Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Neue Medikamente gefährden Ihre Gesundheit

with 7 comments

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!
Was aber ist, wenn der auch nicht weiter weiß? Weil es sich nämlich um ein Medikament handelt, welches erst ziemlich neu am Markt ist und noch relativ unerprobt?
Bevor ein neues Medikament zugelassen wird, müssen hohe Hürden überwunden werden. Für die Hersteller ist das natürlich mit hohen Kosten verbunden – und die müssen wieder eingespielt werden. Horden von Pharmareferenten sind unermüdlich zugange, uns Ärzten die Vorteile der neuen Medikamente anzupreisen – die Nachteile muss man mühsam selbst herausfinden.
Und deshalb sind neue Medikamente viel riskanter als alte, bewährte Präparate, meint Günther Jonitz, der Präsident der Berliner Ärztekammer. Er schlägt deshalb vor dass neue Medikamente als solche gekennzeichnet werden sollten.
Beispiel gefällig?
Vor etwa zwei Jahren wurde Dronedaron – ein Mittel gegen Herzrhythmusstörungen – heftigst auf den Markt gedrückt. Jetzt ist es quasi wieder verschwunden: kaum Vorteile gegenüber dem altbewährten, wenn auch etwas angestaubten und umständlich zu handhabenden Amiodaron, stattdessen hohes Risiko.
Ein weiteres Beispiel ist Dabigatran. Das Mittel hemmt die Blutgerinnung und soll das bewährte, aber ebenfalls schwierig zu handhabende Marcumar bzw. Warfarin ersetzen. Es ist achtzehnmal so teuer und wohl doch nicht so sicher, wie von den Herstellern behauptet.
Ob Herr Jonitz demnächst von einem wütenden Mob aus Pharmareferenten gelyncht werden wird?

Advertisements

Written by medizynicus

18. November 2011 um 22:38

7 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Unsere Ärzte waren ganz heiß auf Pradaxa…Die haben sich gefreut wie die kleinen Kinder als sie es bestellen durften, gerade weil es so teuer ist und man sich eine Wunderwirkung davon versprach. Seit dem schlucken es eine Menge Pat. auf der Kardio. Ich würde sagen da hat die Propagandamaschinerie der Pharmaindustrie sehr gut gewirkt. Komplikationen sind jedoch noch nicht aufgetreten…

    hochiminh

    18. November 2011 at 23:01

  2. Unsere Gesellschaft steckt momentan doch selbst mitten im Aktualisierungswahn. Aus einem Buch wird ein Kindel 😉 und aus einem guten bewährten Medikament wird ein minimal besseres zu einem weitaus höheren Preis. Ich verstehe die Pharmakonzerne sehr gut…zum einen laufen Patente aus und man sieht seinen Gewinn schon durch Generika einbrechen und zum anderen ist es sau schwer ein neues Medikament auf dem umkämpften Markt zu bringen. Um dann noch Gewinne zu erzeugen und Rendite hungrige Aktionäre befriedigen zu können, müssen halt die „Vorteile“ immens in den Himmel gehoben werden auch wenn dem nicht so ist…weiter werden Risiken „klein“ gehalten und Ärzte schlecht informiert, daraus ergibt sich ein gutes Potenzial als Patient das Nachsehen zu haben. Oder sehe ich das falsch?

    Pharmax

    18. November 2011 at 23:35

  3. Bei der Pille ist es lustigerweise anders. Die Pharmafirmen werben mit ihrer tollen neuen Verträglichkeit, den „natürlichen“ Hormonen und so weiter und schwupps, gibts reichlich Anwenderinnen für bisher unerprobte Medikamente. Auch, weil die erste Packung fast immer eine Musterpackung ist und die Anwenderin danach nur noch Folgerezepte holt. In meiner 6 jährigen Pillenzeit habe ich nicht einmal erlebt dass der Arzt bei der Kontrolle gefragt hätte, ob und wie ich die Pille vertragen habe.
    So bringt man Medikamente unter die Leute (ich denke das ist nirgends so einfach wie bei hormoneller Verhütung)

    Blogolade

    19. November 2011 at 08:53

  4. ich habe vor kurzem einen krimi gelesen, in dem neue medikamente ein thema waren.
    wenn nur der bodensatz von dem geschrieben wahr ist, na dann danke…

    folgendes buch; wolfgang schorlau – die letzte flucht
    http://www.amazon.de/Die-letzte-Flucht-Denglers-sechster/dp/3462042793/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1321745829&sr=8-1

    abacab

    20. November 2011 at 01:41

  5. Das neue Medikamente ein größeres Risiko mit sich bringen als ältere stimmt sicher. Und einige von ihnen musste ja zu Recht auch wieder verschwinden….z.B. Rosiglitazon, welches Hundertausende von Diabetikern gefuttert haben und eine Häufung kardiovaskulärer Ereignisse erfuhren, obwohl die Evidenz für das gute alte Metformin tausend mal besser war!

    Das aktuelle PRADAXA-Bashing des Spiegels halte ich dennoch für fatal. Man kann nur hoffen das Tante Käthe und Oma Lieschen jetzt nicht panisch Pradaxa abgesetzt haben. Denn zum AKTUELLEN Zeitpunkt scheint Pradaxa nach wie vor wirksam und sicher….eine abschließende Bewertung ist aber sicher erst in einigen Jahren möglich. Natürlich führt Pradaxa auch zu Blutungen – wie JEDER „Blutverdünner“. Aber was ist denn die Alternative? Man muss ich folgendes fragen:

    – Wer nimmt denn Pradaxa?
    In der Regel ältere Personen mit einer ernsthaften Erkrankung (Vorhofflimmen, Schlaganfall)

    – Was ist die Alternative zu Pradaxa?
    a) Kein Pradaxa.
    Folge: bei Vorhofflimmen z.B. 5-fach erhöhtes Schlaganfallrisiko mit all den Folgen……

    b) Aspirin. Bei der Indikation Vorhofflimmern kaum ein Nutzen bzgl. des Verhindern von Schlaganfällen….

    c) Marcumar. Auch hier gibt es als „Nebenwirkung“ Blutungen, mitunter auch tödliche. Entsprechend der aktuellen Datenlage jedoch MEHR (!) als wenn man Pradaxa einnimmt ( Zulassungsstudie (RELY®) mit 18.000 Patienten):
    – tödliche Blutungen: 0,33% der MARCUMAR-Patienten innerhalb eines Jahres
    – tödliche Blutungen: 0,23% der PRADAXA-Patienten innerhalb eines Jahres Pradaxa (150mg 2x täglich)

    In der Presse ist davon aber nicht dir Rede!!! Wenn „an Pradaxa 260 sterben“, bei Weglassen von Pradaxa aber beispielsweise 500 nen Schlaganfall bekommen und an der Alternative (Marcumar) 300 verblutet wären, dann ist meiner Meinung nach nix gewonnen (diese Zahlen sind nur beispielhaft!)….

    NeuroDoc

    20. November 2011 at 11:23

  6. Pharmareferenten lynchen niemanden, sie betäuben mit dem Duft ihres Rasiewassers und führen einem dann Medikamentenproben ein. Oben, unten und in die Nase.

    merdeister

    20. November 2011 at 20:55

  7. @Blogolade: echt? ich nehm seit 4 jahren jetzt die pille (die unterbrechung mal rausgerechnet) und ich wurde IMMER von den aerztinnen rein gerufen und gefragt, wies mir damit geht und ob ich die vertrage, ob mir irgendwas aufgefallen ist, oder ob ich sonstige probleme hab..

    Ich

    20. November 2011 at 22:59


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: