Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

über die heilsame Wirkung von Kaffee

with 6 comments

Der junge Mann ist mit Notarzt gekommen und jetzt liegt er da in Kabine zwo und stöhnt und jammert. Akutes Abdomen heißt es, und das kann erstmal so ziemlich alles sein, entweder ein durchgebrochener Blinddarm mit dicker Bauchfellentzündung oder auch ein quersitzender Furz. Unsereins lässt sich davon jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen, wir spulen das gewohnte Programm ab. Und das heißt: Blut abnehmen, venösen Zugang legen, Infusion anhängen mit Schmerzmittel drin, Ultraschalluntersuchung und dann allmählich mal die Chirurgen anfunken.
Und während wir auf den Meister der messerschwingenden Zunft warten, könnte man die Zeit nutzen um ein paar kluge Sätze in die Krankenakte zu schreiben.
„Gibt’s irgendwelche Vorerkrankungen?“ frage ich den Patienten.
Der schüttelt den Kopf.
„Nee, eigentlich nicht, aber…“
„Aber was?“
„Aber… äh… ich war heute noch nicht…“
„Sie waren heute noch nicht… was?“
„Na, aufm… Klo…“
Aha?
„Wann waren Sie denn zuletzt?“
„Gestern. Ich gehe jeden Morgen.“
Hmmm.
„Sie gehen jeden Morgen?“
Der Patient schielt auf meine Kaffeetasse.
„Krieg ich auch einen?“ fragt er.
„Das geht aber nicht!“ sagt Jenny.
„Warum nicht?“
„Weil Sie nüchtern bleiben sollen… für den Fall, dass Sie operiert werden müssen…“
„Ich hatte aber heute noch keinen!“
„Keinen… was?“
„Na, keinen Kaffee! Ohne meinen Kaffee kann ich nicht…“
Kein Wunder, dass es ihm schlecht geht!
„Er kann einen haben!“ sage ich zu Jenny.
„Aber die Chirurgen…“
Oberarzt Biestig ist der größte Choleriker unter der Sonne. Der wird so oder so etwas auszusetzen haben und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Anlass für einen Tobsuchtsanfall finden. Und wer weiß, wie lange es noch dauert, bis er auftaucht. Und warum sollte ich diesen jungen Mann bis dahin ohne Koffein im Blut darben zu lassen? Ich bin doch schließlich kein Kerkermeister!
„Ist schon okay. Gib ihm einen Kaffee! Das nehme ich auf meine Kappe!“
Der Patient strahlt. Und eine Viertelstunde später strahlt er immer noch.
„Es hat geklappt, Herr Doktor!“
„Was hat geklappt?“
Er druckst ein wenig herum
„Na… es… äh… Sie wissen schon… hat geklappt. Darf ich jetzt heimgehen?“
Merke: koffeininduzierte Darmentleerung kann Wunder wirken.

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Written by medizynicus

17. Juni 2011 um 21:44

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

6 Antworten

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  1. Wenn das die Krankenkasse lesen dann werden die Abdomen Studien neu bewertet !!!

    ohnevorwaesche

    17. Juni 2011 at 22:24

  2. Kaffee und das Wunder des Abführens.

    ich.bin.ines

    17. Juni 2011 at 23:51

  3. Aber wenn der Patient weiß, dass er dazu Kaffee braucht, warum geht er dann ins Krankenhaus? Selbst der teuerste Kaffee der Stadt wäre noch billiger. Sollte der Selbstversuch misslingen, kann man ja immer noch den Arzt aufsuchen.

    Eva__R

    17. Juni 2011 at 23:55

  4. Im Zweifel hilft bei mir immer ein Becher Schlagsahne trinken!

    kaethe

    18. Juni 2011 at 11:02

  5. ich dachte es mir schon, als er zur Tasse schielte 😉

    Eva__R: du kannst dir auch einfach den Milchzucker pur reinpfeifen, da muss nicht jedesmal ein Becher Sahne für draufgehen. Klappt das dann ohne Bauchweh und Blähungen bei dir?

    Blogolade

    19. Juni 2011 at 11:06

  6. Mit viel Bauchweh ;( da ich Lactose ueberempfindlich bin. Milch reicht nicht. Abe bevors arg zu schlimm wird, greif ich halt zur Sahne…

    kaethe

    19. Juni 2011 at 14:27


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