Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Unnötige Krankenhausaufenthalte – wer profitiert?

with 6 comments

Jetzt hat Herr Krause wegen seiner kurzen Episode von Unterzuckerung fast eine Woche im Krankenhaus verbracht, dann hat man ihn endlich wieder ziehen lassen – am Freitag Nachmittag, was aus verschiedenen Gründen keine gute Idee war, aber das ist ein anderes Thema.
Tatsache ist, dass er mit seinem Krankenhausaufenthalt einige Menschen glücklich gemacht hat. Am wenigsten natürlich sich selbst, aber auch darum geht es jetzt nicht. Warum also ist es so gekommen und nicht anders?

  1. Der Rettungsassistent: Wenn etwas Fachwissen und Berufserfahrung, viel Zivilcourage und eine Menge Mut hat, könnte er die Sache auf seine Kappe nehmen und die Angelegenheit alleine managen. Dabei riskiert er allerdings eine Menge Ärger „wenn es doch ein Problem gibt“. Auf der sicheren Seite fährt man, wenn man den Notarzt anfordert.
  2. Der Notarzt: Die gleiche Sache in Grün. Wenn man den Patienten ins Krankenhaus begleitet, geht man kein Risiko ein – außerdem gibt es dann deutlich mehr Geld.
  3. Das Krankenhaus: Bleibt ein Patient ambulant ohne stationär aufgenommen zu werden, dann bekommt das Haus eine sehr niedrige Pauschale. Sind bei ambulanten Patienten aufwändige Untersuchunen fällig, dann zahlt das Haus drauf. Also stationär aufnehmen. Begründen läßt sich so ein Aufenthalt zur Abklärung einer Synkopenursache allemale.
  4. Pflegende Angehörige – die haben ein paar Tage (wohlverdiente) Ruhe und vielleicht Gelegenheit, einmal tief durchzuatmen.

Man sieht: eigentlich sind alle glücklich und zufrieden… halt nur nicht unbedingt der Patient…

Advertisements

Written by medizynicus

2. Juli 2011 um 10:18

Veröffentlicht in Nachdenkereien

6 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Na dann is ja gut -_-

    Murifex

    2. Juli 2011 at 10:50

  2. zu 2. : Das ist so nicht korrekt. Wie so oft im Leben kann man das nicht allgemein gültig sagen. Es hängt von vielerlei Faktoren ab, massgeblich aber davon wo in Deutschland man sich befindet. In den RD-Bereichen in denen ich gearbeitet habe (sei es als RS oder NA) gab es für den NA-Einsatz eine Pauschale, völlig unabhängig ob ein Transport durchgeführt oder viel oder wenig gemacht wird. D.h. einmal kurz kucken und wieder fahren bringt genauso viel wie ein zwei Stunden Polytrauma… es gibt natürlich auch andere Systeme, aber verallgemeinern kann man das nicht

    Patrick

    2. Juli 2011 at 11:17

  3. Ich lasse sowas gern zu Hause, wenns irgend machbar ist.
    Erstmal den Unterzucker hinbügeln, dann noch zugucken, wie in die Marmeladensemmel gebissen wird und wieder verduften.
    Geht nur nicht immer.
    So auch letzt. Der arme Mensch hatte zwar Unterzucker, der ließ sich aber ohne Aufwand mit gezuckertem Apfelsaft wieder hinbasteln.
    Nur leider ist der Arme so unglücklich in einen Türrahmen gestürzt, daß er sich beide Unterarme böse aufgerissen hat.
    Ich gehe aber davon aus, daß kein stationärer Aufenthalt dabei herauskam…

    🙂

    Kormak

    2. Juli 2011 at 11:19

  4. „nur nicht unbedingt der Patient“…
    … und die Kasse, die das aber nicht unbedingt weiß, dass sie unzufireden sein sollte, und die übrigen (Kassen-)Patienten, die das zahlen müssen, die das ebenfalls nicht unbedingt wissen, und evtl. ein weiterer Patient, an dem man dann wieder „sparen muss“, dem man die teure PET-CT, vielleicht nicht unbedingt verweigert, aber eben erstmal besser gar nicht anbietet, weil die Kasse meckern könnte.

    Aber was man nicht weiß, macht einen ja nicht heiß, weshalb auch die, die unzufrieden sein sollten, vermutlich weiterhin zufrieden sind.

    drkall

    2. Juli 2011 at 11:23

  5. Aber wenn der Patient die Behandlung ablehnt, wäre es doch ein Leichtes, zu sagen: „Okay, tschüss!“
    ?

    NK

    2. Juli 2011 at 13:11

  6. … was war denn die Ursache der Unterzuckerung? Hat der Patient sie evtl. grob fahrlässig herbei geführt??? Nun, wenn ja, dann sollte er auch angemessen an den Kosten beteiligt werden….

    … wie übrigens bei vielen anderen Fällen auch … Besoffen … gerast … Schlägerei und und und und …

    …mehr Eigenverantwortung verlangen, dann nimmt sich der Eine oder andere vielleicht ein wenig zurück …. wenn`s an die eigene Kohle geht!!!!

    :-))

    docconsult

    3. Juli 2011 at 11:26


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: