Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Wie kommt Frau Schröder ins Krankenhaus? (Teil 2)

with 8 comments

Frau Schröders Tochter wirft ihrem Ehegesponst einen bösen Blick zu.
„Also, die Pflegerin meinte, Mutter sieht heute so komisch aus!“ sagt sie.
„Mutter wird nämlich dreimal am Tag vom Pflegedienst versorgt!“ fügt das Ehegesponst hinzu.
„…und am Freitag Nachmittag, ist da eine neue Schwester gekommen. So eine ganz Junge. Die hat gesagt, sie macht sich Sorgen. Und da haben wir natürlich Angst gekriegt!“
Ich nicke den Beiden aufmunternd zu.
„Ja, und dann haben wir natürlich den Doktor angerufen. Aber da lief nur das Band. Wir haben es dann später nochmal versucht, aber da war die ganze Zeit über besetzt. Und am Abend war dann nur noch der Notdienst zuständig. Da haben wir dann angerufen und eine halbe Stunde später ist ein Doktor gekommen.“
„Aha, und der Notdienstdoktor hat sie dann zu uns eingewiesen?“ frage ich. Kenne wir doch. Klasische Geschichte.
„Also, der war wirklich nett. Der hat sie genau untersucht und sich lange mit uns unterhalten. Ich habe ihm gesagt, dass wir uns Sorgen machen. Da hat er dann endlich den Krankenwagen gerufen.“
„Das heißt, er wollte sie erst gar nicht einweisen?“
Die ergraute Tochter beantwortet meine Frage nicht.
„Also ich meine, Mutter hätte doch sterben können, oder was meinen Sie, Herr Doktor?“
Der Herr Doktor meint erstmal gar nichts.

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Written by medizynicus

1. Dezember 2011 um 08:25

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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8 Antworten

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  1. Geht die Uhr von WordPress falsch oder kann ich in die Zukunft schauen? Es ist jetzt 7:30 Uhr und der Artikel wurde 8:25 veröffentlicht 😉

    delfinstern

    1. Dezember 2011 at 08:31

  2. @delfinstern: nö, nix mit in die zukunft schauen. der herr doktor weigert sich nur, an der zeitumstellung teilzunehmen 😉

    silberträumerin

    1. Dezember 2011 at 08:42

  3. Wer an Zeitumstellung glaubt, kann doch gleich zur Hokuspokuskristallmedizin greifen. 😉

    Der Maskierte

    1. Dezember 2011 at 10:29

  4. Wann kommen denn endlich die Satzteile „…nicht kümmern können…“ und „…wo wir doch morgen in Urlaub fahren…“?

    Mr. Gaunt

    1. Dezember 2011 at 22:00

  5. warum hat eigentlich keiner verstaendnis fuer die angehoerigen? es ist nunmal anstrengend sich um nen dementen zu kuemmern und heime kosten auch geld. und wenn man dann wenigstens einmal in 5 jahren in den urlaub will, kann ich das verstehen. natuerlich ist das traurig, aber so ist es halt.

    Ich

    1. Dezember 2011 at 22:36

  6. du findest es also okay, wenn unter anderem meine Krankenkassenbeiträge dafür verwendet werden, dass du in den Urlaub gehen kannst und deine Oma/Mama/Opa/Papa undsoweiter für dich maximal kostengünstig im Krankenhaus gepflegt werden? Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass man Urlaub machen möchte, aber dafür gibt es z.B. Kurzzeitpflegen!
    Ich darf gar nicht anfangen mich zu ärgern…

    LineofFire

    2. Dezember 2011 at 12:57

  7. @Ich: Doch, aber nicht für die peinlichen Spielchen und Vorwände, jemanden in das Krankenhaus abzuschieben.
    Es gibt reguläre Möglichkeiten zur Kurzzeitpflege, gerade wenn Angehörige sich einen Urlaub gönnen wollen oder vielleicht sogar wegen der Belastung müssen. Aber das muss man ja planen, es kostet etwas Geld und gibt Ärger mit der Oma, weil sie sich abgeschoben fühlt. Da ist so eine kleine spontane Krankenhauseinweisung doch viel einfacher und geht komplett auf Kosten der Allgemeinheit.

    Mr. Gaunt

    2. Dezember 2011 at 18:37

  8. Ach, ja..fängt die Christkinder Zeit bei den Internisten wieder an???

    blogwesen

    5. Dezember 2011 at 02:54


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