Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Koks und Heroin im Supermarkt?

with 18 comments

Neulich in Spelunkistan: In der Drogerie am Rande einer kleinen Stadt ist eine Menge los. Gerade wird ein etwas abgerissen wirkender junger Mann bedient.
„…und darf’s sonst noch etwas sein?“ fragt die geduldige Drogistin.
Der junge Mann kratzt sich am Kopf.
„Noch ein Viertelpfund Heroin bitte!“ sagt er dann.
Die Drogistin nickt.
„Weißes oder Braunes? Wir hätten da gerade ein Sonderangebot…“
„Weißes bitte. Und noch hundert Gramm Kokain, und zwar bitte das Zeug aus Kolumbien, welches Sie mir letztens verkauft haben!“
„Das kolumbianische Kokain ist leider gerade aus. Ich könnte Ihnen peruanische Ware anbieten. Ist aber nicht ganz billig…“
„Gut, geben Sie mir bitte fünfzig Gramm davon. Und dann hätte ich gerne noch eine Tüte Schwarzen Afghanen.“
„Zum Hierrauchen oder zum Mitnehmen?“
„Zum Hierrauchen bitte!“
Während der abgerissene junge Mann bezahlt, tuschelt Frau Cnalcoprowski ihrer Nachbarin kopfschüttelnd etwas zu. Es klingt so ähnlich wie: „Immer wieder diese Junkies…“
Aber die Nachbarin lächelt nur müde.
„Ach wissen Sie, ich habe nichts gegen die Junkies. Wer sich kaputt ballern will, der soll das von mir aus in Himmels Namen tun. Aber seitdem die das Zeug hier in der Drogerie kaufen können, ist bei uns nicht mehr eingebrochen worden, und mein Mann freut sich darüber, dass sein Auto nicht mehr aufgebrochen wird. Was er allerdings vermisst, sind die billigen Stricherinnen…“
Und jetzt muss auch Frau Cnalcoprowski lächeln.
So geht’s also zu in Spelunkistan. Und demnächst vielleicht auch bei uns?

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Written by medizynicus

22. Oktober 2011 um 17:31

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

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18 Antworten

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  1. Alkohol ist ja auch erlaubt oder? Interessant ist ja nur, wer dann noch alles zu Drogen greift. Ein kiffender Bundestag ist sicher eine schöne Vorstellung.

    michael

    23. Oktober 2011 at 06:09

  2. ob legal oder illegal – wer drogen nehmen „will“, findet immer wege, an das zeug zu kommen. welchen süchtigen schreckt es denn ab, dass sein stoff verboten ist? welcher süchtige wird clean, weil der aufwand zu hoch ist, die droge irgendwo in dunklen bahnhofsecken zu besorgen?

    und würde es bei einer legalisierung nicht trotzdem weiterhin einen schwarzmarkt geben, weil es manchen abgewrackten süchtigen zu peinlich wäre, einfach mal in die drogerie zu spazieren und ein tütchen drogen zu verlangen?

    solange es drogen gibt, wird es auch menschen geben, die sie konsumieren. und es wird umgekehrt auch immer menschen geben, die wunderbar ohne drogen auskommen.

    silberträumerin

    23. Oktober 2011 at 09:16

  3. Mein Bruder war heroinsüchtig und starb schon mit 34. – Ich finde Aufklärung wichtig. Das findet viel zu wenig statt, Mein Bruder wurde Strichjunge, steckte sich durch die Spritzen mit dem HIV-Virus an und starb 2 Jahre nach dem Ausbruch der AIDS-Krankheit an einer Lungenentzündung. Ich besuchte ihn oft in der Klinik, wenn er auf Entzug war. Er war ein sehr begabter Mensch mit viel Potenzial. Seine Augen leuchteten, wenn er mich erblickte. Sein kurzes Leben war sicherlich nicht sinnlos, doch hätte es länger und schöner sein können. Er wollte da raus, doch ist das leicht gesagt. – Besser ist, wenn jemand gar nicht erst reinkommt. Also bitte aufklären, liebe Ärzte! – Ich denke nicht, dass das alles so freiwillig ist, mein Bruder hatte eine Borderline-Persönlichkeit, er hätte Hilfe benötigt, noch vor Suchtbeginn.

    Lieben Gruß
    Enia

    Enia

    23. Oktober 2011 at 10:13

  4. Beschaffungskriminalität ist ein größeres Problem als Drogenabhängigkeit. Die Drogen freizugeben, Abgabe auf Rezept, das würde eine Menge Leben retten. Irgendwann gabs in Großbritannien mal ein Experiment, wonach Drogen auf Rezept abgegeben wurden.

    Die Idee ist eine der besten, die die Linkspartei haben konnte. Zumal auch so Begleiterscheinungen wie HIV-Infektion, Syphilis, Venenentzündungen, Vergiftungen durch verunreinigten Stoff oder verdrecktes Spritzbesteck und wasweißichnichtnoch dann mal deutlich geringer würden.

    Ne, die Idee hat wirklich was. Prohibition hilft nicht weiter. Kontrollierte Abgabe aber sehr wohl und es würde eine Menge Leute aus der Kriminalität holen.

    Tante Jay

    23. Oktober 2011 at 18:48

  5. Ich schließe mich der Meinung von Tante Jay an.

    Eine zweite Frage ist wer mit Drogen eigentlich Geld verdient und was da für eine Industrie und Schattenwirtschaft hinter steht…Die Drogenlords in Afghanistan mit ihren Opium Feldern, oder Schmuggel über Südamerika wären nicht notwendig bei freier Abgabe. Es gibt ultrareiche große Drogenbosse, die ihr Geld über diesen Industriezweig beziehen, Und das was am Ende der Kette von der Polizei verhaftet wird, sind zumeist nur Kleinkriminelle…, die aus einer extrem schlechten wirtschaftlichen Lage heraus dealen…
    Sehr gut dargestellt fand ich das in der Fernsehserie „The Wire“ (Insebsondere in der dritten Staffel Stichwort: Hamsterdam…Witzig ist auch ‚Breaking Bad‘ (allerdings etwas flacher)

    Und ganz im Ernst Cannabis (Dronabinol) wird mittlerweile gegen schwere Spastik eingesetzt…

    Ritalin , viele SSRI halte ich für auch nicht viel besser als einige Drogen..Diese werden aber ziemlich schnell eingesetzt…

    Mal zu schweigen von Benzos, die ich aufgrund meiner Wirbelsäulenbilder von jedem Arzt nachgeworfen bekäme, wenn ich nicht ständig NEIN sagen würde…

    blogwesen

    23. Oktober 2011 at 23:24

  6. Ich würde mal gerne wissen was so Betreuer in Methadon-Programmen dazu sagen würden. Dass verunreinigtes und gestrecktes Heroin in Kombination mit den schlechten Injektionsbedingungen, „bescheiden“ ist und da auch die Beschaffungskriminalität mit reinspielt, ist mir klar. Aber man kann doch nicht jeden solche harten Drogen kaufen lassen.
    Zumindest bei Heroin hat es ja einen Grund warum es verboten ist. Zum einen die sehr niedrige Dosis zum Süchtigmachen, zum anderen die sehr niedrige letale Dosis. Und da soll mir keiner mit „Ja aber Alkohol ist doch auch legal.. bla“.

    DD

    24. Oktober 2011 at 10:01

  7. noch ein Vorteil der „kontrollierten“ Freigabe (d.h. auf ärztliches Rezept)
    Man würde die Leute nicht mehr mit Methadon substituieren (müssen), was zwar seinerzeit ein Fortschritt, medizinisch gesehen aber nicht sonderlich sinnvoll war.
    Gruss Landkrauter

    Landkrauter

    24. Oktober 2011 at 10:05

  8. „Und dann hätte ich gerne noch eine Tüte Schwarzen Afghanen.“
    „Zum Hierrauchen oder zum Mitnehmen?“
    „Zum Hierrauchen bitte!“

    Alter Falter, 50 g auf einmal zum Hierrauchen? Der fliegt ja dann aus dem Laden…

    Bei den „harten“ Drogen kenne ich mich nicht aus, was die Mengenangaben angeht, aber 50 g Marihuana auf einmal ist schon arg realitätsfern, wie Gott sei Dank das ganze Szenario!

    Simone

    24. Oktober 2011 at 11:50

  9. Meiner Meinung nach die einzige praktikable Lösung.
    Mich würde aber mal die Meinung von Medizynicus dazu interessieren.

    Mia

    24. Oktober 2011 at 12:53

  10. Wenn das Zeug legal wäre, würde widerum die Hemmschwelle von manchen sinnsuchenden Jugendlichen und Erwachsenen sinken, das Zeug auszuprobieren. Mag sein dass die Beschaffungskriminalität nachließe und dass weniger Krankheiten durch infiziertes Besteck übertragen werden aber dafür wirds deutlich mehr Abhängige geben. Ist es das wert?
    Ich behaupte dass sehr viele Jugendliche gerade durch die Aufklärung in den Schulen „Diese Drogen sind illegal, sie machen euch kaputt und ihr macht euch damit kaputt“ abgeschreckt werden. Alkohol ist legal, da wird in den Schulen genauso aufgeklärt dass das Zeug nicht nur die Leber kaputt macht sondern auch andere Schäden anrichtet. Dennoch saufen auch Jugendliche die harte Drogen ablehnen wie die Löcher.

    Außerdem, wie soll das gehen? Auf Rezept? Womöglich noch ein Kassenrezept? „das macht dann 5€ Zuzahlung bitte“ nee, oder? Auf Privatrezept? Dann haben die Junks ja immernoch kein Geld um das Zeug zu bezahlen. Ich bin sicher, mit legalisierung wirds nicht billiger. Da fallen dann vielleicht ein paar Zwischenhändler weg, dafür hat der Staat da auch noch mal die Hand auf und haut eine Drogensteuer drauf. Nur aus reiner Suchtiliebe schlagen die Linken sowas auch nicht vor.

    Blogolade

    24. Oktober 2011 at 19:52

  11. @Blogolade,

    du sagst „Mag sein dass die Beschaffungskriminalität nachließe und dass weniger Krankheiten durch infiziertes Besteck übertragen werden aber dafür wirds deutlich mehr Abhängige geben.“

    Das stimmt nicht. Es gibt Studien, die belegen, dass eine Legalisierung eben nicht mehr Konsumenten oder Abhängige hervorruft, ich suche danach gleich mal.

    „Wenn das Zeug legal wäre, würde widerum die Hemmschwelle von manchen sinnsuchenden Jugendlichen und Erwachsenen sinken, das Zeug auszuprobieren.“

    Das ist falsch. In Portugal ist der Konsum von Drogen nach der Entkriminalisierung sogar zurück gegangen, dazu hier eine Studie von Glenn Greenwald unter die folgendem Link:

    http://www.cato.org/pub_display.php?pub_id=10080

    Außerdem: wo ist das Problem, wenn ein erwachsener Mensch sich dazu entscheidet, verschiedene Substanzen auszuprobieren? Gerade erst wurde eine Studie veröffentlicht, welche nahelegt, dass der Konsum von Psilocybinhaltigen Pilzen die Persönlichkeit des Konsumenten in den meisten Fällen zu seinem Vorteil verändert. Bei Interesse:

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/wirkung-von-halluzinogenen-pflanzen-wege-zur-erleuchtung-1.1154038

    „Ich behaupte dass sehr viele Jugendliche gerade durch die Aufklärung in den Schulen „Diese Drogen sind illegal, sie machen euch kaputt und ihr macht euch damit kaputt“ abgeschreckt werden. “

    Das Gegenteil ist der Fall. Durch die Verteufelung von Drogen und gezielter Falschinformation verlieren die Jugendlichen das Vetrauen in Lehrer oder Aufklärungsstellen und glauben irgendwann gar nichts
    mehr. Im Sinne von „wenn das bisschen Kiffen schon so gefährlich sein soll und es nicht ist, dann kann das bei den anderen Sachen ja auch nicht so schlimm sein.“
    Kiffen ist böse und macht abhängig, löst Psychosen aus etc. ist einfach falsch. Kiffen ist mit Sicherheit „gesünder“ als Alkohol, genau wie verschiedene andere Drogen, wenn man sie in Maßen nutzt.

    „Dann haben die Junks ja immernoch kein Geld um das Zeug zu bezahlen.“

    Du hast einen etwas falschen Eindruck von „Junks“. Viele Heroin- und Opiatabhängige sind berufstätig und führen ein geregeltes Leben. Die Problematik ist einfach, dass der Beschaffungsstress sich unheimlich auf den Alltag auswirkt, auch wenn man Substitionspatient ist. Wenn man Pech hat, muss man nämlich täglich dort antanzen ab 9:00 Uhr und es gibt wenige Arbeitgeber, die eine flexible Arbeitszeit anbieten.

    Die Prohibition ist einfach keine Lösung, das sieht man doch an den boomenden „Badesalzen“. Da pfeifen sich Leute neue synthetisch hergestellte Drogen aus bunten Tütchen rein, weil es legal ist.

    Ich finde es schlimm, dass immernoch soviele Vorurteile und Falschwissen kursieren.

    @Medizynicus: Du scheinst ja auch für eine Prohibition zu sein, so deute ich zumindest deine Blogeintrag.
    Wieso denkst du so? Wie ist deine Meinung dazu? Das würde mich sehr interessieren.

    Liebe Grüße,
    Mia

    Mia

    25. Oktober 2011 at 15:10

  12. Wo das Problem ist wenn ein erwachsener Bürger das Zeug ausprobiert? Das ausprobieren ist nicht das Problem, das Problem ist, dass das Zeug SÜCHTIG macht. Das heißt, er kommt unter Umständen nicht so schnell davon los wie gedacht und gewollt.

    Mit dem Begriff „Junks“ meinte ich eher das Klientel, was zB dem Shopblogger das Leben schwer macht. Nicht den Bürger, der es sich leisten kann.

    Wir müssen uns doch nix vormachen, Drogen machen Leben kaputt. Warum soll man das noch gleich erlauben? Ok, bleibt ja jedem selbst überlasse wie er sich umbringt, dummerweise sind davon oft noch andere betroffen. Wir sind verpflichtet einzugreifen wenn sich jemand umbringen will, nicht nur die Ärzte sondern jeder Bürger. Das passt doch alles nicht zusammen.
    Ich habe schon einige Menschen in meinem Leben kennen gelernt die Drogen genommen haben. Die meisten waren „harmlose“ Kiffer die dummerweise ihr Leben nicht mehr auf die Reihe bekamen weil sie so wunderbar entspannt waren. Die anderen nahme gerne mal Extacy und fanden es nicht schlimm, wenn einem ein Kind vors Auto läuft. Hat das Kind halt Pecht gehabt.
    Die 3 Gruppe die ich kennenlernte hatte mit Koks und Heroin zu tun. Banküberfall, Unfall mit Fahrerflucht und fahrlässiger Tötung. Ich kannte sie persönlich und hörte Dinge, die die Richter danach nicht hörten. Es war ihnen egal, dass ihnen auf der Flucht jemand entgegen kam. Es war ihnen egal, dass die Leute Todesangst haben als 4 Gestalten mit Waffen rumwedelten.
    Ein anderer Kokser hat seine Familie verloren und viel viel Geld. Er geriet zwar nicht auf die total schiefe Bahn aber sein Leben war trotzdem hinüber. Ja, das sind subjektive Erfahrungen, ebenso wie alles was ich oben schon schrieb. Aber nur weil sie subjektiv sind, sind sie nicht falsch.
    Wenn Drogen legal wären, würden trotzdem nicht die Probleme aufhören, die dadurch verursacht werden.

    Ich würde am liebsten noch weiter gehen und auch Alkohol verbieten oder zumindest diese ganzen Werbebotschaften, dass Alkohol hip ist und man das Zeug unbedingt für eine gelungene Party braucht. Weil es nicht ohne geht.

    Heutzutage muss man sich rechtfertigen wenn man nichts trinken will. So normal ist es geworden, sich einen hinter die Binde zu kippen. „ach, musst du fahren? Nimmst du Medikamente? Bist du schwanger? Nein? Dann trink endlich“ Ein Nein beim Alkohol wird nicht akzeptiert.
    Wie wirds demnächst unter den Linken (hypothetisch)? „Och kommt, nimm auch mal eine Nase. Ist doch nur einmal, das macht doch nix. (warum soll ich dann?) Hey, wir haben alle, also auch du! Spaßbremse…“

    Ne, ehrlich, ich denke nicht dass wir das brauchen.

    Blogolade

    26. Oktober 2011 at 11:35

  13. @Mia:

    „Außerdem: wo ist das Problem, wenn ein erwachsener Mensch sich dazu entscheidet, verschiedene Substanzen auszuprobieren?“

    Kein Problem, aber dann muss bitte auch gesetztlich geregelt werden, dass

    a) Keinerlei Behandlungskosten von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden für leiden, die eindeutig der Drogensucht zuzuordnen sind, denn ich sehe überhaupt nicht ein, dass die Solidargemeinschaft dafür aufkommen soll. (Das Gleiche sollte m. E. auch für Alkohol und Zigaretten gelten)

    b) Keinerlei Kosten wie z.B. Hartz 4 oder Wohngeld vom Staat und damit dem Steuerzahler übernommen werden für Personen, die auf Grund ihrer Drogensucht nicht mehr in der Lage sind sich selbst zu versorgen. (Auch hier sage ich: das müsste auch für Alkoholiker gelten)

    Dann und nur dann ist das alles kein Problem.

    Simone

    26. Oktober 2011 at 12:36

  14. @Simone:

    Und was ist mit den Fetten? Mit Extremsportlern? Welche Kosten sind denn bei einer Drogensucht eindeutig der Krankenkasse zuzuordnen? Bei Alkohol ists klar: Verfettung, Leberzhirrose etc. pp.
    Bei Opioiden und Opiaten (u.a. auch Heroin) ist das aber gar nicht so klar, da sie den Körper nicht schädigen. Schädigen tut gestreckter Stoff.

    Und @Blogolade,

    deine Einlassungen sind nichts als Vorurteile. Kiffer kriegen ihr Leben nicht auf die Reihe, weil sie die ganze Zeit nur entspannt sind. Na klar.

    Und wo du beim suchterzeugend bist:

    Das finde ich immer ganz niedlich. Wo ist denn der Unterschied zwischen Heroin und opioiden Schmerzmitteln wie Valoron oder Tramadol? Oder Opiaten wie Oxycodon, Fentanyl oder Dihydrocodein?
    Drogen machen das Leben kaputt? Was ist mit Benzodiazepinen gegen Angststörungen, Antidepressiva etc.?

    Was sagt ihr zu den Studien? Wieso geht ihr da nicht drauf ein? Weil es nicht in euer Weltbild passt?

    Alles verbieten, na sicher. Die Alkoholprohibition hat ja auch so wunderbar geklappt.

    Mia

    26. Oktober 2011 at 17:57

  15. Ich bin legaler Drogendealer (=Apotheker), vielleicht da auch mal eine Meinung:
    Ich bin dagegen, dass man Drogen wie Heroin, Koks und Co. frei gibt.
    Ich sehe es doch schon in der Apotheke, wie viele Leute von apothekenpflichtigen Arzneimitteln (also frei verfügbaren Drogen) abhängig sind. Da ist die 50jährige Frau, die seit 30 Jahren regelmässig Dulcolax nimmt. Angefangen hat das, weil sie mit Abführmitteln abnehmen wollte, geendet hat es damit, dass sie ohne Dulcolax nicht mehr auf die Toilette kann. Dann gibt es da die 60jährige Frührentnerin, die sich täglich 1-2 Tabletten Aspirin einwirft und sich damit einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz geholt hat. Ursprünglich hat sie das genommen, weil sie in irgendeiner Frauenzeitschrift gelesen hat, dass Aspirin ja so toll wäre und gegen alles helfen würde. Dann gibt es da noch den 30jährigen Typen, der sich einmal pro Woche immer gleich die Großpackung Otriven (20 ml) holt und der von seinem Nasenspray abhängig ist.
    Da kann ich mir den Mund fusslig reden und den Leuten von diesem Missbrauch versuchen, abzubringen. Das bringt GAR NIX!

    Wenn wir in die rezeptpflichtigen Sachen reingehen, dann sehe ich da bei vielen Damen mittleren Alters die Rezepte über Zopiclon, Zolpidem und diverse Benzos, die von den Ärzten seltsamerweise immer auf Privatrezept aufgeschrieben werden, obwohl die Kunden Kassenpatienten sind. Oder Paracodin auf Privatrezept für den zittrigen, schwitzenden Mitdreissiger. Per se müssen (!) diese Sachen auf BTM-Rezept verschrieben werden, da es sich um eine Substitution handelt.

    Wenn das bei Arzneimitteln schon nicht funktioniert, wie soll das mit der unkontrollierten Freigabe denn funktionieren? Die Hemmschwelle zur Nutzung von harten Drogen sinkt dann derart, dass wir uns dann ein Volk von Junkies heranzüchten.

    Sinnvoll finde ich es da, Subtitutionsprogramme weiter auszuarbeiten und das BTM-Recht zur Subtitution weiter anzupassen und mehr Ärzte nach gründlicher Ausbildung (!) zur Substitution zu qualifizieren (vor allen Dingen in ländlichen Gegenden herrscht hier akuter Mangel an Ärzten, die zur Substitution berechtigt sind). Auch im Moment ist es möglich, Heroin (Diamorphin) bei Schwerstabhängigen zu subsitutieren. Soweit ich weiß, ist das auch über die i.v.-Gabe möglich. Die Junkies bekommen dann Heroin in bester Pharmaqualität in der Apotheke und müssen es auch dort auch applizieren. Andere Substitutionsmittel zur oralen Applikation können sie für ein paar Tage mit nach Hause nehmen.

    Daher ist der Vorschlage der LINKEN nicht durchführbar. Das ist pure Polemik.

    McCloud

    27. Oktober 2011 at 13:53

  16. Mia: ich habe bisher nicht die Zeit und Ruhe gehabt, die Studien anzuschauen. Das ist nix was ich zwischen Tür und Angel machen kann.

    Habe ich gesagt dass die süchtig machenden Medikamente die du nennst in Ordnung sind?
    Die sind schon völlig zu Recht verschreibungspflichtig.

    Meine genannten Beispiele sind KEINE Vorurteile. Das ist MEINE Erfahrung. Nicht objektiv aber eben meine Erfahrung. Persönliche. Nicht Hörensagen oder sowas.

    Ich halte die Legalisierung von Drogen für unrealistisch, ebenso wie mein Vorschreiber McCloud. Es ist wohl eher der Versuch sich Wählerstimmen zu beschaffen denn ganz offensichtlich gibt es mehr Menschen dir dafür sind als ich bisher dachte.
    Ich bin und bleibe dagegen denn das was ICH in der Schule gelernt habe, hat funktioniert. Es hat keinen von uns (alle Schüler die mir bekannt sind. Also mehr als die 100 aus meiner Stufe) erst Recht in die Drogen gelockt sondern wir hatten eine gute Vorstellung davon was das Zeug mit einem macht. Physisch und Psychisch.
    Die einzigen Bekannten in meinem Alter die in die Drogen abgerutscht sind, hatten „falsche Freunde“ wie meine Eltern es so schön nannten.

    Ich finds völlig daneben, Drogen schön zu reden. „Der Durchschnittsjunk lebt und arbeitet wie du und ich“ Jep. Er konsumiert auch nur in der Freizeit, nie so viel dass er vollgedröhnt ist und er führt danach keine Maschinen oder Fahrzeuge mehr bis das Zeug komplett abgebaut ist und er wieder Herr aller Sinne ist. Super. Toll. 🙂 Finde ich großartig, ehrlich. Nur irgendwie nicht realistisch.

    Blogolade

    28. Oktober 2011 at 13:13

  17. Hallo Blogolade,

    „“Der Durchschnittsjunk lebt und arbeitet wie du und ich” Jep. Er konsumiert auch nur in der Freizeit, nie so viel dass er vollgedröhnt ist und er führt danach keine Maschinen oder Fahrzeuge mehr bis das Zeug komplett abgebaut ist und er wieder Herr aller Sinne ist. Super. Toll. 🙂 Finde ich großartig, ehrlich. Nur irgendwie nicht realistisch.“

    Nunja, ist es aber.

    Ich will hier nicht zu krawallig auftreten, aber das sind Tatsachen. Das was du äußerst sind eben die typischen Vorurteile, die einfach nicht zutreffen.
    Ich würde mir wünschen, dass sich die Menschen mit so vorgefestigten Meinungen einfach mal informieren.

    Die oben verlinkte Studie ist schonmal eine Möglichkeit, sehr informativ war aber auch ein Artikel der FAS von vor ein paar Wochen:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/legalitaet-als-letzter-ausweg-machen-wir-frieden-mit-den-drogen-11734267.html

    mia

    10. Juli 2012 at 17:19

  18. achso, und nochmal zum „Artikel“ generell:

    Es geht sicherlich nicht darum, jedem, der gerade mal Lust auf eine Substanz hat, den Zugang in Supermärkten zu ermöglichen.

    Und ich finde es sehr schade, dass du, medizynicus, nachdem du diese kurze Polemik gebloggt hast, dich überhaupt nicht mehr zu unseren Kommentaren äußerst, denn deine Meinung als Arzt würde mich ganz besonders interessieren.

    mia

    10. Juli 2012 at 17:25


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