Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Import-Export

with 5 comments

Balthasar kommt langsam vom Raucherbalkon her den Gang entlang geschlurft. Er wirkt nachdenklich.
“Na, wie laufen die Geschäfte?” frage ich und deute mit dem Kopf in Richtung der kettenrauchenden Chromsky-Sippschaft.
“Hmmm,” meint Bathasar.
“Ist der Zigarettendeal in trockenen Tüchern?” insistiere ich. Nicht, dass es mich wirklich interessieren würde.
“Es gibt ein neues Geschäftsmodell!” berichtet Balthasar.
“Aha? Import-Export, nehme ich an?”
“Das neue Konzept geht eher in Richtung Export…”
“Was wollt Ihr denn exportieren?”
Balthasar räuspert sich.
“Also, der Wanja und seine Cousins im Moldawien…”
Balthasar schaut sich vorsichtig um, “…die kennen da unten ein paar Jungs, die eine Menge Kohle haben. Junge Typen, die schnell reich geworden sind…”
Aha, wahrscheinlich nicht nur mit Zigarettendeals zum Beispiel, denke ich mir aber ich sage mal besser nichts.
“…und was wollen junge Typen mit Kohle?”
Ich zucke mit den Schultern.
“…die wollen natürlich Frauen aufreißen. Dazu müssen sie den großen Macker markieren. Und das geht am besten mit dicken Autos. So Karren mit nem Stern vorne drauf, oder mit weißblauen Rauten…”
Ich verstehe.
“Du willst also Autos exportieren!”
Balthasar schüttelt den Kopf.
“Nee, ich besorge die nur…”
“Du besorgst Autos?”
“Also, ich identifiziere sie halt… ich mache sie ausfindig… Du verstehst?”
Nicht ganz.
“Ich schau mich halt um… in den besseren Wohnvierteln… vor den teuren Hotels… am Golfplatz…”
Äh… sag mir, dass das nicht wahr ist, woran ich jetzt denke!
“Und dann?” frage ich.
“Dann kommt der Wanja ins Spiel und seine Cousins…”
“…und die klauen die Autos und schicken sie nach Moldawien!” vollende ich den Satz. Balthasar wird rot.
“Nein, nein,” sagt er schnell, “natürlich sag ich den Leuten, dass sie die Autos nicht einfach so klauen dürfen! Es geht nur darum, einen Kontakt zwischen Verkäufer und Käufer herzustellen, verstehst Du?”
Nicht unbedingt. Oder doch?
“Tu mir trotzdem einen Gefallen,” sage ich, “und verrate dem Wanja bitte nicht, wo ich mein Auto geparkt habe, ja?”
Balthasar grinst.
“Keine Angst, für Deine Karre interessieren die sich nicht!” sagt er und verschwindet schnell in seinem Zimmer.

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Written by medizynicus

11. Juni 2011 um 16:16

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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5 Antworten

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  1. wäre jetzt latürnich interessant, was für ein Auto (Marke, Modell, BJ) der werte Medicynicus denn fährt ;)

    Athropos

    11. Juni 2011 at 16:29

  2. …KfZ-Kennzeichen, Farbe, Einrichtung.

    Herr Wurst

    11. Juni 2011 at 18:37

  3. Na, Deine Karre haben sie also schon gecheckt …. und für unbrauchbar empfunden. Die Medizynikus-Fahrzeuge sind wohl auch nicht mehr das, was sie mal waren ;-)

    sweetkoffie

    12. Juni 2011 at 13:53

  4. gilt bei sowas eigentlich auch die schweigepflicht, oder dürfte der arzt sich an die grünen männchen wenden, wenn er von einer (geplanten) straftat erfährt?

    silberträumerin

    12. Juni 2011 at 14:01

  5. Wieder mal eine Story, bei der ich nicht einschätzen kann, wieviel daran Fiktion ist.
    Aber gut geschrieben. :)

    Hesting

    12. Juni 2011 at 17:58


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