Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Strahlen machen männlich

with 7 comments

Wenn irgendwo ein Atomkraftwerk explodiert, was ja bekanntlich hin und wieder mal vorkommt, dann, ja dann spielen die Gene verrückt, also die Strahlen machen da was mit den Genen und so, kennt man ja, oder?
Ja, und vor allem kommen dann immer mehr
Jungs bei raus und viel weniger Mädchen. Haben echte Wissenschaftler herausgefunden.
Also, rein statistisch gesehen und relativ und so und im Vergleich, wie das halt so ist bei Wissenschaftlern, die drücken sich ja immer ein bißchen komisch aus…
Aber wer jetzt noch einmal was von Mißgeburten erzählt, Leute, der zahlt auf der Stelle zehn Euro in die Chauvi-Kasse!
(die gilt nämlich auch für männerfeindliches Verhalten, jawoll, ja ne?).

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Written by medizynicus

8. Juni 2011 um 00:58

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

7 Antworten

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  1. hmm …
    das erklärt dann vieleicht auch, wie die Atomlobby zu ihrem Nachwuchs kommt, nicht …

    die kleine Frau

    8. Juni 2011 at 08:50

  2. Tolles „Wir bauen Atomkraftwerke“-Argument für die Chinesen, könnte eine Menge Abtreibungen ersparen… /ironieoff

    Anne

    8. Juni 2011 at 09:31

  3. Bei solchen Publikationen sollte die erste Verdachtsdiagnose immer Cum hoc ergo propter hoc lauten.

    Im Prinzip möchte ich einen Zusammenhang von ionisierender Strahlung und reproduktionsbiologischen Effekten ja gar nicht ausschließen, aber drei Dinge sind mir schon beim ersten Überfliegen des Papers aufgefallen, die ich methodisch für äußerst fragwürdig halte:

    a) Die Autoren stellen in der Einleitung eine lange Liste von Chemikalien, Umwelteinflüssen usw. vor, bei denen andere Autoren einen Zusammenhang mit der Entwicklung der „Sex Odds“ nachgewiesen haben wollen. Diese schließen Pestizide, PCB-Verbindungen, Substanzen mit Hormonwirkung usw. ein. Bei Ihrer Diskussion gehen sie aber völlig über die Frage hinweg, ob es über die beobachteten langen Zeiträume hier ebenfalls Entwicklungen / Veränderungen gegeben hat.

    Vielleicht war es – völlig ins Blaue geschossen – ja auch das bleifreie Benzin, was seit den 1980ern immer häufiger verkauft wurde. Oder gar nicht die ionosierende Strahlung selbst, sondern die Ernährungsumstellung in der Folgezeit nach Tschernobyl – oder der Stress. (Vielleicht verschiebt ja auch die EHEC-Panik gerade die deutschen Sex Odds. Also Biostatistiker – ihr habt wieder was zu forschen!)

    b) Davon abgesehen unterstellen die Autoren, dass sich die Strahlenbelastung der Menschheit in den letzten Jahrzehnten durch Atombombentests und Radioaktivunfälle erhöht hat. Auch das müsste erst einmal bewiesen bzw. untersucht werden. Beispielsweise waren ja Uranfarben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts extrem populär und wurden für jede Menge Alltagsgegenstände verwendet, die teilweise bis heute in Benutzung sind. (Geschirr, Ziffernblätter von Uhren, Fliesen in Altbauten usw.) – ob sich also die jährliche Strahlendosis erhöht hat, muss für eine stichhaltige Publikation unbedingt erfasst werden. Auch die Strahlendosis durch ionisierende Strahlung beim Röntgen müsste hier erfasst und als Störquelle aus den Daten heraus gerechnet werden.

    c) Die in medizinischen Studien leider häufige Vorgehensweise: Wenn die Teststärke mau ist, dann erhöhen wir halt den Stichprobenumfang, um den Standardfehler zu verkleinern und dann die Signifikanz zu erreichen. Immerhin geben es die Autoren in Abschnitt 1.4 freimütig zu. Allerdings kann man damit so ziemlich jeden Schwachsinn signifikant werden lassen.

    Davon abgesehen sind die beiden Autoren ja anscheinend schon berüchtigt für einen nicht so hieb- und stichfesten Umgang mit Statistik.

    Bleibt als Feststellung: Viel heiße Luft um wenig überzeugende Daten.

    Eddi

    8. Juni 2011 at 12:07

  4. Sehr sinnvoll wofür wieder öffentliche Steuergelder ausgegeben werden.
    Bei einer Explosion eines Atomkraftwerks sollte also unsere erste Sorge sein wo wir Frauen für unsere Kinder her bekommen.
    Originell!

    querdenker

    8. Juni 2011 at 15:35

  5. aber warum das so ist, haben die nicht untersucht 😦
    ich fänd’s logischer, wenn’s mehr mädels gäbe.

    silberträumerin

    8. Juni 2011 at 18:13

  6. Ich habe auch schon einmal gehört, dass nach dem II. Weltkrieg mehr Jungen geboren wurden. Das war bestimmt eine ähnliche wissenschaftliche These.

    MSchnettel

    8. Juni 2011 at 23:13

  7. Sieht für mich nach einem alten Hut mit neuem Mascherl aus.

    Der Zusammenhang zwischen Krieg und Geschlechterverhältnis ist altbekannt.
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44449433.html

    Die Beziehung zwischen mütterlichem Stress und Scheidenmilieu ist auch untersucht.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11573838?dopt=Abstract

    Und das, je saurer die Scheidenflora ist, es um so wahrscheinlicher ist, ein Mädchen zu zeugen, steht mittlerweile in jedem zweiten „ich werde Mami“-Magazin.

    Kurz gesagt: sofern die Autoren nicht bei jeder Zeugung den ph-Wert in der Scheide gemessen haben, ist die Studie wertlos.

    aus Wien

    9. Juni 2011 at 07:50


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