Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for Juli 2011

Medizynicus macht mal Pause

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…und zwar einen ganzen Monat lang. Ist ja auch schließlich Urlaubs-Sommer-Ferien-Sauregurkenzeit, auch wenn das Wetter in diesem Jahr… lassen wir das.
Hier in Bad Dingenskirchen geht jedenfalls alles seinen gewohnten Gang, es wird gelebt und geheilt und gestorben wird hier manchmal auch. Das lä0t sich nun einmal nicht vermeiden, wir sind ja schlie0lich ein Krankenhaus. Das Leben vieler Menschen endet nun einmal heutzutage in solchen Institutionen. Anfangen tut’s hier ja in der Regel auch. Und darum tun wir hier nicht nur sterben, sondern vor allem auch leben und lieben, wir sind ja schließlich ein fröhliches Krankenhaus. Und ganz besonders fröhlich sind wir dann, wenn wir Urlaub haben.
Und aus diesem Grund werde ich im August Pause machen vom Krankenhausbloggen.
Natürlich werde ich weiterbloggen. Aber im August gibt’s keinerlei Krankenhaus- oder Gesundheitsthemen. Da geht’s um alle möglichen Sachen, worum genau, weiß ich noch nicht, ist ja auch schließlich noch nicht August… nur Eines verrate ich Euch schon: um Bücher wird es gehen. Und vielleicht auch um Reisen. In diesem Sinne Euch allen noch einen schönen Sommer… oder so!

Written by medizynicus

31. Juli 2011 at 21:28

Veröffentlicht in Nachdenkereien

die beste medizinische Website des Jahres…

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…die wird von der Ärztekammer Niedersachsen gesucht.
Teilnehmen darf allerdings nur, wer Arzt ist und in Niedersachsen wohnt (dass nicht-ärztliche Gesundheitsdienstleister oder im schlimmsten Fall sogar Medizinjournalisten eventuelle in der Lage wären, gute medizinische Webseiten zu erstellen, ist der Ärztekammer möglicherweise entgangen, aber egal).
Der Andere Hausarzt jedenfalls erfüllt diese Bedingungen und damit nominiere ich ihn hiermit in aller Form.

Written by medizynicus

30. Juli 2011 at 00:52

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs

Werde! Land! Arzt!

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In Deutschland gehen die Lichter aus. Äh… echt jetzt?
Jedenfalls gibts hier bald keine Ärzte mehr. Dafür aber viele, viele alte und Kranke Menschen, die einen Arzt brauchen. Vor allem auf dem Land, denn da leben die Alten und Kranken und die jungen dynamischen Ärzte wollen da nicht hin. Also müssen wir die jungen Leute dazu bringen, Arzt werden zu wollen und aufs Land zu gehen, sagen Politiker und Standesfunktionäre, ist doch echt super toll da auf dem Land, kommt her, schaut Euch um, könnt Ihr eine Menge Kohle machen und ist doch gar nicht so schlimm, da draußen gibts inzwischen auch schon elektrischen Strom und fließend Wasser aus der Leitung. Und wenn man Euch nachts mal rausklingelt… jo mei, des passt scho, wegen so’n büschen Tüddelskram, da macht Euch mal nicht ins Hemd, ja?
Ist alles Quatsch, sagen die Krankenkassen, wir haben genug Ärzte, sogar viel zu viele davon. Ist klar.
Aber was stimmt denn jetzt?
Lohnt sich das Landarztdasein, auch dann, wenn man nicht mit Leib und Seele mit der heimischen Scholle verbunden ist und auch mal Feierabend haben will und Zeit für die eigene Familie oder das eine oder andere abstruse Hobby (zum Beispiel Blogs schreiben)?
Alte Hasen – zum Beispiel Der Andere Hausarzt sind optimistisch – diejenigen, um die es geht, hingegen sind eher kritisch… und nicht ohne Grund, wie der Erfahrungsbericht einer werdenden Allgemeinmedizinerin aus Brandenburg zeigt.

Mehr zum Lesen:

Written by medizynicus

28. Juli 2011 at 00:55

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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Der Mythos vom Wassertrinken

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Jenny hat immer eine kleine Wasserflasche bei sich.
„Gerade jetzt im Sommer muss man doch viel trinken,“ sagt sie, „die meisten Leute trinken doch viel zu wenig!“
Genau das erzähle ich auch täglich meinen Patienten: ein wiederkehrendes Mantra, hundert Mal pro Woche: mit dem Alter läßt das Durstgefühl nach und wer dann dazu noch dement ist, der rutscht während der heißen Jahreszeit in die Exsikkose und landet dann im Kankenhaus, wo ihm die Schwester die Schnabeltasse an den Mund hält und der Doktor flugs eine Infusion anlegt…
Und auch Gesunde trinken viel, viel zu wenig, hört man oft von denen, die um unserer aller Gesundheit besorgt sind. Also, trinken, Leute, trinken, trinken, trinken! Am besten natürlich istotonisch-esoterische Gesundheitsgetränke.
Stimmt gar nicht, behaupten Wissenschaftler jetzt.
Wer nicht dement ist und keine schweren Krankheitsdiagnosen mit sich herumschleppt, braucht nur dann zu trinken, wenn er Durst hat, alles andere hilft nur der Getränkeindustrie.
Na denn, Prost!

Written by medizynicus

27. Juli 2011 at 12:27

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

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Die königliche Hoheit und das Schlangenöl

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Okay, schon Obelix hat gewusst, dass die Briten spinnen.
Und so ein bißchen Schrulligkeit, das macht sie ja eigentlich sogar ganz sympathisch, dieses kleine Völkchen von der Insel.
Ja, und seine königliche Hoheit, also seine möglicherweise künftige königliche Hoheit, der ist ganz besonders schrullig, der verkauft nämlich Schlangenöl.
Schlangenöl? Im angloamerikanischen Sprachraum steht Snake Oil synonym für wirkungslose Quacksalbermedizin, und so etwas vertickt Prince Charles seit geraumer Zeit, wobei er seinen königlichen Namen verkaufsfördernd einsetzt. Da hat er sich in der Vergangenheit schon so einige Abstrusitäten geleistet (auch Medizynicus berichtete bereits).
Unübertroffen ist der Kommentar des emeritierten Wissenschaftlers Michael Baum:

Mit Respekt, Eure Hoheit, Sie haben da etwas falsch verstanden… Ihre Macht und Autorität [in Bezug auf medizinische Fragen] beruht lediglich auf einem Zufall Ihrer Geburt.

Written by medizynicus

26. Juli 2011 at 23:35

Krebs-Spontanheilung?

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Okay, es ist Wochenende und beim Schlendern durch die Stadt leuchtet mir am Zeitungskiosk das Titelbild der „Zeit“ entgegen. Und da gerade Wochenende ist und außerdem Regenwetter investiere ich die vier Euro und ziehe mich mit einem halben Kilo großflächigem Lesestoff ins nächstgelegene Cafe zurück.
Die Lektüre der Titelgeschichte macht mich nachdenklich.
Es geht um Gesundheit, Selbstheilungskräfte und auch um Spontanheilung bei Tumorerkrankungen (Einer der Artikel ist auch online verfügbar).
Lasst mich den Inhalt mal kurz zusammenzufassen:

  • Auch wenn man nicht zum Arzt geht, hat man gute Chancen, wieder gesund zu werden. Bei harmlosen Bagatellerkrankungen ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht ziemlich groß. Auch bei schwerwiegenderen Krankheitsbildern kommt es vor. Und gelegentlich, ganz, ganz selten auch bei Krebserkrankungen
  • Spontanremissionen bei bösartigen Tumorerkrankungen kommen also vor. Auch dann, wenn man die Fehldiagnosen abzieht (also wenn ein Doktor einen Krebs diagnostiziert hat wo gar keiner war und ein anderer Doktor das dann richtiggestellt hat) läßt sich das Phänomen nicht wegdiskutieren
  • Dieses Phänomen ist wissenschaftlich kaum erforscht und es lässt sich auch nur sehr schwer erforschen
  • Tatsache ist: optimistische, positiv und „kämpferisch“ denkende und auch gläubige (sic!) Menschen haben eine größere Chance

Daraus folgern wir: Glaube kann nicht nur Berge versetzen, sondern auch heilen. Und ob man einen Gott, den Heiligen Sowienoch oder die heilige Kristallaurahokuspokustherapie glaubt, spielt gar keine große Rolle… Oder sehe ich das falsch?

Written by medizynicus

24. Juli 2011 at 00:11

Oberarztpublikum

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Freitag Nachmittag, siebzehn Uhr dreißig. Das Wochenende winkt. Rein theoretisch hat es schon seit mindestens einer halben Stunde begonnen aber… okay, maximal eine Viertelstunde noch, dann bin ich fertig.
Jetzt schnell noch ein paar Befunde kontrollieren, und dann… die Tür zum Arztzimmer wird aufgerissen. Ohne Anklopfen. Sekundenbruchteile später steht Oberarzt Biestig hinter mir und ich spüre seinen Atem im Genick.
„Alles in Ordnung bei Euch?“
„Selbstverständlich, Herr Oberarzt!“
„Wirklich?“
„Klar doch, alles im Grünen Bereich!“
„Was hast Du denn da?“
Biestig starrt auf die Krankenakte in meiner Hand.
„Äh… die Kurve von Frau Riebesehl?“
„Riebesehl…. Riebesehl… kenn ich doch, die Frau… zeig mal her!“
Bevor ich etwas sagen kann, reißt er mir die Akte aus der Hand.
„Riebesehl… äh… was hat denn die?“
„Neu aufgetretenes Vorhofflimmern mit schneller Überleitung und…“
„Nee, hör mir doch auf mit so Internistenkram! Hatte die nicht ’ne Unterschenkelfraktur?“
„Richtig, das war letztes Jahr…“
„Genau, ich erinnere mich! Der Bruder von der, den kenn ich nämlich vom Tennisverein…“
„Ach ja?“
„Los, gehn wir mal hin zu ihr!“
Oberarzt Biestig drückt mir die Krankenakte in die Hand und gibt mir mit dem Kinn ein Zeichen.
Äh… muss ich mir jetzt wirklich zwanzig Minuten lang Geschichten aus dem Tennisvereinsleben anhören? Freitag Nachmittag kurz vor halb sechs?
Grrrr!

Written by medizynicus

22. Juli 2011 at 23:19

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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