Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Liebe Studies, seid Ihr jetzt völlig durchgeknallt?

with 18 comments

Mehr Medizinstudienplätze sind keine geeignete Maßnahme gegen einen drohenden Ärztemangel in Deutschland. Diese Auffassung vertritt die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) in einem Positionspapier.
Die Medizinstudierenden befürchten, dass die Ausbildungsqualität leidet, wenn die Zahl der Studienplätze steigt. Die zusätzlichen Kosten einer solchen Erhöhung wären laut bvmd erheblich, weil das Medizinstudium das teuerste Studium in Deutschland sei.

…das berichtet das Deutsches Ärzteblatt
Richtig so, Studies! Deutschland hat eh schon weltweit gesehen eine irrsinnig hohe Arztdichte. Von wegen Ärztemangel! Ein paar von uns sind zuviel. So sehen das auch die Krankenkassen: zwölftausend Kassenarztsitze sollten besser abgebaut werden und da ist es nur logisch, dass man nicht zu viele neue Ärzte braucht. Wozu hat man schließlich in den Neunziger Jahren die Studienplätze reduziert?
Ist schon Okay, Leute…

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Written by medizynicus

13. Juli 2011 um 07:27

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

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18 Antworten

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  1. … naja, wenn man ganz allgemein den Gesundheits – nein – Krankheitszustand unserer Bevölkerung hier in dieser B ananen R epublik D eutschland betrachtet, dürfen da nicht klitzeklitzekleine Zweifel ob der Fähigkeiten der Weißkittelzunft aufkommen????

    Qualität vor Quantität – dann klappt`s auch im Gesundheits – ähh Krankheitswesen!

    Aber fordern können die ja ruhig – hört eh keener drauf :-))

    docconsult

    13. Juli 2011 at 09:06

  2. Aber das sagt doch niemand? Es geht doch nur darum, dass die Unis nicht voller werden und das verstehe ich, manche Studiengänge sind einfach kein Spaß mehr und Qualität ist was anderes.

    Kira

    13. Juli 2011 at 09:12

  3. Ich bin für eine zweckgebundende Ausbildung. Wer in’s Ausland oder in die Wirtschaft nach’m Medizinstudium geht, kriegt auf den Sack. Kommt nicht mehr in die Tüte. Und ne festgeschriebene Hausarztquote. Dann braucht man auch keine weiteren Studienplätze.

    Und Geld spart man auch!

    DD

    13. Juli 2011 at 09:14

  4. @DD
    Klingt ja nach Turbo- Sozialismus…

    Das könnte man allenfalls von Leuten fordern, die ein Stipendium kriegen. Wer eigenfinanziert studiert, kann hinterher machen was er will und das ist auch gut so.

    docangel

    13. Juli 2011 at 09:25

  5. Medizynicus, in einen Studiengang wie BWL, der keine praxisorientierte Ausbildung hat, kann man jederzeit 250 Studenten anstatt 150 Studenten ohne größere Kosten in einen Hörsaal stecken ohne dass die Qualität des Studiums daran leidet. Das Medizinstudium erfordert allerdings auch Praktikumsräume und Betreuungskapazitäten. Und diese sind limitiert.

    Bedenke bitte auch, dass gegenwärtig die Unis eh nicht wissen, wohin sie mit ihren Studenten sollen. Die Umstellung von G9 auf G8 führt dazu, dass gerade doppelt so viele Studenten an die Unis strömen als normal, was in den letzten Jahren versucht durch zusätzliche Gelder der Länder an die Hochschulen zu kompensieren (und eigentlich nicht funktioniert). Und die etztens äußerst kurzfristig erfolgte Abschaffung der Wehrpflicht sorgt ebenfalls dafür, dass sich die Anzahl der Bewerber erhöht hat.

    Als Doktorand und Assistent (Studentenbetreuer) eines naturwissenschaftlichen Fachs kann ich die Einstellung der Medizinstudis daher durchaus verstehen.

    ArthurDent

    13. Juli 2011 at 09:26

  6. Klar man kann die angehenden Medizinstudenten dazu verpflichten nachher hier zu arbeiten, dann braucht man ihnen auch gleich kein Geld mehr dafür zu geben…

    @Medizynicus: Ich glaube der Medizinermangel liegt weniger an der mangelnden Anzahl an Studenten/Absolventen als vielmehr an der Tatsache, dass relativ viele nachher ins Ausland oder in die Wirtschaft gehen, weil die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen einen nicht gerade aufjubeln lassen…

    christian.breit@online.de

    13. Juli 2011 at 09:57

  7. @Docangel:

    aber nur wenn er das komplett eigenfinanziert (also auch Uni etc) und nicht nur seinen eigenen Kram (was kann der Staat dafür) das Studis auch im Studium irgendwie leben müssen 😉 )

    Hightower

    13. Juli 2011 at 10:28

  8. OMG… Medizinstudierende scheinen Denkprobleme zu haben.
    Die gute Nachricht ist, dass tatsächlich mit dem effektiven Einsatz moderner Technologien die Medizinversorgung deutlich verbessert werden kann, bei gleichzeitig massivem Personalabbau und starker Absenkung des Arbeitslohns der Mediziner.
    Die nächste Rationalisierungsphase wird die Mediziner mit voller Härte treffen.
    Derartig dummes, egozentrisches Gerede, was Medizinstudierende heute so von sich geben, wird die Automatisierungsprozesse erheblich beschleunigen.
    Tatsächlich werden Ärzte dann in hohem Maße überschüssig sein. 😀

    Auceza

    13. Juli 2011 at 10:37

  9. Also wer reiche Eltern hat, darf sich aussuchen, wo er praktiziert und wer auf bafoeg/stipendien angewiesen ist, ist ja eh schon eine last und sollte dann wenigstens aufs land, docangel? das klingt total fair. nicht, dass minderwertige auch arzt werden koennen.

    Ich

    13. Juli 2011 at 11:15

  10. Ich gehöre zu den „durchgeknallten“ Studis, die in Tübingen dieses Positionspapier verabschiedet haben. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe:

    1) Bis eine Studienplatzerhöhung neue Fachärzte bringt, vergehen 11-12 Jahre (6 Jahre Studium, 5-6 Jahre Facharztausbildung). Allein schon deshalb ist ein Ärztemangel, der jetzt entsteht, damit nicht aufzufangen.

    2) Es gibt nicht „den Ärztemangel“. Schaut man sich die Statistiken an, liegen wir im europäischen Vergleich weit vorne, was Ärzte/100.000 Einwohner angeht. Sehr wohl gibt es aber einen Mangel an _bestimmten_ Fachärzten oder an Ärzten in bestimmten Regionen. Diese Facharzt-Richtungen werden auch durch mehr Studenten nicht beliebter, sodass selbst durch eine sehr große Erhöhung der Plätze immer noch sehr wenige in den gesuchten Richtungen ankommen. Vielmehr müsste man hier die Attraktivität der z.B. Landärzte verbessern, dann würden sich evtl. schon nach dem kommenden M2 im Herbst mehr Ärzte dafür entscheiden und nicht erst in 12 Jahren.

    Man muss also die Gründe suchen, warum von unseren teuer ausgebildeten Ärzten nach 6 Jahren Studium nur etwas mehr als die Hälfte auch im ärztlichen Beruf in Deutschland ankommt (der Rest geht zur Pharmaindustrie, ins Ausland, in die Wirtschaftsberatung etc…).

    Patrick

    13. Juli 2011 at 11:39

  11. Es gibt fast 10.000 Absolventen in der Medizin pro Jahr, allerdings weiss ich nicht wieviele von denen anschliessend auch in Dtl. als Arzt praktizieren.

    Es gibt ein Problem mit der Arztverteilung und -bezahlung aber sicher keinen Ärztemangel in Deutschland. Genauso wenig wie es einen Fachkräftemangel gibt. Das Problem sind die Arbeitsbedingungen, nicht die Anzahl der Absolventen und Studenten.

    Turtle

    13. Juli 2011 at 11:53

  12. Aber, aber, Medizynicus! Wer wird sich denn da unüberlegt so abwertend äußern?!?
    Ich denke, es geht den Studierenden, die nunmal einen direkten Einblick haben, wirklich um die Qualität der Ausbildung an deutschen Universitäten. Diese kann nämlich schon im Moment nicht wirklich befriedigend aufrecht erhalten werden, da die hohe Verschuldung der Bundesländer natürlich auch starke Auswirkungen auf Ausstattung und Personalmanagement an den Unis hat.
    Wie sollen sie also plötzlich zu den schon vorhandenen Schuldenbergen in Millionenhöhe noch die Belastung, die die doppelte Anzahl an Studierenden mit sich bringt, stemmen?
    Und glaubt mir: Ich selbst studiere zurzeit Medizin in Berlin und der Notstand ist an allen Ecken und Enden zu spüren. Wie sagte eine Biochemieprofessorin letztens: „Ich kann Ihnen leider keine Kopien mitbringen, da uns keine Ausgaben für derartige Dinge aufgrund zu hoher Personalkosten gesperrt worden.“

    buster96

    13. Juli 2011 at 12:22

  13. Nachtrag: Ich meine Privat-UNi, denn die Studigebühren dürften kaum die Kosten des Studienplatzes kompl. decken, egal ob die nun gut oder schlecht sind

    Hightower

    13. Juli 2011 at 13:09

  14. nicht „keine“, sondern „die“ Ausgaben…

    buster96

    13. Juli 2011 at 13:50

  15. Seid dir sicher, dass studentische Interessenvertretungen nicht immer wirklich die Studierenden vertreten. Oft genug wird im Wesentlichen nur gefordert. Je egozentrischer die Forderung, desto besser.
    (Bin selbst Student)

    NK

    13. Juli 2011 at 14:42

  16. Für mich hört sich das auch so an, als wollten diese Interessenvertreter die zukünftige Konkurrenz um Ärztestellen klein halten.

    michaek

    13. Juli 2011 at 23:04

  17. Vielleicht wollen die Interessenvertreter auch einfach nur die Qualität erhalten. Wir stehen jetzt schon beim „Präppen“ zu neunt an einer Leiche, dass noch niemand jemand anderem aus Versehen ein Skalpell in den Ellbogen gerammt hat, ist fast ein Wunder. Im ersten Semester hatten wir nicht mal genügend Kabel pro Gruppe um die Physikversuche gleichzeitig zu machen und schon vor Anfang eines Blocks sind alle Bücher aus der Bib schon ausgeliehen. Also ich warte lieber etwas länger auf einen Arztbesuch als zu einem zu gehen, der Mangels Betreuungsschlüssels keine Ahnung von Praktischen Fähigkeiten hat.

    achtelgott

    14. Juli 2011 at 07:39

  18. Studenten gibt es genug in Deutschland, die nächsten Jahre der Ärzteschaft wäre gesicht. Das Problem liegt bei den hohen Abwanderungsraten! Daran schonmal gedacht? Oder warum wollten schon zu Beginn des Studiums ca. 50% Studenten mal ins Ausland? DAS ist das Problem.
    Zum zweiten gibt es gar keine Kapazitäten für noch mehr Studenten. Wir sitzen in den Hörsäälen jetzt schon auf dem Boden, wo sollen da denn noch mehr Studierende hin?

    Weltenbummler

    14. Juli 2011 at 10:16


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