Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Schnauzbart und Ärztepfusch

with 8 comments

Düdeldüdel.
„Gespräch von draußen,“ sagt die tonlose Stimme unseres Pförtners, „ich verbinde!“
Dann knackt es in der Leitung.
„Hall0?“
Erneutes Knacken und Rauschen.
„Hallo?“
„Wer is’n da?“
„Guten Abend, hier ist das Kreiskrankenhaus Bad Diongenskirchen, Sie sprechen mit dem Dienst habenden Arzt, mein Name ist…“
„Sind Sie das Arschloch, das wo meine Frau versaut hat?“
Äh, wie jetzt? Am besten tief durchatmen!
„Könnten Sie mir vielleicht netterweise Ihren Namen verraten?“
„Mein Name tut nichts zur Sache. Meine – ähem – Frau heißt Natascha!“
„Hat Ihre – ähem – Frau auch einen Nachnamen?“
„Wir waren letzten Freitag da. Sie hatte eine Platzwunde auf der Stirn. Die ist jetzt total vereitert. Das geht so nicht weiter! Sie kann so unmöglich arbeiten. Wissen Sie, was das heißt?“
Ich muss schlucken.
„Daß sie für ein paar Tage krankgeschrieben ist?“
Hohles Lachen am anderen Ende der Leitung. Und ich glaube, ich weiß jetzt, wer das ist: Da war was am letzten Freitag, Sarah hat mir von der Sache erzählt. Nicht mehr ganz so junger Typ mit Schnauzbart in Begleitung einer sehr jungen, sehr schönen Frau. Der Typ hat Sarah ziemlich blöde angemacht und Kalle ist dann in die Bresche gesprungen und hat die chirurgische Wundversorgung fertig gemacht.
„In unserem Metier gibt’s keinen Krankenschein!“ bellt er ins Telefon.
„Und was möchten Sie jetzt?“
„Sagte ich doch!“
„Was möchten Sie meinem Kollegen…“
„Dem Arschloch!“
„Was möchten sie meinem Kollegen denn sagen?“
„Dass er meine Frau versaut hat!“
„Und?“
„Dass ich ihn anzeigen werde! Und die Presse auf den Hals hetzen tu ich Euch, das geht ja nich, jeden Tag stirbt jemand wegen Ärztepfusch und…“
Ich atme tief durch.
„Herr Schnauzbart, ich werde Ihre Anregung an unsere Beschwerdeabteilung weiterleiten. Ich danke Ihnen für dieses Gespräch!“
Rote Taste drücken und jetzt erstmal ’nen Kaffee trinken.

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Written by medizynicus

24. November 2011 um 21:49

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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8 Antworten

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  1. Beschwerden werden nur mittwochs an Vollmond zwischen 11:30-11:31 nach schriftlicher Voranmeldung im Zimmer 13 persönlich angenommen?

    Der Maskierte

    25. November 2011 at 10:48

  2. Was mir am meisten sauer aufstößt: „meine“ Frau…

    Mercator

    25. November 2011 at 18:58

  3. Wird Zeit, dass sich die Leute selbst um sowas kümmern – dank google, wikipedia, Bunte, Apothekenumschau oder Tante Erna wissen sie eh alles besser als der Arzt… Lasst uns die Notaufnahmen, Krankenhäuser und Praxen einfach mal für eine Woche schließen. Vielleicht bringt das die Patienten wieder auf den Boden der Tatsachen!

    Antje

    25. November 2011 at 21:06

  4. Das ist der Nachteil an unserem Beruf.

    Hoffentlich wird das Klonen von Menschen bald durchgesetzt dann könnte ein Arztbesuch der Zukunft vielleicht so aussehen:

    „Herr Mayer, wir können ihre Frau leider nicht mehr retten aber wenn sie mal mit mir in den Austellungsraum kommen würden, dann können sie sich gleich eine neue aussuchen inkl. jährlicher Wartung und 2 Jahre TÜV + AU sind auch gleich dabei, selbstverständlich übernimmt die Krankenkasse diese Kosten, ist ja normal“

    Tobi^

    26. November 2011 at 02:00

  5. dann könnte man die ärzte gleich mitklonen und dadurch ausgebranntes personal ersetzen .. das wär ja mal praktisch – vielleicht könnte das dann am ende zu besserer laune bei krankenhauspersonal führen

    jan

    28. November 2011 at 11:12

  6. ob mann das auch gegen dummheit verwenden kann ? so wenn man nach ein paar jahren oder jahrzehnten feststellt das jemand über alle maasen bescheuert ist? so wie mein sachbearbeiter bei der krankenversicherung dem ich jetzt erstmal zum 10. mal einen antwortbrief auf die immergleiche frage schicken musste?

    jan

    28. November 2011 at 13:07

  7. oh mann, warum mache ich mir eigentlich so viele gedanken, wie ich meine beschwerde an die hiesige chirurgische ambulanz am besten formulieren? einfach anrufen, rummaulen und mit presse und sonstwas drohen… wozu jedes wort dreimal abwägen, wenn es doch so einfach geht 😕

    silberträumerin

    28. November 2011 at 15:55


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