Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for Mai 2011

Kristallaurahokuspokustherapie ohne Grenzen

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Hinter-Spelunkistan gehört bekanntlich zu den ärmsten Gegenden der Welt. Dort im Busch gibt es oft weder sauberes Wasser noch Strom, dafür unzählige Krankheiten. Die Menschen sind ratlos, Ärzte und teure Medikamente können sie sich nicht leisten.
Die internationale Gesellschaft für klassische Kristallaurahokuspokustherapie hat daher ein weltweit einmaliges Hilfsprojekt gestartet und eine Gruppe von Kristallaurahokuspokustherapeuten in das Krisengebiet entsandt. Was in Europa funktioniert, kann schließlich auch in Spelunkistan nicht schlecht sein.
„Wir sind absolut überrascht, wie gut die Kristallaurahokuspokustherapie hier hilft,“ sagt eine Therapeutin, „denn die Leute sind noch sehr rein, sie leben Einklang mit der Natur und sind daher sehr sensibel vom Organismus her.“
Ganze Dorfgemeinden schwören auf Naturheilkunde und Kristallaurahokuspokustherapie. Denn die, sagen sie, helfen gegen Krankheiten aller Art.
Keine chemischen Keulen, keine Nebenwirkungen, dafür ein ganzheitlicher Ansatz. Mittlerweile haben die Kristallaurahokuspokustherapeuten auch den Gesundheitsminister von Spelunkistan überzeugt. Nebenbei bilden sie Krankenschwestern und -pfleger in klassischer Kristallaurahokuspokustherapie aus.

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Written by medizynicus

31. Mai 2011 at 23:28

Warten auf die Therapie

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„Ach, Herr Doktor…“ stöhnt Frau Gerber und schaut aus dem Fenster.
Ich bemühe mich, so fröhlich wie möglich zu klingen, so gut das halt geht am Montagmorgen.
„Ja, was ist denn heute los mit Ihnen?“
„…is halt so langweilig…“
„Ja?“
„…passiert ja nix hier im Krankenhaus… Tag für Tag dasselbe…“
„Hmmm.“
„…und im Fernsehen auch immer nur derselbe Mist…“
„Da hamse Recht!“
„…irgendwann will man das auch nicht mehr sehn…“
„Ja, dann besorgen Sie sich doch mal ein gutes Buch! Was halten Sie davon?“
„…meine Nichte hat mir da gestern eins mitgebracht…“
„Ein Buch? Oh, das ist ja toll!“
„…gar nicht toll. Langweilig…“
„Was is’n das?“
„Ja, son Arztroman halt…“
„Ist doch super!“
„Nee, langweilig…“
„Warum?“
„Is doch immer dasselbe… am Ende kriegense sich und sonst ist nix passiert…“
„Was lesense denn sonst so?“
„Ja, Krimis und so.. oder spannende Bücher halt…“
„Jaaaaa…“
„Was grinsen Sie denn so, Herr Doktor?“
„Ich glaub, ich hätte da was für Sie!“
„Echt?“
„Ja, dauert aber noch’n bisschen…“
„Wie meinen Sie das?“
„Son Buch halt. Ist aber noch nicht ganz fertig…“
„Was jetzt?“
„Kommt demnächst. Übernächste Woche oder so. Tolles Buch, sag ich Ihnen! Ganz was Besonderes!“
„Und was steht da drin?“
„Verrate ich nicht. Müssense schon selber lesen. Und noch ein ganz kleines bisschen Geduld!“

Written by medizynicus

30. Mai 2011 at 16:23

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

SpOn entdeckt die (Alpha-) Blogger

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Aha, jetzt wissen wir also, wie es geht, wie man zum Alpha-Blogger wird.
Wobei mir immer noch nicht so ganz klar ist, worin sich nun ein Alpha- vom Beta-Blogger unterscheidet, jetzt mal rein inhaltlich gesehen… okay, in der Frequenz der Beiträge natürlich… und Qualität?
Natürlich findet man unter den sogenannen Alpha-Bloggern den einen oder anderen gestandenen Journalisten…

Written by medizynicus

30. Mai 2011 at 07:19

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs

EHEC tut weh

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Geisterstunde.
Kopfschmerzen.
Glucosemangel.
Schlurfen über Klinikflure.
Mitternachtspatrouille.
Schlapschlapschlapp. Wusch, automatische Schwingtür auf, schlapschlappschlapp, wusch, Tür wieder zu.
Gibtsirgendwasbesonderes hier auf Station?
Demonstrativ gelangweilte Stimme.
Nee, alles in Ordnung.
Demonstratives Gähnen.
Okay, dann zieh ich mich mal zurück.
Schlappschlappschlapp.
Düddelüdüt.
Ja?
Zugang!
Wasn?
Schon wieder einer!
Aha?
Durchfall nach Gurken. Kein Blut, kein Fieber, aber wurde nicht besser. Auch heute Abend nicht. Hausarzt wollte auf Nummer sicher gehen.
Istschonokay.
Acht Stunden noch.

Written by medizynicus

29. Mai 2011 at 00:09

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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Lokalisierungshypothesen zu… Bad Dingenskirchen

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Lieber Medizynicus, ich bin mir sicher, wir kennen uns. Dein Artikel zu ******* hat Dich verraten. Ich sage nur: Stichwort *******. Na, klingelt’s jetzt bei Dir? Melde Dich mal!!! Liebe Grüße, Deine XYZ

Liebe XYZ,
leider muss ich Dich enttäuschen.
Du bist weder meine Inspirationsquelle zu Jenny, Sarah, Anna, Gaby oder Gerdi und schon gar nicht Schwester Paula. Und ich glaube Dir gerne, dass es an Deinem Arbeitsplatz einen Oberarzt gibt, der genauso unsympathisch ist wie unser guter alter Dr. Biestig, aber Dr. Biestig hat einen Vorteil: es gibt ihn nämlich nicht. Zum Glück. Sonst wäre ich wahrscheinlich längst ausgerastet.
Tja, und logischwerweise gibt es auch leider keine Jenny, keine Sarah, keine Anna, keine Gaby und auch keine Gerdi (ach, da fällt mir ja ein, dass Gerdi und Sonja nur im Buch vorkommen und nicht im Blog) und noch nicht einmal eine Schwester Paula.
Und was Bad Dingenskirchen angeht… da sind ja so einige Lokalisierungshypothesen im Umlauf, aber ich sage Euch, Atlantis ist wahrscheinlich einfacher zu finden (Wobei mir übrigens die Geschichte mit dem Mond am besten gefällt) als Bad Dingenskirchen.
Bad Dingenskirchen gibt’s nämlich nicht. Und so ziemlich alles hier in diesem Blog ist erstunken und erlogen.
Nur mich, mich gibt es wirklich.

Written by medizynicus

26. Mai 2011 at 21:37

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs

Zustand nach Dienst… kein Balthasar heute…

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Morgens um acht ist die Welt wieder in Ordnung.
Mit gekonnter Routine habe ich die Namen der neu aufgenommenen Patienten der vergangenden Nacht heruntergerattert und bin nur einmal kurz ins Stocken geraten.
„Stroop Balthasar? – äh… gegen ärztlichen Rat wieder gegangen!“
Oberarzt Heimbach nickt wortlos.
Dann rauf auf Station, noch ein wenig aufräumen. Eigentlich wird erwartet, dass man nach dem Dienst noch eine komplette Visite macht und wenn man Sarah heißt, dann tut man nicht nur das, sondern schreibt anschließend noch siebenundzwanzig Entlassbriefe und führt achtzehn Sonographien und fünf Belastungs-EKG’s durch. Wenn man Benno heißt…. dann hat man seine Sachen etwas besser organisiert und bewegt sich um halb elf am Pförtner vorbei in Richtung Ausgang.
Die Vormittagshitze schlägt mir entgegen. Warum habe ich Idiot eigentlich eine Jacke an? Schnell ausgezogen und in den Rucksack gesteckt. Stattdessen die Sonnenbrille aufgesetzt. Vierundzwanzig Stunden lang habe ich nur funzeliges Neonlicht gesehen. Und nein, ich bin nicht müde, sondern hellwach… hyper-wach, wenn man das so sagen darf, man fühlt sich als ob man neben sich steht wie ein Statist in einem Film, in dem man eigentlich gar nicht mitspielt…
Jetzt ins Bett gehen? Schlafen?
Nicht an diesem strahlendblauen Frühlingsmorgen!
Langsam gehe ich dirch die Straßen. Um diese Zeit ist slbst Bad Dingenskirchen wunderschön… Ich erreiche den Marktplatz und nehme an einem der Tische draußen vor Gepettos Cafe Platz.
Gepetto weiß genau, was ich jetzt brauche.
„Wie immer?“ fragt er und ich nicke wortlos.
Rücke meine Sonnenbrille zurecht. Schiebe den Schirm meiner Mütze tief ins Gesicht.
Und dann steht ein duftender dreifacher Espresso vor mir.
Ob Balthasar sich noch hier irgendo herumtreibt? Aber ich wollte ja nicht mehr an ihn denken. Nee, heute nicht.

Written by medizynicus

25. Mai 2011 at 07:24

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Balthasar und die Grünen Männchen

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„Ja, wo isser den jetzt?“ fragt Jenny.
Nach der polizeilichen Blutentnahme habe ich mich erstmal auf einen Becher Kaffeeplörre in die Küche verzogen. Natürlich weiß ich, dass Balthasar nebenan auf mich wartet, aber wer sich nicht zu schade ist, die Ressourcen des Gesundheitswesens derarzt schamlos ausnunutzen, der muss auch warten können.
„In der Kabine ist er nicht!“ sagt Jenny.
„Keine Ahnung, wo der steckt!“
Und das ist mir auch ziemlich egal, ehrlich gesagt.
„Vielleicht am Klo?“
Jenny nimmt sich ebenfalls einen Kaffee. Die Nacht war ziemlich stressig gewesen.
„Wie lange hast Du noch?“
Ich schaue auf die Uhr.
„Zwei Stunden.“
„Wir haben schon in einer Stunde Übergabe!“
„Ihr Glücklichen!“
Ich nehme mir eine herumliegende Frauenzeitschrift.
„Sag mir Bescheid, wenn Balthasar wieder aufkreuzt!“
Oder auch nicht. Soll der doch bleiben, wo der Pfeffer wächst.
Jenny trinkt ihren Kaffee aus und geht wieder nach nebenan, eine Weile lang höre ich sie dort mit irgendwelchen Geräten hantieren, offenbar räumt sie auf. Ich blättere gähnend in der Frauenzeitschrift.
Dann kommt Jenny grinsend zurück und legt mir wortlos ein Stück Papier auf den Tisch.
„Lieber Benno,“ steht darauf, „War nett, Dich wiederzusehen. Brauche Luftveränderung. Viele Grüße, Balthasar“
„Das heißt, er ist entgültig weg?“ frage ich.
„Scheint so,“ sagt Jenny, „dabei hatte er doch einen akuten Bandscheibenvorfall…“
Ich denke nach muss ebenfalls grinsen.
„Vergiss die Bandscheibe! Was er hat, ist offenbar eine Allergie gegen Grüne Männchen!“
Wahrscheinlich hängt auch sein Bedürfnis nach Luftveränderung aus der großen Stadt irgendwie damit zusammen, denke ich. Würde mich ja wirklich interessieren, was er diesmal ausgefressen hat.
Aber ich kann noch nicht wissen, dass es nicht lange dauern wird, bis ich ihn wiedersehen werde…

Written by medizynicus

24. Mai 2011 at 07:27

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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