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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Aus für den PSA-Test?

with 7 comments

Krebsvorsorge rettet Leben. Sagt man wenigstens.
Einer der häufigsten Krebsarten beim Mann ist das Prostatakarzinom. Und schon lange gibt es einen Labortest, mit dem man dieser tückischen Krankheit frühzeitig auf die Schliche kommen kann: das prostataspezifische Antigen, kurz PSA.
Jetzt soll dieser Test in Amerika quasi abgeschafft werden – die Duchführung wird dann von den gängigen Versicherern einfach nicht mehr bezahlt. Warum?
Der Test ist häufig falsch positiv. Das heißt: das Testergebnis ist auffällig, obwohl der Patient gar nicht krank ist. Und das ist auch gut so, zumindest besser als andersherum.
Ein falsch positiver Test führt aber dazu, dass weitere Tests gemacht und schließlich Behandlungen durchgeführt werden.
Die Frage ist: Wie viele Tests muss ich durchführen, um einem Menschen das Leben zu retten? Im Falle des PSA-Tests ist diese Zahl mit ca. 1400 relativ hoch (für Insider: das nennt man auch die „Number needed to treat“).
Dem steht die Zahl der Schäden entgegen, die falsch positive Tests anrichten können: angefangen von den Kosten für unnötige weitere Tests bis hin zu unnötige Operationen mit entsprechenden Nebenwirkungen (Inkontinenz, Impotenz und so weiter)….
Leider ist nicht immer alles so einfach, wie es anfänglich aussieht…

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Written by medizynicus

9. Oktober 2011 um 07:41

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

7 Antworten

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  1. Der PSA-Test ist in meinen Augen einer der problematischsten „Vorsorge“maßnahmen überhaupt. Er liefert übrigens nicht nur eine erheblich Anzahl von falsch positiven sondern auch etliche falsch negative Ergebnisse.
    Am problematischsten finde ich aber die mangelnde Aufklärung vor dem Test. Ich habe von 2 Urologen den PSA-Test als IGEL-Leistung angedient bekommen, ohne dass man mit mir über die möglichen Konsequenzen oder über mögliche Störungen des Tests geredet hätte. So wurde z.B. nicht erwähnt, dass man 24 Stunden, besser 48 Stunden, vorher keine Ejakulation haben sollte und auch mechanische Reizungen der Prostata, wie Radfahren u.ä., vermeiden sollte, weil das Ergenis sonst falsch positiv sein könnte. Darüber, welche psychische Belastung ein solch falsch positives Ergebnis bis zur endgültigen Kärung bedeuten kann, hatte man sich offenbar keine Gedanken gemacht. Auf jeden Fall sollte man sich vorher sicher sein, und dies auch mit seinem Arzt abgesprochen haben, wie man vorhat bei den verschiedenen möglichen Outcomes zu verfahren, bzw. welche Konsequenzen dies im Endeffekt bedeuten kann, und ob man bereit ist, sie zu tragen.

    Wegen eines anderen Karzinoms in der Vorgeschichte habe ich mich zusammen _ mit meinem Hausarzt_ schließlich entschlossen, den Test zu machen, mit unauffälligem Ergebnis. Ich bin mir aber auch bewusst, dass das keine absolut Sicheherheit sein kann.

    Als Screening für alle halte ich den Tes für zu unspezifisch. Für diesen Zweck sollten man die Entwicklung von besseren und eindeutigeren Tests abwarten.

    drkall

    9. Oktober 2011 at 14:03

  2. …finde ich ein bisschen zu drastisch, wenn man nach dem „alles oder nichts“ Prinzip handelt

    haubu

    11. Oktober 2011 at 15:44

  3. Aus den genannten Gründen war die PSA-Bestimmung zu Screeningzwecken in DE auch nie Teil des Leistungskatalogs der GKV – wohl aber zur Verlaufskontrolle bei Prostata-CA. Was soll daran falsch sein?

    Jan (@sphere2k)

    12. Oktober 2011 at 18:30

  4. Gibts keinen zuverlässigeren Test als Alternative?

    Blogolade

    13. Oktober 2011 at 12:26

  5. Darf ich mal doof fragen: Wenn bei Tastuntersuchung / Ultraschall nix auffälliges rauskommt, dann ist doch auch alles in Ordnung ? Und WENN die Prostata vergrößert, verhärtet oder was-auch-immer ist, dann kann man doch gleich eine Biopsie machen ? Aber dann kann der Urologe nicht IGELn ?

    Silbermondauge

    16. Oktober 2011 at 20:42

  6. @Silbermondauge
    Wenn bei Tatsuntersuchung und Ultraschall nichts auffällig ist, dann ist erstmal gut. Ein Karzinom ist damit aber nicht 100%tig ausgeschlossen.
    „Mal gucken“ ohne Krankheitsverdacht ist immer iGeL. Abklärung eines Krankheitsverdachts ist immer Kassenleistung. Deshalb kommt bei auffälliger Prostata auch kein iGeL’n in Frage. Eine Biopsie ist auch so eine Sache…wenn man Pech hat, ist nur in gesundes Gewebe gepiekst worden, dann kriegst du die Meldung, alles i.O., aber hast trotzdem Krebs.

    docangel

    18. Oktober 2011 at 08:21

  7. Nicht alles was möglich ist macht auch Sinn!

    *Spammer*

    19. Oktober 2011 at 12:18


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