit Ausrufezeichen dahinter, wir sind ja schließlich kreativ.
Landärzte haben offenbar ein Imageproblem. Anders ist es nicht zu erklären, dass eine Kassenärztliche Vereinigung viel Geld – und zwar mein Geld als Krankenkassenbeitragszahler – für Unternehmensberater und Webdesigner ausgibt um wieder einmal das das Propagandamärchen vom schönen Landarztleben zu verkünden.
Ach ja, es geht ja um ärztlichen Nachwuchs… den landärztlichen Nachwuchs natürlich. Also um Dich, lieber Kollege und liebe Kollegin, und vielleicht auch um mich. Ein unverbindlicher Persönlichkeitstest zeigt uns, ob das Landarztleben mit Ausrufezeichen das Richtige für uns ist. Kostprobe gefällig?
Du schläftst gerne bei offenem Fenster und hast lieber ein großes Haus mit riesigem Garten als eine enge muffelige Wohnung? Du joggst lieber im Wald als über nächtliche Klinikflure?
Dann nichts wie raus in die Pampa mit Dir!
Also, jetzt mach schon, geh los und kauf Dir für schlappe hunderttausend Euro eine Praxis in Grooteschietnordermoorfehn!
(denn die Macher und Geldgeber jener Seite kommen schließlich aus Schleswig Holstein)
Und dann kannste, verschuldet bis über beide Ohren loslegen: Zunächstmal jeden Tag sieben Stunden lang damit verbringen, die zentnerschweren Papiere ebenjener vorgenannten Kassenärztlichen Vereinigung zu lesen und die entsprechenden bürokratischen Vorgaben bestmöglichst zu befolgen. Und natürlich darfst Du keine Angst davor haben, noch mehrere Jahre lang mit eigenem Haus und Hof dafür gerade zu stehen, weil Du vielleicht irgendwann mal zu teure Pillen verschrieben zu hast.
….oder was sagen die hier mitlesenden hausärztlichen Kollegen?

Written by medizynicus

16. April 2011 at 22:50

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

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Betreuung… unterschreiben… und der ganze Rest (Teil 2)

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…also, ich wollte Euch ja noch erzählen, was bei uns im Krankenhaus so abgeht, nachdem die sympathische Notärztin uns eine leicht tüdelige Dame gebracht hat, die dummerweise unter Betreuung steht.
Nehmen wir mal an, die Patientin heißt Herta Müller, ist dreiundachtzig Jahre alt und wollte eigentlich gar nicht ins Krankenhaus.
Sie ist zu Hause umgefallen, nachdem ihr schwarz vor Augen geworden war. Aber jetzt geht es ihr schon viel, viel besser…
Nun ist es Freitag Nachmittag und Frau Müller wohnt alleine. Ihre nächsten Angehörigen wohnen in Sankt Sowienoch, also ungefähr dreihundert Kilometer entfernt. Außerdem hat sie eine Betreuerin, und zwar eine Dame vom Amt. Die ist natürlich nicht mehr erreichbar.
Wir wissen nicht, wie es bei Frau Müller zu Hause aussieht – die Notärztin ist leider schon wieder weg zum nächsten Einsatz – und weil Frau Müller ja eigentlich eine ganz nette Omi ist läßt sie sich auch davon überzeugen, übers Wochenende bei uns zu bleiben.
So richtig los geht das Drama dann am Montag Morgen.
Da haben nämlich die Angehörigen Wind von der Sache bekommen und bitten darum – nein, sie bitten nicht, sie fordern uns unmissveständlich auf – über alle Fortschritte der Behandlung unverzüglich informiert zu werden. Und ja, natürlich wird man sich höchstpersönlich davon überzeugen, dass wir auch ja gar nichts versäumen.
Ja, und dann müssen wir bei Oma Müller eine Untersuchung machen. Eigentlich eine harmlose Sache, und wir haben auch mit Oma Müler gesprochen und sie hat auch das Einwilligungsformular gelesen und unterschrieben und ist einverstanden…. aber ihre Unterschrift zählt ja nicht, also müssen wir uns an die Betreuerin wenden. Die Betreuerin lässt sich dann alles nochmal erzählen, und weil sie ja unterschreiben muss, schicken wir ihr das mehrseitige Formular per Fax zu. Wir warten auf die Antwort, aber nix passiert, es ist ja auch inzwischen schon drei Uhr Nachmittag durch…
Fortsetzung folgt…

Written by medizynicus

15. April 2011 at 13:01

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Leb wohl, edle Heldin!

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Nee.
Schade.
Ächt jetzt.
Warum? Schon klar…
Wenn Du irgendwo da draußen unterwegs bist, melde Dich doch mal….

(danke, Kinderdoc)

Written by medizynicus

14. April 2011 at 18:43

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs

Leben retten, unterschreiben lassen, Betreuung und der ganze Rest

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Anna 8er Tubus hat letztens von ihrem Frust mit einer semi-dementen Dame erzählt, die unter Betreuung steht. Das heißt, nicht die Dame war das Problem, sondern die Betreuung.
Und so eine Betreuung, die ist in der Tat oft ein Problem. In der Notaufnahme hat diese Sache den einen oder anderen von uns schon mehr als einmal zur Weißglut gebracht…
Warum? Was ist denn überhaupt eine Betreuung?
Eine Betreuung ist – narürlich völlig unkorrekt verkürzt – das, was man früher einmal „Entmündigung“ nannte. Will heißen: Eine Person ist nicht mehr in der Lage, ihre Geschäfte selbst zu regeln und bekommt aus diesem Grunde einen „Betreuer“ zugeteilt. Dabei kann dieser Betreuer entweder ein naher Familienangehöriger sein oder auch eine Amtsperson.
Kurz und gut: Omi ist mit den Jahren ein wenig tüdelig geworden und Enkel Alfred hilft ihr von jetzt an ein wenig mit dem Papierkram. Genauer gesagt: von jetzt an ist Omis Unterschrift nicht mehr das Papier wert, auf dem sie steht und ihr Wort zählt auch nichts mehr. Wenn man etwas mit Omi anstellen möchte, dann muss man das nicht mehr mit Omi, sondern mit Enkel Alfred besprechen.
Wo ist das Problem?
Ohne Enkel Alfreds Unterschrift läuft bei Omi gar nichts mehr. Und was passiert, wenn Enkel Alfred nicht erreichbar ist?
Das erzähle ich Euch morgen!

Written by medizynicus

14. April 2011 at 05:26

Magenbitter

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„Einen wunderschönen guten Morgen, Herr…“ – kurzer Blick auf den Namensaufkleber – „…Herr…“
Ist ja auch egal, wie er heißt. Die Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen. Kein Wunder, es ist halb vier in der Nacht und ich bin vor gefühlten dreißig Sekunden aus dem Bett geworfen worden und funktioniere um diese Zeit gewöhnlich wie auf Autopilot.
„Akutes Abdomen“ hatte es geheißen, aber so akut sieht dieser Patient gar nicht aus. Stattdessen sind seine Augen mindestens so glasig wie meine, aber im Gegensatz zu mir müffelt er nicht nach Schweiß und Desinfektionsmittel sondern vor allem nach Zeh-zwei-Hah-fünf-Oh-Hah. Damit hätten wir schonmal eine klare Diagnose. Aber merke: Auch Schnapsleichen können nebenbei noch richtig krank sein, und deshalb werde ich jetzt eine gründliche Anamnese erheben und den Patienten nach allen Regeln der medizinischen Kunst… ach, scheiß drauf!
„Also, was ist los?“ frage ich.
„Mmmeine Tabletten!“
„Was für Tabletten?“
„Mmmagentabletten!“
„Was ist mit denen?“
„Die… b… brauch ich jetzt!“
„Wozu?“
„Weil ich Magenschmerzen hab, verdammtnochmal!“
„Magenschmerzen?“
„Immer… immer wenn ich was trink, kriech ich Magenschmerzen.“
Klingt logisch.
„Irgendwann mal was ernstes gehabt? Magengeschwür? Blut erbrochen? Oder Kaffeesatz? Teerstuhl?“
Er schaut mich an wie ein Auto.
„Was fürn Kaffee? Ich will kein Kaffee, ich will meine Tabletten!“
Okay, ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Aber um diese Zeit… Autopilot halt. Ich streife mir einen Gummihandschuh über.
„So, jetzt legen Sie sich mal hin, damit ich Sie untersuchen kann…“
Stattdessen steht er von seinem Stuh auf und tritt einen Schritt zurück.
„Ich… will bloß meine Magentabletten!“
Also gut, jetzt nochmal von vorn: Was ist hier los?
„Ich hab was getrunken!“ sagt er, „Dann hab ich Magenweh gekriegt. Nich schlimm, hab ich öfters. Wollte nie Tablette nehmen, aber hab keine mehr. Also ruf ich ’n Doktor an. Aber der wollte nich rauskommen…“
Und deswegen bist Du also ins Krankenhaus gekommen! Aber hoffentlich doch nicht etwa per Krankenwagen?

Written by medizynicus

13. April 2011 at 05:00

Medizin, Demokratie, und Bauingenieure

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„…und damit komme ich zum Schluss meines Vortrages, sehr verehrte Damen und Herren,“ Dr. Wuschelmann blickt in die Runde und nippt an seinem Wasserglas. „…Vielfalt statt Monotonie, das ist mein Credo. Ich habe Ihnen jetzt ausführlich erläutert, warum ich von alternativen Heilmethoden überzeugt bin. Nirgendwo gibt es eine alleinseligmachende Wahrheit. Daher möche ich Sie bitten, Ihre Scheuklappen abzulegen und der Naturheilkunde und Alternativmedizin gegenüber offener zu sein!“
Er lächelt in die Runde.
„Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!“
Das Publikum applaudiert. Wir befinden uns auf einer Fortbildungsveranstaltung, zu der das Ärzenetz Bad Dingenskirchen eingeladen hat. Ein Pharmareferent spendiert Schnittchen und Getränke. Auf den Stühlen sitzen überwiegend leicht angegraute Hausärzte. Die paar Kollegen aus dem Krankenhaus haben sich ganz hinten versteckt, nur Oberarzt Heimbach sitzt in der ersten Reihe.
Der Pharmareferent dankt dem Vortragenden und schaut in die Runde.
„Gibt es noch Fragen?“
Heimbach meldet sich.
„Herr Kollege, darf ich Sie zu einem Gedankenspiel einladen?“
Dr. Wuschelmann runzelt die Stirn.
„Stellen Sie sich vor,“ fährt Heimbach fort, „Sie wollen eine Brücke bauen. Eine große lange Autobahnbrücke über ein tiefes Tal. Sie haben da ein paar Bauingenieure engagiert. Einer davon ist so ein Ingenieur, wie er im Buche steht: Nickelbrille, kariertes Hemd, Cordhose, Bleistift hinterm Ohr und Laptop unterm Arm. Der hat Ihnen einen Plan gemacht und alles schön berechnet. Einverstanden?“
Dr. Wuschelmann nickt.
„…und jetzt geht die Tür auf und noch ein paar andere Ingenieure kommen rein. Einer davon trägt eine schwarze Soutane und ein Kreuz um den Hals.“
Ein paar Anwesende lachen.
„…der Herr Pfarrer spricht ein paar Gebete und zeichnet einen zweiten Plan. Und dann geht die Tür erneut auf und ein buddhistischer Mönch kommt herein…“
Vielstimminges Raunen im Saal.
„…und nach dem buddhistischen Mönch kommt ein indianischer Schamane. Dann ein Imam, ein Rabbi und schließlich ein Voodoo-Priester. Und so weiter und so weiter. Und jeder von denen zeichnet einen Plan für die Brücke. Und jetzt frage ich Sie, Herr Kollege, welchen Plänen würden Sie wohl vertrauen?“
Dr. Wuschelmann bleibt still.
„Was würden Sie wohl um die Meinung der Schamanen und Voodoo-Priester geben?“
Dr. Wuschelmann kratzt sich am Kopf.
„Sie könnten mir vielleicht sagen, ob die Autobahnbrücke überhaupt notwendig ist!“ sagt er leise.

Written by medizynicus

12. April 2011 at 05:29

Wieder ein Neues Gesicht…

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Wie an jedem Morgen stehen wir um viertel vor acht in der Notaufnahme und warten auf den Chef. Der kommt wie üblich mit exakt einer Minute Verspätung mit Oberarzt Heimbach im Schlepptau hereingeschneit. Und wer ist diese weibliche Gestalt hinter den beiden, die wacker versucht, Schritt zu halten?
Lange schwarze Haare, schicker Mantel, modische Stiefel. Für eine Patientin ist sie zu jung und zu behende… außerdem lächelt sie etwas unsicher und bleibt einen halben Schritt hinter dem Chef stehen.
„Liebe Kollegen, darf ich Ihnen Frau Weizenberg vorstellen? Sie wird unser Team in den nächsten drei Wochen als…“ er hüstelt, „…als Honorarärztin verstärken!“
Mir fällt die Kinnlade herunter. Die Frau ist doch maximal Anfang Dreißig!
Sind Honorarärzte nicht in der Regel honorige ältere Herren, die entweder frustriert von ihrer den Bach heruntergegangenen Praxis erzählen oder damit angeben, was für dicke Autos sie sich von ihren Honorararzthonoraren leisten können?
Ehrensache, dass ich mich freiwillig dazu melde, der jungen Kollegin das Haus zu zeigen! Natürlich beginnt die Führung in der Stationsküche bei uns auf der Zwo.
„Also, hier steht die Kaffeemaschine…“ sage ich und nehme zwei Tassen aus dem Schrank.
„Nein danke, nicht für mich!“
„Oh, Du trinkst keinen Kaffee? Magst Du lieber einen Tee? Oder ein Wasser?“
„Zeig mir lieber, wie ich in das Computersystem reinkomme! Wie meldet man sich an? Wo muss man das Passwort beantragen?“
Sie steht auf.
Seufzend folge ich ihr ins Arztzimmer.

Written by medizynicus

11. April 2011 at 05:29

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn