Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Multitasking (Teil 2)

with 11 comments

„Nein, es geht jetzt leider nicht!“
Im Laufschritt hechte ich zur Tür, das Handy zwischen Schulter und Ohr eingekemmt.
„Nein, wirklich nicht, bitte, bitte…“
Ich öffne die Tür, schließe sie wieder hinter mir.
„Kreiskrankenhaus Bad Dingenskirchen, Station Zwo, Guten Morgen, Sie sprechen mit einem der Stationsärzte, mein Name ist…“
Mit der linken Hand lange ich hinter mich, mit der Rechten löse ich meinen Gürtel und lasse die Hose auf den Boden fallen.
„…Ja, Frau Hiebelmann-Rippelstein, guten Morgen, ich grüße Sie…“
Plätscher, plätscher, plumps.
„…ja, ich weiß, Sie wollen immer darüber informiert sein, was den gesundheitlichen Zustand Ihres Mannes angeht….“
Mit der linken Hand lange ich zur Klopapierrolle.
„….und ich weiß auch, dass Sie leider nicht selbst vorbei kommen können, weil Sie es am Rücken haben…“
Papier abreißen, Arsch abwischen, nochmal abreißen.
„…richtig, wir haben gestern telefoniert und auch vorgestern….“
Nochmal wischen. Papier immer noch braun.
„…und Ihrem Mann geht es heute exakt genau so wie gestern, verstehen Sie?“
Papier jetzt nicht mehr braun. Spülung drücken.
„…und selbstverständlich kriegt er immer noch die Aufbauinfusionen. Richtig.“
Hose hochziehen. Kittel vom Haken nehmen.
„So, vielen Dank Frau Hiebelmann-Rippelstein, aber ich muss jetzt leider dringend…“
Auflegen. Zum Händewaschen brauche ich nun einmal beide Hände.

Advertisements

Written by medizynicus

6. Mai 2011 um 07:44

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Tagged with , ,

11 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Für solche Zwecke gibt es eine Arsch-Wasch und Trockenmaschine!

    Gibt es sicher auch bei euch im Dingerskirchner KH.

    REALM

    6. Mai 2011 at 08:25

  2. Auf dem Pott 🙂 😀

    Man(n) muss auch mal seine Ruhe haben!!!

    rettungsdienstblog

    6. Mai 2011 at 08:53

  3. Ein wirklich beschissenes Gespräch. 😉

    Der Maskierte

    6. Mai 2011 at 09:24

  4. Telefon wird nicht mit aufs Klo genommen! Und wenn´s vergessen wird abzulegen dann wird nicht drangegangen! Basta! Heisst net umsonst das „stille Örtchen“! 😀

    Schwester A.

    6. Mai 2011 at 10:59

  5. Sehe das wie Schwester A. Sowas ist doch unhöfilich, für beide Beteiligten!

    docadenz

    6. Mai 2011 at 11:23

  6. Hygenisch höchst bedenklich.

    Dann wäscht du dir zwar die Hände aber desinfizierst sicher nicht das Telefon.

    Nachher klingelts wieder während du grad ne Viggo legst und schon legst dem Patienten praktisch nen Zugang während du einen Abseilst.

    Dann bekommt der nächste das Telefon in die Hand gedrückt. Fasst dann die Tastatur des Stationscomputers an. Dann kommt die nächste Schwester, schaut was im PC nach und geht zum Patienten der grade Bestrahlt wurde um seine Knochenmarkspende zu bekommen…

    Genau desshalb ist die Infektionssituation die deutschen Kliniken so wie sie ist…

    Da Thema hatten wir doch erst vor kurzem hier im Blog.

    stachel

    6. Mai 2011 at 15:07

  7. Sorry für die vielen, vielen Rechtschreibfehler musste grad nebenbei einem nicht mehr ganz so jungen Familienmitglied gmail auf ihrem neuen Linuxnotebook erklären 😉

    stachel

    6. Mai 2011 at 15:18

  8. Too much information …

    Bisschen weniger Omnipräsenz. Der telefonfreie Toilettengang dürfte bereits zu den gewerkschaftlich erstrittenen Grundrechten im Berufsleben gehören.

    transition

    6. Mai 2011 at 19:29

  9. Sag jetzt bitte sofort, dass das nicht wahr ist!?!

    anima

    6. Mai 2011 at 21:50

  10. Es ist wohl eine Erziehungsfrage- manche Menschen zeigen einen Zwang, auf klingelnde Telefone reagieren zu müssen, der einem intensiven Harndrang gleichkommt. Und wenn beides gleichzeitig zusammenkommt…

    „Nein, es geht jetzt nicht“ heisst „Nein“. Fertig.
    Und wenn da am Telefon Widerworte kommen, gibts nur eine Antwort: „Ich sagte nein, es bleibt dabei“ und auflegen.

    Ja, ich weiss: Man muss das „nein“-Sagen lernen. Manche lernen das als Kind. Andere, bei denen als Kind das Wort „nein“ nie zählte, müssen es später lernen oder werden, wenn sie es nicht können, immer wieder überfahren so wie der geplagte Arzt, der hier versucht, zwei dringenden Notwendigkeiten gleichzeitig zu gehorchen.

    opatios

    7. Mai 2011 at 17:52

  11. Äääääh, bei uns in der Physiomädels-Runde kommen zwar auch recht schnell immer Themen wie Pi*** Kot** Ka*** auf den Tisch, aber wie transition es schon sagte…too much information. Und an die mutmaßlichen Hinterlassenschaften auf dem Telefon musste ich auch gerade denken.
    Ich telefonier‘ hÖchstens beim Pillern hÖchstens mit meiner Schwester…

    lola

    10. Mai 2011 at 21:48


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: