Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Werde! Land! Arzt!

with 8 comments

In Deutschland gehen die Lichter aus. Äh… echt jetzt?
Jedenfalls gibts hier bald keine Ärzte mehr. Dafür aber viele, viele alte und Kranke Menschen, die einen Arzt brauchen. Vor allem auf dem Land, denn da leben die Alten und Kranken und die jungen dynamischen Ärzte wollen da nicht hin. Also müssen wir die jungen Leute dazu bringen, Arzt werden zu wollen und aufs Land zu gehen, sagen Politiker und Standesfunktionäre, ist doch echt super toll da auf dem Land, kommt her, schaut Euch um, könnt Ihr eine Menge Kohle machen und ist doch gar nicht so schlimm, da draußen gibts inzwischen auch schon elektrischen Strom und fließend Wasser aus der Leitung. Und wenn man Euch nachts mal rausklingelt… jo mei, des passt scho, wegen so’n büschen Tüddelskram, da macht Euch mal nicht ins Hemd, ja?
Ist alles Quatsch, sagen die Krankenkassen, wir haben genug Ärzte, sogar viel zu viele davon. Ist klar.
Aber was stimmt denn jetzt?
Lohnt sich das Landarztdasein, auch dann, wenn man nicht mit Leib und Seele mit der heimischen Scholle verbunden ist und auch mal Feierabend haben will und Zeit für die eigene Familie oder das eine oder andere abstruse Hobby (zum Beispiel Blogs schreiben)?
Alte Hasen – zum Beispiel Der Andere Hausarzt sind optimistisch – diejenigen, um die es geht, hingegen sind eher kritisch… und nicht ohne Grund, wie der Erfahrungsbericht einer werdenden Allgemeinmedizinerin aus Brandenburg zeigt.

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Written by medizynicus

28. Juli 2011 um 00:55

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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8 Antworten

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  1. Wir haben schon wieder eine Super-Bewerbung und können bald vielleicht ein weiteres „Landarzt-verarmtes“ Gebiet versorgen. Es macht einfach Spaß!

    Der andere Hausarzt

    28. Juli 2011 at 06:39

  2. Ich vermute, Landärzte und Landpfarrer haben eins gemeinsam: sie müssen quasi alles machen, und ihre Dienstzeiten sind eher unscharf gezeichnet…

    Wolfram

    28. Juli 2011 at 19:04

  3. War nicht selbst mal das Gelaber vom Verband der Medizinstudenten groß, dass es schon genügend Studierende gäbe und man nicht mehr Plätze bräuchte?

    DD

    28. Juli 2011 at 20:44

  4. @DD: Studienplätze sind vielleicht genug da, aber wie viele bleiben denn dann in Deutschland, werden auch wirklich Arzt und gehen dann auch noch aufs Land?

    sechstelgott

    28. Juli 2011 at 21:17

  5. Ist ja schön, wenn „der andere Hausarzt“ seine euphorischen Hymnen singt. Die Realität, die sich in blanken Zahlen ausdrückt ist eine andere. Wenn nur noch 5% der Uniabgänger Landarzt werden wollen, dann ist da ein Nachwuchsproblem. Dann gibt es auch ein Auswanderproblem, denn einigen denkenden Kollegen ist der Deutsche Irrsinn mit Regressbestrafungen, willkürlichen Honorarkürzungen und Bürokratieüberstunden nicht mehr nachvollziehbar. Aber man kann es auch ganz distanziert betrachten: Wenn die Attraktivität des Berufes niedriger ist als es dem Aspiranten einzureden ist, dann geht er wo anders hin. Attraktivität bemisst sich in Geld, in Lebensqualität und in Wertschätzung . Da kann von Laien und von Politikern gelabert werden was da will. Die Abstimmung erfolgt mit den Füßen. Und zwar von den Betroffenen, von den Ärztebn selbst. Und ich , werter Medizynikus gehöre auch dazu. Ich verlasse dieses ungastliche Land, gebe eine gut gehende Landarztpraxis auf, nehme Schulden in Kauf aber nicht mehr dieses System. Alle die hier reden, die reden eben nur. Bei mir ist Zeit zum Handeln. In spätestens 5 Jahren bricht die Landarztversorgung in D zusammen. Dann werden die Kliniken ihre Ambulanzen öffnen und dann wirds teuer. Aber weshalb sollte aus einer Planwirtschaft Vernunft erwachsen? Die beknackte DDR hat`s vorgemacht.

    Kreativarzt

    29. Juli 2011 at 01:34

  6. Das Problem ist doch ganz einfach, gebt den Leuten 4-5000 netto im Monat (was für mich ein normales Akademikergehalt ist), eine normale 40 Stunden Woche und die Garantie nicht größtenteils umsonst Patienten im 10 Minutentakt behandeln zu müssen und man wird sich vor Ärzten nicht mehr retten können.

    Aber so… man erntet was man säät und Ärzte sind doch keine Sklaven im Dienste der Gesellschafft.

    FH

    31. Juli 2011 at 00:17

  7. @FH

    Genau!

    docangel

    1. August 2011 at 08:03

  8. Ich schreibe hier mal als Student kurz vor dem PJ. Meine Wahrnehmung, was die geringe Quote an neuen Landärzten angeht, ist folgende: Du bist 24-29, kommst aus gutbürgerlich-städtischem Hause und jetzt wollen irgendwelche Leute von Dir, dass Du für unscharfe Arbeitszeiten, eine gigantische Bürokratie, vergleichsweise schlechte Vergütung und wenigen, wenig anspruchsvollen Freizeitmöglichen bei einem in der Regel überaltertem, multimorbiden, kassenversicherten Patientenklientel Medizin machen sollst. Sechs Jahre lang hast Du Dir dafür reingepaukt, welche Kanäle über welche Liganden dafür sorgen, das im Körper was passiert, Du hast dutzende Antikörper mit Indikation und Nebenwirkung im Kopf und kannst die Differentialdiagnose einer Tako-Tsubo-Kardiomyopathie und weiteren gefühlten 5000 internistisch-neurologischen Krankheitsbildern auswendig. Mit diesem Wissen und diesen Rahmenbedingungen sollst Du nun Leuten, die zum guten Teil 2-3 mal so alt sind wie Du und über eine *völlig* andere Lebensrealität verfügen das Händchen halten und ihnen erklären, dass sie nur eine Erkältung haben. Im Studium hast Du allerdings weder Händchen halten noch wirksame Maßnahmen bei einer Erkältung gelernt.
    (Die Überspitzungen darf derjenige, der sich darüber aufregt, behalten.)
    Ganz ehrlich, in der Klinik fühle ich mich zumindest noch medizinisch gefordert. Mit Landarzt verbinde ich Verwaltungshorror, Papierkram, Helfersyndrom, Tag-und-Nacht, Leben ab vom Schuss.

    amigo

    2. August 2011 at 14:04


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