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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Kristallaurahokuspokustherapie ohne Grenzen

with 17 comments

Hinter-Spelunkistan gehört bekanntlich zu den ärmsten Gegenden der Welt. Dort im Busch gibt es oft weder sauberes Wasser noch Strom, dafür unzählige Krankheiten. Die Menschen sind ratlos, Ärzte und teure Medikamente können sie sich nicht leisten.
Die internationale Gesellschaft für klassische Kristallaurahokuspokustherapie hat daher ein weltweit einmaliges Hilfsprojekt gestartet und eine Gruppe von Kristallaurahokuspokustherapeuten in das Krisengebiet entsandt. Was in Europa funktioniert, kann schließlich auch in Spelunkistan nicht schlecht sein.
„Wir sind absolut überrascht, wie gut die Kristallaurahokuspokustherapie hier hilft,“ sagt eine Therapeutin, „denn die Leute sind noch sehr rein, sie leben Einklang mit der Natur und sind daher sehr sensibel vom Organismus her.“
Ganze Dorfgemeinden schwören auf Naturheilkunde und Kristallaurahokuspokustherapie. Denn die, sagen sie, helfen gegen Krankheiten aller Art.
Keine chemischen Keulen, keine Nebenwirkungen, dafür ein ganzheitlicher Ansatz. Mittlerweile haben die Kristallaurahokuspokustherapeuten auch den Gesundheitsminister von Spelunkistan überzeugt. Nebenbei bilden sie Krankenschwestern und -pfleger in klassischer Kristallaurahokuspokustherapie aus.

Written by medizynicus

31. Mai 2011 um 23:28

17 Antworten

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  1. Wäre lustig, wenn ich das nicht genauso schon woanders gelesen hätte… aber irgendwas hast du verändert 😉

    Murifex

    1. Juni 2011 at 00:15

  2. Oy, hast das ja sogar verlinkt, zuerst garnicht gesehn, sorry. Das schlimme daran ist die „ausgewogene“ Berichterstattung -_-

    Murifex

    1. Juni 2011 at 00:17

  3. Dachte erst, das gehört in die Kategorie „Satire“. Habe mich geirrt. Es gibt nix, was es nicht gibt.

    Noga

    1. Juni 2011 at 00:32

  4. Die typisch arrogante Selbstbeweihräucherung, die Homöopathen oft und gern aufbieten.

    Die Schulmedizin ist inhuman und schlecht, sie unterdrückt nur Symptome oder wirkt sogar schädlich. Auf der anderen Seite die seit 200 Jahren in Vollendung existierende Homöopathie, die eine Heilung von vornherein garantiert und selbstverständlich den *ganzen Menschen* betrachtet.

    Es ist so lächerlich, dass man schon wieder fast weinen möchte.

    Glauben die Homöopathen wirklich, dass eine gigantisch große Anzahl an Ärzten wider besseres Wissen auf eine Therapieform verzichten würde?
    Die Homöopathie wird nicht deswegen weitgehend ignoriert, weil es eine Verschwörung der Ärzte gibt… sie wird ignoriert, weil sie nachweislicher Unfug ist und einer wissenschaftlichen Überprüfung selbst auf niedrigstem Niveau nicht standhalten könnte.

    Dagegen sondert gerade die so häufig verteufelte Schulmedizin regelmäßig altehrwürdige Therapieverfahren aus, wenn man feststellt, dass hier offensichtlich aufs falsche Pferd gesetzt wurde – oder eine neue Therapieform sich als besser wirksam erwiesen hat.
    Niemand kann in der wissenschaftlichen Medizin einfach eine Behauptung als allgemeingültiges Gesetz hinstellen (was Hahnemann nonchalant getan hat, sein „Simile similibus curentur“ hat er immerhin locker-lässig zum Naturgesetz (sic!) erklärt und somit elegant gegen jede Kritik immunisiert).
    Es reicht in der seriösen Medizin nicht aus, zu sagen „Ich glaube, dass XY besser ist als YZ“… man muss diese Behauptung zumindest mit sehr guten Daten untermauern.

    Die Homöopathie hat sich ganz bewusst immunisiert gegen Fehler, sie ist absolutistisch, unzugänglich für Kritik (unabhängig davon, ob diese Kritik von innen oder außen kommen sollte, sie ist schlicht nicht möglich. Schließlich hat Hahnemann ja nicht eine Theorie aufgestellt, nein, das wäre ja nicht genug… ein NATURGESETZ musste her), wissenschaftsfeindlich (bloß „unwissenschaftlich“ zu sagen wäre nicht genug) und bis ins Mark durchwuchert von eben jenem religiös verbrämten Dogmatismus, den ihre ahnungslosen und inkompetenten Jünger gerne der Schulmedizin vorwerfen.

    Sie trägt alle, aber auch wirklich ausnahmslos alle Merkmale einer Pseudowissenschaft und bisher hat keine vernünftig entworfene Studie auch nur Anhaltspunkte dafür liefern können, dass die Homöopathie mehr wäre als modernes Hexenwerk und geschickt inszenierter Placeboeffekt.

    jk

    1. Juni 2011 at 01:17

  5. Wenn die hier machen was sie wollen: von mir aus, man hat ja die Wahl so wird eben etwas die natürliche Selektion gefördert. Aber bei Menschen die keine andere Wahl haben, wahrscheinlich keine Möglichkeiten sich eine eigene Meinung zu bilden und denen oft schon mit wenig (also ist der Schmarrn hier auch nicht billiger) „Schulmedizin“ richtig geholfen wäre…
    Und dass dann Menschen glauben Zucker heile Malaria und die sei nicht mehr gefährlich! Sind sich diese Verbrecher bewusst wie viele Menschen sie so umbringen können?!
    Gegen irgendein Gesetz muss das doch verstoßen, wenn ein Arzt eine vollkommen hahnebüchene Aufklärung macht und etwas schief geht ist das doch auch nicht legal….

    achtelgott

    1. Juni 2011 at 07:34

  6. oO
    Oh man ich dachte es wäre eine Satire oder 1 April … .

    aga80

    1. Juni 2011 at 08:20

  7. Schulmediziner müssen ja so reagieren. Alles andere im Hinblick auf Schulmedizin im Sinne von „Heilmethoden“ ist bekanntlich unliebsame Konkurrenz.

    Und dabei hat die Schulmedizin nur die Möglichkeit, sich auf entsprechende „Studien“ zu berufen.

    Genau diese Studien aber geben immer wieder Anlass zu berechtigtem Zweifel. Stichwort: Gekaufte Wissenschaft.

    Abhängigkeiten schaffen, darum, und nur darum geht es.

    Es ist doch völlig unbestritten, dass es ohne moderne Medizin nicht geht, keine Frage. Es stellt sich leider immer wieder die Frage, wie mit den Möglichkeiten einer modernen Medizin umgegangen wird.

    Leider wird sie nur allzuoft missbraucht. Bestechliche Mediziner/innen tragen nachweislich erheblich dazu bei.

    Placebos sollen ja auch das ein oder andere Mal gehplfen haben. Warum also nicht auch diese Kügelchen? :-))

    Welchen Schulmediziner interessieren denn tatsächliche Krankheitsursachen?

    Es könnte sehr viel positives bewirkt werden – könnte!

    Wer hat denn überhaupt ein Interesse an einer mehrheitlich gesunden Gesellschaft??

    DocConsult

    1. Juni 2011 at 08:26

  8. @DocConsult:
    Schwachsinn, pardon.

    Wenn die Homöopathie tatsächlich nachweislich wirksam wäre, hätte die Schulmedizin sie längst übernommen.

    Aber primitives, unqualifiziertes Ärztebashing ist halt immer lustiger.
    Es mag Sie schockieren, aber die weitaus meisten Ärzte haben in der Tat ein ausgeprägtes Interesse daran, ihre Patienten wieder gesund zu machen.

    Natürlich gibt es „Kollegen“, die bestechlich sind, die aufgrund von finanziellen Vorteilen Studien manipulieren… aber das zu verallgemeinern ist unangemessen, falsch und, pardon, realitätsfern und bösartig.

    Es gibt zur Zeit in der Augenheilkunde einen Disput

    jk

    1. Juni 2011 at 09:22

  9. [ zu schnelle Maus, sorry ]

    … um diverse Medikamente, von denen einige bisher off-label benutzt wurden (die relativ günstig sind) und andere, die laut Pharmaindustrie besser sein sollen (was sehr fraglich ist), aber auch immens teurer sind.

    Die Augenärzte würden gerne die alten, günstigen weiter nutzen. So viel also zum nur auf das Geld schielenden Mediziner.

    Ich hab den Artikel gerade nicht parat, sobald ich ihn wiedergefunden habe, schreibe ich auch die Namen dazu.

    Ärzte sind halt leider, leider nicht annähernd so zynisch und verantwortungslos wie Sie es sich gerne einreden wollen.

    Aber einfache Weltbilder machen halt das Leben übersichtlicher.

    jk

    1. Juni 2011 at 09:25

  10. Nuja, ich denke den Hokuspokus-Kram sollte man nicht generell als Unsinn abstempeln.
    Es gibt Fälle wo er definitiv nichts ausrichten kann (Gliedmaßen nachwachsen lassen oder massive Tumore wegbekommen (wie das vor ein paar Jahren bei einem kleinen Mädchen versucht wurde), aber teilweise hilft dieses Zeugs doch bei Alltagsleiden wie Husten, Schnupfen Heiserkeit. Das Problem ist in meinen Augen einfach das nicht alles bei jedem funktioniert (wie die Nebenwirkungen klassischer Medikamente, die bekommt ja auch nicht jeder).
    Die Kunst besteht in meinen Augen darin, nicht auf Biegen und Brechen an den Kugeln festzuhalten sondern rechtzeitig zu erkennen das man nicht weiterkommt und andere Geschütze aufgefahren werden müssen.

    Hightower

    1. Juni 2011 at 10:04

  11. @Docconsult: Ja ich muss so reagieren, wenn Verbrecher versuchen Menschen zu erklären, dass Zuckerkügelchen Malaria heilen. Glauben Sie, dass der Mann, der im Artikel zitiert wird, in Zukunft noch Moskitonetze für sich und seine Familie haben wird, oder dass er darauf verzichtet, weil Malaria ja kein Problem mehr ist?
    Und was glauben Sie wie viele Menschen in seinem Dorf müssen leiden und wahrscheinlich auch sterben, bevor er merkt, dass er betrogen wurde?
    Tut mir leid, Placeboeffekt hin oder her, alles schön und gut aber das ist Betrug, Betrug der Menschenleben kosten kann und wahrscheinlich wird. Was diese Homöopathen machen ist ihre Patienten belügen. Menschen, die meistens wenig Zugang zu kritischen Studien über das Thema haben. Das ist Betrug. Das ist Unrecht.

    achtelgott

    1. Juni 2011 at 10:25

  12. Das alte Streitthema „Homöopathie“:
    Ich finde es ja noch in Ordnung, wenn sich Leute hierzulande Globuli einwerfen, obwohl die Wissenschaft da keinen Effekt festgestellt hat.
    Aber wenn Heilpraktiker ins Ausland fahren und Globuli als Allheilmittel gegen Malaria anpreisen, wird die Nummer kritisch. Da sterben dann Menschen.

    Ich stehe der Gruppe der Heilpraktiker äußerst kritisch gegenüber (keine Ausbildung, nur Gesundheitsprüfung als Qualifikation).
    Aber um mal eine Lanze für die Jungs zu brechen: Ich glaube, dass selbst die Mehrheit der hierzulande tätigen Heilpraktiker der Meinung sind, dass man Malaria nicht mit Homöopathie heilen kann.

    Eine Frage gezielt an die Heilpraktiker gerichtet: Sehe ich das falsch und ist da ein Heilpraktiker anderer Meinung?
    Und falls nein: Warum hört man da von Eurer Seite aus keinen Aufschrei gegen solch eine Malaria-Behandlung von Euren Kollegen?

    Steven

    1. Juni 2011 at 14:00

  13. Mal ein anderer Denkansatz:
    Es gibt keinen Arzt im Dorf und es kommt auch keiner vorbei – die Malariakranken werden nicht behandelt und sterben auch daran.
    Ein Homöopath kommt ins Dorf und „behandelt“ die Malariakranken. Durch den Plazeboeffekt werden vielleicht x % geheilt. Das sind immerhin ein paar Überlebende mehr…

    Antje

    1. Juni 2011 at 20:09

  14. @Antje: Ja und für das gleiche Geld könnte man stattdessen Moskitonetze austeilen und den Menschen erklären, wie sie sich schützen und selber helfen können. So verdummt man sie nur und macht sie abhängiger. Der Placeboeffekt ist toll. Sicher damit kann man einige Sachen bessern aber dennoch fürchte ich, dass er nur bei einem extrem kleinen x der Patienten dazu in der Lage ist Parasiten aus deren Erythrozyten zu vertreiben. Mit Sicherheit bei weniger Menschen als Aufklärung und einfachste Maßnahmen schützen könnten.
    Außerdem finde ich es extrem zynisch zu behaupten es wäre ja nichts dabei die Leute schein zu behandeln nur weil zu „denen“ ja eh keine richtigen Ärzte kommen, dann macht’s ja auch nichts…. Darüber sollte nSie vielleicht mal nachdenken.

    achtelgott

    1. Juni 2011 at 20:20

  15. Irgendwelche Voodozauberer wirds auch in Afrikanischen Dörfern geben, ebenso wie Hausmittel. Der Anteil von „Placeboheilungen“, die es sowieso nicht gibt, bliebe also gleich, wenn es sie denn gäbe.

    docadenz

    1. Juni 2011 at 20:41

  16. @Steven: Ja, ich bin selbst auch Heilpraktikerin, aber damit nicht automatisch Homöopathin.
    Ich habe von Homöopathie ungefär soviel Ahnung wie von Quantenphysik und meine persönliche Meinung ist auch, dass sie hilft durch Placebo. Was ich bei einem harmlosen Schnupfen oder als Verwendung gegen Lampenfieber auch für völlig vertretbar halte.
    Aus meiner Sicht bedenklich ist einerseits der oben beschriebene Einsatz als Allheilmittel andererseits das Pochen auf Recht.
    Der ausbleibende Aufschrei ist für mich nur durch eines zu erklären: In unserer Berufsgruppe gibt es leider zu viele Rangeleien der Verbände und daran scheitert es auch, dass die Ausbildung zum HP endlich mal ein allgemein gültiges Curriculum erhält. Ich bezweifle dass heute nur durch die pure Teilnahme an der Überprüfung durch das Gesundheitsamt viele HPs ihre Prüfung schaffen, denn erfreulicherweise sind die fachlichen Anforderungen in den letzten Jahren gestiegen. Aus meiner Sicht – und nicht nur weil ich in dem Bereich auch unterrichte – sollte jeder HP-Anwärter eine 3jährige Ausbildung in Schulform genießen, so wie es einige Schulen ja bereits praktizieren (und das sind dann auch meist die HPs, die die Prüfung schaffen). Bei uns können aus medizinischen Berufen teilnehmende Schüler die Ausbildungszeit auf 2 Jhare verkürzen, viele Physiotherapeuten oder Gesundheitspfleger nehmen das in Anspruch. Zudem ist die Homöopathie nicht Bestandteil der Grundausbildung, dazu zählen klassische Naturheilverfahren: Phytotherapie, Balneotherapie, Ernährung, Bewegungstherapie und Ordnungstherapie.
    Und damit kann ich – und auch viele meiner gut ausgebildeten Kollegen – wunderbar ergänzend zur Schulmedizin behandeln.

    Die – wie auch immer geartete – Behandlung von Malaria mit nicht nachweislich wirksamen Mitteln ist daher in meinen Augen nicht nur Rufschädigung eines Berufsstandes sondern vor allem fahrlässige Körperverletzung.
    Und das macht mich gleich doppelt wütend.

    So, jetzt brauch ich aber echt mal eine Ladung energetisiertes Quellwasser. Äh, nur Weizenbier da. Auch gut. 😉

    HPMy

    1. Juni 2011 at 21:36

  17. jk bringt`s natürlich genau auf den Punkt. Mir fällt bei diesen Diskussionen allerdings immer auf, dass nach grundvernünftiger Argumentation mit absoluter Sicherheit ein emotionaler Gegenentwurf kommt, dem in der dürftigen Argumentation stets die naturwissenschaftliche Grundausbildung fehlt. Erkennen kann man nur was, wenn man was weiß.
    Die Heilpraktiker und Homöopathen verdrängen (oder wissen nicht) was Placebos sind. Wirkstofflose Zuckerkugeln. Der Unterschied ist ein emotional begründetes Hirngespinnst. Der Kaiser ist nackt! Aber es ist aussichtslos hier lange zu argumentieren. Die wütende Replique ist unvermeidbar….

    Kreativarzt

    1. Juni 2011 at 23:28


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